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Kunststoffrecycling ist keins

Man trifft ja erstaunlicherweise auch heute, im Jahr drölf nach dem Grünen Punkt, Leute, die dem Irrglauben anhängen, man könne kunststoffene Verpackungen tatsächlich recyclen. Gut: den Leuten kann man daraus keinen Vorwurf basteln, woher sollen die es auch besser wissen? Schließlich hat nicht jeder wie der Unterzeichnete mal in der plastverarbeitenden Industrie gejobbt.

Hergestellt wurden in dem Laden so ziemlich alle möglichen Arten von Plastverpackungen. Am übelsten in Erinnerung geblieben sind mir allerdings die Shampooflaschen, die auf einer „meiner“ Maschinen gespritzt wurden.

Das Rohmaterial, so wie es aus der Fabrik kam, waren kleine, ungefähr runde Kügelchen, die zusammen mit einem furchtbar gemein abfärbenden Farbbrei in den Einfülltrichter kamen. Am anderen Ende kamen dann die Shampooflaschen raus und irgendwo in der Mitte außerdem auch noch die sogenannten „Angüsse“. Das ist das, was der Modellbauer als „Spritzling“ kennt: das in den Gußkanälen zwischen Heizelement und Werkstück erst flüssig und dann wieder fest gewordene Plastik halt.

Diese Angüsse wanderten dann natürlich 1:1 in den Schredder, genau wie Shampooflaschen, die aus irgendwelchen Gründen durch die Qualitätskontrolle gefallen waren. Und damit komme ich dann auch langsam zum Punkt: das, was da aus dem Schredder kam, war ergo optimal zum Recycling geeignetes Plastik. Es hatte weder Shampoo noch Aufkleber noch Aufdrucke noch Preisschilder jemals von weitem gesehen, es war sogar nur zu einem verschwindend kleinen Teil jemals mit Menschenhaut in Berührung gekommen.

Und trotzdem konnten wir von diesem idealen Recyclingmaterial maximal dreißig Prozent in den Einfülltrichter der Shampooflaschenspritzmaschine geben, wenn die daraus erzeugten Shampooflaschen auch nur den vagen Hauch einer Chance haben sollten, ihrerseits die Qualitätskontrolle zu bestehen. An guten Tagen. An schlechten (also besonders warmen mit besonders hoher Luftfeuchtigkeit) haben wir eh Shampooflaschen aus 100% Neumaterial zu 100% für den Schredder produziert.

So. Und nun vergegenwärtige man sich mal bitte, was für ein vermischter, verdreckter Plastikmüll beim Dualen System Deutschland ankommt. Recycling? Hohngelächter!

Volksverdummung vom Feinsten,
konstatiert grüßend:
  Euer Dieter Schlabonski.

2 Kommentare

  1. _RGTech

    Wenn schon Recycling nicht zutrifft, so werden die Kunststoffe doch immerhin wiedererwertet.

    Wiedereinsetzbare Granulate machen offenbar wirklich nur einen geringen Anteil aus. Auch die chemische Spaltung in die Grundstoffe ist offenbar nicht so weit verbreitet, wenn auch möglich.
    Deutlich öfter werden die Stoffe als Brennstoff verwendet, um Heizkraftwerke mit Müll zu befeuern…

    Gut, dann kann ich’s auch gleich in den großen Eimer schmeißen. Kommt im Endeffekt ins gleiche Loch.

  2. Maria

    so sehe ich das auch auch wenn nicht alles 100% Recycelt wird jedoch besser als gar nichts

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