Bürgerpark

Nein, niemand erwartet in einem Kaff wie Föhrste einen Bürgerpark von Braunschweiger Dimensionen. Und ja, natürlich ist das Bepflanzen einer „toten Ecke“ zwischen Hauptstraße und Schallschutzmauer eine nette Sache. Aber etwas trostlos und verloren wirkt er dann doch …

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… der Bürgerpark von Föhrste. Nein, das Kennzeichen des Golf ist nicht wegretuschiert, da stand tatsächlich ein abgemeldetes Auto am Park. Immerhin gibt es aber eine eigene Bushaltestelle, mit der grandiosen Linienauswahl …

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… entweder mit der 62 oder mit der 63 ins zwei Kilometer entfernte Alfeld fahren zu können.

Hach. Die Lichter der Großstadt.

Elf Fragen

Frau Novemberregen schrub drüben in ihrem Blog: „Wir machen es wie immer, ich benenne niemanden, die Fragen bleiben hier liegen und wer will der nimmt.“ Ja dann nehm ich doch mal, danke!

1. Wann hast du das Bloggen für dich entdeckt?
Blättern wir zurück: 2. April 2006. Aber Schlabonskis Welt war eigentlich auch vorher eher ein Blog, nur halt handgeklöppelt, und das fing am 11. September 1998 an. Die richtigen Katastrophen fangen ja oft am 11. September an, ist Euch das auch schon mal aufgefallen?

2. Kannst du dir einen Tag ohne FB, Twitter und Co. vorstellen?
Natürlich. Jeden Tag. Bin immer noch bei keinem davon vertreten.

3. Was fällt dir zu dem Begriff „Nachhaltigkeit“ ein?
Dinge so lange wie sinnvoll möglich zu nutzen und nicht aus (oft nur vorgeschobenen) ökologischen Gründen zu ersetzen, nur weil es neue Dinge gibt, die etwas weniger Energie verbrauchen oder Schadstoffe ausstoßen. Der Anteil der Produktion an beidem wird oft vernachlässigt. Mein Computer ist sieben, mein Händi ist … äh … keine Ahnung, aber wohl kaum jünger, und mein Alltagsauto ist neulich 25 geworden.

4. Welche Sprache würdest du gerne sprechen?
Dänisch. Oder Niederländisch.

5. Du schließt die Augen und denkst ans Essen. Was ist es?
Gerade ist es Reis mit Gulasch. Aber das wechselt.

6. Welches Zitat gefällt dir?
Mein Lieblingszitat:

The beaches I like the best have no footprints in the sand.
They have gotten hard to find.
Now I carry a rake.
— Bob Hoover (R.I.P.)

Seit vielen Jahren auch meine E-Mail-Signatur. Ich kannte Bob, einen begnadeten kalifornischen VW-Schrauber, nur von Mailinglisten. Er war ein weiser Mann.

7. Kannst du deine Ferien ohne Handy verbringen?
Natürlich.

8. Warst du schon einmal in Grasse?
Nein.

9. Welchen Buchtipp gibst du mir?
Unter drei geht nicht. Erstens, nerdig-skurril: Randall Munroe — What If? Zweitens, tiefeneinsichtig-brilliant: Douglas Adams — Last Chance to See. Und drittens, immer-wieder-fesselnd: Neal Stephenson — Cryptonomicon. Für die deutschen Übersetzungen lege ich aber nicht meine Hand ins Feuer.

10. Kaffee oder Tee?
Das wechselt. Kaffee mit viel Milch, Tee schwarz mit Rum und Kandis.

11. Was können wir von den Franzosen lernen?
Den entspannteren Umgang mit dem, was die Deutschen ihr liebstes Kind nennen.

Und auch von mir: wer sich gefragt fühlt, darf natürlich auch beantworten. Wer wäre ich auch, es irgendwem verbieten zu wollen?

Elektronamen

Es gibt da ja bekanntlich ein paar naheliegende Eigennamen, die sich für die kommende Heerschar elektrisch angetriebener Kraftfahrzeuge anbieten. Da wir bei Schlabonski uns als Dienstleister verstehen, hier ein kostenloser Überblick.

  • Spannung: Volt. Bereits verwendet und unsinnigerweise auch schon wieder eingestellt von Chevrolet.
  • Stromstärke: Ampère. Als „Ampera“ bereits verwendet und unsinnigerweise auch schon zu „Ampera-e“ verballhornt von Opel. Die Alternative Biot klingt hingegen irgendwie behämmert, finde ich.
  • Widerstand: Ohm. Noch frei, klingt aber komisch. „Ich fahre einen Renault Ohm.“ Nee, so wird das nix.
  • Flußdichte: Tesla. Bereits berühmt als eigener Hersteller.
  • Ladung: Coulomb. Naja, besser als Ohm. „Hyundai Coulomb.“ Doch, paßt schon. Alternativ Franklin, aber ich glaube, das gab es schon mal als Herstellername vor hundert Jahren oder so.
  • Leitwert: Siemens. Das wird schwer, wenn es nicht Siemens selber mal versucht.
  • Feldstärke: Oersted. Für einen skandinavischen Hersteller ginge es vielleicht gerade so noch. „Volvo Oersted.“ Naja, vielleicht.
  • Fluß: Maxwell. Das geht auf jeden Fall. „Oh schau, der neue Mitsubishi Maxwell.“ Hört sich prima an.
  • Kapazität: Farad. Nee, zumindest nicht im deutschsprachigen Raum. „Ich bin mit meinem neuen Farad hier.“ Das klingt viel zu ärmlich für einen, der gerade 30.000 Euro für ein Elektroauto ausgegeben hat.
  • Induktivität: Henry. Das geht eigentlich nur mit Ford.
  • Verkettungsfluß: Weber. Hmm. Nee. Auch zu bekannt als Vergaserhersteller.
  • Durchflutung: Gilbert. Klingt auch nicht gerade prickelnd, finde ich.
  • Polarisation: Gauss. Das gefällt mir gut, als altem Wahlbraunschweiger sowieso. Müßte aber ein deutsch klingender Markenname dazu. „Borgward Gauss“ oder so.

Kann ja keiner sagen, daß es zuwenig Namen für so elektrische Sachen gäbe, aber die besten sind wohl leider schon weg. Beknackt finde ich nur, daß zwei (naja, anderthalb) davon schon wieder nicht mehr verwendet werden (davon abgesehen, daß sie für identische Autos auf verschiedenen Märkten verwendet wurden).

Ganz schöne Verschwendung, oder?

Links ist rechts und plus ist minus

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Nett, daß sie da ein „+“ reingraviert haben als kleine Hilfe gegen die Verpolung, aber irgendwie bleiben da doch Fragen offen.

Was gut war, kommt wieder

„The Arteon combines the design elements of a classic sports car with the elegance and space of a fastback,“ said head designer Klaus Bischoff in a statement. „It’s an avant-garde business-class Gran Turismo that speaks to the heart and head alike.“

Wen man das liest, denkt man an alles Mögliche, aber nicht an den neuen VW CC, äh, Arteon. Oder?

-Arteon

Wobei ich zugeben muß: Nein, ein häßliches Auto ist das nicht. Und es versteckt seinen Quermotor, seinen Skoda-Superb-Radstand und seine große Heckklappe schon recht geschickt in einer Form, die anderswo als „viertüriges Coupé“ durchginge. Die Wiederkehr der großen, flachen, ja: eleganten, aber trotzdem praktischen und geräumigen Schräghecklimousine ist ja ohnehin etwas, dem ich als Citroën-Fan nicht negativ gegenüberstehen kann.

Schade nur, daß der Name so nichtssagend ist. Da böte sich für ein Aufsteiger-Schrägheck, erst recht eingedenk der neuen Basismotorisierung (einem 1,5-Liter-Turbo-Vierzylinder), doch ein Ausflug in die eigene Geschichte geradezu an:

VW 1500 TLE

Bilder geklaut aus VW-Pressemitteilungen verschiedener Websites.

Grünkohl-Batteriesäure-Birne?

Na, wer bekommt da nicht Lust auf ein Breichen? Gesehen auf einem ungenannt bleibenden Autohof, wo ja die klassische Zielgruppe für maßlos überteuerte angeblich gesunde Leifsteil-Produkte, der Berufskraftfahrer, ein- und ausgeht:

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Vom Preis will ich ja gar nicht anfangen, obwohl, über ein Cent/ml ist schon sportlich, finde ich. Schon spannender ist da die Tatsache, daß, wie mir ein Vögelein zuzwitscherte, „frisch zubereitet“ ein Euphemismus ist für „vor hoffentlich weniger als 48 Stunden frisch aufgetaut“. Das führt dann zu solchen appetitlichen Effekten wie hier in der linken Flasche zu erkennen:

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Die Krönung finde ich aber trotzdem die Geschmacksrichtungen.

Mein bisheriger Favorit ist „Green Reviver“ (Banane-Grünkohl-Mango-Zitronengras). Hoffentlich kommen aber meine anderen Lieblingssorten „Kick in the Nuts“ (Mandarine-Teewurst-Motoröl SAE 30), „Take This“ (Batteriesäure-Brombeer-Limburger) und „Sit on My Face“ (Litschi-Schafsurin-Kühlerfrostschutz-Zwiebel) auch bald ins Programm!

Für streifenfreien Glanz

Google Translator scheint in Haushaltsdingen noch eher rudimentär bewandert …

Korrekt ist natürlich „shoe horn“.

Spiegel-Reporter hören besser

Respekt, Herr Fischer, Respekt. Ich kann die Motorgeräusche einer Drehspiegelleuchte an einer Unglücksstelle nicht heraushören, und diese modernen LED-Blitzer machen soweit ich das sagen kann überhaupt keinen Krach.

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Ansonsten erwarte ich zuversichtlich die allfälligen Forderungen nach härteren Strafen, mehr Kameraüberwachung, Vorratsdatenspeicherung, Flüchtlings-Obergrenzen, mehr Polizisten, Bundeswehreinsätzen im Innern und der Bewaffnung von Streifenwagen mit Panzerfäusten in 3 … 2 … 1 …

Was, wer fährt hier Daimler? Ich? Neinnein.

Es geht ja manchmal das Gerücht, ein gewisser, hier traditionell ungenannt bleibender norddeutscher Automobilkonzern mit zwei Buchstaben wolle ab demnächst nur noch Lastwagen der eigenen Konzernmarken auf seine Werksgelände lassen.

Ich halte das ja nach wie vor für Schwachsinn (denn so schnell, wie die von Speditionen, die andere Marken fahren, wegen Wettbewerbsverzerrung vor den Kadi gezerrt werden würden, kannste gar nicht kucken), aber in Emden hab ich neulich trotzdem eine pragmatische Lösung für dieses Problem gesehen (und eilig, aber deswegen leider nicht in überragender Qualität, auch fotografiert):

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Der ideale Kompromiß: Damit käme man auch dann, wenn das Gerücht kein Schwachsinn wäre, aufs Werksgelände und trotzdem ohne Fehlermeldung von der Abgasreinigungsanlage auch wieder runter 😛

Mit freundlichem Grinsen aus dem noch ungetarnten Actros:
  Euer Dieter Schlabonski.

Establishment niedergetrumpelt

Nun ist es also doch passiert, was sich keiner vorzustellen wagte. Schon wieder. Nach dem Brexit, der ja, wir erinnern uns, von seinen Gegnern angeleiert wurde („laß uns darüber einfach mal volksabstimmen lassen, damit der Scheiß dann vom Tisch ist“ — und dann sagt das Volk „Ja!“, sowas Dummes aber auch, wer konnte denn damit rechnen?) erleben wir nun unter ganz ähnlichen Vorzeichen die Clintektomie. Denn auch die Demokraten haben ja den Herrn Trump als Gegner hochgeschoben in der Hoffnung, gegen den verwirrten Vollspacken eher gewinnen zu können als gegen einen weniger kontroversen Kandidaten. Toller Plan. Hat bloß nicht funktioniert. Anscheinend hat man doch ein wenig unterschätzt, wie abstoßend Hillary wirklich ist.

Und jetzt dauert es bestimmt nur noch Minuten, bis das Jammern und Wehklagen, die Wählerbeschimpfung und die düsteren Zukunftsaussichten auch in meiner Filterblase aufzuschlagen beginnen. Hach, wie ich mich darauf freue.

Ja sicher, Präsident Trump ist jetzt nicht gerade das Geilste, was ich mir als Ersatz für den Träger des Schwedischen Comedypreises hätte vorstellen können. Aber es war ja nun auch eine Wahl zwischen Pest und Cholera: will man lieber den populistischen, fremden- und frauenfeindlichen Rassisten oder doch lieber die merkbefreite Verbrecherin? Ehrlich gesagt: mir wäre die Entscheidung auch schwergefallen. Jeremy Clarkson hat das Problem ganz hübsch zusammengefaßt mit seiner Frage, ob sich unter 300 Millionen US-Bürgern denn wirklich keine geeigneteren Kandidaten hätten finden lassen als ausgerechnet die beiden.

Aber der Weltuntergang, den jetzt gleich viele heraufbeschwören werden — sorry, den seh ich nicht. Sicher ist es nicht gerade ein beruhigender Gedanke, daß Donald nun den Finger auf dem roten Knopf hat, aber hey, das war es bei Ronald, George oder George Dabbeljuh auch nicht gerade, und da ist auch nix passiert (wenn auch nur knapp). Ich bin weder von Trump noch von Putin ein Fan, aber für so bescheuert halte ich wirklich keinen der beiden, zumal man ja in Rußland sich auch recht angetan zeigt vom Wahlausgang — vielleicht taut’s ja sogar ein bißchen im Kalten Krieg, das wäre doch auch nicht das Verkehrteste. Klar, Vladimirs Zustimmung wird als weiteres Indiz dafür gesehen werden, wie schlimm Donalds Sieg nun sei, aber mir sind zwei Verbrecher, die einander gut finden, an den roten Knöpfen immer noch lieber als zwei erbitterte Feinde, selbst wenn einer davon ein Guter wäre. (Was ja auch nicht unbedingt der Fall sein muß.)

Gratulation nebenbei an einen weiteren Unsympathen in staatstragendem Amte, den Herrn Erdogan: Perfektes Timing für den nächsten Schritt auf dem Weg zum Diktator. Das Erstatten einer Anzeige wegen Beleidigung gegen alle Abgeordneten der größten Oppositionspartei in den Nachrichten der ganzen Welt unter „ferner liefen“ zu verstecken, schafft man nicht so ohne weiteres, aber heute klappt es prima, das hat er schon gefickt eingeschädelt.

Und daß man sich in Berlin in der Koalition nicht auf Klimaschutzziele einigen konnte, ist schon gleich ganz egal. Bis zur Bundestagswahl ist das eh vergessen.

Weitergehen, weitergehen. Hier gibt es nichts zu sehen.

Wenn ich abschließend eine Prognose wagen darf: Genausowenig, wie Obama seinen überreichlichen Vorschußlorbeeren gerecht geworden ist, werden sich die üblen Weissagungen über Trumps Präsidentschaft bewahrheiten. Klar, einiges wird schlimmer werden, und ich würde jetzt noch weniger als bisher in Amerika arm sein oder dorthin einwandern wollen, aber eigentlich habe ich vor dem komplett republikanischen Kongreß Senat und Repräsentantenhaus viel mehr Angst als vor der Witzfigur im Präsidentenamt. Aber auch alle zusammen werden nichts kaputtschlagen, das sich nicht auch wieder reparieren ließe — und ihre Wähler werden hoffentlich bald schon merken, daß auch ihre vermeintlichen Heilsbringer nur mit Wasser kochen und ebensowenig wie die Konkurrenz die Patentrezepte haben, mit denen alles gut wird.

Denn daß tatsächlich alles gut werden könnte — den Glauben habe ich schon vor Jahrzehnten verloren.

Heuler

Da die Berliner ja die Sprinter ihrer örtlichen Autovermietung Robben & Wientjes bekanntlich als „eine Robbe“ titulieren …

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… ist das dann ein „Heuler“?

Wenn Wahnsinn ansteckend wird

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Unter diesem Titel machen im Leitartikel des Alfelder Tageblatts die Herren Thorsten Fuchs, Jan Sternberg und Roland Herold — nach einer differenzierten Betrachtung über Amoklauf vs. Terroranschlag — durchaus angemessene Vorschläge zur Berichterstattung nach Amokläufen:

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So weit, so gut, so richtig. Schade nur, daß das Alfelder Käseblatt den Artikel nicht gelesen hatte, als sie das hier auf die gegenüberliegende Seite 3 druckten:

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Und als sei das nicht genug, zeigen sie im Kopf der beiden Seiten auch noch acht der neun Opfer von München (das neunte, ein 45-Jähriger, war vermutlich nicht fotogen genug oder hatte keine Bilder in den „sozialen Medien“ hochgeladen?). Und zwar, im Gegensatz zu dieser Abbildung hier, unverpixelt und mit voller Namensnennung:

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Jawoll, liebes Alfelder Drecksblatt. Genau so macht man das mit dem Vermeiden des Ruhms. Habt Ihr echt prima hingekriegt.

Ihr Pappnasen.

(Unschärfe und Verpixelungen bzw. rote Balken sind von mir. Ich will ja nicht zum Ruhm des Täters beitragen, gell.)

Weg vom Zerknalltreibling

Eigentlich ist es erstaunlich: fast jeder weiß (und die meisten geben es auch vor sich selber zu), daß es so nicht weitergehen kann mit dem motorisierten Individualverkehr und den Mengen an fossiler Energie, die derselbe verbrennt und in Luftschadstoffe verwandelt — und trotzdem gibt es keine wirklich spürbare Bewegung hin zu den Alternativen.

Einer der Gründe ist, daß von den Alternativen zu viel verlangt wird. Die meisten PKW stehen 22 oder 23 Stunden am Tag — den Rest schafft jedes Elektroauto ohne Zwischenladen. Trotzdem würde niemand ein Auto kaufen, das nach zwei Stunden an die Steckdose muß — was ist, wenn man damit in Urlaub fahren will? (Eine ganz ähnliche Argumentation dient übrigens auch der Rechtfertigung der Anschaffung eines siebensitzigen SUV spätestens bei der Geburt des zweiten Kindes, aber dies nur nebenbei.)

Nun kann man dem Autokäufer predigen, daß es nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch günstiger ist, einen kleinen, sparsamen, heute vielleicht auch schon elektrisch betriebenen Wagen zu fahren, der 95% der Zeit ausreicht, und für die restliche Zeit dann eben den benötigten Kleinbus, Geländewagen oder von mir aus auch Luxus- oder Sportwagen zu mieten. Auf besonders viel Gehör stoßen wird man damit aber nicht. Seh ich ja an mir selbst: eine 24 Jahre alte, fünftürige Mittelklasse-Limousine mit 120 PS und Automatikgetriebe brauche ich eigentlich nie und fahr trotzdem eine. Warum? Weil es Spaß macht.

Es bedarf also eines anderen Ansatzes, will man dem Explosionsmotor und dem fossilen Kraftstoff den Garaus machen. Die Alternativen müssen nicht nur wirtschaftlicher werden, sondern auch sexier. Wenn das Lustzentrum sagt: Sowas will ich! — dann findet das Gehirn schon selbst einen Weg, wie man sich sowas leisten kann.

Die Firma Tesla ist da schon auf einem ganz guten Weg. Man baut dort eben kein utiliarisches Elektroauto, sondern (nach einem Roadster als Einstieg) einen hocheleganten, unglaublich schnellen und sehr komfortablen Luxuswagen mit einem wegweisenden Update-Konzept, der nebenbei aber auch noch elektrisch angetrieben ist (und nur deswegen so schnell sein kann, weil das mit Elektroantrieben eben viel einfacher zu bauen ist als mit Explosionsmotoren). Und klar, natürlich ist das Ding teuer. Na und? Eine S-Klasse ist auch teuer. Aber ein Tesla ist sexier — und prompt verkauft er sich in den USA, wo er herkommt, immerhin schon mal besser als die S-Klasse.

Teslas erklärtes Ziel ist es, aus der Oberklasse hinunter in den Massenmarkt zu kommen. Das dazu benötigte Mittelklassefahrzeug, das „Model 3“, ist bisher nicht mehr als eine Designstudie — und trotzdem hat man bereits über 300.000 Vorbestellungen mit je 1.000 US-Dollar Anzahlung dafür eingesammelt. Das funktioniert also schon mal ganz gut.

Und trotzdem — auch 300.000 Elektroautos sind nichts, vergleicht man sie mit den Millionen Benzin- und Dieselautos, die alljährlich neu auf die Straßen kommen. Die Bundesregierung hat das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen zu haben; ein Ziel, das inzwischen illusorisch sein dürfte. Warum?

Ich denke, um die Reichweitenangst kommen wir nicht herum. Wer Langstrecken fährt, der will keine Batterien laden müssen, sondern volltanken und weiterfahren können.

Das Interessante dabei: so eine Technik gibt es. Volltanken wie bei einem Benzinauto und trotzdem elektrisch fahren wie mit einem Tesla. Sie nennt sich: Wasserstoff-Brennstoffzelle. Der unter hohem Druck verflüssigt getankte Wasserstoff verbindet sich in der Brennstoffzelle mit Luftsauerstoff zu Wasser, und die freiwerdende Energie wird zum Antrieb des Autos genutzt.

Diese Technik eröffnet die Möglichkeit eines sanften Übergangs von der derzeitigen Benzin-und-Diesel-Welt zu einer Welt von Elektrofahrzeugen. Der gestaltet sich so:

  1. Kurzstreckenfahrzeuge (Taxis, Busse, Müllwagen, Stadtlieferwagen etc.) können bereits heute problemlos durch batterie-elektrische Fahrzeuge ersetzt werden. Wo nötig, kann berührungslose Induktions-Ladetechnik etwa an Taxiständen und Bushaltestellen einen Dauerbetrieb ermöglichen. In einigen Städten fahren schon die ersten so ausgestatteten Busse.
  2. Neben batterie-elektrischen Privatwagen sollten auch brennstoffzellen-elektrische angeboten werden. Das bedingt eine Wasserstoff-Tankstellen-Infrastruktur. Da solche Fahrzeuge für die Langstrecke prädestiniert sind, reicht es aber, diese entlang der Fernstraßen zu errichten.
  3. Als „eierlegende Wollmilchsau“ fungiert der Hybridantrieb — nicht wie bisher mit Elektro- und Verbrennungsmotor, sondern nun halt mit Akku und Brennstoffzelle. Im Alltag billig und effizient an Steckdose oder Ladestation Strom tanken, aber trotzdem fernreisetauglich mit Wasserstoff-Betankung. Sicher erheblich teurer und schwerer als reine Batterie- wie Brennstoffzellen-Autos, aber man sehe sich auf den Straßen um: teure, schwere Autos verkaufen sich gut!
  4. Bleibt der schwere Güterfernverkehr. Klar, eigentlich will man den auf der Schiene haben, aber mit brennstoffzellen-elektrischen Lastwagen (die nebenbei mit gar nicht mal so großen Akkus durch regeneratives Bremsen bergab auch noch einen Haufen Energie sparen, der derzeit noch in den Retardern als Abwärme verpufft) wird er auch auf der Straße schon sehr viel nachhaltiger und erträglicher.
  5. Und für die Oldtimer, die Kleinserien-Sportwagen und die paar Prozent an Unverbesserlichen, für die ein Auto Brumm-Brumm machen muß, weil es sonst kein richtiges Auto ist — für die paar hunderttausend Autos, die auch in ein paar Jahrzehnten noch Explosionsmotoren haben werden, gibt es dann ja immer noch Biokraftstoffe, bis dahin sicherlich auch dank Biomass-to-liquid ohne die zu Recht kritisierte Konkurrenz zur landwirtschaftlichen Nahrungsproduktion.

Wie man das durchsetzt? Jedenfalls nicht mit ein paar tausend Euro Elektroauto-Kaufprämie, soviel ist nach den ersten Erfahrungen mit derselben mal sicher. Mein Vorschlag wäre: Spritsteuer rauf. Und zwar europaweit, und mit Ansage, also planbar. Sagen wir: pro Jahr um 20 Cent pro Liter, Biokraftstoffe natürlich weiterhin ausgenommen. Dazu ein schönes Förderprogramm für Akku-Ladestationen (eher in Städten) und Wasserstoff-Tankstellen (eher an Fernstraßen). Und dann wollen wir doch mal sehen, ob die geschätzte Autoindustrie es nicht ganz von selber — ohne jede Subventionierung — hinkriegt, den Millionen, die ihnen danach die Bude einrennen, schöne Akku- und Brennstoffzellen-Autos zu verkaufen.

Und wer dann 2025 immer noch einen Porsche Turbo haben will oder einen Zwölfzylinder-Bentley, oder einfach seinen geliebten Käfer oder Twingo behalten? Bitte, kein Problem, wer möchte, der darf ja. Heute gibt es ja auch noch ein paar hunderttausend Fossilien ohne Katalysator da draußen. Ein paar hunderttausend umweltschädliche Exoten sind auch gar nicht das Problem — das Problem sind die Millionen „normaler“ Autos, gefahren von „normalen“ Leuten. Wir können es uns nicht leisten, daß die noch jahrzehntelang fossile Energieträger verbrennen. Und im Gegensatz zu früheren Zeiten, wo wir es uns auch schon nicht leisten konnten, aber keine hinreichend attraktiven Alternativen anzubieten hatten, haben wir die heute.

Jetzt müssen wir es nur noch tun.

Im Netz der Zukunft

Das ist doch mal nett, wenn sich ein Kunde so freundlich bei der Telekom bedankt für den prompten Service, oder?

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Man muß ja nicht immer nur meckern …

Kommt ein Fernfahrer in nen Autohof …

Was klingt wie ein Witz, ist leider eine wahre Geschichte. Kommt ein Fernfahrer ins Restaurant eines Autohofs, um 20:30 Uhr, kurz vorm Anpfiff eines im Restaurant live übertragenen Fußball-Europameisterschafts-Spiels. Und bekommt was gesagt?

„Die Küche hat schon geschlossen.“

Geht’s noch? (Nein, nicht ich, ich hab meinen Leberkäse mit Kartoffelstampf und Spiegelei und mein Maisel Pale Ale noch gekriegt.) Solche Öffnungszeiten wären irgendwo aufm Dorf vielleicht noch okay — obwohl, während der EM? –, aber auf nem Autohof? (Nein, ich sage nicht wo. 😉 )

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