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Das Eierpolster

Soso, da hat Äppel nun also endlich seinen langersehnten (hust) Tablett-PC vorgestellt, das „iPad“ oder Eipätt, Übersetzung ;-) siehe oben. Und wie üblich, wenn der Messias (Herr Jobs) neue Hardware präsentiert, geht den Äppeljüngern kollektiv einer ab, während der Rest der Welt sich am Koppe kratzt und gar ketzerisch zu fragen wagt, was daran denn jetzt so toll sein soll.

So ein Tablett-PC war bis dato meist ein ganz normales Notbuch, bloß eben ohne Tastatur und dafür mit Tatschskriehn. Also blöd zum Tippen, aber dafür konnte man, statt mit der Maus oder irgendwelchen Maussurrogaten einen Zeiger zu bewegen, direkt mit den Fingern auf den (hoffentlich gefühlsechten) Programmen herumtatschen. Was vielleicht mal ganz witzig sein mag, aber kaum jemanden ernstlich dauerhaft überzeugen mochte, weswegen diese Geräteklasse seit Jahren vor sich hindümpelt.

Aber jetzt kommt Äppel.

Und Äppel macht schon aus Tradition alles anders. Statt ein Mäckbuch in so einen Tatschkompjuter umzufroklen, haben sie einfach ihr Eifon aufgeblasen. Was erstmal keine blöde Idee ist: Zuviel Rechenpauer für ein Mobiltelefon hatte das Ding ja schon immer, zu teuer war es auch, und die installierte Basis ist auch nicht zu verachten. Derer zwei sogar: einmal die Millionen überzeugter Eifonanbeter, die sich sicherlich leichter ein Appgräiht aufschwatzen lassen werden als Leute wie ich, die mit einem Samsung-Netzbuch herumhühnern, und andererseits die 140.000 existierenden Eifon-Äpps (Programme, für die Nichteingeweihten), die natürlich auch auf dem Eipätt laufen und schon aufgrund ihrer Herkunft gefühlsecht sind.

Soweit also alles gut? Mmmnnnnaja. Nein. Ganz und gar nicht.

Denn vom Eifon hat das Eipätt neben dem Konzept, den Äpps und den Anbetern auch einen gigantischen Nachteil geerbt (für die Anwender; für Äppel ist es natürlich ein, ach was, DER Vorteil): man kann auf dem Ding keine Software installieren, von der Äppel das nicht will. Was bei einem Eifon noch nur milde irritierend sein mag, wächst sich bei einem ausgewachsenen Universal-Kommunikationswerkzeug wie dem Eipätt, das bei manchem sicherlich den Kompjuter verdrängen oder gar ersetzen wird, zu einer Gefahr aus: der des Großen Bruders, der seinen Untertanen vorschreibt, was sie mit der Hardware zu tun und zu lassen haben. Welche Programme kannst Du installieren? Das entscheidet Äppel. Welchen Brauser benutzt Du? Das entscheidet Äppel. Welche Videos kannst Du ansehen? Entscheidet Äppel. Wo kaufst Du Deine Musik? Entscheidet Äppel. Elektrobücher? Entscheidet Äppel. Und kassiert nebenher natürlich fleißig mit, vom Anbieter wie vom Anwender, wenn sie natürlich nicht gleich selbst Anbieter werden.

Das Eipätt ist nicht Closed Source, sondern Closed Everything. Und das ist das Gefährliche daran. Denn wenn es ein Erfolg wird — und wer wollte daran realistisch zweifeln? –, dann bereitet es den Weg in eine IT-Zukunft, die niemand außer den Anbietern wollen kann.

Hoffen wir also, daß die Hacker da draußen sich auf ihren Auftrag besinnen und das Ding möglichst schnell zu dem machen, was es von Rechts wegen ab Werk hätte sein sollen: Ein Kompjuter, auf dem der Anwender entscheidet, welche Software läuft und wo die Daten herkommen. Damit ist die Gefahr zwar noch lange nicht gebannt, aber es wäre ein wichtiges Zeichen.

We don’t need no thought control.

2 Kommentare

  1. Tobi

    Das iPad wird schon aus einem ganz einfach Grund normale Computer nicht ersetzen; ja ihnen nicht einmal gefährlich werden: Es ist, ebenso wie das iPhone, nicht multitaskingfähig.

    Ja, richtig gelesen. Ein Programm, sonst nichts.

    Tobi

  2. Dieter Schlabonski

    Kein Multitasking? Dann braucht man das auch nicht.

    Ernsthaft: Du unterschätzt die Macht, mit der Äppels Marketing und seine Jünger etwas in den Markt zu drücken vermögen. Erinnerst Du Dich noch an Mac OS prä-X? Da wurde auch mit kooperativem Multitasking und übelster Speicherfragmentierung und so weiter rumgehühnert, als selbst Microsoft schon Besseres zu bieten hatte. Wenn Windows NT 5 Jahre zu spät kam, dann kam Mac OS X aber 15 Jahre zu spät, wenn man es an den Vorgängern mißt. Und? Hat das Äppel geschadet?

    Ich denke, wir werden schon bald Steve „oh, and another thing“ Jobs ein behelfsmäßig aufs Eifon-OS aufgeflanschtes kooperatives Möchtegern-Multitasking präsentieren sehen, das natürlich nur mit neuer Eifon- und Eipätt-Hardware laufen wird. Und ich denke, daß das genauso einen Hype auslösen wird wie das Eifon bisher und das Eipätt jetzt. Denn die Presse steht hinter Äppel — logisch, die hoffen, vom großen Kuchen der zu errichtenden Eibuckschopps auch ein paar Brösel abzukriegen, genau wie die Musikindustrie vom Eitjuhnsmjusikstohr. ;-)

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