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Wenn einer mal die Wahrheit spricht …

In Abwandlung eines alten Erziehverses könnte man dieser Tage einen Merkspruch für Politiker propagieren: „Wenn einer mal die Wahrheit spricht — wenn der dann lügt, man glaubt ihm nicht.“

Der eine ist natürlich Onkel Brüderle, der mit Blick aufs „Atom-Moratorium“ (mein Kandidat fürs Unwort 2011, nebenbei bemerkt) vor seinen Kumpanen in von der Wirtschaft den Satz fallenließ, kurz vor Wahlen seien politische Entscheidungen nicht immer rational. Was ja nur eine hübsche Umschreibung ist für unbedacht, kleinhirngesteuert, einfach drauflos. Wörter, die des Merkels Atompolitik in der Tat ganz treffend charakterisieren.

Klasse Vorlage jedenfalls, und entsprechend war auch der Nachhall. Brüderle, ganz Politiker, sah sich bemüßigt, zurückzurudern. Und das auch noch mit der dämlichsten Ausrede von allen: ein Protokollfehler sei es gewesen, man habe ihn falsch zitiert. Hohngelächter von der Opposition im Bundestag, und nicht nur von der … ich lache ja selten bei den Nachrichten, aber da schon.

Und wegen dieses Protokollfehlers (lies: dieses Fehlers, so eine versehentliche Ehrlichkeit ins Protokoll zu schreiben), tritt nun der Schnappauf zurück. Hat wohl zuviel aufgeschnappt. Er redet da aber auch von einer „Indiskretion“, nicht von angeblichen Protokollfehlern.

Und als sei der Scherbenhaufen nicht schon groß genug, kommt dann auch noch einer daher, den eigentlich keiner mehr auf dem Schirm hatte, und fällt mit der geballten Macht seiner wasweißichwievielen Zentner dem Merkelteil in den Rücken, daß die Knochen nur so krachen: der Kohl! Gut, der kommt aus einer ganz anderen Richtung und kritisiert das Atom-„Moratorium“ direkt. Nicht daß der auf seine alten Tage auf einmal grün geworden wäre, nein: er fürchtet um die Wirtschaft und findet, man hätte einfach nix tun sollen, blah, das übliche, ist auch egal.

Nicht egal ist, wie die ganze Union entsetzt zusammenzuckt. Das ist dazu viel zu amüsant. „Beweis der Illoyalität“, „bloßgestellt“, „in den Rücken fallen“, „blankes Entsetzen“ — Begriffe, die man gemeinhin nicht mit der Endphase eines Wahlkampfes assoziiert. Wenn man dann noch die Wörter aus der Brüderle-Geschichte wie zum Beispiel „Eselei“ oder „Bauernopfer“ dazunimmt, bleibt mir eigentlich nur eins: Der CDU einen spannenden Wahlabend zu wünschen.

Gnihihi. Vorfreu.

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