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Weil manche eben gleicher sind

Jaja, ich weiß, sich über Pollittikkker aufzuregen ist öde, macht jeder, bringt eh nix. Stimmt alles. Aber wie abgehoben diese Kaste mittlerweile ist, wurde diese Woche mal wieder deutlich, als man so ganz am Rande in den Nachrichten erfuhr, was eigentlich ganz für sich ein handfester Skandal sein sollte.

In diesem unserem Lande nämlich, wo ein Angestellter jeden Hühnerfurz an Nebeneinnahmen tunlichst versteuern sollte und jeder ALG-II-Bezieher auch noch das letzte Bißchen an Vermögen erstmal auf seine Bezüge angerechnet bekommt, dürfen Bundestagsabgeordnete nicht nur hemmungslos dazuverdienen — was an sich schon schlimm genug ist, leuchtet auch dem letzten Spätmerker doch recht schnell ein, daß die Grenze zwischen einem dicken Vortragshonorar und einem kleinen Bestechungsgeld fließend ist –, nein, sie müssen das nicht mal offenlegen.

Also nicht wirklich.

„Bagatellbeträge“ bis tausend Euro schon mal gar nicht, und alles darüber nur grob in drei Kategorien — und deren oberste umfaßt alles ab 7.500 Euro aufwärts. Ob das dann 8.000 sind oder 80.000 oder …, was weiß ich, wo da die praktischen Grenzen sind? Weiß ich nicht. Und erfährt auch keiner.

Nun sickert durch, daß angeblich der designierte übriggebliebene SPD-Kanzlerkandidat, der Herr Steinmeier Steinbrück, verdammt nochmal, Steinbrück heißt der Onkel, in den letzten zwei Jahren mit achtzig Vorträgen mal so eben eine Million nebenher eingesackt haben soll. Zwölfeinhalbtausend im Schnitt. Nicht schlecht. Dafür schuften andere Leute Monate und kaufen dann davon neue Autos oder verfallene Häuser, und Onkel Frank-Walter Peer macht dafür ein bißchen Märchenstunde. Weiß so einer noch, wie man von acht Euro nochwas in der Stunde lebt, was man da fühlt?

Aber nun wollen sie das alles ja viel transparenter machen. Demnächst sind es dann sechs Kategorien, in die die Abgeordneten ihre Bezüge klassifizieren müssen. Dafür wird dann aber auch der Bagatellbetrag angehoben.

Hallo? Den Schuß nicht gehört, oder was?

Das Allermindeste wäre die verdammte Pflicht, den vollen Betrag offenzulegen und versteuern zu müssen. Wenn nicht sogar, einen deutlichen Anteil davon — sagen wir die Hälfte, hübsche runde Zahl — vor dem Versteuern abgeben zu müssen, schließlich kassieren die Damen und Herren ja eh schon „Diäten“, deren schiere Fettheit das Wort absurd erscheinen läßt.

Die Höhe dieser Diäten hat ja einen Grund gehabt: man wollte die Abgeordneten finanziell unabhängig stellen, und zwar großzügig genug, daß sich die Annahme von Bestechungsgeldern für sie nicht recht lohnen sollte.

Hat nicht geklappt, wie es scheint. Das erkennt man schon daran, daß die BRD bisher die UN-Konvention gegen Korruption nicht ratifiziert hat — zusammen mit solch sprichwörtlich vorbildlichen Rechtsstaaten wie Myanmar, Sudan, Saudi-Arabien, Nordkorea und Syrien. Warum wohl sträuben die sich so? Weil sie so unbestechlich sind? Ja nee, is klar.

Also weg damit — können wir ja die Diäten drastisch senken. Zahlen wir ihnen einfach einen netten Stundenlohn, nach Anwesenheit natürlich, vielleicht 20 Euro (brutto!) oder so. Da würde sich ein Großteil der Untertanen, der Unterzeichnete eingeschlossen, die Finger nach lecken: ein Job, in dem man nix können muß und die Leistung auch nicht wirklich geprüft wird, wo man einfach fürs Da-Sein 20 Euro die Stunde abgreifen kann! Und wenn man dann anderswo mehr kriegt, bitteschön. Dann würd ich das sogar einsehen.

Alternativ könnt man natürlich die Nebeneinkünfte nicht offenlegen, sondern gleich ganz verbieten. Wäre wohl die sauberere Lösung. Reden gehen dürften die Damen und Herren ja trotzdem, wenn sie den Erlös dann spenden oder so.

Update: Unterschriftenaktion für die Pflicht, Nebeneinkünfte auf den Euro genau angeben zu müssen. Vielleicht bringt’s ja was …

2 Kommentare

  1. V. aus G.

    Häh? Der Kanzlerkandidat ist doch der SteinBRÜCK (das ist der mit den Vorträgen und der Kavallerie). SteinMEIER (die Schröderkopie mit den weißgefärbten Haaren) durfte bei der letzten Wahl schon mal ran.

    Nicht, dass man die beiden unbedingt auseinanderhalten könnten müsste. Aber etwas mehr Exaktheit hat sich dieser ansonsten gute Artikel schon verdient.

  2. Dieter Schlabonski

    Ups. Danke. Korrigiert.

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