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Der elektrische Übersetzer

Wie ich ja vorhin schon befürchtete, ist die Übersetzung von Douglas Adams‘ „Dirk Gently’s Holistic Detective Agency“, die von einem Herrn Benjamin Schwarz verfertigt und bei Heyne als „Der elektrische Mönch“ verlegt wurde, grauenhaft. Man wünscht sich, die hätten sie nach dem Verlegen nicht wiedergefunden.

Eigentlich wollte ich das ja durchlesen, aber es war einfach zu ärgerlich, darum nur drei Beispiele, bis ich auf Seite 52 das Buch in die Ecke geschmissen habe:

Original: Professor Urban Chronitis had a memory that he himself had once compared to the Queen Alexandra Birdwing Butterfly, in that it was colourful, flitted prettily hither and thither, and was now, alas, almost completely extinct.“ Auch wenn man nicht alle Wörter versteht (to flit? thither? alas?), so ist doch klar, daß der Mann ein Gedächtnis wie ein Schmetterling hat: farbenfroh, hübsch umherflatternd und leider beinahe ausgestorben. Und dazu muß man nicht mal den Namen dieses Schmetterlings bei Google eingeben. Kann man aber natürlich trotzdem machen.

Und Herr Schwarz? Der schreibt, der Professor habe ein Gedächtnis, das er selbst einmal mit der Königin Alexandra Birdwing Butterfly verglichen hatte: lebhaft, anmutig hin und her hüpfend und mittlerweile leider fast gänzlich erloschen.

Das muß man sich echt mal bildlich vorstellen: die lebhafte Königin Alexandra Vogelflügelschmetterling, wie sie anmutig hin und her hüpft, bevor sie gänzlich erlischt. Wenn’s nicht so traurig wäre, könnte man sich drüber schlapplachen.

Leider sind Herrn Schwarzens Schnitzer nicht immer so witzig. The idea of him actually having friends as such seemed not so much unlikely, more a sort of mismatching of concepts, like the idea of the Suez crisis popping out for a bun. Auch hier muß man nicht unbedingt wissen, daß to pop out for something soviel bedeutet wie kurz rausgehen, um etwas zu holen, zu essen oder so; das mit dem mismatching of concepts, völlig korrekt übersetzt als Unvereinbarkeit von Begriffen, sollte eigentlich reichen, um darauf aufmerksam zu machen, daß es nicht um die Vorstellung gehen kann, die Suezkrise sei wegen eines Korinthenbrötchens ausgebrochen.

Korinthenkackerei? Vielleicht. Zu schwierige Beispiele? Von mir aus, auch wenn ich mit meinem Leistungskursenglisch da keine Probleme mit dem richtigen Verstehen hatte und von einem professionellen Übersetzer eigentlich mehr erwarte. Aber bitte, hier, ein gaanz einfaches Beispiel: Not too difficult to organize, really. Wörtlich: Nicht zu schwer zu organisieren, wirklich. Was nicht schön gewesen wäre, aber immerhin korrekt. Herr Schwarz hingegen schreibt: Aber wirklich zu schwierig, um Kapital draus zu schlagen. Das mit dem Kapital, geschenkt, paßt sogar einigermaßen. Aber die Bedeutung des Satzes, die hat der Herr Schwarz leider ins Gegenteil verkehrt. Seufz.

Also, wieder mal ein deutsches Douglas-Adams-Buch für die Tonne. Schade. Beim „Anhalter“ hatte ich ja noch ein gewisses Verständnis, vieles davon wüßt ich auch nicht richtig gut zu übersetzen — aber hier ist das echt nur noch Unfähigkeit und/oder Schlamperei.

Wäre es nicht vielleicht mal ein lohnendes Projekt, die Dinger neu übersetzen zu lassen? Diesmal von Leuten, die ihr Handwerk verstehen? Vielleicht so zum 30. Erscheinungsjubiläum?

Naja. Selber schuld. Was kauf ich auch preisreduzierte Mängelexemplare, da darf ich mich ja nicht über Mängel beschweren.

Literaturnachweis: Douglas Adams, „Dirk Gently’s Holistic Detective Agency“, Pan Books, London 1988, ISBN 0 330 30162 4. Douglas Adams, „Der elektrische Mönch“, aus dem Englischen von Benjamin Schwarz, Heyne Verlag, München 2001, ISBN 3-453-19908-1.

2 Kommentare

  1. Batz

    Deswegen ist Herr Schwarz ja auch tot. Wobei ich trotz einiger Fehler seine Übersetzung der Anhalter-Büche rnoch für ganz gelungen halte…

  2. Christian

    Wenn möglich sollte man Bücher halt im Original lesen. Ich bin mit Herrn Schwarz‘ Adams-Übersetzungen auch nicht glücklich, aber dann wiederum sind Übersetzungen einfach grundsätzlich ein problematisches Thema. Jedenfalls kann man im nicht vorwerfen, dass er Google und andere Werkzeuge des WWW nicht genutzt hat – die gab es Ende der achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts nämlich noch nicht (bzw. noch nicht öffentlich zugänglich) … ;-)

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