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Als nächstes verhindern wir dann den 2. Weltkrieg

Letzter Artikel zu Fukushima, versprochen. Denn eigentlich gibt es nichts mehr zu sagen, jetzt wo sogar die japanische Regierung als so ziemlich einer der letzten auf dem Planeten gemerkt hat, daß das ein Störfall der Kategorie 7 ist. (Davon hatten wir nur einen bis jetzt: Tschernobyl.)

Jetzt muß nur noch die Dumpfpresse merken, daß es bei den verzweifelten Versuchen, die rauchenden Trümmer des zermöllerten Kraftwerks zu kühlen, nicht darum geht, „eine Kernschmelze zu verhindern“: Darum ging es vielleicht in den ersten paar Stunden bis allenfalls Tagen. Die Dinger sind unter einer Meersalzkruste seit Wochen trefflich isoliert, was da schmelzen konnte, ist längst ein strahlender Corium-See — mit etwas Glück auf dem Boden der Containments, wahrscheinlicher aber irgendwo weiter unten. Da kann man jetzt nur noch kühlen und warten, bis das Pampf genug abgeklungen ist, daß man einen Betonklotz drüberbauen kann, ohne daß einem dabei die Arbeiter sterben wie die Fliegen.

Aber hey, klar, das ist von einem vielbeschäftigten Reporter zu viel verlangt, sich mal zu informieren, was so abgeht bei einem Super-GAU. Schon klar. Da werden dann eben die schon damals verlogenen Aussagen von Tepco von vorletzter Woche nochmal hervorgeholt, abgestaubt und rießailkelt, das geht schneller. Interessieren tut es eh keinen mehr, mit Nachrichten von Fukushima lockt man ja schon seit den grünen Landtagswahlen keinen Hund mehr hinter dem Ofen vor. Was soll man auch schreiben? „Nordjapan: Weltuntergang dauert an“? Das interessiert doch keinen, jetzt wo Hannover aufgestiegen ist und bald der Grong Schmu d’Örovißjong (äh: Juhropieän Zong Konntest heißt das ja jetzt, tschuldigung) ansteht. Lena wird’s schon richten.

Und so reiht sich Fukushima ein in die lange Reihe von Namen, die früher mal wirkliche Orte bezeichneten und heute stattdessen für Ereignisse stehen wie Tschernobyl, Eschede, Bhopal, der Platz des Himmlischen Friedens oder Lockerbie. Schade für die, die da leben bzw. — wo Kernenergie im Spiel war — gelebt haben.

Die Pessimisten haben mal wieder recht behalten. Nein, stolz bin zumindest ich nicht darauf.

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