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Der Glanz ist ab

Wer’s nicht gemerkt hat: der Artikel von gestern war natürlich ein Plagiat der Presseerklärung unseres Vertuscheidigungsministers Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg, wenn auch mit ein paar kleinen Textänderungen, die auf Vorsatz hinweisen.

Das ist aber auch zu blöd, ne? Da puzzelt der junge Familienvater in jahrelanger mühevoller Kleinarbeit ne Dissertation zusammen, statt sich um seine Abgeordnetentätigkeit zu kümmern, nur um seinen zahlreichen Vornamen und Adelstiteln auch noch das Wörtlein „Doktor“ hinzufügen zu können, und dann sagt dem keiner, daß man sowas selber schreiben muß! So ein Pech aber auch.

Das wäre ja alles noch irgendwie ungefähr ein klein bißchen verzeihlich gewesen, aber seine engagierte Vorwärtsverteidigung (so sagt man in seinem Job für „Angriff“), beginnend mit dem Begriff „absurd“ und endend in dem gestern hier plagiierten Gestammel, hat dann dafür gesorgt, daß er vollständig verkackt hat. Denn daß das Ausmaß der Abschreiberei im Internet-Zeitalter ans Licht kommen würde, muß ihm doch vorher klargewesen sein?

Das einzige, was er jetzt noch zu seiner moralischen Verteidigung anbringen könnte, wäre die Aussage, ihm sei nicht klargewesen, in welchem Maße sein Ghostwriter abgeschrieben habe. Und ja, das würde ich ihm sogar abnehmen, die Geschichte mit dem wissenschaftlichen Dienst des Bundestages hin oder her.

Seinen Doktortitel und sein Ministeramt sollte das aber nicht retten können, eigentlich. Denn daß er damit sein Amt und seine Alma Mater beschädigt, dürfte selbst dem glanzäugigsten Adelsanbeter klar sein. Ich wage indes die Prognose, daß er trotzdem im Amt bleiben wird. In der Union hat das Aussitzen von Problemen ja eine gute Tradition.

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