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Wo der Terror lebt: Der Imbißwagen

Wer seine Tage in Institutionen verbringt, in denen mehr Menschen arbeiten als durchschnittlich so üblich, also etwa in (verwirrenderweise so genannten) Leeranstalten oder ähnlichem, der kennt es: das allmorgendlich zur besten Büroschlaf-Zeit ertönende ohrenbetäubende *Tuuuuuuuuut* oder auch, traditionsbewußter, *Drrrrrriiingg*, mit dem ein sich auf den Parkplatz quälender Letzthand-Hanomag, -Ducato oder -Vito mit kastenförmigem Verkaufsaufbau seinen astmathisch keuchenden Diesel zu übertönen und gleichzeitig seine Opfer zur Schlachtbank zu rufen sucht.

Jene Schlachtbank, vom Personal indes mit dem Tarnnamen „Theke“ belegt, ist garniert mit mehr oder weniger geschickt als Nahrungsmitteln getarnten Folterinstrumenten. Alle, alle sind sie dort versammelt: die am Vortag in der Vortagsbäckerei entsorgten Brötchen, belegt mit dem bei Edequ neulich wegen Ablaufdatum entsorgten Schimmelkäse, der bereits graugrünlichen Bierwurst und dem schon frisch ungenießbar gewesenen Kotzarella, nicht zu vergessen dem allgegenwärtigen lappigen Salatblatt; das mit 2 cm Panade getarnte und sorgfältig totfritierte Schnitzel (und man möchte wirklich nicht wissen, das wievielte Leben desselben in der Friteuse geendet hat), der Phosphatlöken in Tomatenschlatze und natürlich der absolute Klassiker: die Frikadelle, gern auch als „Bremsklotz“ tituliert und einem solchen auch durchaus in Farbe und Konsistenz nicht unähnlich. Wenn man Glück hat.

Das Erstaunliche an solchen Kisten ist auch weniger, was sie so anbieten oder daß es einer kauft, als daß es Leute gibt, die da immer wieder kaufen. Aber was soll man denn auch tun? Ne halbe Stunde eher aufstehen und sich selber Brote schmieren? Fällt schwer, auch weil irgendeine der gar nicht so zahlreichen Zutaten eh nie im Haus ist. Bis zur Mittagspause (so es eine gibt) hungern und dann die örtliche Gastronomie beehren? Auch nicht besser, zumindest gar zu oft. Und etwaige Betriebskantinen sind ohnehin weiträumig zu umfahren, wenn einem das Leben lieb ist, denn die haben’s noch einfacher, mit Abfallverwertung durchzukommen: die kann man nämlich nicht notfalls mit Waffengewalt vom Parkplatz entfernen.

Also stürmt man beim Ertönen der Hupe oder Glocke doch wieder hinaus auf den Parkplatz und ersteht an der Rostlaube nach längerem Anstehen die üblichen ballaststoffreichen (Euphemismus für „wie Steine im Magen liegenden“) Nahrungs(?)mittel, um sich sodann mit deren „Genuß“ von der Öde des Alltags abzulenken. Denn dann hat man wenigstens mal was, über das zu ärgern es sich wirklich lohnt.

Aber ich muß schließen: draußen hupt der Ducato. Schlabonski wünscht wie immer guten Appetit.

Ältere Beiträge unserer beleibten Serie „Kulinarische Ausflüchte“.

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