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Null Minuten Toleranz

Vielleicht habt Ihr’s in den Medien mitbekommen: Vorgestern früh ist in Krefeld eine Düngemittelfabrik am Rhein abgebrannt, und weil da eine Riesen-Rauchwolke unbekannten Schadstoffgehalts überm Rhein und nach Duisburg rein hing, haben sie u.a. die Rheinbrücke der B288 gesperrt. Das wurde dann auch halbstündlich auf WDR2 angesagt.

Und wenn man dann zwei Tage später, also heute, wieder in die Gegend kommt, und es wird nichts dergleichen angesagt, was vermutet man dann? Daß die Wolke weg ist und die Brücke frei?

Ja. Aber falsch.

Gut, okay, fahren wir halt einen kleinen Umweg über die nächste Brücke, paarundzwanzig Kilometer oder so. Pünktlich ankommen werden wir schon, is ja noch ne knappe Stunde Zeit. Sollte man meinen.

Ja. Aber falsch.

Denn die andere Seite der B288 ist so frühzeitig voll gesperrt, daß man über sie nicht bis zum Ziel kommt. Also nochmal zurück auf die Autobahn, eine Ausfahrt weiter südlich wieder runter und dann durchs Industriegebiet ans Ziel. Paar Minuten nach Annahmeschluß wird’s werden, wenn keine zu niedrige Eisenbahnbrücke im Weg ist (war nicht, puh), aber die wissen doch von der gesperrten Rheinbrücke vor ihrer Haustür, die werden ja wohl mit sich reden lassen. Sollte man meinen.

Ja. Aber falsch.

Annahmeschluß war um 12:00. 12:09 war ich da.

Er: „Morgen früh, 6 Uhr.“
Ich: „Aber die Vollsperrung…“
Er: „Deswegen haben wir gestern und vorgestern ja auch bis 18:00 angenommen. Aber heute darf ich das nicht mehr machen.“
Ich: „Aber es ist doch immer noch Vollsperrung?“
Er: „Das wissen die Spediteure inzwischen aber.“
Ich: „In Baden-Württemberg, wo ich Euer Futter geladen habe, haben sie es nicht im Radio durchgesagt. Hier übrigens heute auch nicht mehr.“

Und so steh ich hier nun also 18 Stunden rum und dreh Däumchen. Wegen neun Minuten.

Falls Ihr Euch fragt, warum das Hundefutter bei einer bundesweit bekannten Tiernahrungshandelskette, die ein Fütterungsutensil im Namen führt, schon wieder teurer geworden ist: Wegen sowas.

Immer noch leicht fassungslos grüßt
  Euer Dieter Schlabonski.

1 Kommentar

  1. Debe

    Solchen Läden wünscht man konsequentes Handeln in allen Lagen. Deren Kunden werden solches Verhalten nämlich belohnen, indem sie in Zukunft auch einen weiteren Weg zu einem anderen Unternehmen wählen. Hoffentlich. Einer der wenigen Momente, in denen ich auf die Selbstheilungskräfte des Marktes warte.

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