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Terrormutti

Nun ist es also soweit. Kaum hätte man es für möglich gehalten, aber Frau Merkel kann sich tatsächlich doch auch mal über Abhörmaßnahmen der NSA erregen. Doch! Wenn ich es doch sage!

Monatelang hat sie geschwiegen oder nichtssagend vor sich hingegreint, wie es ja ihre Spezialität ist — nur nichts Konkretes, sollen sich erstmal die anderen die Finger verbrennen. Und das taten sie dann ja auch reichlich, Pofalla allen voran, der die NSA-Affäre ja für beendet erklärt hat, ehe sie richtig begonnen hatte. Aber jetzt, jetzt reicht es sogar der Kanzlerin.

Nicht weil rausgekommen wäre, daß noch mehr Bürgerinnen und Bürger ihre Privatsphäre dem Kampf gegen den Terror opfern mußten, nein. Wie auch, mehr als alle geht ja schlecht — genau wie damals die angeblichen zwei Datensätze, die an die NSA übermittelt worden seien, von Fefe interpretiert wurden als professionelle Datenverarbeitung: „Einmal eine Kopie von allem und dann nochmal ein Backup!“ Nein, diesmal ist jetzt wohl Mutti selbst betroffen: Ihr Diensthändi, so heißt es aus BSI-Kreisen, sei überwacht worden. Das sei nun wirklich nicht mehr mit Terrorismus-Abwehr zu begründen, so empört man sich allenthalben.

Die Amis, aufgeschreckt durch einen Anruf von Merkel bei Obama persönlich, dementieren natürlich: man höre das Kanzlerinnenhändi nicht ab und habe das auch nicht vor. Die Medien fragen: und, was ist mit der Vergangenheit? Ich hingegen möchte auf den kleinen, aber feinen Unterschied zwischen dem Vorwurf des „Überwachens“ und dem Dementi des „Abhörens“ hinweisen. Wir wissen ja, daß die NSA auf Verbindungsdaten spezialisiert ist — und auch die Info, mit wem die Kanzlerin so telefoniert, dazu vielleicht noch wo sie sich aufhält und was sie so an SMs schreibt („mitlesen“ ist nicht „abhören“) … ist doch bestimmt auch interessant, sowas.

Aber der eigentliche Skandal ist trotzdem, daß das erst jetzt ein Skandal wird.

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