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„Und wenn ich dir so nen Huddel gebe?“

Fahrbericht Smart Fortwo (erste Generation)

Mercedes-Werkstatt, der Actros braucht Inspektion und TÜV. „Ich wollte eigentlich warten“, sage ich. „Das dauert doch Stunden!“, meint die Dame an der Annahme. „Nuja“, sag ich, „ich komm hier halt nicht weg.“ Darauf stellt sie die Frage aus der Überschrift. Der „Huddel“ entpuppt sich auf Nachfrage als Smart. Och, warum nicht. Mal ausprobieren das Ding, 15 Jahre nach dem damaligen Verriß hier auf Schlabonskis Welt kann man ja auch mal ein paar Fakten sammeln.

„Mein“ Smart entstammt auch brav der ersten Generation, passend zum damaligen Artikel. Funkentriegelt und kurz an der Klinke gezerrt, schwingt das nicht nur in Relation zum Auto riesige, aber verblüffend dünne und leichte Portal auf und erlaubt den Blick auf einen deutlich gebrauchten, aber nicht abgenutzt wirkenden Innenraum.

Für kleine Werte von „Raum“, natürlich. Hat man ihn einmal geentert, sitzt man aber wirklich nicht beengt — außer in der Breite ein wenig, da zwickt er doch etwas. Kein Wunder, daß sie die nächste Generation breiter gemacht haben. Nach kurzer Suche findet sich auch das Zündschloß (hinter dem Schalthebel auf dem Mitteltunnel). Zum Starten will er einen Tritt auf die Bremse, es sei denn, man hat ihn in „N“ abgestellt — dann rollt er aber weg, wenn man nicht die Handbremse bemüht. Der Schalthebel kennt fünf Stellungen: N, R, +, – und die Stellung zwischen den letzteren, die nicht mit „D“ markiert ist, aber genau dazu dient: Drive.

Das lassen wir uns nicht zweimal sagen.

Die Reihenfolge der nächsten beiden Eindrücke ist abhängig vom Straßenzustand. Der eine ist: Holla, die kleine Büchse geht ja flott voran. Der andere ist: *RUMMS*! Aua! Wieso federt das nicht?

Ja, ich weiß — als Fahrer vollluftgefederter Lastwagen und hydropneumatischer Citroëns bin ich da furchtbar verwöhnt. Aber der Smart ist schon noch ein paar Klassen schlechter gefedert als normale Autos. So dermaßen knüppelhart war in meiner bisherigen Lebenserfahrung nur meines damaligen Kumpels Hauke gnadenlos tiefergelegter E-Kadett LS („Low Standard“ bedeute das, witzelte er). Oder mein Citroën BX, wenn er in Tiefststellung gefahren wird (was man nicht machen sollte und auch nicht mehr als ein paar 100 Meter freiwillig tut).

Dazu kommt dann beim Smart noch der naturgegeben kurze Radstand, der zu Nicken um die Querachse führt und damit das Hoppelige am Fahrwerk noch betont. Erstaunlich daran ist nur, daß beides zumindest mir ein breites Grinsen ins Gesicht treibt — irgendwo zwischen Realsatire („unglaublich, daß etwas so Schlechtes ernsthaft verkauft wurde“) und trotz allem Vergnügen, denn irgendwie lustig ist es schon, so von Bodenwelle zu Bodenwelle zu hüpfen.

Zumal die Kiste ja, wie erwähnt, schon recht hurtig voranstürmt, trefflich akustisch untermalt vom sonoren Pröpeln eines winzigen Dreizylinders, dem aber gerade dadurch, daß er eben kein winziger Vierzylinder ist, deren mitunter ja doch klägliches Nölen im Unterton völlig abgeht. Das klingt gar nicht schlecht, was das Motörchen da hinten an Radau veranstaltet.

Das automatisch geschaltete Getriebe (nein, es ist keine Automatik, es tut quasi nur so) paßt dazu eigentlich gar nicht. Die Schaltpausen sind zwar deutlich kürzer als im Actros, aber auch länger als bei flott handgeschalteten Gangwechseln, geschweige denn denen einer Wandlerautomatik oder eines Doppelkupplungsgetriebes. Dazu kommt eine gewisse Verzögerung auf das Niedertreten des Gaspedals, besonders beim Anfahren. Beides dürfte einen sportlichen Fahrer in den Wahnsinn treiben. Mich nicht so, ich kenne es ja vom Actros nicht anders. Nicht verstanden habe ich allerdings, wozu der Smart einen Kick-Down-Punkt am unteren Ende des Gaspedalweges hat, läßt die Getriebesteuerung den Motor doch auch schon bei normalem Vollgas fröhlich in den roten Bereich jubeln. Eingreifen mit + und – funktioniert problemlos, ist aber im normalen Betrieb nicht nötig. Einziger Kritikpunkt an der Schaltung: man muß sie bei jedem Losfahren in den Automatik-Modus versetzen, und der dazu benötigte Druckknopf links am Schalthebel ist auch mit dem Bein schnell versehentlich betätigt, so daß man wieder im manuellen Modus landet und sich wundert, warum die Kiste denn nicht allmählich mal hochschalten mag *kreeeiiiiisch*, achso, *klick*, *grummel*, das wars schon wieder.

Und sonst? Schön leichtgängige Lenkung, Prädikat „wuseltauglich“. Der Wendekreis ist zwar ausreichend klein, aber doch größer, als man von so einem winzigen Heckmotorvehikelchen erwartet. Das kleine Ding fährt gar nicht mal schlecht und ist in der Stadt auch allemal kräftig genug, um Kreise zu fahren um fast alles, was da so im Weg herumkriecht. Grenzbereiche ausloten konnte ich in den paar Stunden natürlich nicht, aber flott um die Ecken ging er, ohne Seitenneigung (wie auch, wenn nix federt), Quietschen oder auch nur ein flaues Gefühl in der Bauchgegend. Und anders als in normalen Kleinwagen wirken auch die SUVs und Vans gar nicht so bedrohlich, denn man sitzt doch recht hoch im Smart. Er ist halt nur viel kürzer als andere Autos — nach vorn sieht man das aber nicht, denn auch normale Autos hören ja von innen gesehen oft an der Frontscheibenunterkante auf heutzutage, und nach hinten sieht man’s nur beim Umdrehen zum Rückwärtsfahren. Da hab ich jedesmal zusammengezuckt: na huch, da direkt hinter mir ist ja schon das Auto zu Ende!

Das Armaturenbrett ist etwas verspielt, aber trotzdem übersichtlich genug (hat ja auch nicht so viele Schalter, daß es unübersichtlich werden könnte). Dank gezielter Verwendung silbernen Hartplastiks wirkt das reichlich verwendete graue nicht so unwohnlich, wie es könnte; auch der Teppichbezug des eigentlichen Armaturenbretts, der ein bißchen an den ersten Panda erinnert, macht die kleine Hütte durchaus freundlich. Die großen Ablagen vorn unter der Frontscheibe sind während der Fahrt nicht zu erreichen und würden bei mir deswegen vermutlich zum Vermüllen neigen. Die kleineren unterm Armaturenbrett sind … nunja, klein. Und in der rechten wohnt mittendrin in einem Kistchen der Beifahrer-Airbag, vermutlich eine spätere Ergänzung des Ausstattungsumfangs. CD-Fächer und Aschenbecher gibt es, nicht aber Cupholder – hier merkt man das Alter der Konstruktion ebenso wie an den höchst klassisch gemachten Kontrolleuchten, wo noch ein Glühbirnchen durch getöntes Plastik mit aufgedrucktem schwarzen Symbol schimmern darf, wie ich es bewußt zuletzt im Unimog sah. Und es taucht die Frage auf: ist das jetzt retro, oder ist das ironisch, oder ist das einfach nur billig?

Auf jeden Fall billig sind Tankuhr und Kühlwasserthermometer als Teil des LC-Displays in der Mitte des großen Halbkreises, der die gut ablesbare Tachoskala bildet. Ebenfalls im Display: Kilometerstand („mein“ Exemplar hatte bereits 115.000 hinter sich, und das als Werkstatt-Ersatzwagen … für so ein kleines Dingsi schon ’ne Leistung, finde ich) und Gang-Anzeige, die aber im Automatik-Modus leider permanent „A“ zeigt – ich fände es interessant zu wissen, welcher Gang gerade bemüht wird. Im manuellen Modus gibt sie dafür auch Schalt-Empfehlungen in Form von Pfeilen nach oben und unten. Drehzahlmesser und Zeituhr sind analoge Uhren, oben aufs Armaturenbrett gepfropft und, wenn ich mich recht erinnere, damals Extras gewesen. Keine schlechte Lösung, besser jedenfalls als die vom „Mini“, alles in ein einziges völlig überladenes Instrument zu pferchen.

Die große Ablage hinter den Sitzen ist von vorn kaum, von außen durch die aufklappbare Heckscheibe und herunterklappbare Ladebordwand aber sehr gut erreichbar und ersetzt notfalls auch einen nicht vorhandenen Kofferraum. Die Schalter der elektrischen Fensterheber (oder die Fensterkurbeln in billigeren Versionen, nehme ich an) sind hingegen auch vom Fahrersitz beide gut erreichbar in den Türen, denn die Türen sind ja beide recht nah am Fahrer. Das nicht zu öffnende Glasdach ist ein m.E. eher sinnloser Gag und dürfte an sonnigen Tagen trotz verschiebbarem Blendschutz eher nerven. Dann schon lieber ein richtiges „Cabrio“, das ja auch nur ne Cabrio-Limousine wäre, wenn das Wort „Limousine“ hier nicht so völlig fehl am Platz wäre! Die immerhin vorhandene Klimaanlage ist sehr analog (es gibt drei Stellungen: Kalt, Viel kalt und Aus) und sehr leistungsfähig. Die Heizung wollte ich bei schwülen 28°C nicht unbedingt testen.

Bleibt die Frage nach dem Verbrauch. Die kann ich mit meinen gerade mal 50 Smart-Kilometern nicht wirklich beantworten – ich hab danach 4,6 Liter reingefüllt, aber das heißt nix, bei den Mengen ist der Meßfehler ja astronomisch. Damalige Testwerte suggerieren aber, daß man mit dem Smart gegenüber anderen Kleinwagen nicht unbedingt Sprit spart. Besonders leicht oder aerodynamisch ist er ja auch nicht, und der quirlige kleine Dreizylinder-Turbo wird schließlich von der Automatik ordentlich gedreht, wenn man Späne gibt. Und das macht man oft und gern, denn es macht halt Spaß. Ein Tip am Rande zum Spritsparen auf der Autobahn: das Gerät tobt recht zügig an die abgeregelte Höchstgeschwindigkeit von Tacho 140 und dreht dabei satte 5000/min im fünften Gang, und mit denen brüllt es dann auch weiter, solange man nicht vom Gas geht. Es hat aber sechs Gänge! Kurz das Gas lupfen bei Erreichen des Reisetempos, schon schaltet es hoch (kann man natürlich auch von Hand machen) und dreht dann auch bei wiederum Vollgas nur noch viel entspanntere 3500/min, mit denen es auch leichte Steigungen noch hochkommt, ohne runterschalten zu müssen. Das allerdings sollte das Getriebe auch selber wissen, ohne Hilfe vom Fahrer.

Mein Fazit? Naja. Eigentlich kein besonders gutes Auto, so ein Ur-Smart. Aber damit tut man ihm unrecht – eigentlich ist er ja eher der Nachfolger im Geiste von solch Vehikeln wie Isetta, Messerschmidt Kabinenroller oder Heinkel-Kabine. Ein Rollermobil halt, oder wie BMW die Isetta nannte, ein „Motocoupé“. Für ein solches fährt er dann aber überraschend erwachsen – man kann mit gut Richttempo über die Autobahn schnüren (oder, wenn die etwas älter ist: hoppeln), man kann durch die Stadt toben wie mit einem sehr ordentlich motorisierten Kleinwagen, man kann über Landstraßen wuseln, man kriegt einen normalen Einkauf und einen Beifahrer rein und fast überall einen Parkplatz. Nur Langstrecken fahren wird man nicht wollen, wegen des Fehlens einer Federung, die den Namen verdient. Aber so als Kurzstreckenkiste? Doch, geht schon. Besser als befürchtet. Und lustig. Mir trotzdem aber bitte lieber eine Ente, einen AX oder notfalls einen Lupo. Denn mein Rücken ist zu alt und zu verweichlicht für solch unbillige Härte von Seiten des Fahrwerks, dem hochgezüchteten Dreizylinderchen trau ich lebensdauermäßig immer noch nicht so richtig über den Weg, und das Kofferräumchen wär mir dann doch zu klein.

Aber Spaß hat er schon gemacht, mein halber Tag mit dem Smart.

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