Astrodicticum Simplex

Das heute leicht verspätet (*hüstel*) im Blick in die Blogrolle, der sogenannten Blickrolle, vorgestellte Blog ist wieder eins der nicht so furchtbar persönlichen. Es heißt etwas sperrig „Astrodicticum Simplex“ und gehört Florian Freistetter, einem Astronomen aus Jena mit (in seinen Podcasts deutlich und sehr charmant hörbar) österreichischen Wurzeln, der dort hauptsächlich über Themen seines Fachs schreibt.

Aber das ist keinesfalls so trocken, wie es sein könnte und vielleicht auch jetzt klingen mag. Florian schreibt locker und allgemeinverständlich, und was er schreibt, ist zumindest für mich auch immer interessant. Denn die Astronomie ist schon eine spannende Sache mit vielen Facetten, von reiner Himmelsmechanik über Realitätsabgleich für Science Fiction bis zu den großen Wo-kommen-wir-her-wo-gehen-wir-hin-Themen, und das alles kommt in Florians Blog vor.

Und noch viel mehr als das. Der Mann ist wirklich fast schon unheimlich produktiv. Da gibt es den netten kleinen Astronomiepodcast „Sternengeschichten“, in dem immer ein Einzelaspekt kurz und super-verständlich drangenommen wird; da gibt es Buchkritiken nicht nur von Sachbüchern, sondern auch von Romanen; da gibt es ein jährliches Adventskalenderrätsel und einen ebenso jährlichen Blogposting-Schreibwettbewerb, an dem ich auch schon mal teilgenommen und immerhin geradesoeben nicht den letzten Platz belegt habe; da gibt es den WRINT-Wissenschaft-Podcast zusammen mit Holger Klein; und bestimmt hab ich noch ein paar Rubriken vergessen.

Und es ist nicht so, wie man jetzt denken könnte: der Herr Doktor sitzt den ganzen Tag an der Uni und schreibt Blog. Denn nebenbei ist Florian auch noch Teil der „Science Busters“, bekannt von Bühne und Fernsehen, und tourt mit denen auch noch regelmäßig durch die Lande. Wenn er nicht gerade Bücher schreibt oder Marathon läuft.

Puh.

Und unsereins fühlt sich fast schon damit ausgelastet, das alles zu lesen. Lohnt sich aber!

Freitagstexter: Pokalverleihung

Sieben Freitagstexter haben sich an meiner Aufgabe versucht, eine beachtliche Resonanz wie ich finde. Und klasse waren sie alle irgendwie, trotz wohl unvermeidlich teilweise ähnlicher Ideen. Die Wahl ist mir nicht leichtgefallen, aber hier ist der Sieger:

Ich kann auf einem Ball balancieren! Sogar ohne Ball!

Ich kann auf einem Ball balancieren! Sogar ohne Ball!

 

Disclaimer: Axel ist seit Jahrzehnten ein guter Freund von mir und auch nicht so ganz direkt ein Blogger im eigentlichen Sinn. Trotzdem habe ich nach langem inneren Kampfe beschlossen, daß der für mich witzigste Text, nämlich seiner, gewinnen möge. Ich weiß, ich muß mich hier nicht rechtfertigen, aber ich wollte es trotzdem nicht unerwähnt lassen.

Und die Konkurrenz war, wie gesagt, hart. Mit einer sehr ähnlichen Idee den zweiten Platz hat der mir ebenfalls persönlich bekannte Kollege Blick Ableiter erobert, aber schon beim dritten muß ich endgültig passen und kann die Beiträge nicht mehr in eine sinnvolle und reproduzierbare Rangfolge bringen.

Man gut, daß ich das auch gar nicht muß.

Meine Damen und Herren, kommen wir also nun zur feierlichen Pokalverleihung. *räusper* Axel? Fang!

Und weiter geht’s dann am Freitag ab jetzt drüben bei Axels „Blogging is futile“ auf noone.org.  Ich bin gespannt, verneige mich in die illustre Runde und wünsche auch dort fröhliches Freitagstexten!

Novemberregen

Ein wunderbar melancholischer Titel — irgendwie höre ich vorm inneren Ohr immer eine rauchige dunkle Frauenstimme einen traurigen Chanson singen, wenn ich ihn lese, obwohl ich kein Lied dieses Namens kenne* und auch meistens gar keine deutschen Chansons mag —, aber es ist gar nicht so melancholisch, das Blog, in das wir heute einen Blick werfen.

Frau Novemberregen ist offenkundig eine selbstbewußte und patente Person mit einer beneidenswerten Schlagfertigkeit, und immer wenn sie Alltagsbegegnungen in Geschäften, auf der Straße oder am Arbeitsplatz beschreibt, freue ich mich auf ein amüsantes Stück und werde nie enttäuscht. Besonders bemerkenswert dabei: die Selbstverständlichkeit, mit der sie zugeben kann, etwas nicht zu können oder zu wollen, wie zuletzt bei „Zechpreller“, einer Geschichte über das Einparken — das können nicht viele! Absolute Spitze sind ihre Begegnungen mit „Oberchef“, auch eine coole Socke, danach sollte man ruhig mal suchen dort, oder meinetwegen googeln, es lohnt sich.

Wie in jedem Blog ist natürlich auch hier nicht jeder Artikel eine Sternstunde, wie sollte er auch. Besonders das Bemühen, wirklich jeden Tag ein Posting zu verfassen, über Jahre, das wurde gegen Ende hin deutlich … bemüht, schön daß sie damit aufgehört hat und nur noch schreibt, wenn es was zu schreiben gibt. Und das lese ich dann auch brav und gern — Frau N., Ihnen ist der Platz in meiner Blogrolle auch weiterhin sicher!

Fußnote: *Naja, bis auf „November Rain“ natürlich, aber das ist hier offensichtlich auf sämtlichen Ebenen nicht gemeint.

Freitagstexter

Herzlich willkommen beim Freitagstexter. Unterschreiben Sie jetzt bitte .. HIER!

Wer hätte das gedacht? Da macht man zum ersten Mal im Leben bei den Freitagstextern mit, drüben beim Wortmischer war’s, und bekommt prompt den Pokal vor die Füße an den Kopf überreicht. Hach, welch Ehre!

Worum geht’s dabei? Wie viele große Ideen ist auch diese eigentlich simpel: Jemand stellt freitags ein Bild in sein Blog, jeder der mag schreibt einen passenden Bildtext dazu in die Kommentare (wie auch immer „passend“ definiert sein mag), und am folgenden Dienstag darf der Einsteller des Bildes den besten Text prämieren. Und der stolze Sieger, diese Woche also ich, stellt dann am Freitag ein Bild in sein Blog, und goto Absatzanfang.

Natürlich gibt es auch ausführliche Regeln. Wo sind wir denn hier? Also bitte.

Ja. Da mußte ich also plötzlich und unerwartet ein Bild suchen. Was böte sich besseres an als eines, zu dem mir schon all die Jahre die Worte fehlen, seit ich es mal vor ein paar Jahren vom Wandkalender eines Kunden abfotografiert habe? Die Qualitätsmängel bitte ich darob zu entschuldigen:

Hier könnte Dein Bildtext stehen!

 

Also, haut in die Tasten!

Read on my Dear, read on

War ja klar, daß bald mal ein Sonntag kommen würde, an dem ich die Blickrolle, also den Blick in die Blogrolle, verpennen würde.  Aber noch 2017?  Da kann ich nur das Wiegenfest des Sektenstifters als zugegeben magere Entschuldigung anführen.

Quasi als kleine Wiedergutmachung ist der neueste Beitrag im heute zu beblickrollenden Blog aber auch eine besonders bezaubernde, wie es die Autorin nennt, „fast schon eine Weihnachtsgeschichte“, bei der selbst mir zynischem alten Hund fast sowas wie warm ums Herz wurde.  Wie überhaupt das Fräulein Read On es versteht, auch eigentlich banale Alltagssituationen in allerdings oft bemerkens- und -neidenswerter Location so aufzuschreiben, daß sie den Leser förmlich einsaugen — zumindest wenn jener sich auf das Abenteuer einläßt, sich mutig in einen Absatz zu fräsen, der länger ist als hier viele Artikel.

Aber es lohnt sich, wenn man es tut.  Oder wie der dann doch überaus passende Blogtitel sagt: Read on my Dear, read on.

Abenteuerbad

Freudenstadt baut ein neues Freibad.  Und in einem seltenen Anfall von Zukunftszugewandtheit dachten die Stadtväter sich: Laß uns da gleich mal ein kostenloses WLAN aufbauen, damit die Badegäste alle schön umsonst wellenreiten, fratzbuchen, wasäppen, hölzen, instantwiegen, zwitschern und strömen können, dann kommen nämlich mehr.

Und dann die SPD so: Waaah, nein, das könnwer doch nich machen, die ganze Strahlung!!!11, da muß erstmal ein Gutachter her.

Weil ja, wer kein kostenloses WLAN vorfindet, stattdessen eher über LTE oder so direkt über den weiter entfernten Mobilfunkturm wellenreitet, fratzbucht, wasäppt, hölzt, instantwiegt, zwitschert und strömt.  Was, weil von nix halt nix kommt, weit mehr Strahlung verursachen dürfte, selbst wenn man überhaupt an deren Schädlichkeit in den mit handelsüblichen Mobilfunkapparaturen so verabreichten Dosen glaubt.  Und was aber völlig glaubensunabhängig die Kids mehr kostet, weswegen sie weniger Kohle für Freibadkarten haben werden.

Kannste dir echt nich ausdenken, sowas. m(

Traditionsthema

Österreich hat eine neue Regierung.  Die Rechtspopulisten von der FPÖ koalieren mit der immerhin ein klein wenig stärkeren rechtskonservativen ÖVP, auf deutsche Verhältnisse übertragen wäre es also ein schwarzbraunes Bündnis aus Union und AfD — und ich bin sicher: wenn die Zahlen hier erstmal so ähnlich aussehen wie dort, wird sich die Union auch hier nicht mehr lange bitten lassen, es den Österreichern nachzutun.  Bißchen komisch ist, daß der vom Seniorpartner ÖVP gestellte Bundeskanzler Kurz nicht kurz, aber klein ist: ganze 31 Jahre zählt das Seniorküken.

Aber ich schweife schon wieder ab, denn was ist die erste Amtshandlung des FPÖ-Verkehrsministers Hofer?  Er stellt, festhalten bitte, eine Abschaffung des allgemeinen Tempolimits zur Diskussion.  Freie Fahrt für die freiheitlichen Pürger Bürger Österreichs!  So macht man sich Freunde an den Stammtischen.

Hat in der FPÖ ja auch quasi eine gewisse Tradition, das Thema.  Auch wenn das mit dem Schnellfahren ihrem einstigen Landesparteisekretär, einem gewissen Herrn Haider, gar nicht bekommen ist.

Och nö, doch keinen guten Vorschlag!

Es gibt vielleicht doch noch einen Weg, wie wir die völlig hirnverbrannte, angeblich aufkommensneutrale Ausländerdiskriminierungsmaut vom bayerischen Stammtisch loswerden könnten: die EU denkt über eine europaweit einheitliche Mautregelung nach.  Und die soll nicht nur von der Fahrleistung abhängen, sondern auch davon, wie oft man so im Stau steht.

Mit anderen Worten: die könnte zwar teuer werden, aber auch sinnvoll.

Logisch, woher da die ersten Proteste kommen: aus Bayern.  Dort fürchten sie nicht nur um die Lufthoheit über den Stammtischen, sondern anscheinend auch um ihren in München ansässigen Fernbus-Monopolisten „Flixbus“, der mit inzwischen 90% Marktanteil ja auch der ursprünglichen Idee von mehr Wettbewerb Hohn spricht und mit der EU-Maut dann zumindest auch mal ein bißchen was für die Strecken bezahlen müßte, die er so plattfährt — daß er das im Gegensatz zu LKW nicht muß, ist sowieso unverständlich.

Genauso wie die Ausnahme für Transporter zwischen 3,5 und 7,5 Tonnen, die die Stammtischmaut vorsieht — damit will man Handwerksbetriebe entlasten, aber man entlastet nebenbei auch die Wahnsinnigen mit den osteuropäischen Planenducatos mit, die bestimmt ein paar Marktanteile einbüßen würden, wenn sie wie der restliche Güterkraftverkehr Maut zu entrichten hätten.  Und na klar, gegen die Nichtberücksichtigung dieser Ausnahme in der EU-Maut wird auch Sturm gelaufen.

Nun gilt es also zu hoffen, daß klientelpolitisches Ausnahmengeschacher nicht bis Brüssel reicht und auch sonst nicht wieder ein guter Vorschlag bis zur Unkenntlichkeit zusammenkompromittiert wird.  Klar, die Zeche zahlt wie immer der kleine Mann, aber so wird es wenigstens ökologisch sinnvoll — wer viel fährt, zahlt viel, und wer viel im Stau steht, zahlt mehr.  Denn dann kann der Markt tatsächlich mal was regeln — Bahn, Bus, Fahrgemeinschaft und Fahrrad werden finanziell attraktiver, das kann nicht verkehrt sein.  Und wenn man das Ganze eh elektronisch erhebt und vermutlich auch abhängig vom Schadstoffausstoß (denn diese Industrieförderung werden wir sicher nie los), dann kann man den armen notleidenden Handwerkern ja auch einzeln Ausnahmen verpassen — oder, sinnvoller, Elektrotransporter, die meinetwegen ja auch noch 10 Jahre mautfrei sein könnten oder wie lange auch immer es dauern wird, bis es soviele davon gibt, daß das finanziell wehtut.

Und die paar hundert Euro, die so ein Elektromauterfassungsdingsi für schwere LKW heute noch kostet, würden bei größeren Serien (etliche Millionen statt ein paar hunderttausend) und serienmäßigem Einbau in Neuwagen sicherlich auch noch was weniger werden.  Wenn der Kram nicht mehr kostet als ein brauchbares Autoradio, und vielleicht auch gleich mit diesem zusammengebaut ist und dann auch die eh bald fällige Digitalradio-Nachrüstung miterledigt, find ich auch die soziale Härte erträglich (und ja, liebe Autoelektronikindustrie, diese Idee gibt es geschenkt, gern geschehen).

TL;DR: EU-Maut für alle Fahrzeuge, fahrleistungs- und streckenbelastungsabhängig?  Gute Idee.  Bin gespannt, woran sie scheitern wird.  Mein Tip: an der CSU, wie immer.

Neusprech

Diese Woche werfen wir in der Blickrolle mal einen selbigen hinüber zu einem weniger persönlichen Blog, nämlich dem von Neusprech.org.  Der Name kommt natürlich aus George Orwells „1984“, wo „Neusprech“ bzw. „Newspeak“ jene modernisierte Sprache bezeichnete, die es unmöglich machen sollte, etwas den Herrschenden Widersprechendes zu sagen.

Ganz so weit ist es in dieser unserer Bunzreplik natürlich noch nicht, aber die Herrschenden verwenden auch hier reichlich Begriffe, die ihren wahren Inhalt hinter einer harmlosen Fassade verschleiern.  Und das Neusprechblog deckt dieselben dann schonungslos auf.  Man muß da nicht immer derselben Meinung sein, aber Denkanstöße liefert’s auf jeden Fall — und zumindest mir geht’s dort öfter mal so, daß ich denke, ja, verdammt, das hätteste auch mal selber merken können.  (Zu meiner Ehrenrettung: oft hatte ich es auch schon zwar gemerkt, aber nicht zuende gedacht.)

Jedenfalls lohnt sich das Abo — man wird auch nicht überhäuft, die Artikeldichte ist sehr gut zu verkraften.  Und um zuwenig Nachschub an frischem Neusprech muß man sich die nächsten Jahre wohl auch keine Sorgen machen …

Ich find’s jedenfalls mit einem Wort doppelplusgut ;-)

Variable, Inhalt, pff

Auch wenn mein Donnervogel sich unsicher ist, nein, diese Mail hier war ausnahmsweise kein Scam, aber trotzdem lustig:

Ihr BankAccount-Konto wurde noch nicht belastet

Ich wußte gar nicht, daß ich ein Konto bei einer Bank namens „BankAccount“ habe.  Ist ja auch ein selten dämlicher Name.  So würde ich allenfalls als Programmierer eines Shopsystems die Variable nennen, in der die Bankverbindung des Kunden … achso.  Ja dann.

Nachtrag später am Tage: Nee.  Eigentlich nicht mal dann.  In der Variable „BankAccount“ würde ich die Kontonummer erwarten, aber von meinem „123456789-Konto“ zu lesen würde mich auch wundern.  „BankName“, das wäre z.B. ein besserer Variablenname.  Der Flüchtigkeitsfehler eröffnet also den Blick in ein vermutlich auch sonst eher … kreativ … programmiertes Shopsystem.

Aber immerhin: funktionieren tut es.

Nachhausefahrn zur Weihnacht

Das hier war eigentlich nur einer dieser üblichen jahreszeitbedingten Würmer in meinen Ohren. Nachdem er sich aber länger gehalten hatte als die meisten, dachte ich mir, ach komm, mach ich halt einen dieser albernen Schlabonski-Liedtexte draus. Tja, hier isser nun — besonders albrig oder schablonskesk ist er aber nicht geworden, nur ein wie ich finde einigermaßen brauchbarer deutscher Text für ein immer noch schönes Lied, nämlich „Driving Home for Christmas“ von Chris Rea, dem an dieser Stelle auch gute Besserung gewünscht sei.

Wer es schlabonskinesischer mag, der möge „Weihnacht“ im Folgenden, wie die Tradition es gebietet, durch „Kreischmeß‘“ ersetzen.

Nachhausefahrn zur Weihnacht
Ich kann es kaum erwarten
Nachhausefahrn zur Weihnacht
Doch es dauert seine Zeit

Es ist so lang her
Doch ich werde dasein
Ich sing für mich
Ich hab ja noch gut Zeit
Und fahre vor mich hin
Ich fahr nachhaus zur Weihnacht

Es dauert seine Zeit
Aber ich komm hin

Ein Stau nach dem andern
Rote Ampeln überall
Aber bald kommt da die Autobahn
Dann gehts voran mit einem Mal

Und ich sing für dich
Doch du kannst’s nicht hören
Bald bin ich da
Und ich werd dir schwören
Diesmal bleib ich da
Nachhausefahrn zur Weihnacht

Nachhausefahrn zur Weihnacht
Ich erinner mich an dich
Ich kuck rüber zum Fahrer neben mir
Er ist wie ich
Genau wie ich

Ein Stau nach dem andern
Rote Ampeln überall
Und ich fahr nachhaus zur Weihnacht
Dann gehts voran mit einem Mal

Und ich sing für dich
Doch du kannst’s nicht hören
Bald bin ich da
Und ich werd dir schwören
Diesmal bleib ich da
Nachhausefahrn zur Weihnacht

Nachhausefahrn zur Weihnacht
Ich erinner mich an dich
Ich kuck rüber zum Fahrer neben mir
Er ist wie ich
Genau wie ich
Er fährt nachhaus, fährt nachhaus
Er fährt nachhaus zur Weihnacht
Genau wie ich

„Fuck this facebook shit“

Facebook sperrt mal eben eine FPÖ-kritischen Satireseite. Ja und, denken wir, das ist ja nun nicht das erste Mal, daß Facebook jemanden sperrt.  Oder daß jemandem auf mysteröse Weise die Facebook-Freunde abhanden kommen.  Stimmt, ist es nicht — und wie immer ist Facebook sehr sehr leise, wenn man es nach den Gründen fragt.  Vielleicht (aber ich bezweifle das) wissen sie es selber nicht, weil es kein Mensch war oder gar ein Gremium, das da die Entscheidung gefällt hat, sondern ein freidrehender Computer, der lernen soll, was zu sperren sei, und jetzt gerade in einer überenthusiastischen Phase seiner Lernkurve ist.  Vielleicht ist es aber auch tatsächlich so, wie es aussieht: daß, wer nur reich oder mächtig genug ist, bei Facebook sich seiner Kritiker entledigen kann.

Ist aber auch egal.

Die Lehre, die wir daraus ziehen sollten, hat Amanda Palmer auf Twitter in ihrer so typischen höflichen und zurückhaltenden Art schon vor knapp zwei Wochen gezogen:

i just posted to my old forum, (YES ITS STILL THERE), for the first time in like 5 years. fuck this facebook shit. who’s with me. go over and show yourself. BRING BACK THE INTERNET. etc.

auf Twitter am 1. Dezember 2017

Entstaubt Eure Blogs!  Wenn Ihr keins habt, klickt Euch ne Domain mit PHP und MySQL und setzt ein WordPress auf!  Oder macht ein kostenloses Blog bei einem nicht weltbeherrschenden Anbieter auf, was weiß ich.  Jedenfalls: Nehmt Euer Internet-Dasein in die eigenen Hände, statt Euch von einem intransparenten, politisch zumindest dubiosen Weltkonzern abhängig zu machen, der Eure Inhalte so von jetzt auf gleich verschwinden lassen kann.

Klar ist das mehr Arbeit für vermutlich weniger Reichweite.  Und Ihr könnt ja trotzdem auch auf Facebook präsent sein, solange es Euch läßt.  Aber wie hier schon vor Jahren verkündet: Wenn Du für etwas nichts bezahlst, dann bist Du nicht der Kunde, sondern das Produkt.  Und mittlerweile lernen wir: Produkte werden auch schon mal ausgelistet.

Also tut was dagegen.

 

Update vom 15.12.2017: Und das alles gilt natürlich nicht nur für Facebook: Storify macht dicht und löscht alles.

Wer also seine Inhalte nicht nach einer Weile verlieren will, sollte sich überlegen, ob er nicht seine Inhalte selbst hosten will. Statt einem Storify hätte man auch ein normales Blog mit eingebundenen Tweets nutzen können. Dann ist man nicht von einem Dienstleister abhängig, der je nach wirtschaftlicher Lage den Dienst einfach einstellt. Wer seinen Krams selbst hostet und darauf aufpasst, wird keine bösen Überraschungen erleben. Gebt nicht die Kontrolle über eure Inhalte ab, denn kein Anbieter hat sich dieses Vertrauen verdient!

Michael Schmalenstroer auf, logisch, schmalenstroer.net und nicht Facebook (gefunden via BildBlog)

Fusselblog

Das ging schneller als gedacht, daß ich schon in der dritten Woche, in der es sie gibt, beinahe die Blickrolle vergessen hätte.  Aber noch ist ja Sonntag :-)

Auch heute geht’s im vorgestellten Blog um Autos, aber diesmal nicht ums Fahren, sondern ums Schrauben.  Genauer: ums kreative Schrauben — der Autor nennt es „Fusseltuning“ nach den Rückständen, die die Wandfarben-Rolle im damit aufgetragenen Lack zu hinterlassen pflegte.  Seit damals hat sich weniger geändert, als man meint; auch wenn mittlerweile doch öfter mal spritzlackiert oder zumindest gelackspraydost wird, sind die Kreationen doch immer noch höchst individuell, augenscheinlich auch nicht ganz ernstgemeint und von einer angenehmen Selbstironie.  Und nein, natürlich gefällt mir nicht alles, was er da so baut.  Wenn ich ehrlich bin, sogar so einiges nicht.  Aber egal, er verpfuscht ja keine ultraseltenen Zustand-Einser-Wagen, im Gegenteil: meistens ist die Basis gut abgeliebt, manches Mal auch eher Schrott.  Insgesamt überwiegt aber bei mir das Grinsen bei weitem das Kopfschütteln.

Und das gilt auch für die Schreibe.  Wirklich angenehmer Lese- und Kuckstoff, denn der gute KLE da abliefert im, ja, jetzt kommt er endlich, der Link: im Fusselblog.

 

Heißluftkühlung

Luftgekühlte Motoren im allgemeinen und der des VW-Käfers im besonderen haben ja den Nachteil, daß dort, wo man gern möglichst kühle Luft hätte (am Zylinderkopf z.B.), eher unangenehm hohe Temperaturen herrschen, während dort, wo man Warmluft ersehnt (an der Nasenspitze etwa), eher laue Lüftlein wehen. Das möchte man dem Buckelauto indes nicht wirklich vorwerfen, man bedenke schließlich stets sein Konstruktionsalter: vor dem Krieg hatten nicht mal Mercedesse serienmäßig Heizung.

Weil das kühlende Lüftchen am Zylinderkopf nicht ausreichte, bekam der Motor, damals höchst innovativ, zusätzlich einen Ölkühler (im Bild orange markiert). Dessen Anordnung im Kühlluft-Gebläsekasten, also mitten im Kaltluftstrom, mag 1938 für den piffeligen 25-PS-1100er auch völlig angemessen gewesen sein. Zu einem Problem wurde sie erst dann, als in späteren Jahrzehnten die Leistung stieg, ohne daß das Kühlgebläse entsprechend mitgewachsen wäre. Irgendwann häuften sich dann die Ausfälle, meist durch Überhitzungsschäden am dritten (also vorderen linken) Zylinder. Warum? Weil der mit der schön kuschelig warmen Abluft des Ölkühlers (im Bild pink) „gekühlt“ wurde.  (Die Bedeutung der Farben Rot und Blau im Bild seien dem Leser als Übungsaufgabe überlassen.)

Skizze der Kühlluftströme beim VW-Käfer

Bild gemeinfrei (aus der Wikipedia), vom Autor bearbeitet und trotzdem immer noch gemeinfrei (aber nicht mehr aus der Wikipedia) ;-)

Es ist nun nicht so, daß VW das nicht bemerkt hätte. Nein, sie haben sich durchaus um Abhilfe bemüht, nur leider durch Rumbasteln an den Symptomen. Von erweitertem Ventilspiel bis zum zurückgenommenen Zündzeitpunkt für den notorischen dritten Zylinder reicht die Palette; richtig geholfen hat davon aber nichts.

Erst zum ‘71er Modelljahr sind sie dann auf die eigentlich naheliegende Lösung gekommen, die warme Abluft des Ölkühlers einfach nach vorn (in Fahrtrichtung) unten aus dem Gebläsekasten herauszuführen. Bravo, VW, ich bin wirklich beeindruckt. Astreine Lösung, kaum ein Vierteljahrhundert zu spät, und zu allem Überfluß auch nur bei den „großen“ Motoren ab 1300 Kubik aufwärts realisiert – 1200er durften weiter in des Ölkühlers Abluft schmoren. Und zur Belohnung sind auch heute noch „dritter Zylinder“ und „Motorschaden“ in Käferfahrerkreisen beinahe synonym … lustigerweise aber übrigens auch bei den „großen“ Motoren, obwohl die eigentlich keinen Grund haben, signifikant öfter am dritten Zylinder kaputtzugehen als an den anderen dreien. Die Ursachen dafür sind nicht hinreichend erforscht, vielleicht handelt es sich hier um einen seltenen Fall mechanischer Empathie mit der lahmeren Verwandschaft? Das Fazit lautet eindeutig: Wir brauchen mehr Wissenschaft!

Dieser Artikel entstand ursprünglich für Tobias Meyers kurzlebiges Blog „Gut gemacht? Gut gemeint.“ und wird nach dessen bedauernswerter Einstellung hier in etwas erweiterter Fassung und mit verdeutlichter Grafik wiederveröffentlicht.

Paketinfarkt

Allmählich merken sie es, die Paketzusteller, daß es kein grenzenloses Wachstum gibt.  Nein, an den Kunden liegt es nicht, die schicken weiter Pakete bis zur Vergasung, letztes Jahr gut π Milliarden, dieses Jahr kommt wohl noch ne Milliarde obendrauf — vier Milliarden durch achtzig Millionen macht ein Paket pro Kopf und Woche, so brutal viel finde ich das jetzt gar nicht, auch wenn ich da normalerweise lang nicht drankomme.

Aber für die vorhandene Infrastruktur ist es zuviel, wie man hier bei Heise lesen kann.  Und die Konsequenz ist auch klar: es wird teurer.  Soweit, so normal.

Aber:

Erstens soll es nur teurer werden, wenn man sich das Paket nach Hause liefern läßt.  Wobei das ja sowieso schon eine ziemlich optimistische Werbeaussage ist, denn genug Leute, um jedes Paket zur Tür zu bringen, haben sie ja schon heute nicht mehr und verteilen deswegen die sogenannten Lügenzettel, auf denen ja statt „Leider haben wir Sie nicht angetroffen“ wahrheitsgemäßer „Hoffentlich merken Sie nicht, daß wir nicht geklingelt haben“ zu stehen hätte.  Aber in Zukunft will man jedenfalls nicht mehr die Paketzusteller zu Fuß an die Haus- oder Wohnungstüre des Kunden tapern lassen, sondern (in hochglänzenden Presseerklärungen) stattdessen Robotern oder Drohnen diesen Job geben oder (in der dreckigen Realität) den Kunden das erledigen lassen.  Es sei denn, er löhnt.

Meinetwegen.  Paketzusteller ist eh ein Scheißjob, den ich auch nur mal vor Jahren einen Samstag lang vertretungsweise für einen Kumpel gemacht habe und mir danach geschworen, daß mir das nicht nochmal passiert.  Und dann auch noch zu Hungerlöhnen knapp über Hartz?  Das will man den Leuten nicht antun, das seh ich ein.  Löhne und damit auch Porto hoch?  Dadurch, weil die Leute weniger versenden, Volumen runter?  Von mir aus gern!

Aber welches Wirtschaftsunternehmen kann es sich schon leisten, mit Ansage schrumpfen zu wollen?  Dazu hätte man dann schon noch eine Deutsche Bundespost haben müssen, um sowas zu beschließen.  Können wir also vergessen, das.

Ein anderer Ansatz zur Verkehrs- und Kostenminimierung wäre die sogenannte gebündelte oder, weil das wahrscheinlich zu sehr nach in einen Wertsack versackten Versackbeuteln klingt, „konsolidierte“ Zustellung: Es gibt ein gemeinsames Lager pro Stadt(teil), wohin alle Paketdienste ihre Sendungen schicken und von wo sie dann gemeinsam ausgefahren werden.  Schwupp, hat man nur noch ein Paketauto pro Tag und Straße.  (Zusteller braucht man nicht entsprechend weniger, denn das Gesamtvolumen sinkt ja nicht.)

Aber nein, jault zweitens der Bundesverband Paket- und Expresslogistik auf, das löse ja keine „Probleme auf der letzten Meile“ und führe zu „hohen Qualitätseinbußen für die Paketempfänger“.  Auf Deutsch: man hat Angst, von der Deutschen Post DHL Kunden abgejagt zu kriegen, wenn man nicht mehr seine eigenen Drückerkolonnen an die Haustüren schickt.  Ja.  Äh.  Moment mal, ich denke, Ihr wollt eh nicht mehr zu den Kunden nach Hause kommen?  Oh, ach ja, ich vergaß.  Gegen Extrakohle ja dann doch.

Und so werden sich dann wohl auch weiter die Sprinter von DHL, Hermes, DPD, UPS und wie sie alle heißen in zweiter Reihe in den Straßen stapeln und Staus verursachen.  Vielleicht werden sie in ein paar Jahren dann auch jeder einen Schwarm autonome Lieferroboter auskotzen und die Fußwege auch noch verstopfen, zumindest bis jeder davon an einer glitschigen Treppe oder einem kaum leserlichen Klingelschild verzweifelt ist und vom technischen Service wieder eingesammelt werden muß, deren Sprinter dann wohl in dritter Reihe parken müssen, weil die zweite ja schon voller Liefersprinter ist.

Und wenn die erste Amazon-Flugpaketdrohne abgeschmiert ist und im Fallen einen Fußgänger getroffen hat, der dann vor einen DPD-Sprinter gestolpert ist, der gerade mit 68 km/h durch die 30-Zone zu seiner nächsten Roboter-Abkotzstelle unterwegs war — dann ändert sich vielleicht mal was.

Vielleicht aber auch nicht.

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