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Schon wieder Verschrottungsgebrabbel

Naja, es war ja klar, daß wieder jemand die Verschrottung der „alten“, „dreckigen“ Diesel fordern würde. Also jener bis einschließlich Abgasnorm Euro 4 — eingeführt 2005, nicht mehr aktuell seit 2009. Acht Jahre alte Autos also, die dreimal soviel Stickoxide und fünfmal soviel Feinstaub rauspusten dürfen wie aktuelle.

Klar, weg damit. Für die Umwelt ist uns nix zu teuer!

Ich will jetzt gar nicht wieder von der Sache mit der Umweltzerstörung und dem Energieaufwand durch die Herstellung und Verschrottung anfangen, das hatten wir oft genug, und na klar, das ignorieren die Hersteller und ihre Lobby ja sowieso. Aber die Forderungen in der jüngsten Runde der „Alt“-Wagen-Entsorgung zugunsten der Industrie Umwelt gehen noch einen Schritt weiter.

„Alte Diesel verschrotten, nicht verschieben!“ Das fordert nicht etwa der VDA, nein, das fordert Oliver Krischer, seines Zeichens Ex-Obmann der Grünen im Abgas-Untersuchungsausschuß, und weiter: „Wenn ein alter Diesel irgendwo auf der Welt weiterbetrieben wird, verlagert sich das Problem nur, wird jedoch nicht gelöst.“

Ääähm … nein.

Wenn ein Euro-4-Diesel aus Deutschland nach sagenwirmal Nahost oder Rußland oder Nordafrika verhökert wird, dann macht er dort zwar auch dreimal soviele Stickoxide und fünfmal soviel Feinstaub wie der Euro-6-Diesel, der ihn hier ersetzt hat, aber die Alternative dort ist doch kein neuer Euro-6-Diesel — sondern im Extremfall ein uralter Euro-1-Diesel, der selbst wenn er top in Ordnung sein sollte nochmal ein Mehrfaches an Dreck raushaut!

Zudem sind die beiden großen Problemschadstoffe der „alten Dreckschleudern“, eben Stickoxide und Feinstaub, mitnichten ein globales Problem. Das bißchen Feinstaub (verglichen mit dem, was Reifen und Bremsen so verursachen, von Holzheizungen mal ganz zu schweigen) schlägt sich irgendwo nieder, und die Stickoxide werden in der Atmosphäre binnen Stunden bis höchstens Tagen abgebaut.

Im Gegensatz, übrigens, zum CO2 — das bleibt in der Atmosphäre, trägt zum globalen Treibhauseffekt bei und wird, übrigens, von den derzeit noch ach so sauberen Benzinern deutlich mehr rausgekloppt als von Dieseln gleich welcher Abgasnorm. Das also ist wirklich ein globales Problem, und der möglichst lange Weiterbetrieb der so ziemlich sparsamsten Autos, die es derzeit so gibt, ist dagegen keine so blöde Idee.

Aber daß Grün was mit Umweltschutz zu tun hat, ist ja sowieso schon was länger her. Bezeichnend auch, von wem der Beifall kommt: VDA und AvD. Die natürlichen Partner der Grünen, sozusagen.

Können wir nicht irgendwann mal aufhören, Industrieförderung als Umweltschutzmaßnahmen zu verkleiden?

1 Kommentar

  1. _RGTech

    Die Dieselpolitik wird eh immer perverser. Gerade der Konzern mit den 2 Buchstaben, den du ja selber so magst, dessen Tachos seit Jahren ebenso kreativ mit Realwerten umgehen wie die Kataloge mit dem Abgaswerten, spielt sich in der Radiowerbung gerade so unangenehm aufdringlich als Umweltretter auf.
    Und wenn ich so die Kollegen beobachte: Das scheint leider wieder anzukommen. Die Rabattschlacht gewinnt – ein Kollege meinte neulich, so könne er seinen Golf Plus mit Mogel-TDI (!) mit dem wenigsten Verlust gegen ein Auto in Golfgröße tauschen. Trotz defektem Motorsteuergerät, Zentralverriegelung, Dieselgate und weiteren Scherzchen ist die Marke selbst bei dem immer noch nicht tot.

    Ich habe wirklich keine Ahnung, wieso das nicht aus den Köpfen geht.

    PS, für Fanboys: Ich _darf_ lästern. Ich habe selber einen feinstaubenden Direkteinspritzbenziner der Billigmarke dieses Konzerns.
    Aber nur im Winter, und nicht neu (also mit Erfahrungswerten durch Forenschreiber) :D – und das wiederum nur weil da noch kein Subaru Impreza/XV in gleicher Preisklasse zu finden war…

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