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Ein Sanierungsmärchen

Soso. Da nimmt also unser Staat plötzlich und unterwartet 40 Milliarden Euro mehr ein und nutzt diese „vorwiegend zur Sanierung des Haushaltes“. Das ist doch gut und richtig so, meint Ihr? Ja klar. Das wäre es, wenn es so wäre.

Wenn man aber mal die ganzen verwirrend großen Zahlen durch 80 Millionen Einwohner teilt, ergibt sich folgendes Bild:

Michel Mustermann hat Schulden. Nichts Dramatisches, aber immerhin 18.100 Euro, was schon eine Menge ist, wenn man im Jahr nur 6.400 Euro verdient (offenbar ist Michel ein Hartz-4-Empfänger, der bei seinen Eltern wohnt). Und nun bekommt Michel in den nächsten zwei Jahren plötzlich und unerwartet 500 Euro mehr! Juhu! Die Sanierung ist in Sicht! Freudestrahlend rennt er zu seiner Bank und teilt dem Sachbearbeiter dort die frohe Botschaft mit: er werde dieses Jahr seine Neukreditaufnahme senken können, um immerhin 30 (dreißig) Euro! (Nicht um 250, das müsse man verstehen: er müsse einen Teil des Geldes schließlich auch verwenden, um andere gute Dinge zu tun.) Somit werde Michel aber dieses Jahr nur 250 Euro an neuen Schulden machen müssen.

Tolle Sanierung. Sein Bänker wird vor Freude im Dreieck springen.

Also, ich weiß ja nicht, wie das auf Staatsebene aussieht, aber im normalen Sprachgebrauch bedeutet „Sanierung“ doch eher, daß man seine Schulden abbaut. Und das tun sie eben nicht mit jeden 40 Milliarden, sie senken die Neuverschuldung. Und nicht mal um den Gesamtbetrag, sondern um ein gutes Zehntel desselben. Tropfen auf den heißen Stein? Eher Nebel, wenn Ihr mich fragt. Vernebelungstaktik ist aber auch nichts Überraschendes.

Wie ein Politiker (dessen Name ich schon wieder vergessen habe) ganz richtig sagte: wäre Deutschland eine Firma, sie bekäme von keiner Bank mehr einen Kredit. Jaja, schon praktisch, wenn man sich sein Geld selber drucken kann — und eine Presse hat, die freudig Vokabeln wie „Sanierung“ weiterverbreitet, wenn man in Wahrheit nur ein klein wenig langsamer Richtung Abgrund rennt.

1 Kommentar

  1. Christoph

    Moin moin,

    netter Artikel …
    und als Leseempfehlung …
    http://www.nachdenkseiten.de/

    Gruß

    Christoph

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