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Ein Konjunkturpaket zum Abwracken

Eigentlich hätte man’s wissen müssen, daß Tante Merkels tolles tolles Konjunkturpaket wieder mal nix taugen würde. Einerseits werden mit großer Geste Entlastungen auf gehobenem Taschengeldniveau unters Volk geschmissen (Krankenkassenbeiträge, erst neulich derbe erhöht, jetzt ein bißchen gesenkt — danke! Ein paar Euro weniger Einkommenssteuer — ja, genau, das bringt’s! Und vor allem bevorzugt’s nicht wieder in unangemessener Weise die Geringverdiener, das kann man sich als CDU ja auch nicht leisten…), andererseits werden mit noch größerer Geste etwas größere Beträge denen zugeschoben, die sie eigentlich nicht brauchen. 100 Euro Einmalzahlung für jedes Kind — klar, das sind ja auch die Konsumenten schlechthin. Und natürlich 2.500 Euro Abwrackprämie für all jene, die jetzt beim Kauf eines Neuwagens ihren mindestens neunjährigen „Altwagen“ verschrotten lassen, statt ihn zu verkaufen, egal ob an ärmere oder geizigere Landsleute oder nach Timbuktu.

Besonders letztere bringt mich, wer hätte das geahnt, mit einiger Zuverlässigkeit auf die Palme. Den grundsätzlichen Fehler, solch eine Prämie für ökologisch sinnvoll zu halten, habe ich ja schon in grauer Vorzeit mal angesprochen, als sie nur von Ford gezahlt wurde und nicht vom Staat. Aber gut, geschenkt, es geht ja nicht um die Umwelt, es geht um die Wirtschaft. Fördern wir also all jene, die jetzt ihren (den Werkstätten immer wieder treu Aufträge bringenden) leicht altersschwachen Mondeo verschrotten lassen und ihn durch einen Dacia, Suzuki oder Kia ersetzen. Das wird der deutschen Wirtschaft bestimmt guttun.

Und hätte man ein funktionierendes Ökodeckmäntelchen haben wollen für diese arg ungezielte Wirtschaftsförderungsmaßnahme, es wäre doch so einfach gewesen: man berechne einfach den CO2-Ausstoß (um das aus der Mode gekommene Wort „Verbrauch“ zu vermeiden) des Neuwagens, bilde die Differenz zu dem des „Altwagens“ und prämiere nur dann (und umso üppiger wie) ersterer letzteren unterschreitet. Und schon hat sich’s was mit Golf 2 1.3 ersetzen durch Tiguan 2.0 und sich den neuen, übergewichtigen Spritfresser noch vom Staat fördern lassen. Als Nebeneffekt würden von den diversen jetzt mal wieder existenzbedrohten Youngtimern (Autos zwischen Gebrauchtwagen- und Oldtimerdasein) bevorzugt die Klimakiller vom Schlage eines 500 SE oder Senator 3.0 aussterben und nicht so sehr die eigentlich ja auch heute noch recht vernünftig alltagstauglichen Polo 1.4 oder 316i, weil es für deren Eintausch eben so gut wie keine Prämie gäbe.

Wie einige Leser wissen, mache ich ja seit nunmehr acht Jahren den Selbstversuch mit einem damals 13-, heute also 21-jährigen Golf 2, der mir damals für 200 Mark zugelaufen war. Ergebnis: klar sähe ich die seither in Reparaturen investierten 3.000 Euro nie wieder, es sei denn als Abwrackprämie, aber dafür bin ich in der Zeit auch 140.000 km gefahren mit dem Ding, bei Verbrauchswerten um die acht Liter. Inzwischen erfüllt er sogar die Schadstoffklasse D3/Euro2, hat an die 380.000 auf der Uhr und macht nicht den Eindruck, das Experiment vorzeitig beenden zu wollen. Doch, wenn ich mir das so anseh, kann ich schon verstehen, daß die Autoindustrie Angst vor den eigenen Qualitätsprodukten vergangener Zeiten bekommt und ihre Gehilfen aus Berlin mit Gewalt dazu nötigt, jene mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln in die Presse zu befördern, ehe sie auch noch 30 werden und die Weihen der beinahigen Unsterblichkeit in Form eines Oldtimerkennzeichens bekommen können.

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