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Augenwischerei

Da regt sich doch heute gestern Telepolis — durchaus nicht zu unrecht, wohlgemerkt — über ein Gerichtsurteil auf, wonach Hartz-4-Empfänger, die bei Neukauf eines PKW die Abfuckwrackprämie kassiert haben, eben jene als leistungsmindernd aufs ALG 2 angerechnet bekommen. Was ja auch wirklich ne Schweinerei ist, keine Frage.

Aber beim letzten Abschnitt des Artikels, und dem dort verlinkten, schwillt mir dann doch ein wenig der Kamm. Dort heißt es dann nämlich:

Auf der sachlichen Ebene könnte man dem Gericht entgegenhalten, dass ein benzinsparender Neuwagen „für so manchen ALGII-Empfänger eine durchaus sinnvolle Investition durch das vorhandene Schonvermögen ist“ (siehe dazu: Abwrackprämien, Abfindungen und ALGII). Das könnte nicht zuletzt auch das soziale Vermögen schonen.

Ja nee, is klar.

Liebe Telepolemiker: Ein Neuwagen ist immer, ohne Ausnahme, in erster Linie eine Geldvernichtungsmaschine. Auch wenn man vom Staat zu dessen Anschaffung 2.500 Flocken dazugeschossen bekommt (und das ist ja noch nicht mal so, denn dafür geht ja der auch nicht wertlose Altwagen in die Tonne). Wenn unser Hartz-4-Empfänger außer demselben dann also auch noch mindestens rund 5.000 Euro seines definitionsmäßig nicht eben üppigen Vermögens in besagten Neuwagen versenkt hat und der Händler die Kennzeichen dranschraubt, gehen schon mal die ersten mindestens 1.000 Euro in Rauch auf. Und den Rest der Abfuckprämie frißt in den Folgejahren ganz locker der Wertverlust auf, den der Altwagen gar nicht oder zumindest lange nicht in dem Maße hatte.

Und der Wertverlust ist nun mal, auch wenn sich das keiner bewußt macht, Kostenfaktor Nummer eins beim privaten PKW. Woraus man entspannt folgern kann, daß die preiswerteste Art des Autofahrens eben das Fahren von Altfahrzeugen ist.

Muß ja nicht gleich ein Sechszylinder oder ähnlicher Saufkopp sein. Es gibt auch sparsame Altwagen. So ab Mitte, Ende der 80er wurden ziemlich viele davon gebaut: da hatten sie meistens schon Einspritzanlagen (und G-Kat), wogen aber noch nicht soviel wie die leichten Panzerkampfwagen der Neuzeit.

Insofern sei dem Hartz-4-Empfänger (und eigentlich auch jedem anderen, der kein Geld zum Verbrennen übrig hat) geraten, auf die Abfuckprämie zu scheißen und die alte Karre einfach weiterzufahren. Soviel, wie der Neuwagen im Jahr an Wert verlöre, kann an der gar nicht kaputtgehen. Und wenn sie tatsächlich zu versoffen ist oder zu viel Steuern kostet, dann halt verkaufen und für ein paar hundert bis wenige tausend Steine einen günstigen, ruhig schon ins Youngtimermäßige spielenden Gebrauchtwagen anschaffen.

Dessen Mehrkosten bei der Steuer und Versicherung werden schon die günstigeren Wartungskosten wieder reinholen. Auch als Nichtselbstschrauber ist man ja mit ner alten Schlurre nicht auf die Vertragswerkstätten angewiesen, sondern kann sich bei der kleinen freien Hinterhofwerkstatt mit Migrationshintergrund 😉 sehr viel preiswerter helfen lassen. Mehr verbrauchen als der Neuwagen muß er auch nicht unbedingt, und wenn doch — für 5.000 Euro kann man ganz schön viel Sprit kaufen.

Und hinzu kommt die beruhigende Gewißheit, die Kiste ohne großen finanziellen Verlust jederzeit wieder loswerden zu können. Und selbst wenn man sie zu Bruch fährt (und keine Vollkasko hat, schon wieder Geld gespart), ist das kein großer Beinbruch. Kommt eben die nächste Paarhunderteurokiste.

Fazit: Wenn ein Auto einem vorkommt wie eine Investition (und nicht wie der Kauf eines zwar nicht spottbilligen, aber auch nicht ehrfurchterregend teuren Gebrauchsgegenstands), dann ist die Karre zu teuer für die eigenen finanziellen Verhältnisse. Fahre niemals mit etwas Rennen, das Du nicht auch bereit wärst, über ne Klippe zu schieben — das ist ein alter Rennfahrerspruch. Den möchte ich gerne auf den Alltagsgebrauch verallgemeinern. Der Totalverlust eines Autos muß nicht mehr wehtun als der eines Kühlschranks oder PCs heutzutage. Wer teurer kauft, ist selbst schuld und soll sich dann fallweise bitte nicht beschweren.

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