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Drei Lieder am Morgen

Morgens, kurz nach 5. Da macht man nichtsahnend die Zündung an, der Kollege von der Nachtschicht hat das Radio leider auf Vollbrüllmodus hinterlassen, und Taio Kraß oder wie der heißt plärrt los: „I got a hangover, oooh, I’ve been drinking too much for suuure“ — gut, is uns allen mal passiert, aber hätte der nich wenigstens ausnüchtern können, bevor er den Text geschrieben hat? Und wer hat das überhaupt produziert? Und warum? Nur weil die Leute es kaufen? Das ist vielleicht eine Erklärung, aber eine Entschuldigung ist es nicht.

Naja, in drei Minuten ist es vorbei. Kann ja nur besser werden.

Doch nein, das nächste Stück ist nicht besser, auch wenn es so klingt. Klingen tut es nämlich wie ein nettes kleines Liebeslied, wenn der gute Milow es trällert, sein „You and Me“. Aber das so unschuldig plätschernde Stück enthält im Text Kracher, daß einem die Augen tränen und sich die Fußnägel kräuseln vor soviel Widerwärtigkeit. Kostprobe gefällig? „Ich wünschte, du wärst ein bißchen langsamer. Nicht nur langsam, sondern gelähmt! Dann könnte ich dich in eine Steckdose stöpseln, und du könntest nie weglaufen.“ Doch, ernsthaft! Oder der hier: „Ich wünschte, du wärst ein bißchen dicker. Nicht nur dick, sondern wirklich, wirklich fett. Du würdest nicht mehr durch die Türen passen, also müßtest du in meinem Bett bleiben.“ Brr. Gruselig. Nicht zu lange drüber nachdenken, sonst kriegt man davon Kopfweh und schreibt dann noch solche Texte wie Taio Dingens.

Okay, Radio Gaga. Eine Chance hast Du noch.

Ja nee. Wieder nix. Diesmal ist es Adele, die schon mal hier zu Ehren kam, mit „Someone Like You“, einem ganz üblen Winselstück der Machart „ja, ich weiß, du hast Schluß gemacht, aber ich geh dir trotzdem auf die Nüsse, weil … äh … nee, versteh mich nicht falsch, ich will nur das Beste für euch, ehrlich, aber ich wollte dich trotzdem dran erinnern, daß es für mich nicht vorbei ist“, blah, blah, und so weiter. Braucht kein Mensch. Und das Gejammer von dieser Schnepfe braucht auch kein Mensch, das ist vom Schmalzgrad schon verdammt nah an der mittlerweile ja erfreulicherweise verschiedenen Whitney „we’ve got a problem“ Houston mit ihrem leider unvergessenen „and I-I-I-I-I-I-will-a-a-always *lufthol* lo-o-o-o-ove-you-u-u-u-u-u-I-I-I-I-will-a-a-a-al-ways“ und es hört und hört nicht auf. Genausowenig wie das Gejorre von der Dingens, äh, Adele da. Man möchte sich glatt einen Kater ansaufen. Kollege Tajo Hastenichgesehen da oben hatte also doch recht.

2 Kommentare

  1. Konfusius_oder_so

    stell‘ Dir doch einfach mal vor, Du hättest einen Live-Bericht vom CD/SU-Parteitag gehört, dann wärest Du dankbar für das Gewinsel.

  2. V. aus G.

    Man freut sich nicht über den Tod anderer Menschen! Das gehört sich nicht, klar? Es sei denn, es geht um Osama bin Laden und man heißt Angela Merkel. Ansonsten aber gut geschrieben, auch wenn ich nur ein Drittel der genannten Machwerke kenne.

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