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Scheiße, ich werde alt

Allmählich werden die Einschläge häufiger. Das erstemal hab ich den Spruch aus der Überschrift vor … äh … herrjeh, ist das lange her … Mist! Wenn man schon überlegen muß, wie lange es her ist, daß man das erstemal dachte, man werde alt — dann wird man wirklich alt. Bei mir war das irgendwann in den 90ern, als die Zeitschrift Oldtimer-Markt (damals noch „Markt für klassische Automobile und Motorräder“) das erstemal ein Auto auf dem Titel führte, an das ich mich noch ganz gut vom Titel der Auto Motor und Sport erinnern konnte: den Porsche 924 GTS. Mittlerweile ist sowas alltäglich. Sowas und Schlimmeres.

Meint doch neulich einer an der Tankstelle angesichts meines Winterautos: „Ey kuck mal, ’n ouler GTI! Daß das sowas noch gibt!“ Klar freut einen sowas erstmal, und ja, „ich mag den Golf“, aber hallo? Das Auto ist nur ein paar Monate älter als mein Führerschein!

Den Spruch „ich mag den Golf“ (er-)kennt heute auch kaum noch einer als VW-Werbeslogan, oder? Und wer von den Lesern weiß denn schon noch, daß Werther’s Original-Bonbons mal „Werther’s Echte“ hießen? Oder daß Bentley mal fast dasselbe war wie Rolls Royce, Trix aber was völlig anderes als Märklin? Und daß Twix einst Raider hieß? Wenn Ihr das alles noch wißt, hab ich eine schlechte Neuigkeit für Euch: Scheiße, Ihr werdet auch alt. ;-)

Nee, was haben wir damals gewitzelt, als Stephen Kings Romane „Es“ und „Sie“ in den Bestsellerlisten standen, daß sein deutscher Verlag dann ja für die nächsten 22 Romane die Titel mit Erfolgsgarantie schon fertig in der Schublade hätte: „Mein“, „Ihr“, „Euch“, „Mich“, „Die“, „Dein“, „Mir“, „Ich“, „Uns“, „Sich“, „Sein“, „Euer“, „Ihnen“, „Er“, „Dir“, „Unser“, „Wir“, „Du“, „Ihm“, „Dich“, „Deren“ und „Euer“. Und heute? Heute hat der Mann seitdem nicht bloß 22, sondern, wenn ich mich nicht verzählt habe, sogar 26 weitere Romane geschrieben. Nebst ein paar anderen Büchern. Nicht zu fassen.

Neulich im Bäckerladen hab ich mich dann das erstemal diesbezüglich böse blamiert. Die Verkäuferin sprach mich auf meine Antwort „Dito“ auf ihr „Frohes neues Jahr“ an, sie habe das schon mal gehört, aber was es denn genau bedeute und ob das hier in der Gegend üblich sei? Und ich antwortete sinngemäß, das habe mit der Gegend m.E. wenig zu tun, aber „in unserer Generation“ sei das ein ziemlich normaler Begriff. Den sparsamen Blick, mit dem diese 18-jährige Azubine mich alten Knacker ansah, der tatsächlich sich zu ihrer Generation zugehörig zu fühlen schien, werde ich so schnell nicht vergessen.

Scheiße, ich werde alt. Und auf einmal sind auch so Phrasen wie „man ist so jung, wie man sich fühlt“ oder „Hauptsache man ist geistig junggeblieben“ gar nicht mehr so lächerlich wie vor … äh … Mist!

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