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Gefährlich öde

Man hätte es sich ja denken können. Wenn die Basis der SPD nicht noch querschlägt, bekommen wir wohl wieder eine große Koalition in Berlin. Typisch — die langweiligste und gefährlichste denkbare Lösung wird es.

Langweilig?

Ja klar — meine Fresse, was hätte dieses Wahlergebnis alles an interessanteren Regierungsbildungen ermöglicht! Und dabei meine ich nur am Rande Rotrotgrün — daß, was rechnerisch möglich ist, auch Jahrzehnte nach der Wende wegen angeblicher Demokratiefeindlichkeit der Linken einfach kategorisch ausgeschlossen wird von den anderen, daran kann und will ich mich zwar nach wie vor nicht gewöhnen, aber ich muß es wohl zähneknirschend hinnehmen.

Aber sonst? Schwarzgrün, wonach es ja sogar zwischendurch fast mal kurz aussah, wäre doch mal interessant gewesen — und hätte der Umwelt vermutlich auch ganz gutgetan, da lassen die Schwarzen bestimmt mehr mit sich reden als im sozialen Bereich, schließlich ist für ihre Klientel aus der Großindustrie so ein grünes Deckmäntelchen, unter dem man die Sauereien verschwinden lassen kann, ja auch ganz kleidsam. Vor allem aber wäre mit einer schwarzgrünen Koalition in Berlin auch dem letzten Aus-Tradition-Grün-Wähler, der aus der Turnschuhe-im-Bundestag-Zeit noch übrig ist, klargeworden, daß die Grünen heute die rechteste der sogenannten linken Parteien sind. Und in der Opposition hätte sich die SPD vielleicht mal ein bißchen mehr mit der Linken anfreunden können.

Und schließlich hätte es ja auch noch die Möglichkeit einer CDU-Minderheitsregierung gegeben. Die hätte mir eigentlich am besten gefallen: kein Koalitionsgeschacher, stattdessen für jedes Vorhaben halt eine Mehrheit beschaffen müssen. Herrlich! Endlich wäre es mal um Inhalte gegangen!

Stattdessen nun also Schwarzrot. Gähn. Aber wenn’s nur öde wäre, herrjeh, es gäbe Schlimmeres. Gibt es aber auch: diese große Koalition ist nämlich, dank des an sich ja höchst erfreulichen Scheiterns von FDP und AFD, so stark, daß die verbleibende rotgrüne Opposition keinen Untersuchungsausschuß mehr erzwingen kann. Damit kann die Regierung also mehr oder weniger „durchregieren“, die parlamentarische Kontrolle funktioniert nur noch sehr eingeschränkt. Und das kann nicht gut sein. Deswegen, falls sich noch einer an die Überschrift erinnern sollte, deswegen das „gefährlich“ dort.

Da wär mir sogar eine absolute Mehrheit der CDU lieber gewesen. Endlich hätte Mutti keinen Koalitionspartner, dem sie die Schuld für gescheiterte Unterfangen in die Schuhe hätte schieben können, und müßte den ganzen Scheiß, der auch in den kommenden vier Jahren ja unweigerlich passieren wird, mal auf die eigene Kappe nehmen …

Naja, der Drops ist gelutscht. Aber können wir bis zur nächsten Bundestagswahl mal bitte wenigstens diese Sonderlocke namens CSU abschneiden? Kann doch echt nicht wahr sein, daß der polternde Häuptling des kleinen räuberischen Bergvolks an einem so langen Hebel sitzt, daß er die Geschicke des ganzen Landes, ach was, Kontinents mitbestimmen darf, nur weil seine Partei im mittleren Buchstaben eine andere Lüge trägt als in den anderen 15 Bundesländern! Was daran demokratisch sein soll, muß mir echt mal einer erklären.

Also dann, ich hebe mein Glas auf die nächsten vier Jahre Mutti. Nüchtern ist das ja alles kaum zu ertragen.

Euer Dieter Schlabonski.

2 Kommentare

  1. Blickableiter

    So hab ich das auch noch nicht gesehen. Vielen für deine aufklärenden Worte, Dieter 😉

  2. ecki

    Das haste ja mal schön gesagt! Ganz meine Meinung- und an das Gläschen auf Muttis Wohl schließ‘ ich mich an (von wegen nüchtern und so)!

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