Weg vom Zerknalltreibling

Eigentlich ist es erstaunlich: fast jeder weiß (und die meisten geben es auch vor sich selber zu), daß es so nicht weitergehen kann mit dem motorisierten Individualverkehr und den Mengen an fossiler Energie, die derselbe verbrennt und in Luftschadstoffe verwandelt — und trotzdem gibt es keine wirklich spürbare Bewegung hin zu den Alternativen.

Einer der Gründe ist, daß von den Alternativen zu viel verlangt wird. Die meisten PKW stehen 22 oder 23 Stunden am Tag — den Rest schafft jedes Elektroauto ohne Zwischenladen. Trotzdem würde niemand ein Auto kaufen, das nach zwei Stunden an die Steckdose muß — was ist, wenn man damit in Urlaub fahren will? (Eine ganz ähnliche Argumentation dient übrigens auch der Rechtfertigung der Anschaffung eines siebensitzigen SUV spätestens bei der Geburt des zweiten Kindes, aber dies nur nebenbei.)

Nun kann man dem Autokäufer predigen, daß es nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch günstiger ist, einen kleinen, sparsamen, heute vielleicht auch schon elektrisch betriebenen Wagen zu fahren, der 95% der Zeit ausreicht, und für die restliche Zeit dann eben den benötigten Kleinbus, Geländewagen oder von mir aus auch Luxus- oder Sportwagen zu mieten. Auf besonders viel Gehör stoßen wird man damit aber nicht. Seh ich ja an mir selbst: eine 24 Jahre alte, fünftürige Mittelklasse-Limousine mit 120 PS und Automatikgetriebe brauche ich eigentlich nie und fahr trotzdem eine. Warum? Weil es Spaß macht.

Es bedarf also eines anderen Ansatzes, will man dem Explosionsmotor und dem fossilen Kraftstoff den Garaus machen. Die Alternativen müssen nicht nur wirtschaftlicher werden, sondern auch sexier. Wenn das Lustzentrum sagt: Sowas will ich! — dann findet das Gehirn schon selbst einen Weg, wie man sich sowas leisten kann.

Die Firma Tesla ist da schon auf einem ganz guten Weg. Man baut dort eben kein utiliarisches Elektroauto, sondern (nach einem Roadster als Einstieg) einen hocheleganten, unglaublich schnellen und sehr komfortablen Luxuswagen mit einem wegweisenden Update-Konzept, der nebenbei aber auch noch elektrisch angetrieben ist (und nur deswegen so schnell sein kann, weil das mit Elektroantrieben eben viel einfacher zu bauen ist als mit Explosionsmotoren). Und klar, natürlich ist das Ding teuer. Na und? Eine S-Klasse ist auch teuer. Aber ein Tesla ist sexier — und prompt verkauft er sich in den USA, wo er herkommt, immerhin schon mal besser als die S-Klasse.

Teslas erklärtes Ziel ist es, aus der Oberklasse hinunter in den Massenmarkt zu kommen. Das dazu benötigte Mittelklassefahrzeug, das „Model 3“, ist bisher nicht mehr als eine Designstudie — und trotzdem hat man bereits über 300.000 Vorbestellungen mit je 1.000 US-Dollar Anzahlung dafür eingesammelt. Das funktioniert also schon mal ganz gut.

Und trotzdem — auch 300.000 Elektroautos sind nichts, vergleicht man sie mit den Millionen Benzin- und Dieselautos, die alljährlich neu auf die Straßen kommen. Die Bundesregierung hat das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen zu haben; ein Ziel, das inzwischen illusorisch sein dürfte. Warum?

Ich denke, um die Reichweitenangst kommen wir nicht herum. Wer Langstrecken fährt, der will keine Batterien laden müssen, sondern volltanken und weiterfahren können.

Das Interessante dabei: so eine Technik gibt es. Volltanken wie bei einem Benzinauto und trotzdem elektrisch fahren wie mit einem Tesla. Sie nennt sich: Wasserstoff-Brennstoffzelle. Der unter hohem Druck verflüssigt getankte Wasserstoff verbindet sich in der Brennstoffzelle mit Luftsauerstoff zu Wasser, und die freiwerdende Energie wird zum Antrieb des Autos genutzt.

Diese Technik eröffnet die Möglichkeit eines sanften Übergangs von der derzeitigen Benzin-und-Diesel-Welt zu einer Welt von Elektrofahrzeugen. Der gestaltet sich so:

  1. Kurzstreckenfahrzeuge (Taxis, Busse, Müllwagen, Stadtlieferwagen etc.) können bereits heute problemlos durch batterie-elektrische Fahrzeuge ersetzt werden. Wo nötig, kann berührungslose Induktions-Ladetechnik etwa an Taxiständen und Bushaltestellen einen Dauerbetrieb ermöglichen. In einigen Städten fahren schon die ersten so ausgestatteten Busse.
  2. Neben batterie-elektrischen Privatwagen sollten auch brennstoffzellen-elektrische angeboten werden. Das bedingt eine Wasserstoff-Tankstellen-Infrastruktur. Da solche Fahrzeuge für die Langstrecke prädestiniert sind, reicht es aber, diese entlang der Fernstraßen zu errichten.
  3. Als „eierlegende Wollmilchsau“ fungiert der Hybridantrieb — nicht wie bisher mit Elektro- und Verbrennungsmotor, sondern nun halt mit Akku und Brennstoffzelle. Im Alltag billig und effizient an Steckdose oder Ladestation Strom tanken, aber trotzdem fernreisetauglich mit Wasserstoff-Betankung. Sicher erheblich teurer und schwerer als reine Batterie- wie Brennstoffzellen-Autos, aber man sehe sich auf den Straßen um: teure, schwere Autos verkaufen sich gut!
  4. Bleibt der schwere Güterfernverkehr. Klar, eigentlich will man den auf der Schiene haben, aber mit brennstoffzellen-elektrischen Lastwagen (die nebenbei mit gar nicht mal so großen Akkus durch regeneratives Bremsen bergab auch noch einen Haufen Energie sparen, der derzeit noch in den Retardern als Abwärme verpufft) wird er auch auf der Straße schon sehr viel nachhaltiger und erträglicher.
  5. Und für die Oldtimer, die Kleinserien-Sportwagen und die paar Prozent an Unverbesserlichen, für die ein Auto Brumm-Brumm machen muß, weil es sonst kein richtiges Auto ist — für die paar hunderttausend Autos, die auch in ein paar Jahrzehnten noch Explosionsmotoren haben werden, gibt es dann ja immer noch Biokraftstoffe, bis dahin sicherlich auch dank Biomass-to-liquid ohne die zu Recht kritisierte Konkurrenz zur landwirtschaftlichen Nahrungsproduktion.

Wie man das durchsetzt? Jedenfalls nicht mit ein paar tausend Euro Elektroauto-Kaufprämie, soviel ist nach den ersten Erfahrungen mit derselben mal sicher. Mein Vorschlag wäre: Spritsteuer rauf. Und zwar europaweit, und mit Ansage, also planbar. Sagen wir: pro Jahr um 20 Cent pro Liter, Biokraftstoffe natürlich weiterhin ausgenommen. Dazu ein schönes Förderprogramm für Akku-Ladestationen (eher in Städten) und Wasserstoff-Tankstellen (eher an Fernstraßen). Und dann wollen wir doch mal sehen, ob die geschätzte Autoindustrie es nicht ganz von selber — ohne jede Subventionierung — hinkriegt, den Millionen, die ihnen danach die Bude einrennen, schöne Akku- und Brennstoffzellen-Autos zu verkaufen.

Und wer dann 2025 immer noch einen Porsche Turbo haben will oder einen Zwölfzylinder-Bentley, oder einfach seinen geliebten Käfer oder Twingo behalten? Bitte, kein Problem, wer möchte, der darf ja. Heute gibt es ja auch noch ein paar hunderttausend Fossilien ohne Katalysator da draußen. Ein paar hunderttausend umweltschädliche Exoten sind auch gar nicht das Problem — das Problem sind die Millionen „normaler“ Autos, gefahren von „normalen“ Leuten. Wir können es uns nicht leisten, daß die noch jahrzehntelang fossile Energieträger verbrennen. Und im Gegensatz zu früheren Zeiten, wo wir es uns auch schon nicht leisten konnten, aber keine hinreichend attraktiven Alternativen anzubieten hatten, haben wir die heute.

Jetzt müssen wir es nur noch tun.

Im Netz der Zukunft

Das ist doch mal nett, wenn sich ein Kunde so freundlich bei der Telekom bedankt für den prompten Service, oder?

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Man muß ja nicht immer nur meckern …

Kommt ein Fernfahrer in nen Autohof …

Was klingt wie ein Witz, ist leider eine wahre Geschichte. Kommt ein Fernfahrer ins Restaurant eines Autohofs, um 20:30 Uhr, kurz vorm Anpfiff eines im Restaurant live übertragenen Fußball-Europameisterschafts-Spiels. Und bekommt was gesagt?

„Die Küche hat schon geschlossen.“

Geht’s noch? (Nein, nicht ich, ich hab meinen Leberkäse mit Kartoffelstampf und Spiegelei und mein Maisel Pale Ale noch gekriegt.) Solche Öffnungszeiten wären irgendwo aufm Dorf vielleicht noch okay — obwohl, während der EM? –, aber auf nem Autohof? (Nein, ich sage nicht wo. ;-) )

Ausflaggung und Demokratie

Mein Kollege Torsten Böhme hat in seinem Blog „Blick Ableiter“ einen wie ich finde doch etwas heftig überspannten Bogen geschlagen von der Ausflaggung ganzer LKW-Flotten von Deutschland nach Osteuropa hin zu allgemeiner Demokratie-Kritik. Das Folgende sollte eigentlich dort ein Kommentar werden, wurde aber von der Blogsoftware abgewiesen — zu lang? Egal. Wird’s eben ein Blogpost hier. Uuuund schnipp!

Ich finde, Du hängst das hier ein bißchen hoch. Dem Normalbürger, und in der Folge dann auch dem ihn vertreten sollenden Politiker, ist doch scheißegal, wo der Laster, der seinen bayrischen Joghurt nach Niedersachsen karrt, angemeldet ist oder welche Sprache sein Fahrer spricht. Und zwar mit Recht.

Hinzu kommt, daß Du als Land halt nicht mal eben europäischer Exportmeister sein und dann den Nachbarn verbieten kannst, sich beim Transport ein paar Krümel des Kuchens zu holen. Mal ganz davon abgesehen, daß ohne die osteuropäischen Flotten vermutlich unsere Wirtschaft schnell kollabieren würde — nicht wegen der dann höheren Frachtpreise, sondern schlicht wegen Kapazitätsmangel.

Und zu guter Letzt: Der Bauherr darf selbstverständlich ein paar Tausender sparen mit der Malerkolonne aus Polen. Dem Landwirt bleibt gar nix anderes übrig, als litauische Erntehelfer zum Spargelstechen einzustellen, weil es schlicht kein deutscher Student oder Hartzer durchhielte, 12 Stunden am Tag in sengender Sonne gebückt übers Feld zu gehen. Warum sollte nun also der mittelständische Unternehmer nicht auch ein paar Euro sparen dürfen, indem er Waberer’s beauftragt statt Wandt? Das ist eben Marktwirtschaft. Muß man nicht gut finden, tu ich auch nicht immer, aber die Alternativen sind halt auch nicht überzeugend.

Aber Demokratie? Die hat damit m.E. nix zu tun. Oder weißt Du auch nur von einer Partei, ob und wenn ja was sie in ihrem Wahlprogramm zu ausgeflaggten LKW-Flotten stehen hat? Das Thema ist so klein, das ist schlicht egal. Allen nicht direkt Betroffenen. Also fast allen.

Und die anderen zehn?

Steh ich mal wieder in der landeshauptstäd…nein. Landeshauptdörflichen Filiale eines wie immer ungenannt bleibenden norddeutschen Automobilherstellers mit zwei Buchstaben und bekomme gesagt: Zwei Abladestellen. Sechsnzwanzich und Kämpa. Ich frage, mehr aus Frust denn aus echtem Interesse, warum dasselbe Zeug denn immer wieder je zur Hälfte auf zwei Abladestellen verteilt werden müsse. Und bekomme wie üblich keine brauchbare Antwort.

Nunja. Also auf nache Sechsnzwanzich hin. Das ist keine Halle im Werksgelände, sondern in dessen Nachbarschaft, und gehört einem auch nicht ganz unbekannten, aber ungenannt bleibenden Logistikkonzern, dessen Name sich auf „Henker“ reimt. Da steh ich dann erstmal zweieinhalb Stunden an der Straße, dann nochmal knapp eine mit offenen Planen (beide Seiten, da Abladen von rechts) in der Halle, bis ein Stapler erscheint. Der pickt die zehn Behälter vom Auto, woraufhin sein Fahrer fragt: „Die sind alle für Kämpa, wo sind denn meine zehn?“ Deine zehn? Ich hab nur die zehn.

Stellt sich raus: Meine auftraggebende Spedition hat Mist gebaut und mir einen überzähligen Frachtbrief mitgegeben (was in einem Packen von Telefonbuchstärke nicht weiter auffallen muß). Zur Sechsnzwanzich hätt ich gar nicht hingemußt. Schöne Scheiße.

Lustigerweise wendet sich aber alles zum Guten: der Lagerist der Sechsnzwanzich nimmt die eh schon abgeladenen Behälter an, „bei Kämpa is jetz eh keiner mehr“, und ich bin wider Erwarten schon fertig bei diesem Kunden.

Naja. Sobald ich aus der Halle raus bin, denn zwei Entladeboxen vor der meinen sortiert der Staplerfahrer in aller Ruhe seine Behälter — einer für mich, drei für die anderen, zwei wieder für mich –, und zwar mitten auf der Fahrbahn. Aber das kann mich jetzt auch nicht mehr erschüttern.

Resultat: Mal wieder kein Standgeld, diesmal wegen Sechsnzwanzich nicht avisiert. Macht nix. Trifft ja diesmal die richtigen: die, die es auch verbockt haben. Und, ach ja, 2 h zu spät beim nächsten Kunden (und auch da, logisch, kein Standgeld deswegen).

Nie war mir das egaler als heute.

Frühwechsler-Blues

Beginnen wir diesen Rant mal wieder mit einem Blick in die Straßenverkehrsordnung. Das ist übrigens, seinem mitunter etwas trockenen Ton zum Trotze, ein stellenweise wirklich spannendes Werk. Was da alles drinsteht und trotzdem kaum einer weiß, erstaunlich. In §7 Absatz 4 zum Beispiel steht:

Ist auf Straßen mit mehreren Fahrstreifen für eine Richtung das durchgehende Befahren eines Fahrstreifens nicht möglich oder endet ein Fahrstreifen, ist den am Weiterfahren gehinderten Fahrzeugen der Übergang auf den benachbarten Fahrstreifen in der Weise zu ermöglichen, dass sich diese Fahrzeuge unmittelbar vor Beginn der Verengung jeweils im Wechsel nach einem auf dem durchgehenden Fahrstreifen fahrenden Fahrzeug einordnen können (Reißverschlussverfahren).

Ich hab da mal die entscheidenden fünf Wörter markiert für alle diejenigen, die schon hunderte von Metern vorher, der Verengung nur auf den sie ankündigenden Schildern gewahr geworden, sie aber noch nicht mal am Horizont erspähen könnend, bereits auf die durchgehende Spur zu wechseln sich genötigt fühlen (und dabei die, die schon auf jener sind, nötigen, sie reinzulassen).

Leute: Ihr schadet damit allen außer denen, die auf der endenden Spur hinter Euch waren. Ihr selber braucht länger bis zur Engstelle (weil davor ja noch die regelgetreu Fahrenden einscheren dürfen), vor allem aber brauchen die, die auf der durchgehenden Spur nun hinter Euch sind, länger — und auch nochmal länger als Ihr selber, denn nach den Buchstaben der StVO muß ja jeder einen reinlassen: Ihr, und der hinter Euch auch.

Multipliziert mit sagenwirmal 50 Frühwechslern pro solch Stau ist das schon richtig Lebenszeit.

Aus der Kabine meines Sattelschleppers heraus ist das natürlich noch viel frustrierender als für Euch, denn ich kann viel weiter kucken und sehe deswegen auch viel mehr Frühwechsler in Aktion. Und wegen LKW-Überholverbot hab ich nicht mal die Wahl, stattdessen auf der linken Spur zu sein (die es ja zumeist ist, die da endet).

Aber was red ich. Über die Frühwechselitis haben sich schon Generationen von Motorjournalisten die Finger wund getippt. Deswegen nur eine Bitte: Wenn Ihr Euch schon vor mir reindrängelt, dann wenigstens mit Blinker und ein paar Alibimetern Abstand, ja? Ich kann Euch sonst kaum sehen, und das führt entweder (wenn ich’s doch grad noch so kann) zu Notbremsung und einem kräftigen BLAAAAAARG aus der Drucklufttröte oder (wenn nicht) zu einem unangenehmen Blechschaden. Und nein, „da war doch mindestens ein halber Meter Platz“ zählt nicht: von hier oben kann man das in der einen Schrecksekunde nicht unterscheiden.

Aber ernsthaft: Lest mal StVO. Es lohnt sich.

Ihr Pappnasen.

Gutes aus der Heimat …

… natürlich aus der Region. Stimmt ja auch. Der Olivenbaum gehört in Norddeutschland ja bekanntlich zum Landschaftsbild unauslöschlich dazu:

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Oder … ach so, die meinen die Plastikschale? Dann allerdings.

Doch nicht ausgerechnet Merkel

Neinnein, ich glaube keine Femtosekunde, daß Angela Merkel irgendwas mit dieser Mail zu tun haben könnte …

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… aber wenn ich Potenzmittel verkaufen wollte, fielen mir, ohne der Kanzlerin zu nahe treten zu wollen, doch gefühlt die Namen einiger hundert Damen ein, die geeigneter scheinen, den potentiellen Kunden in eine passende Stimmung zu versetzen.

Oder ist genau das die Aussage: Hey, mit diesen Mitteln kannst du auch bei Frauen wie der Merkel?

Oder denke ich schon wieder zuviel?

Beinahe-Gedenk-Parkplatz

Aus aktuellem, traurigem Anlaß:

erpelrain.jpg

Erpelrain, Erpelrain
Erpelrain, Erpelrain
Erpelrain, Erpelrain
I only want to see you dancing in the Erpelrain

Wenn ich mal richtig gute Laune hab …

… finden merkbefreite Autler mitunter sowas unterm Scheibenwischer:

geparkteauflieger.jpg

… statt der weitaus angemesseren Beschimpfungen. Und nun überleg ich, ob ich das mal vernünftig zeichnen und immer ein paar Kopien davon in der Mappe vorrätig halten sollte.

Was meint Ihr: Wenn Ihr so nen Zettel unterm Scheibenwischer fändet, würde er was bewirken?

Was macht eigentlich die PKW-Maut?

So ganz tief unten, da wo die Ideen noch rein sind, ist eine PKW-Maut ja noch nicht mal eine völlig schlechte solche. Ich bin ja schon immer der Ansicht, daß Autofahren zu billig ist und Autohalten zu teuer. Das führt dazu, daß man im Zweifel mit ungeeigneten Autos (weil man sich nicht leisten kann, das passende für jeden Zweck zu halten) mehr fährt als nötig (nu isses da, Steuer und Versicherung sind bezahlt, Sprit ist billig, da kann man’s auch nehmen). Würden Autos, sagen wir mal, 50 Euro Steuern im Jahr kosten (sozusagen als Parkgebühr auf öffentlichen Straßen), und Sprit dafür 2 oder 3 Euro den Liter, und Versicherungen auch per km abgerechnet werden: ich zumindest hätte mehr Autos und mehr Ahnung von den Fahrplänen der Öffis.

Und so ne Maut hat ja gegenüber höheren Spritpreisen den zusätzlichen Effekt, daß man damit Verkehr lenken kann. Also zum Beispiel Hauptreisezeiten teuer, damit mehr Leute nachts fahren und der Ferienstau sich entzerrt. Oder Innenstädte teuer, damit die Leut nicht mit dem Auto reinfahren. Oder bekannte Abkürzungen durch Städte teuer, damit die Leute auf der Autobahn außenrum fahren.

Wie gesagt: im Prinzip. Die beschlossene, aber derzeit auf Eis liegende PKW-Maut kann natürlich nix von alledem, denn sie ist eine Pauschalmaut pro Zeiteinheit und damit sogar schon wieder unsinniger als höhere Spritpreise, denn sie sorgt (wenn man jetzt mal die geplante Entlastung deutscher Fahrzeughalter außer acht läßt) dafür, daß ja schon wieder das Halten teurer wird.

Das ist allerdings nicht der Grund, warum die EU-Kommission Dobrindts Mautgesetz doof findet. Die hängen sich nach wie vor nur daran auf, daß die Maut und die gleichhohe Steuerentlastung ausländische Fahrer (oder vielmehr Halter) benachteiligt. Was ja, wir erinnern uns an die Stammtischpolitiemik der CSU, auch genau der Plan war. Endlich bastelt die CSU mal ein Gesetz, das tut, was es soll — das ist ja nun wirklich nicht selbstverständlich bei denen –, und dann ist es auch wieder nicht recht. Schöne Scheiße.

Richtig skurril wirds dann aber, wenn man sich die Vorschläge der EU-Kommission ankuckt, wie man stattdessen die Autofahrer von den Kosten der Maut entlasten könne: Man könne doch die Pendlerpauschale erhöhen zum Ausgleich. Oder die Spritsteuer senken.

What the fuck?!

Das sind beides zunächst mal Vielfahrerbelohnungen. Höhere Pendlerpauschale macht Wohnen weit weg vom Arbeitsplatz attraktiver, und billigerer Sprit macht mehr Fahren und versoffenere Autos attraktiver. Beides will man eher nicht. So gar nicht.

Und inwiefern eine höhere Pendlerpauschale jetzt gegenüber den Ausländern gerechter ist als eine niedrigere Kfz-Steuer, muß mir auch noch mal einer erklären bitte.

Mann mann mann. Der Dämlichkeitslevel der EU-Kommission kennt echt keine Grenzen, oder? Noch dümmere Vorschläge abzuliefern als die CSU, das will echt schon was heißen.

Noch könnte man den ganzen Mautmist ohne größeren Gesichtsverlust als ohnehin branchenüblich einstampfen. Um was wollen wir also wetten, daß genau das nicht passieren wird?

Optimisten

Diese Kurzgeschichte wurde zuerst in Florian Freistetters Blog Astrodictium Simplex beim letztjährigen Blog-Schreibwettbewerb veröffentlicht, genauer gesagt hier, und belegte dort immerhin nicht den letzten Platz. Also … nicht ganz. Mir gefällt sie trotzdem immer noch, deswegen liegt sie nun auch hier. Viel Spaß!

Optimisten

„Verdammt, ich bin zu alt für diesen Scheiß“, murmelte er und hob entschuldigend die linke Hand, um den Fahrer des uralten Tesla-Taxis zu besänftigen, das ihn und seinen Actros gerade durchaus zu recht zornig angehupt hatte. Der Stadtverkehr von Athen war keine Freude, schon gar nicht in einer ausgewachsenen Sattelzugmaschine. Dann mußte er aber doch grinsen, denn die Zeile erkannte er wieder als einen der Standardsprüche aus Lethal Weapon, und diese Filme waren damals, als sie sich kennenlernten, im Videorecorder rauf und runter gelaufen. Warum, hatte keiner im Wohnheim so genau gewußt. War halt so. Vielleicht, weil die Lieutenants im Film genauso hießen wie die beiden Studenten vor dem Bildschirm: Martin und Roger. Und jetzt murmelte er auch noch Roger Murtaughs Standardspruch. Dabei war der lange nicht so alt gewesen wie er jetzt.

Nein, eigentlich war er auch noch nicht zu alt für diesen Scheiß. Nicht mal 70. Und so, wie das deutsche Rentensystem aussah oder das, was davon übrig war, würde er auch noch ein paar Jahre auf dem Bock sitzen müssen. War ja auch nicht schlimm, im Gegenteil, internationaler Fernverkehr war immer noch spannend nach all den Jahrzehnten, und jetzt, wo Cathy unter der Erde war und zuhause keiner wartete, warum sollte er da nicht seine Zeit unterwegs verbringen, solange er noch konnte? Zuhause fiel ihm eh nur die Decke auf dem Kopf. Andere Leute machten das im Wohnmobil, zugegeben, aber so viel weniger komfortabel war der Actros nicht. Nur innen kleiner und außen größer halt. „Tuuuut!“ Ja doch, ich fahr ja schon. Aber dafür bekam er seine Reiselust bezahlt, also bitte. Sogar den freien Tag in Athen hatten sie ihm zugestanden, als er sagte, er wolle zur Beerdigung eines Freundes.

„Sag mal,“ hatte der ihn in einer dieser bierhaltigen Nächte im Gemeinschaftsraum gefragt, lange nachdem der Abspann geendet hatte, „was willst du eigentlich noch erleben im Leben?“ Och, naja, hatte er gesagt, was alle wollen, Frau, Kinder … „Nee nee,“ meinte Martin, „ich meine die großen Sachen. Was würdest du gerne erleben, daß es die Menschheit schafft?“ (Grammatik und Bier waren keine Freunde.) Weltfrieden, hatte er spontan geantwortet, und du? „Weltfrieden? Na viel Glück. Ich will erleben, wie wir andere Planeten kolonisieren.“ Dazu müßten die doch erstmal bewohnbar sein? „Ich meine ja nicht Mars oder so nen Scheiß, ich meine zu anderen Sternen fliegen. Generationenschiffe und so.“ Na gut, auf die Generationenschiffe! „Auf den Weltfrieden!“ Und er dachte bei sich, na mal sehen, wer hier der größere Optimist ist.

Ah, da war er ja, der Friedhofsparkplatz. Fast noch pünktlich. Sogar ein Platz für die Zugmaschine war noch frei, also vier normale. Gut, daß wenigstens der Auflieger sicher bei der Spedition stehenbleiben konnte, mit dem kompletten Sattelzug wäre er nie rechtzeitig hier gewesen. Fix den „Brummi“ (niemand sagte mehr Brummi, aber er nannte seinen Actros insgeheim trotzdem so) abgestellt und hin zur Information, rauskriegen, wo die Urnengrabstätte lag, wo Martins Asche unter die Erde sollte.

Ihre Lebenswege hatten sich dann sehr bald getrennt. Martin hatte das Studium beendet und war „beim Daimler“ in der Konstruktion gelandet, während er selber mit geschmissenem Studium und vom Arbeitsamt finanzierter Ausbildung bei einer großen Spedition untergekommen war, hinter dem Lenkrad genau jener Sorte Daimler, an denen der Freund mitkonstruierte. Womit sie dann auch immer ein Gesprächsthema hatten zum Einstieg, wenn sie sich mal sahen. Nicht oft, alle paar Jahre mal meistens, je nachdem wie es grad so paßte.

Seit Martins Pensionierung, er war dann ja bald nach Griechenland gezogen, „die Rente reicht hier einfach weiter, und das Wetter“, klar, das Wetter, hatten sie sich gar nicht mehr gesehen. Außer an Bildschirmen natürlich. Und nun stand er hier am Urnengrab, einziger Besucher aus der deutschen Heimat, und beobachtete, wie die Urne in ihr Erdloch sank. Und vermutlich wußte niemand von den acht Personen am Grab, daß die Urne in Wahrheit leer war. Und wo die Asche wirklich war.

Der Job war natürlich an ihm hängengeblieben. An wem auch sonst, Kinder hatte Martin nie gehabt, und seine Exfrauen? Pfft. Als ob die einen Finger rühren würden. Waren ja nicht mal hier, das sagte ja eigentlich alles. Nein, die ganzen Behördengänge, E-Mails und lustigerweise auch immer noch Einschreibebriefe, die Übersetzungs- und Beglaubigungskosten für die Vollmachten, das war alles Teil des letzten Freundschaftsdienstes. Er warf einen Blick auf seine Smartwatch. Gleich würde es soweit sein. Er hob den Blick, richtete ihn nach Osten. Wartete.

Natürlich konnte er den Start nicht sehen. Wostotschny war fast auf der anderen Seite der Erde. Aber hinsehen mußte er trotzdem, nur gelegentlich auf der Smartwatch überprüfend, ob der Countdown noch lief. Jetzt war es soweit. Jetzt flog Martins Asche in den Weltraum. Dort wartete die WSS New Horizons … nein, nicht auf Martins Asche, aber auf einen der letzten Versorgungsflüge von der Erde, bevor sie sich auf den Weg machen würde zu Gliese 581d, dem derzeit besten Kandidaten für eine Erde 2.0. Mitfliegen, also als Mensch und nicht als Asche, war natürlich nie in Frage gekommen, nicht in seinem Alter — aber immerhin hatte Martin es noch erleben dürfen, wie dieser wahrscheinlich habitable Planet entdeckt wurde, angezweifelt und wieder entdeckt, wie man immer mehr über ihn herausgefunden hatte und alles davon gut klang, und wie man letztlich die New Horizons entwickelt und im Orbit gebaut hatte. Und sein Erbe hatte sogar für das Ticket gereicht, das seine Asche natürlich brauchte für den Platz im Laderaum. Zusammen mit ein paar tausend anderen „Urnen“, eigentlich nur dünnen Plastiksäckchen, deren Inhalt dann in ein paar hundert Jahren auf einer fremden Welt verstreut werden würde.

Roger wurde bewußt, daß er seit Minuten allein auf einem Athener Friedhof stand und mit tränenden Augen in den östlichen Himmel starrte. Nun gut, dachte er, auf einem Friedhof hat man ja weitgehende Narrenfreiheit, und wischte sich die Tränen vom Gesicht. Aber es wurde trotzdem Zeit zu gehen. Auf dem Parkplatz wehte der Wind ihm die Titelseite der Ελεύθερς Τύπος vor die Füße, einer der wenigen Zeitungen, die hier noch auf Papier gedruckt erschienen. Er konnte kaum Griechisch, nur was man so an der Laderampe braucht, aber das Bild von Panzern vor brennenden Gebäuden und das Wort Βηρυτóς konnte er auch im fremden Alphabet erkennen. Machs gut, alter Freund, dachte er sich. War wohl doch ich der größere Optimist von uns beiden.

Da geht er hin

Heute ist der letzte VW Phaeton in Dresden vom Band gelaufen. Schlabonskis Welt hat ja eine gewisse persönliche Beziehung zu diesem Auto, immerhin habe ich damals schon über seinen Namen gelästert. Von diesem Fehlgriff abgesehen fand ich das Auto selber aber eigentlich nie so richtig scheiße. Für eine Oberklasselimousine angenehm unaufgeregtes Design, Sieg in den (wenigen) Vergleichstests, die die Fachpresse ihm gönnte, mit dem leider viel zu früh verflossenen V10 TDI den geilsten Motor der Neuzeit (wie sogar Jeremy Clarkson anerkannte, als er ihn in einem Touareg (bäh!) testete), what’s not to like?

Beim großen Facelift entfielen dann die charismatischen, also: dicken Motoren, und irgendwie war ein Ende ab dann ja auch absehbar. Daß es nun tatsächlich so weit ist, tut mir entsprechend für die Autos auch nicht wirklich leid, denn falls ich mir je einen Phaeton leisten können sollte, dann doch bitte den dicken Diesel und nicht so einen piffeligen V6 oder V8.

Es gab übrigens sogar auch einen W12-Benziner, aber da träum ich nicht mal von. Ein echter Mann, so heißt es, sollte in seinem Leben einen Baum gepflanzt, ein Haus gebaut, ein Kind gezeugt und einen Zwölfzylinder gefahren haben. Nunja. Baum habbich. Der Rest reizt mich nicht. Doch zurück zum Phaeton: Der V10 TDI könnte mich aber schon reizen, denn mit dem hatte ich damals, als der Phaeton noch D1 hieß, eine Begegnung der dritten Art. Ich stand mit meinem Golf 2 GTI 16V an einer Ampel in Braunschweig, und neben mir kam ein D1 zum Stehen. Diese Autos waren damals in und um Wolfsburg keine so seltenen Erscheinungen im Straßenbild, aber so auf Türklinkenfühlung war schon was Besonderes. Also fix das Fenster runtergekurbelt — und dabei wurde ich des Laufgeräuschs aus des D1 Motorraum gewahr, das eher nach potentem Sportboot klang als nach Luxuslimousine: etwas unrund, nicht besonders leise und mit dem bassigen Unterton von viiiiel Hubraum.

Nun sind so VW-Testfahrer ja mitunter auch Spielkinder. Es reichte entsprechend, mit des GTIs Gaspedal zu spielen, um den D1-Piloten in den Race-Mode zu versetzen. Bei grünwerdender Ampel bot sich dann folgendes Schauspiel: Mit einem subtilen Donnern hob die schwere Limousine ihre gaffatapeverklebte Nase, faltete sodann fein säuberlich den Asphalt unter allen vier Rädern zu einem kunstvollen Origami und schnalzte wie vom Gummiband gezogen über die Kreuzung.

Damit hatte ich gerechnet.

Womit ich nicht gerechnet hatte, waren die weiteren vier offensichtlich identisch motorisierten D1, die hinter dem ersten gestanden hatten und es ihm nun gleichtaten.

Die Druckwelle der an mir vorbeidonnernden gut 10 Tonnen und 1500 PS warf meinen armen kleinen Golf gefühlt fast in die Krone des Baums am Straßenrand. Als einige 100 Meter weiter, an der nächsten Ampel, die fünf dicken Luxuswagen ein beeindruckend rotes LED-Bremslichtgewitter zündeten, war ich immer noch völlig fertig mit der Welt und nicht mal im zweiten Gang.

Whoah.

Irgendwann will ich mal sowas in meinem Leben, bitte.

Ja. Tschuldigung, ich bin da wohl ein wenig vom Thema abgekommen. Nun also gibt es auch keine Phaetons mit langweiligen V6-Dieseln oder V8-Benzinern mehr. War das Ganze jetzt also ein totaler Flop? Piëchs galoppierender Größenwahn? Nennt mich blauäugig, aber ich denke nein.

Denn zum einen sind um die zehntausend verkaufte Luxuslimousinen im Jahr, über gut anderthalb Jahrzehnte, nicht so richtig fürchterlich wenig. Citroën wäre froh, wenn sie soviele C6 hätten verkaufen können — also pro Jahr. Verkauft haben sie ungefähr so viele über die gesamte achtjährige Bauzeit. Oder denken wir an den Renault Avantime, ein wunderbar skurriles Espace-Coupé — dessen Gesamtstückzahl war sogar nur vierstellig. Und ja, zum anderen war der Phaeton sicherlich deutlich mehr Aufwand, aber man darf auch nicht vergessen, daß die gesamte Bentley-Continental-Modellreihe eigentlich auch nur getunte, verkleidete Phaetons sind. Und nein, das meine ich kein bißchen despektierlich. Auto Motor und Sport meinte nach dem ersten Test des Bentley Continental GT, ja, okay, eigentlich sei das wirklich nur ein Phaeton W12 Turbo Coupé — aber hey, immerhin sei es der beste, preiswerteste und schnellste Bentley, den sie je getestet hätten, also könne man deswegen jetzt auch nicht wirklich meckern.

Und die Bentleys verkaufen sich ja nach wie vor nicht so schlecht. Gibt es eben keine VW-gebrandeten Phaetons mehr, na und? Wenn man sich’s leisten kann, will man eh den Bentley.

Und wenn nicht, gibt es ja den Gebrauchtwagenmarkt, wo man sich eh bedient hätte, spätestens seit es die dicken Motoren im VW neu nicht mehr gibt.

Das einzige, was ich also ein bißchen bedauerlich finde, ist, daß ich es in all den Jahren nie geschafft habe, diese gläserne Manufaktur da in Dresden zu besichtigen. Das geht zwar auch weiterhin, aber wenn sie da keine Autos mehr bauen, fehlt irgendwie was, finde ich.

Naja. Irgendwann werden sie da auch wieder Autos bauen. Ob nun elektrische Phaetons, dicke Porsche oder auch mal wieder Bentleys, ist ja eigentlich egal. Kommt Zeit, kommt Besichtigung.

Bis dahin fahr ich dann weiter räudige Vierzylinder und träume vom V10.

Nicht ganz gehoyer

Seit neuestem, so verfügte mein Chef, sollen wir nur noch bei Hoyer tanken. Das sind meistens Automatentankstellen in irgendwelchen Industriegebieten, kosten also Zeit und Umwege, aber okay, wenn es sich rechnet … „Daheim“ hat man dann ja auch „seine“ Hoyer-Tanke und hat also auch kein Problem. Unterwegs hingegen …

Das Raussuchen von Hoyer-Tanken aus bedrucktem Papier nach Postleitzahl und Ortsname ist schon ein bißchen blöd, also dachte ich mir, hey, wofür gibts die moderne Technik? Und richtig, auf Hoyers Website gibt es einen Link „Tankstellen-Finder“. Ein Klick darauf fördert eine Seite zutage, auf der ein Link zum neuen Tankstellen-Finder ist. Der vermag nach Rückfrage, ob er das darf, sogar, mich mit Googles Hilfe zu orten. Routen oder gar Tankstellen findet er allerdings keine.

Naja, okay, aber ne Suchfunktion gibts da doch wohl? Nein. Doch. Hatte ich nur nicht gefunden. Nur das papierne Tankstellenverzeichnis — nee, nicht als CSV zum Download, nicht mal als PDF, sondern nur als Online-Blätterkatalog. Grummel.

Letzte Möglichkeit: Download des Verzeichnisses als POI fürs Navi. Nachdem dann vom Navihersteller auch die POI-Ladesoftware gesaugt ist und das Navi mit dem zweiten getesteten USB-Kabel dann auch schon mit dem Rechner spricht, flutschen die Hoyer-Tankstellen auch flott ins Gerät, und ich kann mit dessen Funktionen eine suchen, die relativ nah an meiner Route liegt — 8 km Umweg, das ist ja verkraftbar.

Ja. Und dann steh ich hiervor:

hoyer.jpg

Warum, bitte, hat eine Automaten-Tankstelle Öffnungszeiten?! Und nein, die stehen auch bei der nun gefundenen Tankstellen-Suche auf der Hoyer-Seite nicht in der Übersicht.

Bei der nächsten gefundenen dann also doch wieder erstmal Öffnungszeiten googeln. Die bedingt allerdings schon 30 km Umweg — sonderlich dicht ist das Hoyer-Tankstellennetz anscheinend nicht. Und so beschließe ich dann, lieber 30 Liter bei einer normalen Autobahntanke zu tanken (wir haben ja auch noch eine DKV-Tankkarte, „für Notfälle“ und zum Beispiel auch zum Maut-Bezahlen in Benelux und so), denn ich denke mir, 30 zu teuer getankte Liter sind sicher billiger als 10 sinnlos verfahrene zzgl. Maut und sonstiger Betriebskosten.

Trotzdem: Grmbl. Kundenfreundlich ist echt ein bißchen anders. Und das bleibt trotz dieser späteren Ergänzungen mein Fazit.

Nachtrag: Mittlerweile haben wir aber auch den Hoyer-Straßenatlas. Damit geht das Raussuchen der passenden Tanke etwa so, wie ich es von den Online-Möglichkeiten erwartet hätte: man kuckt entlang der zu fahrenden Strecke nach Hoyer-Symbolen, schlägt die an diesen vermerkte Nummer im Tabellenteil nach und entscheidet, ob die so gefundene Tanke tauglich ist. Und ja — zumindest sind dort rund um die Uhr geöffnete Tankstellen gekennzeichnet. Weiterer Pluspunkt: ein Foto jeder Tanke ist auch dabei. So kann man dann irgendwelche räudigen Ein-Zapfsäulen-Anlagen rechtzeitig erkennen und vermeiden, denn wenn da dann zwei Kollegen warten und einer tankt, ist ganz schnell ne Stunde rum, bis man dran ist — und dann darf man noch nach dem Befüllen des einen Tanks wenden, um an den anderen ranzukommen mit dem Zapfrüssel. Muß man nicht haben … Neues Fazit also: Es geht mit dem Papier akzeptabel gut, aber die Website und auch die POIs fürs Navi sind absolut lachhaft.

Die paradoxe Pause

Normalerweise würde man ja annehmen, daß es keinen Unterschied macht, wie lange man eine Pause (Lenkzeitunterbrechung) macht, solange deren Mindestlänge erreicht ist. Es gibt aber eine Konstellation, bei der eine versehentlich zu lange Pause dazu führt, daß auch die nächste Pause länger werden muß, als sie sonst sein müßte. Und das geht so:

Nehmen wir mal an, die Tour dauert insgesamt 7 Stunden Fahrzeit. Da müssen wir unterwegs mindestens 45 Minuten Pause machen, und zwar spätestens nach 4,5 Stunden Fahrzeit (und idealerweise aber auch frühestens nach 2,5 Stunden, damit wir in den verbleibenden 4,5 Stunden ohne weitere Pause bis ans Ziel kommen). Entsprechend ist die Tour kalkuliert: 7 Stunden + 45 Minuten Pause + 30 Minuten für Eventualitäten, also achteinviertel Stunden.

Leider fallen uns aber schon nach 1,5 Stunden die Äuglein immer wieder zu: Ein Powernap ist angesagt! Ist ja kein Problem: die vorgeschriebenen mindestens 45 Minuten Pause darf man ja aufteilen in einmal mindestens 15 und einmal mindestens 30 Minuten. Leider auch nur genau in dieser Reihenfolge. 15 sind ein bißchen knapp, also machen wir mal 30 Minuten Powernap-Pause, die verschwendete Viertelstunde ist ja immer irgendwie drin (und auch in den 30 Minuten für Eventualitäten), und ein Laster im Graben kommt ja noch viel später an.

Leider schaffen wir es aber, im Halbschlaf zweimal die Schlummertaste zu betätigen, und so hat unser Powernap nun doch 50 Minuten gedauert. Das Problem ist jetzt: das war eine vollständige Lenkzeitunterbrechung nach Vorschrift. Das heißt, sie gilt nicht mehr als „die ersten mindestens 15 Minuten“, und wir müssen im weiteren Verlauf nochmal volle 45 Minuten Pause machen. Als Ausgleich, weil wir so lange Pause gemacht haben. Statt geplanter 15 und tatsächlicher 35 Minuten „zuviel Pause“, beides noch kein Drama, ergibt das in Summe also schon 50 Minuten, die die Tour länger gedauert hat als nötig — und die lassen sich nicht mehr ohne weiteres „weglügen“, 20 Minuten Verspätung können schon richtig wehtun am Ziel.

Wohlgemerkt: es ist zumindest in meinem Job nicht die Regel, daß es wirklich auf die paar Minuten mehr oder weniger ankommt. Aber mitunter passiert es schon, und dann ist eine Vorschrift, die zuviel Pause mit noch mehr Pause vergilt, manchmal schon ein bißchen nervig. Und klar, so Stoß auf knapp wie hier im Beispiel sind die Touren normal auch nicht geplant. Trotzdem: ich habe es schon erlebt, daß es wegen dieses Effekts dann nicht mehr gereicht hat.

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