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200 kg Scheißhausfliegen

Eine etwas ältere Geschichte aus der Kabine eines damals noch DAF:

„22 to Polyethylen laden bei alba, Braunschweig, für Frankreich.“ Ah, denke ich, schöne Tour. Frankreich. Isch kauf mir ain Baguette, wissenschon. Freitagvormittag laden, auch noch fast zuhause, Laster hinstellen, Montag lostuckern — das Wochenende ist gesichert, Wetter ist auch geil, was will man mehr?

Ja. Naja. Und dann fahr ich zur angegebenen Adresse, und es fällt mir wie Schuppen aus den Haaren. Klar, doch, alba, den Namen hab ich schon mal gelesen — auf den Müllwagen in Braunschweig. Die Adresse ist denn auch, wie könnte es anders sein, eine Müllkippe.

Äh. Verzeihung. Ein Wertstoffhof selbstverständlich. Und das zu ladende Polyethylen entpuppt sich als Grüner-Punkt-MüllWertstoff, ungereinigt, zu Ballen gepreßt. Welchselbige natürlich auch mit Zurrgurten gesichert werden müssen.

Selber stinkend wie eine MüllWertstoffkippe krabble ich also ne Stunde später in die Kabine, um wegzufahren, und stelle mit wachsendem Entsetzen fest, daß ich vielleicht die Fenster hätte zumachen sollen — die ganze Bude ist voller Fliegen!

Das Wochenende wurde dann etwas kürzer als geplant — schließlich war noch Fliegenjagd in der Kabine angesagt. Stücker vierundsiebzig von den Quälgeistern habe ich zermalmt und aus dem Auto geblasen, und nein, das waren nicht alle. Aber fast.

Interessanter war aber noch das Geräusch, das aus dem verschlossenen Gardinenplanenauflieger drang: ein beständiges, lautes Summen, einige Meter weit gut hörbar. Fast war ich versucht, die Ladegutangabe auf dem Frachtbrief — Polyethylen in Ballen, 22.000 kg — um die Angabe aus der Überschrift zu ergänzen und einen „Lebende Tiere“-Aufkleber an die Hecktür zu pappen.

Ein Wochenende in der prallen Sonne hatte den Biestern nicht hörbar zugesetzt, und auch die anderthalb Tagesetappen bis zum Ziel nicht. Selten war ich so froh über einen kräftigen Regenschauer, der mich genau zum Entladen ereilte! So waren immerhin die Fliegen in Deckung und der Geruch nur eklig und nicht betäubend.

Mit meinem Disponenten hatte ich schon am Freitag ein ihn sehr erhellendes Telefongespräch geführt. Wenn er, so mein Vorschlag, einem Fahrer mal so richtig einen reinwürgen wolle, dann solle er ihn doch einfach zu alba in Braunschweig schicken, Polyethylen laden. Nach Erklärung der Umstände wurde der gute Mann halb panisch: „Verdammt, du sollst danach in Frankreich Möbel laden!“

Gnihihi.

Was er nicht wußte: ich hatte mich schon bei alba mit ein paar anderen Fahrern unterhalten und von denen den Tip bekommen, einfach nach Entladung ein paar Pfund Kaffee auf der Ladefläche zu verstreuen und nach etwas Einwirkzeit wieder runterzufegen. Das hab ich dann auch getan, und es hat bestens funktioniert: der Lademeister der Möbelfabrik fragte mich beim Begutachten des Aufliegers schnuppernd: „Ah, vous avez transporté du café?“ (Oder so ähnlich.) „Oui, oui,“ log ich, „c’est un problème?“ War es nicht.

Puuh.

Den Kaffee hat dann aber später mein Disponent bezahlt. Als er mich zum Grillen eingeladen hat, weil ich ihm den Arsch gerettet hatte. Strafe muß sein. Schließlich stanken meine Zurrgurte noch Wochen später nach MüllWertstoff.

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