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Nächtliche Ruhestörung

Friedlich steh ich auf einer Autobahnraststätte in der zweiten Reihe (also quer hinter den in den wie immer viel zu wenigen schrägen Parkbuchten stehenden Kollegen) und schlummere gerade, vom Rauschen der nahen Autobahn eingelullt, meiner wohlverdienten Nachtruhe entgegen, da wackelt plötzlich der Laster. Seufz. Raus ausm Bett, Blick in die Spiegel: Da steht ein weißer Mondeo-Kombi ziemlich nah an meinem Auflieger. Nochmal seufz, Warnblinker an, rein in die Klamotten, raus in die Kälte. Aus dem Mondeo krabbeln zwei Polen, die ebenfalls im Fahrzeug nächtigten, aber nicht so komfortabel wie ich — und einer davon hatte im Schlaf wohl den Gang rausgetreten, worauf der ranzige Kombi der Schwerkraft gehorchend rückwärts mir in die Karre rollte. Meinem Auflieger ist aber nix passiert. Kann man vom Mondeo so nicht sagen.

Beruhigt krabble ich wieder in die Koje, nur um mitten in der Nacht erneut geweckt zu werden, diesmal von Klopfen an der Fahrertür. Draußen steht ein Kollege und fragt: „Kannste mal ein bißchen vorziehen, damit ich da“ — er gestikuliert in Richtung der von mir zugeparkten, inzwischen freigewordenen schrägen Plätze — „reinkomme?“

Normal gern, auch wenn es eine Frechheit ist, an einen LKW mit zugezogener Gardine zu klopfen, es sei denn die Umgebung brennt oder so. Aber dank digitalem Tachographen ist das nicht mehr so ohne weiteres möglich — eine Radumdrehung reicht, dann ist die Pause beendet, und das wäre nach sechs der vorgeschriebenen elf Stunden Nachtruhezeit schon arg blöd. Solches suche ich dem Kollegen schonend beizubringen, er meint dazu: „Ich weiß, ich hab auch so einen. Aber ich steh hinter Dir mitten im Weg, was soll ich denn jetzt machen?“

Na weiterfahren. Oder stehenbleiben. Mir doch egal.

Sage ich natürlich nicht, sondern „Fahr doch nach vorn zur Ausfahrt und dann rückwärts in die Lücke da“. Er meinte: „Da komm ich rückwärts doch nie rein.“ Tja, Dein Problem, denk ich mir und sage eigentlich nix mehr, sondern warte drauf, daß er einsieht, daß sein Hundeblick nicht zieht.

Und komisch, als ich dann fünf Stunden später wieder — arg übermüdet, was Wunder — vom Rasthof wegfahre, sind die besagten Lücken alle wieder belegt. Scheint immerhin doch noch Kollegen zu geben, die rückwärtsfahren können.

Ohne einen aufzuwecken.

Grummel. Honk, dämlicher.

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  1. Schlabonskis Welt » Raststätte Salzgitter…äh…unmerkbaresbandwurmwort

    […] Man muß sich als LKW-Fahrer schon bei der Einfahrt entscheiden: Welches Schweinderl, äh, welche Spur hätten’s denn gern — die für normale Laster oder, vermutlich illegalerweise da durchfahrtverboten, die für den Schwerlastverkehr? Warum sollte man als normaler Laster in letztere wollen? Naja, weil die paar Plätze spätestens um 17.00 Uhr so vollgestellt sein werden, daß die Kollegen längs dahinter in der Fahrspur parken — und damit ungewollt auch seither freigewordene Lücken zuparken (ich hatte das hier schon mal ausführlicher thematisiert). Von der Ausfahrt-Fahrspur kann man dann, wenn man es kann, rückwärts in diese zugeparkten freien Lücken fahren. Wenn man sich denn dazu entschieden hat, bevor man wußte, ob es nötig sein würde. […]

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