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Null Cent sind ein Kündigungsgrund

Das Phänomen geistert ja immer mal wieder durch den Blätterwald: Arbeitnehmer (oder meistens Arbeitnehmerinnen), die wegen des Diebstahls von fast oder auch ganz wertlosen Dingen (meist Lebensmittel oder deren Reste) fristlos gefeuert werden. Was offenbar rechtens ist.

Neu ist, daß dieser Tage auch immer mal wieder ein sich dafür zuständig fühlender Mensch (und ich gebrauche diesen Begriff ganz wertfrei) laut verkündet, er halte das auch für „gerechtfertigt“. Was ja beinahe so klingt wie „gerecht“. Und da hört’s dann auch allmählich auf, witzig zu sein.

Klar, wenn einer richtig ernsthaft stiehlt in der Firma oder von deren Kunden (im Radio brachte gerade einer dieser Experten das Beispiel eines Hotelangestellten, der Hotelgäste beklaut), dann gehört der gefeuert. Gar keine Frage. Aber hallo? Bei den zitierten Fällen ging es um Reste vom Büffet, die in den Müll gewandert wären. Um Pfandbons im Wert von einem Euro nochwas, die jemand verloren hatte. Kurz, um Sachen, die keine Sau je vermißt hätte. Ist das wirklich Diebstahl, vernichtet das wirklich das Vertrauen so restlos, daß eine Weiterbeschäftigung unzumutbar ist?

Natürlich geht es darum nicht wirklich. Natürlich sind das nur willkommene Gelegenheiten zum Personalabbau oder dazu, mißliebige Mitarbeiter rauszukanten. Umso wichtiger wäre doch aber eine klare Regelung dazu.

Mein Vorschlag: Man setze eine Bagatellgrenze fest (sagen wir 10 Euro), bis zu der der Arbeitgeber den klauenden Mitarbeiter erstmal abmahnen muß und erst im Wiederholungsfall rauswerfen darf. In besonders schweren Fällen, wo ein Vertrauensverlust begründbar ist (wie im o.g. Beispiel mit dem Hotelgast), mag die meinetwegen auch nicht gelten, das kann dann ja ein Arbeitsgericht oder eine Schiedsstelle entscheiden. Und bei tatsächlich wertlosem „Diebesgut“ wie den Essensresten kann dann der Arbeitnehmer im Gegenzug die Abmahnung anfechten.

Wegen einer Frikadelle gekündigt werden ist jedenfalls, wenn auch offenbar rechtens, so doch keinesfalls gerecht.

Findet jedenfalls
  Euer Dieter Schlabonski.

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