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Die paradoxe Pause

Normalerweise würde man ja annehmen, daß es keinen Unterschied macht, wie lange man eine Pause (Lenkzeitunterbrechung) macht, solange deren Mindestlänge erreicht ist. Es gibt aber eine Konstellation, bei der eine versehentlich zu lange Pause dazu führt, daß auch die nächste Pause länger werden muß, als sie sonst sein müßte. Und das geht so:

Nehmen wir mal an, die Tour dauert insgesamt 7 Stunden Fahrzeit. Da müssen wir unterwegs mindestens 45 Minuten Pause machen, und zwar spätestens nach 4,5 Stunden Fahrzeit (und idealerweise aber auch frühestens nach 2,5 Stunden, damit wir in den verbleibenden 4,5 Stunden ohne weitere Pause bis ans Ziel kommen). Entsprechend ist die Tour kalkuliert: 7 Stunden + 45 Minuten Pause + 30 Minuten für Eventualitäten, also achteinviertel Stunden.

Leider fallen uns aber schon nach 1,5 Stunden die Äuglein immer wieder zu: Ein Powernap ist angesagt! Ist ja kein Problem: die vorgeschriebenen mindestens 45 Minuten Pause darf man ja aufteilen in einmal mindestens 15 und einmal mindestens 30 Minuten. Leider auch nur genau in dieser Reihenfolge. 15 sind ein bißchen knapp, also machen wir mal 30 Minuten Powernap-Pause, die verschwendete Viertelstunde ist ja immer irgendwie drin (und auch in den 30 Minuten für Eventualitäten), und ein Laster im Graben kommt ja noch viel später an.

Leider schaffen wir es aber, im Halbschlaf zweimal die Schlummertaste zu betätigen, und so hat unser Powernap nun doch 50 Minuten gedauert. Das Problem ist jetzt: das war eine vollständige Lenkzeitunterbrechung nach Vorschrift. Das heißt, sie gilt nicht mehr als „die ersten mindestens 15 Minuten“, und wir müssen im weiteren Verlauf nochmal volle 45 Minuten Pause machen. Als Ausgleich, weil wir so lange Pause gemacht haben. Statt geplanter 15 und tatsächlicher 35 Minuten „zuviel Pause“, beides noch kein Drama, ergibt das in Summe also schon 50 Minuten, die die Tour länger gedauert hat als nötig — und die lassen sich nicht mehr ohne weiteres „weglügen“, 20 Minuten Verspätung können schon richtig wehtun am Ziel.

Wohlgemerkt: es ist zumindest in meinem Job nicht die Regel, daß es wirklich auf die paar Minuten mehr oder weniger ankommt. Aber mitunter passiert es schon, und dann ist eine Vorschrift, die zuviel Pause mit noch mehr Pause vergilt, manchmal schon ein bißchen nervig. Und klar, so Stoß auf knapp wie hier im Beispiel sind die Touren normal auch nicht geplant. Trotzdem: ich habe es schon erlebt, daß es wegen dieses Effekts dann nicht mehr gereicht hat.

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