Ein Europa, nicht vom kleinen Bergvolk getrieben

Mann mann mann.  Da dachte ich noch, als Seehofer endlich nicht mehr CSU-Chef war: Das hätten wir überstanden.  Und jetzt dreht er als Heimatminister dermaßen leer, daß einem der Herr Trump dagegen nahezu vernünftig vorkommt.  An der Grenze abweisen lassen will er alle anderswo in der EU bereits registrierten Flüchtlinge, gegen den erklärten Willen der Kanzlerin, die ja immerhin seine Chefin ist und die Richtlinien der Politik auch seines Ressorts vorgibt.  Und wenn keiner von beiden bis Montag noch umkippt, könnte dabei sogar ein Koalitionsbruch rauskommen: Seehofer setzt seinen „Masterplan“ per Ministererlaß durch, Merkel feuert Seehofer, und die CSU haut in den Sack.  Neuwahlen!  Party bei den Nazis von der AfD, besser wäre für die nur noch ein Merkel-Rücktritt.  Und dann?

Wenn die CDU schlau ist, gründet sie dann ganz schnell einen bayerischen Landesverband und tritt getrennt von der häßlichen schwarzbraunen Schwesterpartei in ganz Deutschland an.  Das wäre ein Kraftakt, sicher, aber auch erheblich einfacher zu wuppen als dasselbe für die CSU in den restlichen 15 Bundesländern.  Und egal, ob jene dann an der 5%-Hürde scheitert oder nicht: sie kann dann in ganz Deutschland schön der AfD Stimmen wegnehmen — teile und herrsche, wissenschon —, während die CDU keinen rechtsnationalen Klotz mehr am Bein hat, der sie bei Jamaika- oder Wasauchimmer-Koalitionsverhandlungen ausbremsen kann.

Natürlich stellt sich dann eine Spitzenkandidatenfrage, bei der so einige ziemlich belämmert aus der Wäsche kucken werden.  Schon wieder Merkel? Wenn nicht, wer dann? Und Nahles? Ernsthaft?  Aber egal, das sei erstmal deren Problem, darüber mach ich mir keinen Kopp — denn so richtige Sympathieträger kann ich in der ganzen Bande ohnehin keine mehr ausmachen, also ist auch eher wurscht, wessen Visage dann von den Plakaten grinsen muß.

Doch, ich glaube, mir gefiele das gut.

Mal sehen, woran diese hoffnungsvolle Vision scheitern wird.  Denn daß es so kommt — nein, den Glauben habe ich schon vor Jahrzehnten verloren.  Aber man wird ja noch träumen dürfen, oder?

Nicht stürzen

So Warnhinweise auf Paketen haben ja immer was Neugierde-Induzierendes, finde ich.  Nicht stürzen!  Vor Nässe schützen!

Stimmt, denkt man sich, ich hatte ja Verdünnung bestellt.  Hm, eigenartig, vor Nässe schützen?  Na vielleicht geht ja das Etikett sonst ab.  Und nicht stürzen, eh klar, soll ja nich raussuppen, wenn der Deckel mal undicht wird.

Obwohl … hm.

  Jo.  Is‘ klar, näch.

Keine Sternstunde

Ich vermeide es ja gemeinhin, hier über Donald Trump zu lästern, denn besonders kreativ ist das ja nun nicht.  Aber keine Regel ohne Ausnahme!

„Er werde seine Handelspolitik beibehalten, bis keine Mercedes-Modelle mehr auf der Fifth Avenue in New York rollten, habe der US-Präsident im April beim Besuch des französischen Präsidenten Emmanuel Macron gesagt.“  Sagensemal, Herr Trump — gilt das auch für die Modelle C, GLE nebst „Coupé“ und GLS?  Die werden nämlich in Tuscaloosa, Alabama, hergestellt (die C nur für den nordamerikanischen Markt, die GLE und GLS alle).

Aber es stimmt schon, was dumpf Donald so beklagt: es ist einfacher für deutsche Hersteller, Autos in die USA zu verkaufen, als umgekehrt.  Daß das freilich auch ein klein bißchen an den Autos liegen könnte und nicht nur an den Zöllen, auf die schlaue Idee ist der Herr Trump anscheinend noch nicht gekommen.

Das war ja auch nicht immer so: kaum waren die Karren mal einigermaßen vernünftig (Dodge Neon, Chrysler Voyager, Pontiac Trans Sport, der zweite Jeep Cherokee) oder zumindest von weitem irgendwie ein bißchen cool (Chrysler PT Cruiser, Chrysler LeBaron, schonwieder Pontiac Trans Sport), schon konnte man sie auch in Europa an den Mann bringen.  Derzeit geht das aber mangels Angeboten in Europagrößen nur mit überdimensionierten Schwanzverlängerungen, also den sogenannten „Pony Cars“ Ford Mustang, Dodge Challenger und Chevrolet Camaro, und natürlich mit Jeeps und fetten Pickups — Marktsegmente, die hier gottseidank noch einigermaßen übersichtlich sind, den Spritsteuern sei es gedankt.  Da kann aber doch Europa nix für!  (Okay: für die Spritsteuern schon.)

Und daß die von Trump so innig geliebten heimischen Hersteller auch massenhaft Importwagen aus Mexico, China, Kanada in den USA verkaufen — irgendwo las ich, sogar mehr als die „Importhersteller“ —, ob Trump das weiß?  Man möchte es bezweifeln.

Wer sich über so ein Gebrabbel auch so ärgert wie ich, für den hätte ich jedenfalls eine passende Antwort parat: Keinen GLE, GLS oder auch BMW X3 bis X7 (denn die kommen aus Spartanburg, South Carolina) kaufen.  Ist sowieso eine gute Idee, auch so für den Planeten an sich.  (Audis Spritfresser (SUFF) kommen übrigens aus Spanien, Tschechien und Mexico.  Gute deutsche Wertarbeit allenthalben.  Ford und die ganzen US-Marken verbieten sich eh.  Opel geht aber inzwischen wieder, das gehört den Franzosen, nur der Ampera-e wird noch in den USA gebaut.  Und VW?  Die bauen in den USA nur Karren, die sie auch nur dort verkaufen: den hier nahezu unverkäuflichen und deswegen auch aus dem Programm genommenen Jetta, den für Amerika größer und billiger gemachten Passat und natürlich das fette SUFF namens Atlas.)

Für die Fifth Avenue aber Entwarnung: so ein Mercedes hält, auch heutzutage, ja immer noch deutlich länger als ein US-Präsident.

Datenschutz gilt nur für die anderen

Tjaja, schon was unglücklich, das Timing.  Genau zur Hochzeit der Debatte um die Datenschutzgrundverordnung (die auch hier schon Spuren hinterlassen hat, siehe rechts oben im Menü) polterte die Meldung rein, daß der Internetknoten DE-CIX in Frankfurt sich gegen massenhaftes Datenschnorcheln des BND gerichtlich zur Wehr setze.  Und alle so: Moment, das ist doch Jahre her?  Ja, schon, aber aufgehört hat es seitdem anscheinend nie.

Ich möchte kurz darauf hinweisen, dass „der BND schnorchelt am DE-CIX immer noch alles ab“ letzte Woche noch eine paranoide Verschwörungstheorie war.

Eine weitere Verschwörungstheorie, die sich als wahr herausgestellt hat.

(Fefe)

Und heute kommt die Meldung, das Bundesverwaltungsgericht habe die Beschwerde abgelehnt.  Das ging ja verdächtig fix, wenn man bedenkt, wie lange so manch Urteil, das weniger Millionen Menschen betrifft, mitunter so auf sich warten läßt.  Und natürlich läßt das Bundesverwaltungsgericht auch keine Rechtsmittel gegen die Entscheidung zu.

Und jetzt denk ich mir so: na, ob da nicht vielleicht irgendwer aus Berlin den Leipziger Richtern ein wenig den rechten Weg gewiesen haben mag?  Aber natürlich ist das auch nur wieder eine paranoide Verschwörungstheorie.

Es gibt so Tage, da will man das Internet-Zugangsgerät am liebsten in den nächsten Teich schmeißen, wenn man es schon nicht dem BND durchs Fenster pfeffern kann.

Der Freitagstexter in Not

Tja, und schon wieder finden sich keine Textvorschläge, so daß auch Axel den Einsendeschluß für den neuen Freitagstexter auf nächsten Dienstag verlängern mußte.  Was ist los, Leute?  Keine Lust mehr?  Bei der Hitze zerflossen?  Im Hochwasser weggeschwemmt?  Es wäre doch schade, wenn eine mindestens 13 Jahre alte Tradition ausstürbe, nur weil mal ein paar Leute gewonnen haben, deren Blogs keiner liest … (und damit meine ich auch dieses, was diesen Hilferuf zugegebermaßen leicht ins Absurde abgleiten läßt, aber so ist das Leben).

Also nochmal: bitte in diese Richtung!

Freitagsnexter -->

Gehen Sie nicht über Los.  Die 4000 Mark, die Sie da einziehen könnten, sind eh kaum noch was wert heutzutage.

Das Reh

Das Reh springt hoch, das Reh springt weit —
mir vor die Karreh, tut mir leid.
Ein lautes Quietsch, ein Donk, ein Knirsch,
so klingt ein Käfer auf der Pirsch.
Waidwundes Blech und totes Tier —
das wollt ich nicht, so glaubet mir!

Und ist das Reh auch bald verdaut,
der Käfer noch geknickt dreinschaut.
Die Kasko zahlt, so man sie hat —
wenn nicht, steht’s auf nem and’rehn Blatt.

Volkswagens leichter Silberblick
bringt die Erinnerung zurück
an Zeiten, da des Käfers Schwingen
dem Schrotter grad nen Zehner bringen.

Doch heute sind’s der Stellen mehr,
mein Konto noch wie einst so leer,
und Aufschub duld’t die Sache kaum,
steht doch ein TÜV-Termin im Raum.
Kurz: Käfer krumm, doch Sparbuch blank,
weshalb ich bei der Drehsdner Bank
um nen Krehdit nachfragen gehe.
Solch Not dank suizidaler Rehe!

Dies ist eine Rehkonstruktion eines online nicht mehr aufgefundenen Machwerks, das ich vor Jahrzehnten mal irgendwo postete und nicht mehr weiß wo.  Die erste Zeile ist natürlich weithin bekannt, die zweite lautet in der allgemein zitierten Fassung (die natürlich Heinz Erhardt zugeschrieben wird, aber das muß ja nix heißen) ,,warum auch nicht, es hat ja Zeit“.  Ich habe meine Version für diese Rehpublikation etwas rehdigiert und erweitert.  Denkt Euch am besten nix dabei.  Aber wenn jemand einen Link zum Orehginal oder zu meiner damaligen Version weiß — ich würde mich drüber freuen!

Freitagstexter IV: Pokalverleihung

Huch!  Verdammt.  Sowas kommt von sowas: nu hab ich die Prämierung meines abgabefristverlängerten Freitagstexters römisch vier selber verpennt.  Naja, Überraschungen gibts eh nicht, der Pokal geht ein weiteres Mal an Axel; diesmal muß ich mich dafür aber noch weniger rechtfertigen als sowieso schon, denn wenn sonst eh keiner mitmacht …

Nicht groß bekannt ist, daß Otto Waalkes, bevor er anfing, Ottifanten zu zeichnen, bei einem holländischen Kaffeehändler für das Design der Firmenfahrzeuge zuständig war. Allerdings konnte man damals schon sein Faible für putzige Rüsseltiere erahnen.

Ein genauso niedlicher Text wie das Fahrzeug, finde ich.  Des Christophs außerkonkurrenzlicher Beitrag „Rüsselsheimer Bohnensuppe“ gefiel mir aber auch.  Zweimal um die Ecke gedacht in zwei Wörtern, das muß man auch erstmal hinkriegen.

Achja, der Pott.  Fast vergessen.  Meine Beine sind grau, meine Ohren sind müde, mein Haar ist alt und gebeugt …

… wenigstens der Pokal glänzt wie eh und je!

Naja, weiter geht’s jedenfalls am Freitag, also morgen *hüstel*, beim Axel auf noone.org.  Vielleicht kann er ja auch mal ein paar mehr Mittexter motivieren … *zaunpfahlwiederwegpack*

Hättich sonst nicht erkannt

Aus der Abteilung „so weit, so offensichtlich“:

Tender auf Abstand

Nein, das ist kein Beitrag aus meinem anderen Leben bzw. Modellbahn-Blog, der versehentlich hier gelandet ist.  Sondern der Betreff einer Mail, die bei mir natürlich genau diese Assoziation hervorrief: daß es um den Abstand zwischen (Dampf-)Lokomotive und (Schlepp-)Tender gehe.

Doch weit gefehlt: es geht um meine Strumpfbedürfnisse!

TENDER auf Abstand

Liebe
Wir Agri-Food-Produkte der Discounter und wir wollen wissen, wenn Sie irgendwelche Strumpf Bedürfnisse haben.
Wir nehmen Ihre Aktien und verkaufen sie für den Export, Afrika, Ost-Länder
Als Spezialist der Transaktionen und den Abruf der Logistik.
Unsere Firma <Name gelöscht> hat viel Erfahrung auf dem Gebiet der Lagerabbau von Artikeln Endziel Öffentlichkeit.
Schnelle Entführung (innerhalb von 8 Tagen) auf unsere Kosten
Die finanzielle Unabhängigkeit, die eine schnelle Transaktionen erlaubt
Wenn Sie Bedarf Lagerabbau , senden Sie uns eine Liste und Ihren Tarif.
Für weitere Informationen, kontaktieren Sie uns bitte.

Als freie Prosa durchaus nicht erfolglos bei der Humorigkeit, das muß man der Übersetzungsmaschine schon lassen.  „Wir nehmen Ihre Aktien und verkaufen sie für den Export“, den Teil glaube ich ihnen sogar.  „Schnelle Entführung auf unsere Kosten“?  Nee, den nicht.  Man muß ja nicht gleich das Schlimmste denken.

Aber wenn man schon mit „Endziel Öffentlichkeit“ agiert — ist es echt so schwer, einen Muttersprachler zu finden, der mal drüberlesen kann?  Oder einfach mal einen guten Online-Übersetzer zu benutzen?  Der französische Originaltext stand freundlicherweise dabei, da konnte ich gleich mal ein Experiment anschließen und meinen Lieblingsübersetzer DeepL bemühen.  Und siehe da:

ANGEBOTE auf Déstockage aufrufen

Madam, Sir,
Wir sind Lebensmittel-Discounter und möchten gerne wissen, ob Sie einen Bedarf an Lagerabbau haben.
Wir nehmen Ihre Bestände zurück und verkaufen sie für den Export, Afrika, die östlichen Länder.
Als Spezialist für Transaktions- und Lagerlogistik.
Unsere Firma <Name gelöscht> hat viel Erfahrung auf dem Gebiet des Lagerabbaus von Artikeln für die Endverbraucher.
Schnelle Entführungen (weniger als 8 Tage) auf unsere Kosten
Eine Finanzautonomie, die schnelle Transaktionen ermöglicht.
Wenn Sie Bedarf an Lagerabbau haben, senden Sie uns eine Auflistung und Ihre Preisliste.
Für weitere Informationen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Bis auf die Entführungen, im Original „enlèvements“, was laut LEO auch, aber eben nicht nur „Abholungen“ bedeuten kann und hier offensichtlich auch tut, schon viel verständlicher.  Um nicht zu sagen: erstmals verständlich.  „Déstockage“, im Betreff nicht automatisch übersetzt, im Fließtext aber schon, scheiterte nur am großen D — mit einem kleinen wird die Überschrift zu einem perfekten „ANGEBOTE zum Lagerabbau einholen“.

Nun bin ich leider gottseidank überhaupt gar kein Lebensmittelhändler und habe also nix von diesem neugewonnenen Verständnis dafür, was diese Leute eigentlich von mir wollen.  Aber zumindest hatte ich so mal Gelegenheit, die Links zu meinem Lieblingsübersetzer und meinem Lieblingswörterbuch unter die Leser zu bringen.

Und sollte ich jemals irgendwelche Strumpf-Bedürfnisse haben, ich Ferkel, werde ich mich natürlich gern an den Absender wenden.

Freitagstexter IV

Schon wieder ein Freitag, schon wieder ein Freitagstexter!  Als „intimer Kenner der 2CV-Szene“ (ja, Axel, Du darfst lachen) fiel es mir anscheinend leicht, des Bebals Bild fachgerecht zu kommentieren.  Ich glaube ja eher, daß es an der mangelnden Beteiligung lag, daß ich den Pott schon wieder abgestaubt habe, aber egal.

Wir machen jedenfalls diesmal nix mit Enten, und intime Kenner der Bulliszene lesen hier glaubich auch keine mit, obwohl, vielleicht halten sie auch nur die Klappe.  Mal sehen, ob ich sie aus der Reserve locken kann hiermit:

Auch diesmal geht’s nicht ohne Regeln, aber es sind immer dieselben: Wer ein Blog hat oder eins kennt, in dem er Gastartikel schreiben darf, der darf mitmachen (alle anderen auch, aber sie haben keine Chance auf dem Pokal).  Dazu einfach einen Bildtext ausdenken — der muß nicht zwingend lustig sein, aber meist werden sie es dann doch.  Und auch alles andere, ob nun Thema, Länge, Versmaß oder Wirrheit, sind egal. Nicht egal ist die Adresse des Blogs — dafür gibt es in den Kommentaren das Feld „Webseite“.

Der Ausrichter des dieswöchigen Wettbewerbs, jetzt also mal wieder ich, prämiert dann irgendwann nach Dienstagmitternacht streng subjektiv und garantiert nicht einklagbar den Sieger — und jener muß darf hat die Ehre muß dann am darauffolgenden Freitag im eigenen Blog einen neuen Wettbewerb gleicher Art ausrichten.

So lasset die Spiele beginnen!

Hinweis: Da lange keine Kommentare kamen, hatte ich die Abgabefrist bis Dienstag, den 22. Mai, 24:00 MESZ verlängert. 

Verklickt? Pech gehabt.

Bekanntlich kann man bei der elektrischen Bucht ja seinen Handelspartner bewerten — positiv, neutral oder negativ, zusätzlich als Käufer auch noch mit je ein bis fünf Sternen für Artikelbeschreibung, Versandkosten, Lieferzeit und Verkäuferkommunikation.  Und wie das so ist: obwohl druntersteht, daß einmal abgegebene Bewertungen nicht mehr zu ändern seien, ist es mir dann neulich doch passiert, bei einer positiven Bewertung versehentlich viermal einen Stern vergeben zu haben statt derer viermal fünf.

Naja, denkt man sich.  Schreibste denen halt ne Mail, das wird sich ja lösen lassen.

Als Antwort kam eine automatische, völlig unformatierte Bleiwüste ohne innewohnenden Erkenntnisgewinn.  Aber es gibt ja noch die Hilfeforen.  Denen entnahm ich mit etwas Rumsuchen, daß der Käufer da leider nix machen könne außer, wie ich es sofort getan hatte, die abgegebene Bewertung nochmal erklärend zu kommentieren — daß aber der Verkäufer eine Überarbeitung der Bewertung beantragen könne, woraufhin ich die Chance bekäme, den Fehler zu korrigieren.

Dieses habe ich dann also per Nachricht den Verkäufer gebeten zu tun.  Mit nur einem Teilerfolg: er tat, allein das System lehnte diesen seinen Antrag ab.  Ohne Angabe von Gründen.

Es folgte eine Exkursion ins Menüsystem der Online-Hilfe, bis ich den Themenpunkt „Bewertungen abgeben und erhalten“ gefunden hatte (ohne Thema gibt’s keine Telefonnummer).  Und das Ergebnis des längeren Gesprächs mit der (immerhin freundlichen) Kundenberaterin?

Eine Änderung ist leider nicht möglich.

Weil es ja schon eine positive Bewertung sei, warum solle man die ändern?

Tja, lieber Verkäufer, tut mir leid.  Ich hab’s versucht.  Und verstehen muß ich das eh nicht — das wäre ein einziges Datenbankupdate, wer ich bin und um welchen Artikel es geht weiß die Website eh, vermutlich könnte ich die Funktionalität schneller einprogrammieren als herausfinden, daß es sie nicht gibt.

Drecksladen.

Zuviel Salz ist ungesund

Hach, die Qual der Wahl:

Geröstet & gesalzen.  Hmmmm, lecker!  Aber zuviel Salz ist ungesund, sagt man, und hey, pikant gewürzt klingt ja auch nicht schlecht.  Tun wir uns also was Gutes, verzichten auf die bevorzugte Geschmacksrichtung (klar, sicher, auf die ganzen Cashews zu verzichten wäre natürlich noch gesünder, aber wir wollen ja nicht übertreiben) und schnabulieren mal salzarm.

Ja.  Da hab ich ne kleine Überraschung parat:

„Pikant gewürzt“ enthält nicht nur genausoviel Salz wie „geröstet und gesalzen“ (wie, spätere Stichproben in anderen Läden ergaben’s, es bei den meisten anderen Anbietern der Fall ist), nein: „Pikant gewürzt“ enthält fast dreimal so viel Salz wie „geröstet und gesalzen“!  Und ja, das schmeckt man auch — selbst für mich bekennenden Salzjunkie schmecken die „pikanten“ Dinger hart an der Grenze zu versalzen.

Also immer schön aufs Kleingedruckte achten!

Vittel? Ham wa nich da.

Ich wußte gar nicht, daß „Vittel“ tatsächlich eine Mineralquelle ist und nicht nur eine Marke (wie übrigens, auch erst gerade gelernt, auch Évian, das Wasser für Naive, wie es schon in umgekehrter Reihenfolge auf dem Etikett steht).  Aber es ist, und das gleichnamige Dorf in Frankreich hat jetzt Wassermangel und zeiht Nestlé, den Besitzer von Quelle und Marke, der Überausbeutung.

Dabei wäre die Lösung doch so einfach: selbst in Vittel wird man doch Vittel-Wasser im Supermarkt kriegen, oder?  Einfach nachbestellen!

(Gefunden bei Fefe.)

Hallo Echo! Hallo? … Hallo?!

Der Musikpreis Echo ist tot.  Gut, das ist jetzt keine bahnbrechende Nachricht, und ein Drama ist es auch nicht, eher im Gegenteil, aber die Umstände seines Ablebens sind doch bezeichnend: da verleihen diese Vollhonks ihren schaseligen Preis ein paar merkbefreiten Deutschräppern, die zumindest sehr fragwürdige Texte vor sich hinbrabbeln*, und wundern sich dann über einen gepflegten Scheißsturm.  Und als der zu heftig wurde, haben sie halt die Reißleine ge- und den Schwanz eingezogen, die Förmchen aus dem Sandkasten geworfen und gebrüllt: Jetzt mach ich nicht mehr mit, so!

Herzlichen Glückwunsch.  Bessere PR hätten sich die Räppidioten nicht wünschen können.

Denn seien wir doch mal ehrlich: wer solche Texte schreibt, der macht das, um zu provozieren.  Und was Schöneres könnte es für einen Provokateur geben, als wenn man nicht nur einen Preis bekommt, und nicht nur daraufhin viele andere „Künstlerkollegen“ diesen Preis aus Protest empört zurückgeben, sondern wenn dann wegen dieses Protestes der ganze Preis als solcher im Klo runtergespült wird?  Das ist doch der feuchte Traum eines jeden Trolls.

Und daß der Preis auch vorher schon Scheiße war, weil er nämlich ein Kommerzpreis war und über die künstlerische Qualität (was immer das sein mag) genausoviel aussagte wie die diversen Goldenen oder sonstwie funkelnden Schallplatten an den Wänden von Helene Fischer oder Dieter Bohlen, spielt dabei eh keine Rolle.  Eigenartig eigentlich — hat schon mal wer seine Goldene Schallplatte zurückgegeben, weil irgendwer anders, mit dem er sich nicht gemein machen wollte, auch eine bekommen hatte?  Der Echo war doch ansich auch nix anderes.

Naja.  Die Runde geht jedenfalls an die beknackten Räpper.

Und wetten, daß es auch nächstes Jahr wieder eine tolle tolle Gala nebst Pokalverleihung für die besten meistverkauften Musiker Geräusch Lärmproduzenten geben wird?  Nur Echo wird sie wohl dann nicht mehr heißen.  Schade — der Name war angesichts des Resonanzraums in den hohlen Birnen der Versammelten eigentlich höchst angemessen.

Fußnote: In einer bisherigen Version dieses Artikels stand hinter der Stelle mit den zumindest fragwürdigen Texten folgendes: „(ob nun antisemitisch oder nicht, darüber wage ich keine Aussage — dazu müßte man sich da erstmal reinhören oder -lesen, und das tu ich mir sicher nicht an —, aber ekelerregend sind die in den Medien zitierten Zeilen auf jeden Fall)“.  Von der verquollenen Formulierung des Klammertextes mal abgesehen, hat das mit dem Reinlesen inzwischen Peter Nowak bei Heise für mich erledigt in seinem Bericht über eine Strafanzeige gegen die Räpper wegen Volksverhetzung.  Es handelt sich bei der Textkritik anscheinend also um mehr als das übliche Gutmenschen-Mimimi.  Ich bleibe ansonsten bei meiner Aussage, daß ich die Texte ekelerregend finde und nicht lesen möchte — im verlinkten Bericht sind Beispiele, Lesen auf eigene Gefahr.

Nicht alles Verbrecher

Drüben beim Blick Ableiter habe ich den Link zu einem Rant auf Danika ´ s Blog (nur echt mit Leerzeichen-Akzent-Leerzeichen) gefunden, in dem sie deutliche Worte über einen Speditionsleiter findet, der von seinen Fahren drastisch illegale Aktionen einforderte, und in dem sie schlußfolgert: „Leider gibt es von solchen Verbrechern noch immer zu viele“.

Klar.  Jeder ist einer zuviel.

Aber zur Ehrenrettung der Branche: ich kenne ja nun auch schon einige Speditionen von innen, sowohl deutschlandweit bekannte wie auch kleine Klitschen, und ich habe nie erlebt oder auch nur gerüchteweise vernommen, daß dort ein Fahrer zum Gesetzesbruch genötigt wurde.  Manche der Kollegen haben es trotzdem gemacht, wohl aus falschverstandener Berufsehre der Geschmacksrichtung „wenn ich sage, das bringe ich heute noch dahin, dann mach ich das auch“, aber das geschah auf eigene Kappe.

Was jetzt nicht heißt, daß dort überall alles schnuffig war.  Besonders mein erster Arbeitgeber in dieser Branche hat eine bemerkenswerte Insolvenzverschleppung hingelegt, aus der ich auch ein paar eherne Regeln für die Firmenwahl abgeleitet habe, nämlich: Wenn der neue PKW des Geschäftsführers mehr PS hat als Dein Vierzigtonner; wenn eine Firma nicht mal ihren Namen auf die LKW klebt; wenn eine Tankkarte mangels Deckung nicht funktioniert; wenn Gehalt oder Spesen auch nur eine Woche zu spät überwiesen werden — renn, was das Zeug hält!  Sei die schlaue Ratte, die das sinkende Schiff als erste verläßt!

Aber sonst kann ich, wie gesagt, nur Gutes oder zumindest Gesetzeskonformes berichten.  Klar gabs auch mal nen Anschiß für Verspätungen, wenn die gefühlt von mir zu verantworten waren (und klar gab es über die Schuldfrage auch mal lautere Diskussionen); klar ist nicht jeder Chef verständnisvoll, wenn man irgendwas mit dem LKW angerempelt hat; und ja, klar gibt’s auch mal die Frage, ob man nicht mal die Pause „vergessen“ oder die zulässige Arbeitszeit überziehen könne.  Aber das Entscheidende im letzten Satz ist das Wort „Frage“, denn ja, es war immer eine, und keine rhetorische.

Es gibt zu viele Verbrecher in unserer Branche, keine Frage.  Aber die meisten sind keine.

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