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Shrimps im Ghetto

District 9. Im Kino.

Endlich traut sich mal einer, zu zeigen, was wahrscheinlich passieren würde, wenn die Aliens uns nicht haushoch überlegen sind. Was wird schon passieren? Einsperren werden wir sie, benutzen, betrügen, mißbrauchen und abschlachten. Machen wir doch mit allen so, die uns nicht haushoch überlegen sind.

Wobei sich nach dem Kinobesuch zugegebenermaßen schon ein paar Fragen auftun, was die Logik und Sinnhaftigkeit des Films angeht. Die sind also vor 20 Jahren hier gestrandet. Ihre Waffentechnik ist unserer hoch überlegen — und, wie an reichlich Geballer zu sehen, funktioniert noch einwandfrei. Ihr Schiff ist unserer Technik erst recht überlegen — und funktioniert, wie sich gegen Ende herausstellt, auch einwandfrei. Und auch die anderen kleinen Gimmicks, Computer und so, sind den unseren … na Ihr wißt schon. Und funktionieren. Einwandfrei. Warum haben sie das (was, verrate ich hier mal nicht) also nicht schon vor 20 Jahren gemacht?

Achja, sie mußten ja dieses Wundermittel aus Müll destillieren. Schon ein tolles Stöffchen; funktioniert als Treibstoff ebenso wie als Auslöser völlig durchgeknallter biologischer Reaktionen. Haben sie dann am Ende aber beides nicht wirklich gebraucht.

Der hier bisher stehende Absatz über zu alte Autos und Computer für einen Film, der in der Zukunft spiele, hat sich erledigt: District 9 spielt, wie ich mittlerweile festgestellt habe, in einer fiktiven Gegenwart. Sorry!

So. Genug gelästert. Denn wie gesagt: solch Logiklücken bemerkt man erst, wenn man schon wieder raus ist aus dem Kino. Während man drin ist, ist man (oder zumindest: war ich) völlig hin und weg von dem Streifen. Erstens wegen der wirklich klasse gefilmten Bilder, die völlig frei von Glamour und Pomp eine Welt zeigen, die einfach nur brutal realistisch rüberkommt, mit Menschen, die mit den außerirdischen Gefangenen realistisch brutal umspringen. Man kann das nicht gut finden (im Gegensatz zu Filmen wie etwa Starship Troopers, wo man unwillkürlich bei jedem gemetzelten Alien mitjubelt, oder Independence Day, wo sie einem zumindest ziemlich wurscht sind), im Gegenteil, es macht einen ähnlich betroffen wie echte Foltervideos aus Kriegsgebieten, und das ist ja auch die Absicht der Macher. Aber man muß widerstrebend zugeben, daß es sehr wahrscheinlich so und nicht anders laufen würde, daß wir Aliens, wenn sie uns lassen, so und nicht anders behandeln würden: wie ein Mittelding aus Untermenschen, Melkkühen und Ungeziefer.

Daß die dann nur noch weg wollen, kann man ihnen nicht verdenken. Daß wir sie nicht lassen, weil wir ihre Waffen so geil finden (die wir aber dank DNA-Codierung nicht bedienen können), erscheint leider ebenfalls realistisch. Und die resultierende Ghettoisierung der Aliens (passenderweise in einem eingezäunten Slum in Johannisburg, Südafrika) ist dann die logische Konsequenz.

Zur eigentlichen Story mag ich nicht viel sagen; sie tritt gegenüber der bedrückenden Szenerie und den eindrucksvollen Bildern eh in den Hintergrund, und sie hält sich am Ende auch alle Optionen offen für den zweiten Teil, mit dessen Kommen ich fest rechne und dessen Titel „District 10“ sich sogar schon herleiten läßt.

Fest steht nur eins: ich geh wieder ins Kino, wenn der kommt. District 9 ist m.E. ein hervorragender Film. Nicht gerade unterhaltsam oder gute-Laune-induzierend, eher bedrückend und pessimistisch stimmend; aber anders kann er auch nicht wirken, wenn er so wirken soll, wie er soll. ;-) Es ist nun mal eine Tatsache, daß Zukunftsgeschichten, sollen sie realistisch wirken, nicht wirklich fröhlich sein können. Und District 9 wirkt wirklich verdammt realistisch. Hoffen wir mal für die Aliens, daß sie nicht hier stranden. Besser ist das. Vor allem für die. Besser für uns ist indes, diesen Film kucken zu gehen. 9 von 10 Punkten, den einen zieh ich nur wegen der erwähnten Logikfehler und Nachlässigkeiten ab.

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