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Endlich vorbei

Das Thema ist ja nun wirklich ein zu reizvolles, um nicht ab und an mal darüber nachzugrybeln. Hach, was könnt das interessant sein! Aber leider, leider bin ich fest davon überzeugt, daß das mit dem Zeitreisen a) nicht gehen kann und daß es b) auch gut so ist, daß dem so ist. Über ersteres brauchen wir nicht weiter zu reden, dazu fehlt mir eh der wissenschaftliche Hintergrund — aber gut so, warum das denn?

Nun: wir können nichts beobachten, ohne es zu verändern. Das ist eine triviale Erkenntnis. Meine Überzeugung ist nun aber, daß auch eine noch so kleine Veränderung der Vergangenheit katastrophale Folgen haben würde für die Welt, wie wir sie kennen. Warum? Es spielt doch auf lange Sicht sicher keine Rolle, ob Oppa Erwin in seiner Jugend einen mehr oder einen weniger in die Fresse bekommen hat? Eben nicht.

Und der Grund? Ganz einfach: die menschliche Fortpflanzung. Sie ist ein so dramatisch zufallsgesteuertes System, daß meiner Überzeugung nach jede triviale Veränderung (auch Oppa Erwins ausgeschlagener Schneidezahn, von dem Omma Luise immer behauptet, er störe sie fast gar nicht) bewirken muß, daß andere Nachkommen entstehen, als sonst entstanden wären. Man veranschauliche sich: Millionen von Spermien ergießen sich in ein Rennen um den ersten Platz an der Eizelle. Wie wahrscheinlich ist es, daß bei auch nur minimal veränderten Ausgangsbedingungen (wie eben Luise, die, vom abgebrochenen Schneidezahn des jungschen Erwin leicht abgetörnt, ein bißchen weniger enthusiastisch stöhnt und so bewirkt, daß es jenem erst ne Minute später kommt) dasselbe Spermium das Rennen macht? Ich meine: so gut wie null.

Ergebnis: früher oder später wird ein Zeitreisender durch seine schlichte Anwesenheit, so unauffällig diese auch sein mag, bewirken, daß ein anderer Mensch geboren wird als sonst. Und in dem Moment ist es dann auch schon vorbei: denn dieser eine andere Mensch wird im Laufe seines Lebens so viel anders machen als der, den er ersetzt hat, daß nur ein paar Generationen später nichts mehr wiederzuerkennen ist.

Was auch einer der (wenigen) wunden Punkte an der ansonsten ja recht unterhaltsamen „Zurück in die Zukunft“-Trilogie ist: hallo? Der Typ ist auf einmal erfolgreicher Autor statt, ja was eigentlich?, und wohnt trotzdem mit derselben Frau (mag sein) in demselben Haus (najaa) — und hat mit ihr dieselben Kinder gezeugt?! Ja, nee, is klar. Und wenn ich aus demselben Riesenrad zweimal denselben Tennisball werfe, treffe ich damit auch beide Male jeweils dieselben drei Straßenpflastersteine. Na logisch.

Folgt jetzt daraus zwingend, daß Zeitreisen unmöglich sind? Nein. Denn selbst wenn so eine Veränderung irgendwann in der Vergangenheit stattgefunden hätte — wir, die wir in der so veränderten Gegenwart leben, haben ja keine Chance, das zu bemerken. Bemerken tut’s nur der Zeitreisende, die arme Sau. Falls er es überhaupt überlebt — und nicht schon seine Großeltern versehentlich aus der Existenz geputzt hat, indem er Oppa Erwin einen Schneidezahn ausgeschlagen hat. Wessen ich mir aber einigermaßen sicher bin, ist, daß Zeitreisen im großen Stil nicht stattfinden werden — denn dann wäre es m.E. viel zu wahrscheinlich, daß die Welt tatsächlich von wohlmeinenden Vergangenheitsveränderern vernichtet worden wäre. Ein Eigenbrötler hingegen wie Doc Brown, der nach ein paar Zeitreisen einsieht, daß diese teuflische Maschine zu zerstören ist, weil sie nix als Unheil bringt — das wäre u.U. denkbar.

Bloß nicht wünschenswert. Bleiben wir lieber bei Drehbüchern und freuen uns der Tatsache, daß die Vergangenheit zwar alles mögliche gewesen sein mag, eins aber ist und auch mit Sicherheit bleiben wird: endlich vorbei!

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