«

»

Deutschland im Ratzetaumel

Nein, ich hab nix gegen Christen. Einige meiner besten Freunde sind Christen. Ich hab auch nix gegen Katholiken, ich war sogar mal in eine verknallt.

Aber was in diesen Tagen abgeht in diesem unseren Lande, wo uns Papa Ratzi besucht, das ist schon nicht mehr normal. Ich mein, wenn die ein paar Massenhysterieveranstaltungen machen wollen, bitte, meinetwegen — das muß ja nicht weiter stören, zumindest auch nicht mehr als ein zünftiges Open-Air-Rockkonzert oder sowas. Ein paar zigtausend Leute strömen in ein Stadion, ein Mümmelgreis stolpert auf die Bühne, und ob er dann My Generation, Hare Krishna oder eben eine Predigt zum besten gibt, sollte logistisch keinen großen Unterschied machen. Der Rasen ist danach so oder so im Eimer.

Aber nein, das debile Oberhaupt der Nichtwisser (denn Glauben heißt … wissenschon) muß ja sein Gejammer partout irgendwo im thüringischen Niemandsland absondern, und weil es da nun mal zwar 80% Katholiken, aber keine geeignete Infrastruktur hat, wird mal eben die Autobahn A38 ganztägig gesperrt. Als Parkplatz für Pilgerbusse.

Hallo? Geht’s noch?

Ich glaub, ich will gar nicht wissen, was das alles wieder kostet. Aber gestattet, daß ich über die angebliche Trennung von Kirche und Staat auch weiterhin hohnzugelächtern mich erdreisten werde. Trennung? Trennung wäre, wenn die Jesus-Freak-Sekte diese Kosten aus ihren eigenen Schatullen begliche. Genug drin sein wird da ja wohl noch, trotz verdientem und lange überfälligem massenhaften Mitgliederschwund.

Ob es denn nötig und angemessen sei, daß der dann auch noch im Bundestag rumgreint, darüber möchte ich mir indessen kein Urteil erlauben. Klar, wäre ich MdB, ich hätte seinen Auftritt auch geschwänzt — aber nur, weil ich ihn und vor allem seine Ansichten einfach so gruselig finde, daß ich mir das nicht hätte antun wollen. Aber die Würde des Parlaments zu beschädigen, wie die Kritiker meinen, dazu sollte doch etwas mehr gehören als das Gewinsel eines scheintoten Denkbefreiten. Mal ganz abgesehen davon, daß ich von dieser Würde eh keine allzu hohe Meinung habe, wenn ich sehe, was da normalerweise so abgeht — würdevoll ist irgendwie anders.

Und wenn es denn aber um konkrete Ergebnisse geht, wie bei dem Treffen mit der Konkurrenz von der anderen Jesus-Fraktion, den Evangelischen, was ist dann? Rrrichtig: dann passiert nix. Eigentlich wollten sie ja wohl über die Vertiefung der ökumenischen Zusammenarbeit reden, was auch immer das dann genau hätte bedeuten sollen — aber solcherlei Ansinnen hat Ratzi dann gleich erstmal einen Dämpfer verpaßt. Klang wie sonst Abschlußerklärungen von Klimagipfeln oder sowas: wir finden das als Idee grundsätzlich gut, aber dafür tun werden wir erstmal nix. Gut — darf, sollte und tut mir ansich scheißegal sein, das Thema, aber es ist doch mal wieder typisch. Viel Gelaber, aber bloß nix Konkretes. Konkret wird die Maria-Sekte ja immer nur bei der Androhung von Fegefeuer und Verdammnis, wenn jemand es wagt, ein Kondom überzustreifen oder einen Geschlechtsgenossen zu heiraten oder sowas. Aber das führt jetzt zu weit — ein genereller Antikirchenrant sollte das hier gar nicht werden.

Denn ich habe ja gar nix gegen Christen.

Nur gegen ihren Boß.

6 Kommentare

Zum Kommentar-Formular springen

  1. Axel Beckert

    Würde da nicht unbedingt „Boß“ sagen, sondern es eher mit der EAV halten und vom „Bodenpersonal“ sprechen:

    „Es ist ein Skandal – unser’m Herrgott sein Bodenpersonal!“

    Aus „’s Muaterl“, http://www.eav.at/eav/texte/text_133_0_smuaterl.htm

  2. Dieter Schlabonski

    Ich red ja nicht vom Herrgott (wem?) und seinem Bodenpersonal — ich red von den Christen und ihrem Boß. Paßt schon so.

  3. _RGTech

    Also viel treffender als diesen Text hätte ich’s auch nicht formulieren können, nicht mal nach etlichen Stunden Vorbereitung.

    Mich würde ja wirklich mal interessieren, wie viele Fans es z.B. für eine Musikgruppe bräuchte, um in den Medien einen ähnlichen Stellenwert zu erlangen. Das müsste doch zu schaffen sein, die tatsächliche gläubige Masse (nicht die Mitgliederzahlen, die sind ja immer noch höher als die Wahrheit) zu überholen und ein richtig großes staatlich gefördertes deutsches Woodstock auf die Beine zu stellen…

  4. ecki

    Bravo! Nur-(vergib mir meine Pingeligkeit!)- „Boss“ schreibt man halt mit „ss“ …

  5. Dieter Schlabonski

    Ähm … nö, nach alter Rechtschreibung schreibt man „Boß“ mit „ß“. Kuckst Du hier. (Bißchen runterscrollen.)

  6. papa

    Naja- schon Elke Heidenreich fand ja diese Mufties in ihren bunten Kleidchen niedlich. Es ist nur erstaunlich, daß sich erwachsene Menschen außerhalb des Karnevals oder irgendwelcher folkloristischer Belustigungen in derart lächerlicher Aufmachung zur Schau stellen- Tradition ist offensichtlich auch hierbei eine höchst merkwürdige Angelegenheit!
    Nur gut, daß ich damit nix am Hut habe, und mein Beileid für alle anderen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>