Nette Schmierereien

Zu Graffiti habe ich ja ein eher ambivalentes Verhältnis.  Das meiste, vor allem das völlig sinnlose „Taggen“, finde ich mindestens komplett bescheuert — ernsthaft: wie hirntot muß man bitte sein, um sich nachts auf eine Autobahnbrücke zu schleichen und jeder der hunderten von Glasscheiben der Schallschutzapparatur am Brückenrand einen identischen, zudem kaum lesbaren Schriftzug zu verpassen?  Kinder, wißt ihr sonst nix mit euch anzufangen?

Manchmal aber muß dann auch ich grinsen.  Und dafür braucht man auch gar nicht so viel Aufwand zu treiben wie 2010 der Typ, der an einer S-Bahn eine Tür „versetzt“ hat, oder neulich der Schöpfer des „Tunneltampon“-ICE, wenngleich zumindest erstere Idee und Umsetzung wirklich grandios ist.  Das erste Mal, wo mir ein Graffiti als lustig in Erinnerung geblieben ist, war in den Achtzigern in Celle.  Da gab es an der „Pfennigbrücke“ über die Aller eine über und über besprayte Hauswand, die dann irgendwann mal frisch geweißelt wurde.  Und am nächsten Tag stand, in großen schwarzen Spray-Lettern, was dran?

Wir feiern die saubere Wand!

Und ja, na klar ist das gegenüber dem Wand-Eigner ziemlich arschlochig.  Aber ich bin sicher: die Menge derer, die ihren Weg über die Pfennigbrücke mit einem Grinsen fortsetzten, war weitaus größer.  Und gegen Graffiti half es auch, denn soviel Intelligenz hatte die Celler Sprayer-Szene damals, diese Wand dann von weiteren Schmierereien zu verschonen.

Wirklich nett fand ich dann aber den hier:

Ampel mit rotem Herz und gelbem Smiley auf den Lampen

Ich weiß leider nicht mehr, wo ich das aufgenommen habe — mit dem Händi, kurz vor dem Losfahren, denn es war die Ampel für meine Spur, daher die miese Bildqualität.  Aber das ist doch nett, oder?  Und wenn die Straßenmeisterei das nächste Mal was an der Ampel macht, ist es mit einem Wisch mit dem Lösemittellappen auch wieder weg.

So mag auch ich Graffiti.  Und Ihr?  Weitere Beispiele willkommen — gern auch mit Bild, das bau ich dann ggf. auch in die Kommentare ein.

Sauber

„Fräulein Lohmeyer?  Fräulein Lohmeyer!  Kommen Sie mal bitte.  Hier, sehen Sie sich das mal an, dieser Dreck hier!  Das geht doch so nicht!  Was sollen denn die Kunden denken?  Machen Sie da mal was, ja?  Bis morgen erwarte ich da eine Lösung, verstanden?“

Mann!  Was denkt sich der alte Sack eigentlich?  ‚Machen Sie da mal was‘ am Arsch, ich bin hier doch nicht die Putzfrau, so eine Unverschämtheit!  Ist doch nur das Fenster für die LKW-Fahrer, diesem Abschaum ist das doch eh wurscht, muß man sich doch nur mal ansehen diese Typen.  Aber wenn der Alte hier wieder vorbeikommt und es ist nix passiert, dann ist hier Achterbahn — irgendwas muß ich also machen.  Wenn ich das wegwische, sieht’s nächsten Monat wieder genauso aus.  Die Putzen können eh nur Rumänisch oder sowas, denen brauch ich das auch nicht zu sagen.  Ach ich weiß: ich werde einfach ein Schild hinhängen, dann bin ich nicht mehr schuld.  Damit nix sein kann, wenn was ist.

Die Arbeitsstelle muss sauber verlassen werden!!!

So, erledigt.  Das klappt bestimmt, da hab ich ein gutes Gefühl bei!

Gestern nacht im Taxi

Wie schon letzten Sonntag, verdammt, ich werde langsam gesetzt und geregelt, furchtbar, hoffentlich bleibt das jetzt nicht so — wo war ich?  Ach ja, wie schon letzten Sonntag gibt es auch heute einen Blick zu einem Eintrag meiner Blogrolle, kurz: eine sogenannte Blickrolle.  Diesmal ist Sash dran, seines Zeichens Berliner Taxifahrer, der nicht so regelmäßig, wie ich mir das wünschen würde, aber immer noch viel regelmäßiger als ich Erlebnisse aus seinem beruflichen Alltag verbloggt.  Oder vielmehr seiner Allnacht, denn er ist Nachtfahrer, und so heißt das Ding dann auch Gestern nacht im Taxi oder kurz GNIT.  Thematisch hat es naturgemäß meistens mit Fahrgästen und deren Eigenheiten zu tun, manchmal aber auch mit anderen Verkehrsteilnehmern und sonstigen Umtrieben.

Bewundernswert finde ich daran, wie locker er das alles nimmt.  Ich könnte das nicht.  Vielleicht bin ich deswegen ja auch Lastwagenfahrer geworden — meine Ladung meckert nicht rum und kotzt mir nicht die Karre voll.  Und dann kann der auch noch schreiben!  Als ich seinen Blog entdeckt habe, mußte ich den erstmal komplett lesen.  Das passiert zwar gelegentlich, aber doch eher selten.

Also sag ich schon mal: viel Spaß dabei!

Hey, es ist dein Kopf

Der erste Pontiac Trans Sport (der hier) hat auf der Innenseite der vorderen Türen, nahe der hinteren oberen Ecke, Aufkleber, die davor warnen, sich beim Öffnen der Tür an eben jener Ecke den Schädel anzudotzen. (Zumindest der aus dem hier auch schon veröffentlichten Fahrbericht hatte welche.)

Gut gemeint, klar.

Das ist ein schönes Beispiel für das, was unsere amerikanischen Freunde mit ihrem Talent für Kürzel ein „CYA“ nennen: Cover Your Ass. Denn es gibt genau zwei Situationen, wo man diesen Aufkleber zu lesen bekommt: a) nach dem unfallfreien Öffnen der Tür, „hmm, okay, ja, sieht ein wenig spitz aus die Ecke“; b) mit Platzwunde auf der Stirn und pochendem Schädel, „na klasse, und das sagst du mir jetzt?!“.

Jaah, wird der Leser jetzt vielleicht sagen, aber fürs nächste Mal merkt sich der Fahrer das dann aber dank dieses Aufklebers. Nein, macht er nicht. Und auch nicht wegen der Platzwunde.

Denn Warnungen, die man erst nach der gefährlichen Situation sieht, sind genauso wirkungsvoll wie gar keine. Alles, was sie bringen könnten, ist ein gewisses Wohlwollen der Jury bei der Schmerzensgeldverhandlung (war ja gut gemeint) und ein gewisses Gefühl des Verhöhntwordenseins beim Verletzten.

Ich kenn das aus eigener Erfahrung mit einem anderen Fahrzeugtyp, dem VW-Bus T4. In den kann ich nicht mal eben schnell einsteigen, ohne mir das Hirn einzurennen (aber an der Dachkante, nicht an der Tür). Und wann passiert das? Nicht beim ersten Einsteigen, und auch nicht beim zweiten. Sondern genau dann, wenn es ein paarmal geklappt hat an diesem Tag, man nicht mehr dran denkt und mal eben schnell ins Auto steigen will, um *pow*, auaa!

Und genauso wird’s denen, denen es beim Trans Sport so geht, beim Trans Sport auch gehen. Mein Problem mit dem T4 ist anscheinend ein Einzelschicksal; das mit dem Trans Sport anscheinend nicht, sonst gäbe es den Warnaufkleber ja nicht.

Dieser Artikel entstand ursprünglich für Tobias Meyers kurzlebiges Blog „Gut gemacht? Gut gemeint.“ und wird nach dessen bedauernswerter Einstellung hier wiederveröffentlicht.

Bald ist 1984

Man erinnert sich ja kaum noch an „1984“, also weder an das Jahr noch an den Roman von George Orwell, den die meisten wenn, dann wohl auch damals gelesen haben dürften.  Vieles davon dürfte wohl auch utopisch (oder sagt man da auch „dystopisch“?) bleiben, zum Beispiel die rückwirkende Geschichtsfälschung, mit welchem Nachbarn man schon immer im Krieg war, oder die von oben verordnete Sprachreform „Neusprech“ (nur für eine Rechtschreibdeform hat es ja leider gereicht); aber wenn es nach Thomas de Maizière geht, wird zumindest das Beobachtetwerden normal werden.  Der „plant“ nämlich eine Vorschrift, daß alle „Internet-of-Things“-Geräte verpflichtend eine Spionage Überwachungs-Schnittstellen haben müssen sollen.

Mancher stellt sich ja schon jetzt einen Amazon Echodot ins Wohnzimmer, damit er Alexa bitten kann, nach Siri zu googeln; da hat man dann wenigstens noch die Hoffnung, daß wirklich nur die KI (steht übrigens für Kümmerliche Intelligenz) mithört, denn wie soll denn Amazon so viele Lauscher bezahlen?  Die sind ja sogar zu geizig, ihre Paketepacker vernünftig zu entlohnen.

Aber wenn des Innenministers Ideen umgesetzt werden sollten, wird man irgendwann kaum noch drumrumkommen, zumindest potentielle Mithörer und -leser in so ziemlich jede Wohnung zu lassen.  Denn irgendwann gibt es keine Geräte mehr ohne Internet, und von da ist es nur ein kleiner Schritt zu Geräten, die ohne Internet den Dienst verweigern.  Der Unterschied zu Orwell ist dann nur noch, daß wir den Kram selber bezahlen dürfen.

Oh, ach ja, und daß die Dinger uns nur auf gerichtlichen Beschluß bespitzeln dürfen.  Das entscheidende Wort im letzten Satz ist dann wohl „dürfen“ — daß die Geheimdienste nur machen, was sie dürfen, wäre ja auch ganz was Neues.

Tja.  Und nun?  Nun hoffen wir erstmal, daß der geschäftsführende, also hoffentlich nur noch auf Abruf im Amt befindliche Innenminister von einem etwas weniger leerdrehenden Überwachungsjunkie abgelöst wird, damit wir noch ein paar Jahre Aufschub bekommen bis 1984.  Und dann gewöhne zumindest ich mich wohl mal an den Gedanken, nur noch Geräte mit Baujahr vor 2018 oder so zu kaufen.  Für die paar Jahrzehnte, die mir noch bleiben, sollte das reichen.

Hoffentlich.

 

»Alexa, wie geht es Thomas de Maizière?« – »Danke der Nachfrage! Mir geht‘s gut!«

Machen alle so

Der vorletzte der typischen Disponentensätze, die der Kollege Blick Ableiter drüben auf seinem Blog zusammengetragen hat, nämlich der Klassiker „Deine Kollegen machen das auch immer so. Da beschwert sich auch keiner. Nur du.“, weckt die Erinnerung an eine schon etwas ältere Episode meines Berufskraftfahrer-Daseins, wo ich diesen Satz so ähnlich auch zu hören bekam, aber vom Kunden.  Sie möge nebenbei auch ein bißchen zur Ehrenrettung des Disponententums beitragen, denn ganz ehrlich: deren Job würd ich auch nicht machen wollen.

Jener Kunde war ein Bauunternehmen, das mit der Herstellung eines Eisenbahntunnels an der Neubaustrecke Nürnberg-Berlin befaßt war — wo genau, weiß ich nicht mehr.  Nun sind Eisenbahntunnel-Baustellen meist noch etwas weiter ab vom Schuß als andere Baustellen, und so wunderte es mich nicht, daß nach 10 Minuten Gegurke über geschotterte Waldwege zur Containersiedlung der Bauleitung noch eine weitere knappe halbe Stunde desselben anstand, inklusive einer zerschrammten Stoßstangenecke wegen unglücklich an der Kurvenaußenseite gelagerter und schön vermittels üppigen Bewuchses getarnter Moniereisen, bis zu einem Loch im Wald, das sich als Einfahrt eines Rettungstunnels entpuppte.  Da kann man dann wohl später mit dem Sprinter-RTW direkt bis an den havarierten ICE im Tunnel heranfahren. Praktische Sache.

„Ja,“ sagt der Baustellenleiter, „du fährst jetzt rückwärts da rein, ca. 200 Meter, dann kommt rechts die Durchfahrt zum Haupttunnel, da dann links, und dann nach 400 Metern siehste es schon.“

Ähm.

Oh.

Ahem.  Nö, sag ich, mach ich nicht.

„Wie, machst du nicht?  Das machen alle so.  Wir kriegen hier jeden Tag ein bis zwei Züge (er meinte: Lastzüge) voll Rohre, die fahren alle da rein.“

Naja, sag ich, zumindest will ich mir das vorher mal ansehen gehen.  Gehen?  Das sei viel zu gefährlich, aber bitte, man könne ja eine „Begehungsfahrt“ machen.  Also rein in das Atego-Kipperchen und rein in den Tunnel.

Der ist ziemlich finster, in der Mitte sicherlich gut 5 Meter hoch, aber im Querschnitt eben halbrund, wie Tunnel halt so sind, bevor die Decke verkleidet wird.  Und die Durchfahrt zum Haupttunnel ist halt ein Loch in der Wand, vielleicht so vier mal vier Meter groß.  Dahinter wird’s geräumiger, zugegeben.

Wieder an der Erdoberfläche bleibe ich bei meiner Verweigerung, da rückwärts reinzufahren.  Also in den Rettungstunnel vielleicht, mit Einweiser, aber die rechtwinklige Verschwenkung in den Durchbruch zum Haupttunnel, das wäre schon in einer gutbeleuchteten Werkhalle mit Betonboden eine mittlere Herausforderung, aber auf Matsch (so ein Tunnel ist erstaunlich feucht), im Dunkeln, bei krummen Wänden?  No way.  Aber im Rettungstunnel sei doch gar kein Platz zum Abladen, sagt er.  Tja, sag ich, das sei dann halt so.

Es folgt eine ansehnliche Detonation.  Nein, nicht im Tunnel, im Baustellenleiter.  Und er wolle jetzt sofort die Nummer meines Disponenten, er werde sich nämlich beschweren, jawohl!  Ich greife zum Händi, drücke Wahlwiederholung, spreche drei kurze Sätze hinein und reiche es an ihn weiter.  Er schreit ein paar mehr etwas längere Sätze hinein, reicht es zurück und stampft energisch von hinnen.

„Na dann erzähl mal“, sagt mein Disponent.  Ich beschreibe die Situation, biete ihm an Fotos zu machen, „nönö,“ wehrt er ab, „du bist hier der vor Ort mit dem LKW-Führerschein und der Verantwortung, nicht ich.  Wenn du meinst, das geht nich, dann geht das auch nich.“  Alles klar, sag ich, und wie geht’s jetzt weiter?  „Jetzt rufe ich da an und schrei mal zurück.  Bis gleich.“

Gleich nach dem Rückruf kommt dann auch schon der Radlader mit Stapelgabel und einem tiefenentspannt-kumpeligen Fahrer, der mich ein paar hundert Meter weiter in den Wald auf eine Lichtung leitet, auf der, oh Wunder, einige Lastzugladungen genau der Rohre liegen, die ich auch dabeihabe.  Nach dem Abladen in gelassener, kollegialer Atmosphäre stehen wir dann noch zusammen, er auf ein Zigarettchen, ich auf ein Pepsi-Lightlein, und ich frage ihn, wie das denn nun wär mit den Lastzügen, die da „alle“ reinfahren würden.

„Jaaa,“ sagt er gemütlich, „ein paar haben das schon gemacht.  Ab und zu schafft es auch mal einer, ohne wo gegenzufahren oder sich einzugraben.“  Und, frag ich, wieso sagt ihr denen das trotzdem immer noch, daß sie da reinfahren sollen?  „Weil der Chef meint, daß es immer noch schneller geht, die da rauszuziehen und einen Unfallbericht zu schreiben, als die Rohre mitm Kipper da reinzuschaffen.“  Oh, sag ich, dann hab ich dir mehr Arbeit gemacht jetzt?  Das wollte ich nicht.  „Achwas,“ meint er, „mit so ner Fuhre würd ich da auch nicht reinwollen, ich bin doch nicht bekloppt.“

Da waren wir also schon mal zu zweit.  Zu dritt, wenn man meinen Disponenten mitzählt.  Reicht.

Qualitätsprodukt

Kennt Ihr das?  Lichtschalter umgelegt, *BRATZ*, alles duster.  Im Dunkeln Taschenlampe suchen, im Taschenlampenschein zum Sicherungskasten, dann Ersatzbirne suchen.  Lampe auseinanderfummeln, alte Birne raus, neue Birne rein … neue Birne rein … verdammt, wieso geht die nicht rein?  Blick in die Fassung, Blick aufs Gewinde der Birne, sieht gleich aus … geht aber trotzdem nicht rein, verdammich …

Na, gesehen?

„Hergestellt für Kaufland Warenhandel, 74172 Neckarsulm. Ursprungsland China.“  Na so eine Überraschung.  Mal kucken, was die Servicekraft am Infotresen beim örtlichen Kaufland dazu sagen wird; ich werde berichten.

Man wird Glühbirnen fürderhin genau wie Hühnereier vor dem Kaufe aus der Packung nehmen und prüfend beäugen müssen.

Annika

Heute fange ich mal damit an, die Blogs aus der Blogrolle (da rechts, drittes Menü von oben) ein bißchen vorzustellen — ein Blick in die Blogrolle, kurz: Blickrolle :-)  Die stehen da nämlich nicht, damit da was steht, sondern weil ich sie gut finde.  Das, mit dem ich anfange, ist auch der jüngste Neuzugang, nämlich das von Annika.

Das liest sich schön flüssig weg, was die Gute da so schreibt — über eigentlich ganz normale Sachen, aber halt nett, mit dem Blick für den Menschen und das Detail, dabei oft angenehm trocken humorig und mit dem nötigen Schuß Selbstironie.  Verdammt, ich kann sowas gar nicht — also über anderer Leute Schreibe schreiben, zumindest nicht ohne daß es klingt wie ein Klappentext.  Aber egal, kuckt Euch das mal an, mir hat es jedenfalls sehr gefallen.

Gefunden habe ich Annika, weil sie hier kommentiert hat.  Das sollte man offensichtlich auch öfter mal machen: Den URLs der Kommentarschreiber folgen und sich da einfach mal ein Stündchen festlesen.  Wer weiß, was da noch alles Schönes vor sich hinschlummert?

Es ist schon ein Kampf

Flatterte dieser Tage doch dieser schön auffällig gelbe Zettel in den Briefkasten:

Tja, da muß man schon genau hinkucken, um den Hinweis „Kommerzielle Sammlung“ zu entdecken, gell?  Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.  Man will ja auch nicht groß an die Glocke hängen, daß man den Kram, vermutlich in den originalen Plastikbeuteln oder Säcken, in denen er am Straßenrand lag, direkt zum Tonnenpreis nach Afrika zu exportieren gedenkt, wo er die heimischen Kleidungsproduzenten durch konkurrenzlos günstige Preise in die Pleite zu treiben hilft.  Neinnein, man nimmt da sicher schon billigend in Kauf, daß in der Vorweihnachtszeit Omma Schneidereit den dezenten Hinweis ohne Brille schon mal übersehen mag und den armen, frierenden Flüchtlingskinderlein einen Sack schöner warmer Kleider packt, gell?

Nun ist das zwar moralisch fragwürdig, aber okay, meinetwegen.  Kann ja jeder sein Geld so moralisch fragwürdig verdienen, wie er will, und immerhin sind auch keine unmotivierten, vielleicht etwas groß geratenen Pluszeichen „versehentlich“ auf den Zettel geraten, sondern nur unmotivierte, vielleicht etwas groß (und arg pixelig) geratene Smiley-Clipart.  Schlabonskiwürdig wurde es dann auch erst auf der Rückseite:

Das ist unseres!  Wir haben hier diese tollen gelben, sogar beidseitig bedruckten Zettel verteilt!  Soweit kommt’s noch, daß da ein anderes, womöglich kommerzielles Unternehmen vor uns durchfährt und uns um den gerechten Lohn unserer Arbeit bringt!  Die werden den Kram doch sowieso nur, vermutlich in den originalen Plastikbeuteln oder Säcken, in denen er am Straßenrand lag, direkt zum Tonnenpreis nach Afrika exportieren, wo er die heimischen Kleidungsproduzenten durch konkurrenzlos günstige Preise in die Pleite zu treiben hilft!

Bürger!  Helfen Sie uns, diesen Skandal zu unterbinden!  Stellen Sie sich am besten nachts an die Straße und bewachen sie unsere wertvollen Kleidersäcke, und zögern Sie nicht, Polizei, SEK und GSG9 herbeizutelefonieren, sollte sich jemand anderer daran zu schaffen machen!  Die haben doch eh nix Besseres zu tun, ganz bestimmt nicht!  Wir zählen auf Sie!

Äääh, ja.

Nee, Jungs, wißt Ihr was?  Das ist mir zu stressig.  Da werf ich die Sachen doch lieber in den Rotkreuz-Container.

Ich glaub es fängt an oder was

Geht los:

Dafür strebt [Thomas de Maizière] zwar keine „gemeinsamen Anträge, Gesetze oder Initiativen […] mit der AfD“ an, betont aber gleichzeitig, man könne „nicht allein deswegen den guten Vorschlag unterlassen, weil vielleicht die AfD zustimmt“. Ähnlich äußerte sich CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer, der gegenüber der Welt meinte, man werde die „parlamentarische Arbeit wegen der komplizierten Mehrheitsfindung nicht einstellen, nur weil die AfD im Parlament sitzt“, auch wenn man „nicht verhindern könne“, dass sich die neu in den Bundestag eingezogene Partei „Anträgen anschließt“.

Gefunden bei Telepolis, Hervorhebung von Schlabonski.

So, liebe Kinder, sieht es aus, wenn die „bürgerliche Mitte“ leise und unauffällig anfängt, sich an die Rechten heranzuwanzen.  Demnächst in diesem Theater dann: von den Nazis geduldete Minderheitsregierungen, Koalitionen und so weiter.  Und es behaupte keiner, das habe doch niemand kommen sehen können.

Ich bin dann mal kotzen.

Neue alte Artikel (Teil 1: Testlauf)

Wie Ihr ja inzwischen mitgekriegt haben werdet, bin ich dabei, alte Artikel aus der Zeit vor diesem Blog in selbiges zu importieren.  Und nein, die sind noch nicht da.  Was aber nun da ist, sind vier andere alte Artikel, die früher nicht Teil von Schlabonskis Welt waren, sondern in der Newsgroup (die Älteren werden sich ans Usenet erinnern) de.etc.fahrzeug.auto gepostete Fahrberichte, die aber wie ich finde einigermaßen hierherpassen — und das ist eine günstige Gelegenheit, auf die neue Kategorie „Hysterisch wertvoll“ hinzuweisen, der außer diesen vieren auch die weiteren 223 noch zu importierenden Artikel angehören werden, wenn sie denn mal importiert sind.

Tortengrafik im wahren Leben

Dann spiel ich nicht mehr mit!

Soso, nun hat also die FDP die Jamaika-Koalitionsverhandlungen hingeschmissen.  Moment — die FDP?!  Warum dieses?

Es gab ja in den letzten Tagen hauptsächlich Clinch zwischen CSU und Grünen, wegen den Flüchtlingen und Seehofers Obergrenze einerseits und dem Klimaschutz und den schon wieder gekippt gewesenen Grünen-Forderungen nach Kohleausstieg und Verbrennungsmotorenverbot andererseits.  Und kurz bevor die beiden zugeben, daß das nix wird, kommt die FDP daher und plärrt: Ey! Ich habe hier auch Forderungen! Keiner berichtet über mich! Dann spiel ich nicht mehr mit, werdet schon sehen was Ihr davon habt! *fußaufstampf* *förmchenausdemsandkastenwerf*

Verstehen kann man das schon.  Von den Forderungen der FDP hat niemand was mitgekriegt, und so ganz eindeutig kann sie auch jetzt nicht sagen, woran konkret es denn gescheitert sei.  Und genug Leute zum Mitregieren hat sie eigentlich auch nicht.

Und jetzt?

Jetzt gibt es im Wesentlichen vier Möglichkeiten, nur leider ist keine davon realistisch und wünschenswert:

  1. Rotrotgelbgrün, was zumindest nach dem aktuellen Gegreine der FDP, Jamaika sei ja nur „Groko-Politik mit etwas ökologischem Landbau für die Grünen“, für selbige kein Problem sein sollte.  Aber mit Schulz als Kanzlerkandidat?  Irgendwie seh ich das nicht.  Also so gar nicht.
  2. Minderheitsregierung, wäre dann wohl Schwarzgelb.  Immer noch mein Favorit, daß sich die Regierung zu jedem Sachthema Mehrheiten suchen müßte — mehr Sachdebatten im Bundestag wären doch mal eine gute Sache.
  3. Doch wieder Groko.  Muß sich die SPD halt noch einen Schritt weiterdemontieren, fällt jetzt auch nicht mehr auf.  Daß das (nicht nur für die SPD) keiner wollen kann, hat die ja noch nie gehindert.
  4. Neuwahlen.  Was für die SPD natürlich genauso Scheiße wäre, denn dann steht sie mit runtergelassenen Hosen da — mit Schulz als Kanzlerkandidat wird das doch garantiert nix, und sonst, wer solls denn machen?

Zusammenfassend: Alles Scheiße.  Wie immer.

Das einzige was mich gerade aufmuntert ist mir vorzustellen wie sich Petry jetzt fühlt.

) auf

Da hat er allerdings recht, der Simon.  Allein das wär mir schon die Neuwahlen wert: Zu wissen, daß wir zumindest die Schnepfe dann endgültig los sind.  Auf das Wahlergebnis darf man eh schon jetzt gespannt sein: Wird die FDP für ihren „Mut“, dem Trauerspiel Jamaikasondierung ein Ende zu machen, belohnt oder doch eher fürs Hinschmeißen der Förmchen bestraft?  Werden die Jamaika-Parteien, nachdem sie ja schon beim ersten Mal die Wahlverlierer waren, weiter einbüßen?  Und wer kriegt dann all diese Stimmen?  Werden ja nicht alle gleich die Nazis wählen deswegen.

Hoffe ich.

Es bleibt jedenfalls spannend.  Und nein, natürlich wird deswegen nicht alles gut, vermutlich sogar nix besser — aber ich bleibe dabei: schlimmer als noch ne Große Koalition kann’s eigentlich nicht werden, zumindest bis die Zeit reif ist für Schwarzbraungelb, also die Farben des Kloschlüsselinhalts.  Denn daß das nie passieren wird, darauf würde ich auch nicht mehr wetten.

Sprachfilterschild

Da hängt es traurig an der Gitterboxpalette neben der Zufahrt zum Leergutplatz einer traditionsreichen norddeutschen Lastwagenfabrik, eingehüllt in Folie und trotzdem öfter mal durchweicht vom Regen, und außer verwirrten ausländischen Fahrern hat keiner, der es ansah …

… je gemerkt, daß „Continue until prompted“ und, wenn man dem Gugelübersetzer soweit trauen kann, auch „Kontynuuj, aź pojawi się monit“ eben genau nicht „Weiterfahrt erst nach Aufforderung“ bedeuten, sondern im Gegenteil „Weiterfahrt bis zur Aufforderung“, was natürlich wenig Sinn macht.  Zumindest das Englische kann man aber auch als „Fahren Sie weiter, bis Sie zum Anhalten aufgefordert werden“ lesen, und da hilft dann auch das darüber angebrachte Stopschild kaum, denn auch draußen im öffentlichen Verkehr fordert es ja nur zu einem kurzen Halt zwecks Gewährens der Vorfahrt auf und nicht zu längerer Wartezeit.

Anscheinend haben die fremdländischen Kollegen aber auch das Prinzip allen Navigierens auf Firmengelände verinnerlicht: Im Zweifel stehenbleiben, da wird man allenfalls angehupt oder -raunzt, wo falsches Weiterfahren mitunter richtig Ärger bringen kann.  Vermutlich auch trotz falsch übersetzter Schilder, die man mit etwas bösem Willen auch als Filter ansehen könnte: wer kein Deutsch kann, kriegt einen aufs Dach.

Teslas Sattelschlepper: Eher nur Show

Tesla und sein CEO Elon Musk sind ja immer für volle Münder gut bei ihren Ankündigungen.  Jetzt also einen Sattelschlepper — und nein, man konkurriert nicht mit den niederen Nutzfahrzeugen, die es heute schon bei fast jedem einschlägigen Hersteller zumindest als seriennahe Studie oder Erprobungsfahrzeug gibt, man gibt sich nicht mit schnödem Nah- oder Verteilerverkehr zufrieden.  Für Musk ist die Spitze gerade gut genug: Fernverkehr soll es sein, 800 Kilometer Reichweite auch bei 40 Tonnen Gesamtgewicht!

Dazu gibt es einen futuristischen Prototypen, der alle Anlagen als „Postertruck“ hat – aber besonders praxistauglich sieht das, mit Verlaub, nicht aus.  Zugespitzte Schnauze – schnittig sicher, windschnittig vielleicht auch, aber der Platz in der Kabine leidet.  Das tut er ja schon bei z.B. Volvo, obwohl die gegen den Tesla aussehen wie Brotkästen neben Bügeleisen.  Fahrerplatz in der Mitte – schön unübersichtlich in alle Richtungen, fast wundert man sich, daß das Fahrzeug keine Peilstangen hat, bestimmt hat es zumindest elektronische solche.  Schön breite Türen bis zum Boden – viel Spaß beim Aussteigen an der Rampe.  Und die Innenaufnahmen zeigen auch eher ein Designer-Loft als einen Arbeitsplatz.

Nun mag sich vom Präsentationsstück zum Serienprodukt noch einiges ändern.  Aber zumindest für Europa mit seinen strikten Längenbeschränkungen muß da sicher zumindest eine komplett neue Kabine her, und für Amerika mit seinen Riesen-Sleepern zumindest alternativ ein längeres Fahrgestell mit Platz für einen solchen.

Aber das ist auch gar nicht der Punkt.

Der Punkt ist, daß LKW-Fernverkehr so ziemlich das unpassendste Betätigungsfeld für batterieelektische Antriebe ist, das mir grad so einfällt.  Denn auch in Amerika gibt es harte Gewichtsbeschränkungen – härtere sogar als hier, dort ist bei 36 Tonnen Schluß –, und Akkus wiegen nun mal mehr pro Energieeinheit als ein Tank voll Diesel.  Oder Wasserstoff, denn natürlich ist ansonsten der Elektroantrieb schon etwas, was man haben will: allein schon die schweren und kraftfressenden Getriebe loszuwerden, ist sicher sinnvoll.  Aber das geht ja auch mit Brennstoffzellen als Stromquelle – leichter, vermutlich in der Serie auch billiger, schneller nachzutanken sowieso.

Oder vielleicht liegt die Zukunft auch im Stromversorgen während der Fahrt?  Ob nun induktiv über Spulen in der Straße oder klassisch mit Oberleitung darüber — Konzepte gibt es auch da mehrere, bestimmt auch welche, die sich mein armes kleines Hirn noch gar nicht vorstellen kann.

Und klar, einen Akku brauchen all diese Systeme trotzdem, zum Fahren abseits elektrifizierter Straßen und die Brennstoffzellenversion zumindest, um bergab anfallende Bremsenergie für den nächsten Anstieg zwischenzuspeichern – allein hier ist schon ein bemerkenswertes Energiesparpotential, das derzeit in Form von Abwärme aus den Retardern weggekühlt werden muß.  Schon dieser eine Punkt spricht für Elektroantriebe auch beim Fernlastwagen, da bin ich schon bei Herrn Musk, so ist das nicht.

Aber jetzt schon mit dem batterieelektrischen Langstrecken-Fernlaster vozupreschen, in der Pressemitteilung dann auch noch Augenwischerei mit „solargespeisten Megachargern“ zu betreiben (man rechne mal aus, wieviele Quadratkilometer Sonnenkollektoren so ein Autohof bräuchte, wo schon nicht mal für genug Parkplätze Raum ist) und wie üblich mit schickem, aber praxisfremdem Design von den vermutlich selbst intern noch nicht wirklich feststehenden Eckdaten abzulenken, gar trotz alledem schon Vorbestellungen für angeblich 2020 zum Preise von 5.000 Dollar entgegenzunehmen – das alles ist mal wieder typisch Musk und typisch Tesla.

Es ist schön, daß es auch faszinierende Paradiesvögel mit großen Visionen gibt.  Sport- und Luxuswagen kann man mit dem entstehenden Rummel, wie sich zeigt, auch ganz gut verkaufen.  Aber „normale“ Autos wie den Mittelklassewagen Model 3 und mehr noch Nutzfahrzeuge verkauft man nicht in diesem Maße über das Bauchgefühl, zumindfest nicht nach dem ersten Hype – die müssen sich rechnen, und sie müssen im Alltag funktionieren.

Und da hat Tesla noch einen sehr weiten Weg vor sich.  Ich bin gespannt, wie weit sie auf demselben kommen werden.

Dieser Artikel wurde auch als Gastartikel bei meinem Berufskraftfahrer-Kollegen Blick Ableiter veröffentlicht.

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