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Der große Bruder wächst heran

So ganz allmählich wird mir mulmig. Da berichten doch unabhängig voneinander Bruce Schneier von den Überwachungskameras fürs neue Worllt Träid ßenta, die (bzw. deren Auswertecomputer) „verdächtiges Verhalten“ ohne menschliche Hilfe erkennen können sollen, und — noch besorgniserregender — Telepolis von einem System, das sogar „feindliche Absichten“ erkennen können soll. Besonders letzteres, das darauf beruht, „anhand von Verhaltensweisen zu erkennen, ob jemand nervös, aufgeregt oder ängstlich ist, und diese Personen dann einer Kontrolle zu unterziehen“, riecht für mich schon ziemlich penetrant nach Orwell und so.

Ich mein, man stelle sich das mal vor: da latscht man nichtsahnend durch einen Flughafen, wird von einer Kamera gefilmt, und ein Computer beschließt aufgrund von Körperwärme sowie Puls und Blutdruck, letztere anhand von „Bewegungen der Körperoberfläche“ ermittelt, daß man was Böses im Schilde führe und deswegen erstmal kaltzustellen sei — obwohl man vielleicht gerade nur eine gewisse Vorfreude auf nach der langen Trennung endlich mal wieder vorzunehmende nächtliche Aktivitäten mit dem Partner verspürt, nach dem gestrigen (zweifelhaften) Genuß von „Feinel Deßtinäischen“ Flugangst hegt oder gar einfach nur leicht angefiebert ist. Will man dann auch noch zur Leibesvisitation? „Ist das da ein Totschläger in Ihrer Tasche, oder freuen Sie sich einfach nur, mich zu sehen?“ — „Nun tasten Sie mich schon endlich ab, ich hatte schon seit Wochen kein Sexualleben mehr, es wird langsam Zeit!“

Hinzu kommt, daß sogar die Entwickler nur „ein System mit 75prozentiger Genauigkeit“ versprechen. 75% sind ganz schon scheiße, wenn man mit Raten schon 50% erreichen kann. Wobei ja noch zu fragen bleibt, ob diese 75% nun bedeuten, daß nur einer von vier Terroristen unbehelligt bleibt, oder daß immerhin drei von vier Normalreisenden keinen Umweg zu den freundlichen Herren mit den Gummihandschuhen machen müssen. Und was davon schlimmer wäre.

Mein einziger Trost bleibt wie immer nur, daß das vermutlich alles gar nicht so richtig funktionieren wird. Zumindest nicht während meiner verbleibenden Lebenszeit. Aber trotzdem seh ich jetzt diese Szenen in „Meinorritie Rieport“, wo die Plakatwand per Retina-Scan die vorbeigehenden Passanten mit Namen anzusprechen vermag, mit etwas anderen Augen.

Nachtrag: Auch Bruce Schneier schreibt inzwischen was zum Böse-Absichten-Erkenner; zwar nur zwei Links (und die auf englisch), aber wer mehr wissen will, als Telepolis schrieb, dem seien sie empfohlen.

1 Kommentar

  1. Axel

    Hmmm, haben die auch nach außen gerichtete Kameras, die selbständig verdächtiges Verhalten von Flugzeugen erkennen?

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