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„Wenn der nicht so einen Scheiß reden würde …“

Das Portemonnaie zu verlieren, ist ansich ja eine eher unangenehme Sache. Von verlorenem Geld und gewonnenen Kosten bei der Wiederbeschaffung der diversen Karten und Papiere mal ganz abgesehen verliert man auch Notizen, Erinnerungsstücke, Quittungen und ähnliches Gerödel, das man erst vermißt, wenn es weg ist. (Und nimmt sich wie jedesmal auch jetzt wieder vor, sowas allabendlich rauszurümpeln. Ja nee, is klar.)

Aber diesmal hatte ich dadurch zumindest eine leidlich unterhaltsame Begegnung mit unseren Freunden und Helfern. Ein solcher nämlich, nennen wir ihn mal Herrn Enkel vom Polizeikommissariat Südwest (Namen geändert), beschied nämlich mein Ersuchen um eine Verlustanzeige mit den Worten „Warten Sie lieber noch ein paar Tage — wenn sich das wieder anfindet, haben wir eine Straftat angezeigt, die nie passiert ist.“ Ja und, ist das mein Problem, dachte ich mir leise und frug stattdessen laut, was denn passiere, sollten mich seine Kollegen ohne Ausweis, Führerschein oder Fahrzeugpapiere anhalten am Steuer meines Kraftwagens. „Dann erzählen Sie den Kollegen das, nennen meinen Namen, dann ist das schon okay.“ Nagut. Er wird’s wissen.

Vorhin hielten sie mich dann tatsächlich an. Wie auch die letzten paar Male in der Salzgitteraner Gegend; offenbar haben die Junx da sonst nix zu tun. „Dann zeigen Sie mal bitte Ihren Führerschein und die Fahrzeugpapiere.“ — „Das wird nicht möglich sein.“ Ich fuhr fort, den obigen Sachverhalt zu erklären, und blickte in verstörte Gesichter. „Ja, und was sollen wir da jetzt machen?“ Ist das mein Problem, dachte ich mir leise und schlug stattdessen laut vor, vielleicht mal im Polizeikommissariat Südost anzurufen. Herr Enkel war natürlich nicht da. „Was war denn das für ein Kollege?“ Wie meinen? „Ja, war der in Uniform oder …?“ Jungs, ich merk mir doch Eure Dresscodes nicht.

„Ihnen ist schon klar, daß wir Sie jetzt eigentlich mit auf die Wache nehmen und erkennungsdienstlich behandeln müßten? So mit Fingerabdrücken und allem?“ — „Nur zu, ist bestimmt ne lustige Erfahrung.“ — „Lustig?“ — „Naja, natürlich nicht für Sie …“ — „Mir ist das egal, es ist ja nur mein Job.“ — „Mir ist das auch egal, ich hab ja nichts zu befürchten, oder?“ — „Das weiß ich erst hinterher.“

In dem Stil ging das dann noch ein Weilchen weiter. Ich habe auch alles brav beantwortet, bis auf das eine Pärchen Fragen, das ich bei Polizeikontrollen grundsätzlich nicht beantworte, weil es die Herren Freunde und Helfer nämlich einen Scheißdreck angeht: „Wo kommen Sie gerade her?“ bzw. „Wo wollen Sie denn hin?“. Statt „Das sag ich nicht“ oder ähnlichen Unfreundlichkeiten hat sich da übrigens die unschuldig vorgetragene Gegenfrage bewährt: „Warum fragen Sie?“ Dann ist er nämlich am Rudern, weil er genau weiß, daß es ihn nix angeht 🙂

Dieser heute hatte indes sogar ne Antwort auf meine Gegenfrage: „Hätt ja sein können, daß Sie hier in der Nähe jemand identifizieren kann, dann wären wir da eben mit hingefahren.“ — „Nö, die schlafen um die Zeit alle.“ — „Achso.“

„Ja, und was machen wir jetzt mit dem?“, so frug dann einer der beiden den anderen. Und der erwiderte die Worte aus der Überschrift: „Wenn der nicht so einen Scheiß reden würde, würd ich ihn mitnehmen.“ Da verspürte ich denn doch einen gewissen Erklärungsbedarf. Als ich jenen vokalisiert hatte, kam folgende Erklärung: man höre in Situationen wie dieser ja alles Mögliche an seltsamen Ausreden, aber das, was ich da erzähle, klinge nicht wie ausgedacht — genau so einen Mist würde er von den Kollegen (Sesselfurzern, hörte ich ungesprochen heraus) erwarten. „Wenn Sie Ihre Verlustanzeige machen, und dabei dem Kollegen Enkel begegnen, treten Sie ihm bitte von mir in den Hintern.“ — „Das werde ich so nicht formulieren, aber ich kann ihn nett von Ihnen grüßen.“

Und so ließen sie mich ziehen. Schade eigentlich, eine Reportage von der erkennungsdienstlichen Behandlung hätte ich Euch auch noch gern serviert. (Da stellt sich, nebenbei, die Frage, was die bringen soll. Ist mein Bild vom Ausweis auch in irgendeiner Datenbank? Vermutlich. Hoffentlich. Meine Fingerabdrücke jedenfalls hat, wenn ich jetzt nicht völlig durch den Wind bin, noch keiner.)

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