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Deepwater Horizon oder: Tiefe Wasser sind trüb

Okay, es ist wohl an der Zeit, daß wir uns dran gewöhnen, daß auf Geheiß von BP pro Tag etwa sechshundert Tanklastzüge voll Rohöl in den Golf von Mexico blubbern. Ist ja auch gar nicht so schlimm, bis jetzt sind die Benzinpreise ja noch einigermaßen stabil geblieben.

Die tollen Versuche, den Kram zu verstopfen, haben jedenfalls nicht funktioniert. Was ja kaum überraschen dürfte. Und auch die jetzt im Gange befindliche Zudeckelungsaktion erfüllt mich nicht mit Optimismus — wenn die jetzt schon als Ziel ansagen, „zumindest einen Teil“ der Pampe auffangen zu wollen …

Bleiben, nachdem man die Atombombe als Lösungsoption offenbar nicht ernstnimmt (warum eigentlich, würde doch prima ins Bild passen?), als Hoffnung also die sogenannten Entlastungsbohrungen. Die sind in Kanada übrigens Pflicht, wogegen BP denn auch eifrig angeht. Klar, geht ja auch ohne, wie man im Golf von Mexico gerade schön sieht. Da werden die bis August fertig, heißt es — okay, das ist eine Terminansage von BP, also rechnen wir mal lieber noch ein paar Monate drauf. Schließlich kommt ja jetzt auch die Hurrikan-Saison, da geht das eh alles ein bißchen langsamer. Dafür wird die Pampe aber weiter geweht.

Beruhigend, daß wenigstens die riesigen Ölblasen unter Wasser nicht existieren. Öl ist ja schließlich leichter als Wasser, das kann also gar nicht sein. Sagt zumindest Tony Hayward von BP: „Das Öl ist an der Oberfläche. Öl hat eine etwa halb so große Dichte wie Wasser. Es will wegen des Dichteunterschieds an die Oberfläche steigen.“ Wollen kann es ja viel, wenn man es nicht läßt. Und genau deswegen ist es ja auch guter Brauch, Ölteppiche mit Chemikalien zu besprühen, damit sie sinken: Aus den Augen, aus dem Sinn. BP macht es nur noch etwas geschickter: die kippen das Zeug direkt am Bohrloch dazu, so daß das Öl gar nicht erst zur Oberfläche kommt. Was da unten vorgeht, sieht man ja nicht. Daß die Chemikalien giftig sind, versteht sich von selber. Daß die Firma, die sie herstellt, zumindest teilweise BP gehört, auch.

Und was trotzdem oben ankommt, muß man ja nicht gleich fotografieren oder filmen deswegen. Da sorgen dann schon die Freunde in den Behörden für und verbieten Journalisten den Zugang zur Küste oder den Flug über die Ölteppiche. Soll ja alles schön sauber bleiben, gell?

Nebenbei hat Telepolis dann noch angemerkt (ganz runter scrollen oder alles lesen!), daß zum Beispiel in Nigeria völlig routinemäßig ähnliche Ölmengen in die Umwelt entfleuchen, ohne daß sich die halbe Welt drum einen feuchten Furz schert. Logisch, sind ja auch keine Strände in God’s Own Country betroffen, wen schert schon das Nìgerdelta?

Naja. So hat wenigstens auch BP nach Esso/Exxon (erinnert Ihr Euch noch an die Exxon Valdez?) und Shell (Brent Spar, anyone?) seinen Öl-GAU, und wir wissen endgültig nicht mehr, wen wir nicht boykottieren sollen. Aral gehört zu BP, sei mal vorsichtig angemerkt.

Beschließen wir das ganze mit dem neuen BP-Logo und -Slogan:
bp.jpg

(Das Logo ist geklaut von Dump.com.)

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