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Galoppierende Komplexität

Okay, es ist mal wieder Zeit, so zu klingen wie ein alter Knacker.

Es gab mal eine Zeit, da wußte ich von jeder Datei auf meiner Festplatte zumindest ungefähr, wozu sie gut war. (Das lag sicher auch am Betriebssystem im ROM, aber nicht nur.) Etwas später dann wußte ich das nur noch von jedem Programm. Heute habe ich Verzeichnisse, in denen gefühlt mehr Programme liegen als damals Dateien auf der ganzen Platte, und ich weiß von keinem einzigen dieser Programme, wozu es dient.

Es gab mal eine Zeit, da wußte ich von jedem Teil in meinem Auto zumindest ungefähr, wozu es gut war. Heute, bei meinem auch schon lange volljährigen Golf, bin ich mir dessen nicht so wirklich sicher … wenn ich da in die Zentralelektrik kucke, sind da mehr Relais als früher im Käfer Sicherungen, und ich müßte schon nachschlagen, um rauszukriegen, welches wozu dient. Und bei neuen Autos? Naja, ich glaube durchaus, daß so manch BMW-7er- oder Citroen-C6-Fahrer nicht mal von jedem Schalter am Armaturenbrett weiß, wozu er da ist.

Normal, oder? Ja klar ist das normal. Und klar sind der Käfer und mehr noch der Atari, so charmant sie in ihrer Simplizität auch sind, für den harten Alltag nicht mehr so recht brauchbar. Doch, brauchbar schon, aber man mag sich das eben nicht mehr antun. Klar, mal für die Gaudi zwischendurch gerne, aber immer? Nö.

Die Frage, die ich mir angesichts solcher Erkenntnisse aber immer öfter stelle, ist: Wo soll das hinführen? Werden wir 2030 auch bei sagenwirmal einer Schlagbohrmaschine nicht mehr wissen, wozu all ihre Knöppskens dienen; werden wir in einen Mixer spähen und uns schaudernd abwenden, weil uns Albträume drohen angesichts des Elektronikwirrwarrs, der uns da entgegenquillt? (Den Fehler hab ich mal bei einer Digitalkamera gemacht. Der Wiederzusammenbau hat Stunden gedauert. Lektion: Zerlege nichts, was Du nicht eh wegwerfen würdest.)

Wie schön, daß ich noch einen Käfer habe und einen Atari und eine ganz einfache Schlagbohrmaschine …

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