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Fukushima liegt in Bayern

Fukushima liegt natürlich nicht in Bayern, sondern in Japan. Wie wir alle seit kurzem wissen, wo da dieses Atomkraftwerk nach Erdbeben und Tsunami (das ist aber auch fies, erst Erdbeben und dann auch noch Tsunami, damit konnte doch keiner rechnen!) langsam auf kleiner Flamme vor sich hin köchelt. Nun ist Japan weit weg, bis die radioaktive Verseuchung hier ist, kann man sie vermutlich als Meßfehler wegverbuchen. Insofern hält sich unsere Bestürzung wie immer in komfortablen Grenzen.

Trotzdem hat das Merkel in heldenhaftem Beinahe-Alleingang ein „Moratorium“ verkündet, daß die sieben ältesten Atomkraftwerke „vorläufig“ vom Netz sollen. Seht her, Schwarz-Geld tut was! Wie auch schon die Laufzeitverlängerung schööön am Bundestag vorbei, klar, man will das ja unbürokratisch wieder loswerden, wenn in ein paar Monaten (müssen nicht drei sein) etwas Gras über die Sache gewachsen ist. Und selbst wenn die sieben Schrottmeiler nicht wieder ans Netz gehen: dank Laufzeitverlängerung können ihre Restlaufzeiten ja problemlos auf andere Atomkraftwerke übertragen werden. Die laufen dann vielleicht bis 2050. Macht ja nix. Sind ja sicher.

Ja. Naja. Und dann ist da das Atomkraftwerk in Gundremmingen. Das ist, genau wie die jetzt zermöllerte Schrottbüchse in Fukushima, ein Siedewasserreaktor. Bedeutet: der Dampf, der da in der Turbine Strom macht, ist radioaktiv. Was natürlich eine zusätzliche Fehlerquelle ist. Siehe Japan.

Gundremmingen hat drei Blöcke, A, B und, wer hätte es erwartet, C. Oder vielmehr hatte es die, denn der Block A ist seit den Siebzigern abgeschaltet. Da gab es nämlich den (bisher) einzigen größeren Störfall der deutschen Atomkraftgeschichte. Immerhin zwei Tote, radioaktive Belastung der Umgebung und ein Kraftwerksblock, der danach als Totalschaden abgeschrieben worden ist, also kein ganz kleiner Unfall. Update: Das waren zwei verschiedene Störfälle im selben Kraftwerksblock: ’75 die Toten, ’77 der Totalschaden.

Und ausgelöst hat diesen Störfall damals was? Nein, kein Tsunami. Auch kein Erdbeben, auch wenn die in Deutschland schon was häufiger sind als Tsunamis. Nein, die Ursache war — zuviel Rauhreif auf ein paar Stromleitungen. Beruhigend, hm?

Aber was red ich. Natürlich sind unsere Kraftwerke viiel sicherer als die in Japan. Ja nee, Merkel. Is klar. Die japanischen waren bis vorletzte Woche bestimmt auch viiiel sicherer als die russischen.

Gundremmingen B und C sind Baujahr ’84, gehören also nicht zu den plötzlich unsicher gewordenen ältesten Kraftwerken und sind damit selbstverständlich weiterhin am Netz.

Mein einziger kleiner Trost: Auch Bayern ist weit weg. Nur leider nicht ganz so weit wie Japan.

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