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Erdbeeren, Kirschen und Engelsküsse

Strawberries, cherries and an angel’s kiss in spring
My summer wine is really made from all these things

Da hab ich dann das Radio ausgeschaltet. Das erstemal. Nur leider ist dieses, räusper, Lied, hust, derart penetrant im Äther dieser Tage, daß ich leider nicht umhin kann, mich darüber doch noch mal ausführlicher aufzuregen.

Denn so unglaublich es scheinen mag, die Schmerzen beginnen schon beim allerersten Wort. Leute: wie man „strawberry“ ausspricht, nämlich mit langem betonten „straw“, fast schon verschliffenem „ber“ und kurzem unbetonten „ry“, das sollte ein halbwegs gebildeter Mensch doch schon seit der Beatles immerwährenden Erdbeerfeldern begriffen haben. Aber nein, hier wird die zweite Silbe betont, damit es sich auch auf „cherries“ reimt. Was mitten in der Zeile eigentlich gar nicht not tut.

Und wenn dann trotzdem gerade so etwas wie, naja, Interesse wäre zuviel gesagt, aber vielleicht doch milde Neugier aufkommen will, kommt die zweite Zeile daher und haut einem mit dem Holzhammer namens „really“ die Finger platt, bis das Versmaß wieder paßt. So ein Gewürge!

Gut: solche Zeilen können den Besten passieren, hin und wieder mogelt man schon mal mit der Betonung oder baut jämmerliche Füllwörter ein, aber doch bitte nicht in den allerersten beiden Zeilen, die dann auch noch alle Naselang wiederholt werden, weil sie wohl den Refrain vorstellen sollen!

Dann habe ich aber doch noch ein wenig recherchiert und festgestellt: das Ding ist alt. Uralt. 1968 — ob man da in den Kreisen von Nancy Sinatra und Lee Hazlewood die Beatles schon als Autorität in Aussprachefragen begriffen hat, darf bezweifelt werden. Somit verlagert sich mein Zorn auch mal wieder auf die Spinner der Musikindustrie.

Denn mit „These Boots Are Made for Walking“ und „Something Stupid“ wurden ja in den letzten Jahren bereits zwei zugegebenermaßen ziemlich geile Stücke von Nancy Sinatra wieder ausgebuddelt und weder besonders schlecht noch besonders erfolglos neu interpretiert. Prima, dachte sich da dann wohl so ein Spinner, das ist eine Erfolgsformel. Was hat die Nancy denn noch so gemacht, was man mal covern lassen könnte? Haben sie halt dieses furchtbare kleine Liedlein hier gefunden. Mir graust, mich schaudert, bei dem Gedanken, was da noch so in verdientermaßen vergessenen Archiven schlummern mag.

Sowas kommt davon, wenn man den Hals nicht voll genug kriegen kann. Auch an Erdbeeren (egal ob richtig betont oder nicht) und Kirschen kann man sich den Magen verderben. Wohl bekomm’s!

2 Kommentare

  1. stefan

    hehe, endlich greift mal jemand dieses akustische gewürge auf! dachte schon ich wär der einzige der sich über so was aufregt

  2. Phil

    Nun ja, das erste Mal, dass so etwas verbrochen wird, ist es sicher nicht. Ich persönlich kenne die „neue Version“ nicht. Denn so alleine kann ich mich gar nicht fühlen, um aus Versehen das Radio, oder sogar *argh* den Fernseher einzuschalten. Nein, so sinnlos ist mein Leben noch nicht, um diese Art des Suizidversuches auszuüben. Aber ich meine, das alte Lied zu kennen, und ja, gemocht hat es noch nie wirklich jemand…

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