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Da geht er hin und merkt es nicht

Nochmal Wulff, sorry. Ich versteh ja, daß Euch das Thema zum Halse heraushängt, mir geht’s doch nicht anders. Aber nach dem Fernsehgewinsel gestern kann ich nicht anders, als nochmal meine Sicht der Dinge zusammenzufassen.

Größter Irrtum in der Geschichte ist, daß es irgendwie um Wulffs Eigenheimfinanzierungsmonopoly ginge. Na klar, wenn mir einer einen zinslosen Kredit anbietet und dann einen so gut wie zinslosen Anschlußkredit vermittelt, dann nehm ich den, egal ob ich niedersächsischer Ministerpräsident bin oder Papst. Wär ja schön blöd wenn nicht. Und es geht auch nicht um kostenlose Kurzurlaube in den Villen seiner Gönner. Solange man ihm nicht nachweisen kann, daß er jenen dafür kraft seines Amtes Vorteile gewährt hat (und für so schlau halte ich ihn, daß man das nicht können wird), ist dagegen nicht viel zu sagen — machen ja alle, Politiker genauso wie andere. Darunter auch die Journalisten, die sich gerade so schön drüber aufregen.

Hätte Wulff das alles zugegeben, als sie ihn damals danach gefragt haben, würde heute kein Hahn mehr danach krähen. Was, der Kredit an Wulff damals? Gähn, das ist sooo letztes Jahr. Hätte er, was verständlich ist, mit dem Zugeben gewartet, bis es in der Bildzeitung steht, wäre das schon kniffliger geworden — aber trotzdem noch ohne große bleibende Schäden möglich, da bin ich mir sicher. Es hackt ja keine Krähe der anderen ein Auge aus, wie man deutlich daran sieht, wie leise die selbst jetzt seinen Rücktritt fordern alle.

Obwohl der richtige Klopfer ja erst noch kommt in dieser Erzählung.

Ich rede natürlich von Wulffs Anrufen bei den Chefredaktion der Bildzeitung und der Welt am Sonntag. Wie bescheuert muß man eigentlich sein, um sich einzubilden, Springer einschüchtern zu können? Und schlimmer noch — das dann auch noch auf den Anrufbeantworter zu sprechen und damit beweisbar zu machen? Herrn Diekmanns Augen haben bestimmt gestrahlt, als der seine Mehlbox abgehört hat damals.

Ja, daß er das dann an andere Presseorgane geleakt hat, ist nicht die feine Art — um nicht zu sagen: auch ne Sauerei. Aber hey, von Springer erwartet man doch nix anderes. Herr Wulff offenbar schon. Spricht nicht für seine Intelligenz.

Und als ob das noch nicht schlimm genug wäre, entblödet der sich dann doch tatsächlich gestern abend im Fernsehen zu behaupten, er habe nicht versucht, den Bericht zu unterbinden, sondern lediglich „gebeten“, seine Veröffentlichung „aufzuschieben“. Ja nee, is klar. Prompt teilt die Bildzeitung heute mit, dem sei nicht so, und bittet Wulff um die Genehmigung zur Veröffentlichung des Anrufs.

Und das war’s denn wohl.

Denn: wenn er gestern die Wahrheit gesagt hätte, würde Bild heute die Klappe halten. Wenn er nun aber verbietet, den Anruf zu veröffentlichen, weiß auch der letzte Dödel warum — und wenn nicht, wird man’s sogar in Wulffs eigenem Kermit-Timbre zu hören oder zumindest als Abschrift zu lesen bekommen: weil er gelogen hat. Mal wieder. Schon wieder.

Wie oft darf der eigentlich noch lügen, bis er untragbar wird? Mein Tip: Nicht mehr oft.

1 Kommentar

  1. Doris

    So jetzt isser also weg der Wulff. Den Abgang finde ich ziemlich überflüssig. Weiß nicht was das Trara um das bisschen finanzielle Vorteile soll. Und dass besagte AB-Aktion von überschaubarer geistiger Größe zeugt – ja mei. Der Mann ist Po-li-ti-ker. Was erwarten wir denn von dieser Spezies? Ist doch beruhigend, wenn die sich so harmlos benehmen wie Wulff und niemanden foltern lassen oder irgendwelche andere Länder kurz- und kleinbombardieren, oder Kohle machen mit im großen Stil verkloppten verseuchten Blutkonserven oder Drecksimpfstoffen und damit auch noch reihenweise Leute um die Ecke bringen. Wir sollten uns freuen, wenn unsere Vertreter sich mit so harmlosen Späßchen abgeben wie unser ehemaliger Alleroberster und keinen größeren Schaden anrichten.
    Will sagen, Po-li-ti-ker ist synonym für etliche der Eigenschaften, die Herr W. so deutlich an den Tag gelegt hat. Und oft leider noch viel Schlimmeres. Alles machtgeile Egomanen, im besten Fall. (Ausser vielleicht an der Basis. Kann schon sein, dass es den einen oder anderen idealistischen Gemeinderat oder Bürgermeister gibt, der wirklich mal bisschen nett sein will. Aber weiter oben schauts traurig aus.)
    Wieso sind wir Naivchen denn immer wieder aufs neue enttäuscht, wenn die Burschen sich nicht benehmen wie der Dalai Lama? Wahre Menschenfreunde werden was Gescheites – Friseur, Kindergärtner, Physiotherapeut, Bäcker, Chirurg oder konstruieren Airbags. Wenn man dazu zu doof und in erster Linie daran interessiert ist, sein Ego in Szene zu setzen plus absolut talentfrei ist, geht man entweder zu DSDS oder in die Politik.

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