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Der Übersetzer-Test

Übersetzen ist ein hartes Brot, wie jeder weiß, der es schonmal versucht hat. Je besser der zu übersetzende Text, desto härter wird es. Ganz besonders hart wird es, wenn man etwas übersetzen soll, das sich ohne Verlust an Bedeutung nicht übersetzen läßt.

Und genau deswegen eignet sich eine solche Stelle ganz hervorragend, um zu zeigen, was ein Übersetzer draufhaben sollte, eh er sich an Douglas Adams wagen mag.

Zunächst die Stelle (aus „The Hitch Hiker’s Guide to the Galaxy“, die Namen der Figuren stehen im Original so nicht davor):

Ford: „You’d better be prepared for the jump into hyperspace. It’s unpleasantly like being drunk.“
Arthur: „What’s so unpleasant about being drunk?“
Ford: „You ask a glass of water.“

Böse Falle. „Getrunken werden“ meint Ford, „betrunken sein“ versteht Arthur, und auf Deutsch funktioniert’s eben nicht.

Was tun?

Der herausragende Übersetzer …

… würde einen Weg finden, in etwa dasselbe auf Deutsch so zu sagen, daß das Mißverständnis trotzdem funktioniert und der Witz damit erhalten bleibt. Was zum Beispiel? Woher soll ich das wissen? Bin ich ein herausragender Übersetzer? Also bitte.

Aber vielleicht bist Du ja einer? Wenn Dir eine Übersetzung dieser Stelle einfällt, die diesen Kriterien genügt, schreib mir (oder hinterlasse einen Kommentar), und es winken Ruhm, Ehre und mehr Groupies als Du tragen kannst, wenn ich Deinen Geniestreich hier veröffentliche. 😉

Der verdammt gute Übersetzer …

… würde statt dieses Wortwitzes einen anderen finden, der auf Deutsch funktioniert und außerdem nicht völlig vom Thema abkommt. Auch hier muß ich, der nicht eben verdammt gute Übersetzer, das Beispiel schuldig bleiben.

Aber auch hier gilt mein Angebot von oben.

Der gute Übersetzer …

… würde merken, oh, Mist, das pack ich nicht, und das Problem in einer Fußnote verständlich machen, etwa so:

Ford: „Du solltest Dich auf den Sprung in den Hyperspace vorbereiten. Es ist unangenehm, so wie betrunken zu sein.“
Arthur: „Was ist so unangenehm daran, betrunken zu sein?“
Ford: „Frag ein Glas Wasser.“ 1
[…]
1 Ford sagt „being drunk“ und meint „getrunken zu werden“, Arthur versteht „being drunk“ als „betrunken zu sein“. (Anm. d. Übers.)

Nicht eben der Brüller, aber verständlich. Man kann den Witz würdigen, und man versteht, worum es geht. Immerhin.

Der schlechte Übersetzer …

… würde stumpf 1:1 übersetzen, was die Figuren sagen, und sich einen Dreck darum scheren, wenn Blödsinn dabei rauskommt. So zum Beispiel:

Ford: „Du solltest Dich auf den Sprung in den Hyperspace vorbereiten. Es ist unangenehm, so wie betrunken zu sein.“
Arthur: „Was ist so unangenehm daran, betrunken zu sein?“
Ford: „Frag ein Glas Wasser.“

„Häh?“, denkt der Leser, „ein Glas Wasser fragen?“ Mit ein wenig Nachdenken kann er noch drauf kommen, was da passiert ist, ansonsten zuckt er mit den Schultern – „was weiß ich“ – und liest weiter.

Doch doch, es kann schlimmer kommen. Viel schlimmer.

Der erschütternd schlechte Übersetzer …

… verbiegt nämlich das, was die Figuren da sagen, soweit, daß es zwar wieder einen scheinbaren Sinn ergibt, dafür aber sowohl der Witz als auch die Aussage verloren gehen:

Ford: „Du solltest Dich auf den Sprung in den Hyperspace vorbereiten. Es ist unangenehm, so wie betrunken zu sein.“
Arthur: „Was ist so unangenehm daran, betrunken zu sein?“
Ford: „Man wünscht sich ein Glas Wasser.“

Das führt zwar nicht zu einem „Häh?“ wie das vorherige Beispiel, sondern nur zu einem Stirnrunzeln – aber dafür gibt es beim Lesen des englischen Textes ein riesiges Deja-vu, in dessen Folge man den Übersetzer noch nachträglich rituell erwürgen möchte.

Oder, wie in meinem Fall, wenn man sich beim ersten Lesen des englischen Textes nicht mehr an die Übersetzung erinnert, dazu, daß das deutsche Buch beim nächsten Lesen in hohem Bogen in die Ecke fliegt. So geschehen mit der oben hoffentlich richtig zitierten Ullstein-Übersetzung „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Benjamin Schwarz.

Die Zweitausendeins-Übersetzung fehlt hier noch. Aber soweit ich mich entsinne, ist sie nicht besser.

Fazit

Mag sich nicht mal bitte ein mindestens guter Übersetzer am „Anhalter“ versuchen? Bitte bitte bitte? Mit Zucker obendrauf? 1 😉

Es wäre Zeit.

1 Ja, ich weiß, daß das eine schlechte Übersetzung ist, keine Bange. Und wer weiß, woher, kriegt ein Fleißpünktchen.

1 Kommentar

  1. Oliver

    Ich denke, der Übersetzer hat da einfach ein „for“ reininterpretiert und das Hirn nicht eingeschaltet. Weil „beeing drunk“ mit „getrunken sein“ zu übersetzen, ist schon sehr ungewöhnlich…

    You ask [for] a glass of water

    Aber wenn ich nochmal drüber nachdenke wird aus meinem Kommentar, der ursprünglich in Richtung „nachvollziehbarer Flüchtigkleitsfehler“ gehen sollte, doch ein: Ich gebe Dir recht, ein erschütternd schlechter Übersetzer. Wer Adams‘ Witz nicht versteht, sollte ihn besser nicht übersetzen dürfen 😉

    – Oliver

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