Raststätte Salzgitter… äh… unmerkbaresbandwurmwort

Sie bauen eine neue Autobahnraststätte in Salzgitter, gar nicht so weit weg von da, wo ich wohne. Und, interessanter wohl, direkt neben dem Förderturm des als irgendwie vielleicht doch nicht mehr werdendes Atommüllendlager republikweit bekannten Schacht Konrad. (Ich habe absichtlich nicht „des … Schachtes Konrad“ geschrieben, weil ich „Schacht Konrad“ für einen feststehenden Begriff halte.)

Also wirklich, genau direkt daneben. Kuckstu:

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Quelle (PDF, 851 kB)

Und wie nennen sie nun ihre neue Raststätte? „Schacht Konrad“? Was eingängig gewesen wäre wie sonstwas, wo jeder den Begriff schon dutzendemale in den Nachrichten gehört hat? Und ein Name mit Geschichte und Geschichten drumrum?

Aber nein. Das Ding soll „Salzgitterhüttenblick“ heißen. Dabei sieht man die Salzgitterhütte von da kaum — der Förderturm vom Schacht Konrad ist im Weg. ;-)

Salzgitterhüttenblick ist aber auch sonst ein Scheißname. Erstens sperrig schon für Muttersprachler — und jetzt stelle man sich mal einen Franzosen, Ungarn oder Weißrussen vor, der versucht, am Telefon mit dem Pannendienst diesen Namen auszusprechen –, zweitens unverständlich selbst für manche Muttersprachler — denn das Wort „Hütte“ ist nicht so universell mit Bergbau verbunden in den Köpfen. Und drittens halt einfach häßlich.

Wenn der Name das einzige Problem mit dieser geplanten Raststätte wäre, könnt man ja noch drüber hinwegsehen. Ist er aber nicht. Kucken wir mal etwas genauer hin:

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Quelle (PDF, 2069 kB)

Wir erkennen: ein Rasthof wie alle anderen. Meine Hauptkritikpunkte:

  • Die eine Reihe LKW steht mal wieder mit dem Führerhaus wenige Meter neben der Autobahn. Für einen erholsamen Schlaf.
  • Man muß sich als LKW-Fahrer schon bei der Einfahrt entscheiden: Welches Schweinderl, äh, welche Spur hätten’s denn gern — die für normale Laster oder, vermutlich illegalerweise da durchfahrtverboten, die für den Schwerlastverkehr? Warum sollte man als normaler Laster in letztere wollen? Naja, weil die paar Plätze spätestens um 17.00 Uhr so vollgestellt sein werden, daß die Kollegen längs dahinter in der Fahrspur parken — und damit ungewollt auch seither freigewordene Lücken zuparken (ich hatte das hier schon mal ausführlicher thematisiert). Von der Ausfahrt-Fahrspur kann man dann, wenn man es kann, rückwärts in diese zugeparkten freien Lücken fahren. Wenn man sich denn dazu entschieden hat, bevor man wußte, ob es nötig sein würde.
  • In die Ausfahrt-Spur der anderen LKW-Parkplatzreihe kommt man gleich gar nicht.
  • Und der Gipfel des Luxus, nämlich die Möglichkeit, einmal um den LKW-Parkplatz herumzufahren und sein Glück erneut zu versuchen, wie es ja einige wenige Rastanlagen mittlerweile erfreulicherweise bieten, bleibt einem hier auch versagt. Nicht aber den PKW-Fahrern, die können da stundenlang kreiseln, wenn sie wollen. Nicht daß sie es bräuchten.
  • 47 LKW-Parkplätze je Richtung sind aber eh ein schlechter Witz. Schrieb ich oben 17.00 Uhr? Ich meinte 14.30. Bestenfalls. (Zugegebenermaßen steht auf den Baustellenschildern allerdings eine höhere Zahl. Anscheinend plant man um, ich konnte dazu aber nichts ergoogeln.)

Astreine Mistplanung also. Passend zum Scheißnamen. Ernsthaft: haben Raststättenplaner nix dazugelernt seit den 60er Jahren? Anscheinend: „Die Rastanlage wird gemäß den Richtlinien für Rastanlagen (RR) entworfen. Im vorliegenden Fall werden Tank- und Rastanlagen mittlerer Dimension entwickelt; die Raststätten und Tankstellengebäude sind in einem gemeinsamen Wirtschaftsgebäude untergebracht.“ So schreibt die Nds. Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr auf ihrer Seite, von der übrigens auch die oben ausschnittweise zitierten Karten stammen. Mag mal bitte jemand diese Richtlinien ein wenig verbessern? Es wird Zeit.

Man gut, daß ich da eh nie stehen müssen werde. Wenn mir in der Gegend die Fahrzeit ausgeht, schaff ich es auch noch nach Hause.

Die Krone der Schöpfung

Ich hab ja so einige Fahrzeughersteller unter Beobachtung gehabt, wer von ihnen als erster die Möglichkeiten der neumodischen LED-Beleuchtung nutzen würde, um sein Markenlogo im Leuchtbild der Schlußleuchten unterzubringen. Ein rot leuchtender Mercedes-Stern, ein VW-Logo, ein Satz Audi-Ringe, ein BMW-Propeller, ja selbst ein Citroën-Doppelwinkelbumerang — das alles hätte mich nicht überrascht.

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Daß es aber dann doch eine Krone-Krone ;-) geworden ist, der die Ehre gebührt, als erste Inkarnation dieser Idee unser Straßenbild zu schmücken, hatte ich sowas von nicht erwartet …

Schick find ich’s trotzdem.

Nachtrag: Und wie dieses Bild auf der Webseite des Herstellers zeigt, ist da auch noch etwas mehr Design drin, als man auf meinem schlechten Foto erkennen kann.

Kurzzeitgedächt… äh… was?

Von schlechten Liedtexten hatten wir es hier ja schon öfter, aber dem unfreiwillig gequälten Radiohörer fallen in letzter Zeit mehr und mehr Texte auf, bei denen der Autor anscheinend mitten in oder spätestens am Ende der Zeile vergessen hat, was er gerade schrieb, alldieweil er sich sofort selber widerspricht.

Einige prominente Beispiele gefällig?

Ooooh, sometimes I get that feeling. Yeah. The feeling that I never never never never had before. I get that feeling. Yeah.

Manchmal bekomme ich dieses Gefühl, das ich nie nie nie nie vorher hatte. Yeah. Äh. Nö. Wenn du dieses Gefühl wirklich noch nie nie nie nie vorher hattest, Schnepfe, dann bekommst du es nicht manchmal, sondern höchstens einmal. Alle weiteren Male ist es nämlich ein Gefühl, das du schon mal hattest, näch. Yeah.

I should have known you were trouble from the first kiss: you had your eyes wide open. Why were they open?

Und woher weißt denn bitte du, daß ihre Augen offen waren? Laß mich raten: Deine waren auch nicht zu. She should have known you were trouble.

I know you’re tired of loving, of loving with nobody to love, nobody, nobody.

Ohne jemanden zum Liebhaben wird man des Liebhabens kaum überdrüssig werden. Es sei denn, das ist jetzt eine kolloquiale Verwendung von „to love“ mit einer Bedeutung, die man sonst mit weniger schönen Wörtern umschreibt. Und selbst dann ist man selber noch lange nicht „nobody“.

Show me now, show me the arms aloft. Every eye trained on a different star.

Hände hoch und schielen! Gnihihi. Ob die das bei den Open-Air-Konzerten auch brav alle machen im Publikum?

So wake me up when it’s all over, when I’m wiser and I’m older.

Vom Pennen wirst du zwar älter, mein Freund, aber weiser wirst du davon nicht, das hab ich lange genug probiert, um das mit einiger Sicherheit sagen zu können.

Update: Einen hab ich noch …

Es gibt nichts, was mich hält. Au revoir! Vergeßt, wer ich war! Vergeßt meinen Namen! Es wird nie mehr sein, wie es war. Ich bin weg, oh-oh, oh-oh — au revoir!

Klingt ziemlich endgültig, nicht? Blöd nur, daß „au revoir“ „Auf Wiedersehen“ bedeutet. Aber Deinen Namen hab ich in der Tat bereits wieder vergessen. Gratuliere: Es klappt trotzdem. Bleib dann aber auch wirklich weg, ja? Adieu!

Weitere Beispiele werden in den Kommentaren gern entgegengenommen ;-)

Auch Französisch ist Glückssache

Versehentlich mal die Lautstärke bei der Werbung nicht auf Null gedreht, wurde ich Ohrenzeuge des neuesten Werbeslogans meiner zweitliebsten Automarke:

„Citroën — le car, le caractère.“

Meinetwegen — auch wenn ich die vorherigen griffiger fand (mein Favorit: „Intelligenz auf Rädern“, der ja auch aus einer Zeit stammt, als das noch zutraf — aber ich schweife ab). Blöd ist nur, daß „le car“ auf deutsch überhaupt nicht „das Auto“ heißt.

Sondern, als Kurzform von „l’autocar“: Der Reisebus.

Was noch ein klein wenig länger her ist. Aber zumindest Charakter kann man diesem Reisebus nicht absprechen, das stimmt schon.

Nachtrag: Nach der Automarke, die nicht weiß, wie man ihren eigenen Namen ausspricht („Å koda. Simply clever.“ — die richtige Aussprache wäre nicht „Skohda“, sondern „Schkodda“, dafür steht das Caron auf dem S) gibt es nun also auch eine, die ihre eigene Muttersprache nicht beherrscht. Willkommen im Club. Man beachte in diesem Zusammenhang auch http://volkswagon.de/. :-)

Noch ein Nachtrag: Inzwischen haben sie es wohl selber gemerkt und schreiben in ihrer Hauspostille „CARactère“ eine etwas unbeholfene Notlüge von einem englisch-französischen Wortspiel. Ja nee. Is klar, Jungs. Gebt’s doch zu: einer von Euch hatte mal als erstes Auto einen Renault 5 „Le Car“, bei dem das genauso blödsinnig war. Was weder ein Vorwurf sein soll noch eine Entlastung, denn auch wenn gut kopiert besser sein mag als schlecht erdacht — schlecht kopiert und schlecht erdacht nehmen sich da echt nix.

Schon doof, so ein kreativer Gegner

Zu schön: da berichten sie im Radio, einige Großkunden der Post hätten ebenjener, um die Folgen des Streiks zu mildern, die Abstellung von Arbeitskräften in die postschen Paketverteilzentren angeboten. Das find ich jetzt erstmal ne kreative Idee. Die Gewerkschaft jetzt nicht so, die fing prompt an zu schäumen, so werde ja wohl „der Streik unterlaufen“ …

Ja. Ja, na und? Liebe Gewerkschaft: was sollte die Post denn Eurer Ansicht nach tun bei so einem Streik? Am besten gleich den Laden zusperren oder was? Natürlich versuchen die, die Streikauswirkungen so gering wie möglich zu halten. Wenn da einer seine Hilfe anbietet? Die müßten doch völlig rammdösig sein, da nicht mit Freuden ja zu sagen. Müßt Ihr eben wie in alten Zeiten Streikposten an die Werks- oder hier halt Paketverteilzentrumstore stellen. Oder die LKW-Zufahrt blockieren. Oder was weiß ich. Streik ist so eine Art Krieg, und wenn die Gegenseite eine unerwartete taktische Idee hat, dann ist das vielleicht blöd für Euch, aber kein Grund zum Winseln.

Ich bin ja fast immer auf der Seite der Streikenden und wünsche mir nur wenig sehnlicher, als daß auch meine Berufsgruppe mal sowas auf die Beine stellt — in Frankreich gehts ja auch. Aber diese Aktion von der Post und ihren Kunden find ich trotzdem geil, und Eure Reaktion darauf mehr als peinlich. „Wääh, die nehmen einfach andere Leute statt uns, wenn wir streiken!“ Deal with it, bitches.

Empfiehlt jedenfalls
  Euer Dieter Schlabonski.

„Und wenn ich dir so nen Huddel gebe?“

Fahrbericht Smart Fortwo (erste Generation)

Mercedes-Werkstatt, der Actros braucht Inspektion und TÜV. „Ich wollte eigentlich warten“, sage ich. „Das dauert doch Stunden!“, meint die Dame an der Annahme. „Nuja“, sag ich, „ich komm hier halt nicht weg.“ Darauf stellt sie die Frage aus der Überschrift. Der „Huddel“ entpuppt sich auf Nachfrage als Smart. Och, warum nicht. Mal ausprobieren das Ding, 15 Jahre nach dem damaligen Verriß hier auf Schlabonskis Welt kann man ja auch mal ein paar Fakten sammeln.

„Mein“ Smart entstammt auch brav der ersten Generation, passend zum damaligen Artikel. Funkentriegelt und kurz an der Klinke gezerrt, schwingt das nicht nur in Relation zum Auto riesige, aber verblüffend dünne und leichte Portal auf und erlaubt den Blick auf einen deutlich gebrauchten, aber nicht abgenutzt wirkenden Innenraum.

Für kleine Werte von „Raum“, natürlich. Hat man ihn einmal geentert, sitzt man aber wirklich nicht beengt — außer in der Breite ein wenig, da zwickt er doch etwas. Kein Wunder, daß sie die nächste Generation breiter gemacht haben. Nach kurzer Suche findet sich auch das Zündschloß (hinter dem Schalthebel auf dem Mitteltunnel). Zum Starten will er einen Tritt auf die Bremse, es sei denn, man hat ihn in „N“ abgestellt — dann rollt er aber weg, wenn man nicht die Handbremse bemüht. Der Schalthebel kennt fünf Stellungen: N, R, +, – und die Stellung zwischen den letzteren, die nicht mit „D“ markiert ist, aber genau dazu dient: Drive.

Das lassen wir uns nicht zweimal sagen.

Die Reihenfolge der nächsten beiden Eindrücke ist abhängig vom Straßenzustand. Der eine ist: Holla, die kleine Büchse geht ja flott voran. Der andere ist: *RUMMS*! Aua! Wieso federt das nicht?

Ja, ich weiß — als Fahrer vollluftgefederter Lastwagen und hydropneumatischer Citroëns bin ich da furchtbar verwöhnt. Aber der Smart ist schon noch ein paar Klassen schlechter gefedert als normale Autos. So dermaßen knüppelhart war in meiner bisherigen Lebenserfahrung nur meines damaligen Kumpels Hauke gnadenlos tiefergelegter E-Kadett LS („Low Standard“ bedeute das, witzelte er). Oder mein Citroën BX, wenn er in Tiefststellung gefahren wird (was man nicht machen sollte und auch nicht mehr als ein paar 100 Meter freiwillig tut).

Dazu kommt dann beim Smart noch der naturgegeben kurze Radstand, der zu Nicken um die Querachse führt und damit das Hoppelige am Fahrwerk noch betont. Erstaunlich daran ist nur, daß beides zumindest mir ein breites Grinsen ins Gesicht treibt — irgendwo zwischen Realsatire („unglaublich, daß etwas so Schlechtes ernsthaft verkauft wurde“) und trotz allem Vergnügen, denn irgendwie lustig ist es schon, so von Bodenwelle zu Bodenwelle zu hüpfen.

Zumal die Kiste ja, wie erwähnt, schon recht hurtig voranstürmt, trefflich akustisch untermalt vom sonoren Pröpeln eines winzigen Dreizylinders, dem aber gerade dadurch, daß er eben kein winziger Vierzylinder ist, deren mitunter ja doch klägliches Nölen im Unterton völlig abgeht. Das klingt gar nicht schlecht, was das Motörchen da hinten an Radau veranstaltet.

Das automatisch geschaltete Getriebe (nein, es ist keine Automatik, es tut quasi nur so) paßt dazu eigentlich gar nicht. Die Schaltpausen sind zwar deutlich kürzer als im Actros, aber auch länger als bei flott handgeschalteten Gangwechseln, geschweige denn denen einer Wandlerautomatik oder eines Doppelkupplungsgetriebes. Dazu kommt eine gewisse Verzögerung auf das Niedertreten des Gaspedals, besonders beim Anfahren. Beides dürfte einen sportlichen Fahrer in den Wahnsinn treiben. Mich nicht so, ich kenne es ja vom Actros nicht anders. Nicht verstanden habe ich allerdings, wozu der Smart einen Kick-Down-Punkt am unteren Ende des Gaspedalweges hat, läßt die Getriebesteuerung den Motor doch auch schon bei normalem Vollgas fröhlich in den roten Bereich jubeln. Eingreifen mit + und – funktioniert problemlos, ist aber im normalen Betrieb nicht nötig. Einziger Kritikpunkt an der Schaltung: man muß sie bei jedem Losfahren in den Automatik-Modus versetzen, und der dazu benötigte Druckknopf links am Schalthebel ist auch mit dem Bein schnell versehentlich betätigt, so daß man wieder im manuellen Modus landet und sich wundert, warum die Kiste denn nicht allmählich mal hochschalten mag *kreeeiiiiisch*, achso, *klick*, *grummel*, das wars schon wieder.

Und sonst? Schön leichtgängige Lenkung, Prädikat „wuseltauglich“. Der Wendekreis ist zwar ausreichend klein, aber doch größer, als man von so einem winzigen Heckmotorvehikelchen erwartet. Das kleine Ding fährt gar nicht mal schlecht und ist in der Stadt auch allemal kräftig genug, um Kreise zu fahren um fast alles, was da so im Weg herumkriecht. Grenzbereiche ausloten konnte ich in den paar Stunden natürlich nicht, aber flott um die Ecken ging er, ohne Seitenneigung (wie auch, wenn nix federt), Quietschen oder auch nur ein flaues Gefühl in der Bauchgegend. Und anders als in normalen Kleinwagen wirken auch die SUVs und Vans gar nicht so bedrohlich, denn man sitzt doch recht hoch im Smart. Er ist halt nur viel kürzer als andere Autos — nach vorn sieht man das aber nicht, denn auch normale Autos hören ja von innen gesehen oft an der Frontscheibenunterkante auf heutzutage, und nach hinten sieht man’s nur beim Umdrehen zum Rückwärtsfahren. Da hab ich jedesmal zusammengezuckt: na huch, da direkt hinter mir ist ja schon das Auto zu Ende!

Das Armaturenbrett ist etwas verspielt, aber trotzdem übersichtlich genug (hat ja auch nicht so viele Schalter, daß es unübersichtlich werden könnte). Dank gezielter Verwendung silbernen Hartplastiks wirkt das reichlich verwendete graue nicht so unwohnlich, wie es könnte; auch der Teppichbezug des eigentlichen Armaturenbretts, der ein bißchen an den ersten Panda erinnert, macht die kleine Hütte durchaus freundlich. Die großen Ablagen vorn unter der Frontscheibe sind während der Fahrt nicht zu erreichen und würden bei mir deswegen vermutlich zum Vermüllen neigen. Die kleineren unterm Armaturenbrett sind … nunja, klein. Und in der rechten wohnt mittendrin in einem Kistchen der Beifahrer-Airbag, vermutlich eine spätere Ergänzung des Ausstattungsumfangs. CD-Fächer und Aschenbecher gibt es, nicht aber Cupholder – hier merkt man das Alter der Konstruktion ebenso wie an den höchst klassisch gemachten Kontrolleuchten, wo noch ein Glühbirnchen durch getöntes Plastik mit aufgedrucktem schwarzen Symbol schimmern darf, wie ich es bewußt zuletzt im Unimog sah. Und es taucht die Frage auf: ist das jetzt retro, oder ist das ironisch, oder ist das einfach nur billig?

Auf jeden Fall billig sind Tankuhr und Kühlwasserthermometer als Teil des LC-Displays in der Mitte des großen Halbkreises, der die gut ablesbare Tachoskala bildet. Ebenfalls im Display: Kilometerstand („mein“ Exemplar hatte bereits 115.000 hinter sich, und das als Werkstatt-Ersatzwagen … für so ein kleines Dingsi schon ’ne Leistung, finde ich) und Gang-Anzeige, die aber im Automatik-Modus leider permanent „A“ zeigt – ich fände es interessant zu wissen, welcher Gang gerade bemüht wird. Im manuellen Modus gibt sie dafür auch Schalt-Empfehlungen in Form von Pfeilen nach oben und unten. Drehzahlmesser und Zeituhr sind analoge Uhren, oben aufs Armaturenbrett gepfropft und, wenn ich mich recht erinnere, damals Extras gewesen. Keine schlechte Lösung, besser jedenfalls als die vom „Mini“, alles in ein einziges völlig überladenes Instrument zu pferchen.

Die große Ablage hinter den Sitzen ist von vorn kaum, von außen durch die aufklappbare Heckscheibe und herunterklappbare Ladebordwand aber sehr gut erreichbar und ersetzt notfalls auch einen nicht vorhandenen Kofferraum. Die Schalter der elektrischen Fensterheber (oder die Fensterkurbeln in billigeren Versionen, nehme ich an) sind hingegen auch vom Fahrersitz beide gut erreichbar in den Türen, denn die Türen sind ja beide recht nah am Fahrer. Das nicht zu öffnende Glasdach ist ein m.E. eher sinnloser Gag und dürfte an sonnigen Tagen trotz verschiebbarem Blendschutz eher nerven. Dann schon lieber ein richtiges „Cabrio“, das ja auch nur ne Cabrio-Limousine wäre, wenn das Wort „Limousine“ hier nicht so völlig fehl am Platz wäre! Die immerhin vorhandene Klimaanlage ist sehr analog (es gibt drei Stellungen: Kalt, Viel kalt und Aus) und sehr leistungsfähig. Die Heizung wollte ich bei schwülen 28°C nicht unbedingt testen.

Bleibt die Frage nach dem Verbrauch. Die kann ich mit meinen gerade mal 50 Smart-Kilometern nicht wirklich beantworten – ich hab danach 4,6 Liter reingefüllt, aber das heißt nix, bei den Mengen ist der Meßfehler ja astronomisch. Damalige Testwerte suggerieren aber, daß man mit dem Smart gegenüber anderen Kleinwagen nicht unbedingt Sprit spart. Besonders leicht oder aerodynamisch ist er ja auch nicht, und der quirlige kleine Dreizylinder-Turbo wird schließlich von der Automatik ordentlich gedreht, wenn man Späne gibt. Und das macht man oft und gern, denn es macht halt Spaß. Ein Tip am Rande zum Spritsparen auf der Autobahn: das Gerät tobt recht zügig an die abgeregelte Höchstgeschwindigkeit von Tacho 140 und dreht dabei satte 5000/min im fünften Gang, und mit denen brüllt es dann auch weiter, solange man nicht vom Gas geht. Es hat aber sechs Gänge! Kurz das Gas lupfen bei Erreichen des Reisetempos, schon schaltet es hoch (kann man natürlich auch von Hand machen) und dreht dann auch bei wiederum Vollgas nur noch viel entspanntere 3500/min, mit denen es auch leichte Steigungen noch hochkommt, ohne runterschalten zu müssen. Das allerdings sollte das Getriebe auch selber wissen, ohne Hilfe vom Fahrer.

Mein Fazit? Naja. Eigentlich kein besonders gutes Auto, so ein Ur-Smart. Aber damit tut man ihm unrecht – eigentlich ist er ja eher der Nachfolger im Geiste von solch Vehikeln wie Isetta, Messerschmidt Kabinenroller oder Heinkel-Kabine. Ein Rollermobil halt, oder wie BMW die Isetta nannte, ein „Motocoupé“. Für ein solches fährt er dann aber überraschend erwachsen – man kann mit gut Richttempo über die Autobahn schnüren (oder, wenn die etwas älter ist: hoppeln), man kann durch die Stadt toben wie mit einem sehr ordentlich motorisierten Kleinwagen, man kann über Landstraßen wuseln, man kriegt einen normalen Einkauf und einen Beifahrer rein und fast überall einen Parkplatz. Nur Langstrecken fahren wird man nicht wollen, wegen des Fehlens einer Federung, die den Namen verdient. Aber so als Kurzstreckenkiste? Doch, geht schon. Besser als befürchtet. Und lustig. Mir trotzdem aber bitte lieber eine Ente, einen AX oder notfalls einen Lupo. Denn mein Rücken ist zu alt und zu verweichlicht für solch unbillige Härte von Seiten des Fahrwerks, dem hochgezüchteten Dreizylinderchen trau ich lebensdauermäßig immer noch nicht so richtig über den Weg, und das Kofferräumchen wär mir dann doch zu klein.

Aber Spaß hat er schon gemacht, mein halber Tag mit dem Smart.

„Du hast doch Zeit.“

Zweieinhalb Stunden zu früh beim Kunden, trotzdem gleich an die Rampe. Nicht schlecht. Eine Stunde später schon entladen, wieder weg von der Rampe und im Büro, Papiere der gerade abgeladenen Ware holen und fragen, wann Leergut für die Rücktour geladen wird. „Deine Papiere sind noch nicht fertig. Aber wieso stehst du eigentlich nicht mehr an der Rampe? Du kriegst doch auch noch Irrläufer mit.“ — Hat mir keiner gesagt, aber die könnt Ihr doch mit dem Leergut verladen? — „Hm. Nee, das vergessen wir dann. Fahr mal wieder an die Rampe. Du hast doch Zeit, wir haben dich doch früher drangenommen.“

Ja. Habt Ihr. Aber was bitte hat das eine mit dem anderen zu tun?

Und jetzt, weitere anderthalb Stunden später (also dreieinhalb nach meinem Eintreffen), sind Irrläufer und Leergut doch schon *hust* verladen. Was leider immer noch *kröch* fehlt, sind die Papiere der zuerst entladenen Ware. Offensichtlich hatte ich tatsächlich noch Zeit gehabt.

Zeit, die mir beim nächsten Kunden fehlte. Der hatte nämlich, als ich eintraf, schon seit anderthalb Stunden zu. Und leider ist hier in Baden-Pfalz oder Rheinland-Württemberg oder wie das Bundesland hier heißen mag morgen Feiertag, und ich häng jetzt 37 Stunden auf’m Rasthof rum (statt derer 27, wenn ich die Ladung heut noch gekriegt hätte und schon um 22:00 hätte starten können, statt bis 8:00 zu warten, wenn die Drecksbude sich mal bequemt aufzumachen). 10 Stunden, die 1:1 von meinem Wochenende abgehen.

Aber ich hab ja Zeit. Schönen Dank auch.

Grummel.

Wer belügt wen?

Und schon wieder erzählt mir jemand ungefragt, er hätte gestern aus dem Spielautomaten 430 Euro „rausgeholt“. Auf meine übliche Rückfrage, wieviel er denn letzten Monat so reingesteckt habe, kommt das übliche Gedruckse, ein paar Zehner vielleicht, keine 100 jedenfalls.

Und wie üblich frage ich mich, was am wahrscheinlichsten ist:

  1. Ausgerechnet ich kenne ausgerechnet das Dutzend Leute, das das todsichere System dafür hat, aus Spielautomaten ohne nennenswerten Einsatz regelmäßig ein paar hundert Euro „rauszuholen“.
  2. Die belügen sich selber. Geld in Spielautomaten zu stecken ist für diese Leute so normal und alltäglich, daß es keine wirkliche Erinnerung mehr hinterläßt. Los, schnell: Wie oft warst Du letzten Monat pinkeln? Weißt Du nicht? Siehst Du.
  3. Die belügen mich. Ziel des Spiels: mich davon zu überzeugen, daß man an den Daddelkisten einen schnellen Euro machen kann, damit ich da meine Kohle reinschütte und so ihre Chance steigt, da dann wieder was „rauszuholen“.

Ich kann nicht recht entscheiden, welche der Möglichkeiten mir am meisten Angst macht.

Na, um was wollen wir wetten?

Die EU-Kommission macht mal was Sinnvolles und kündigt an, gegen die deutsche PKW-Maut klagen zu wollen. Sehr schön, viel Erfolg nach Brüssel!

Und um was wollen wir wetten, daß dabei Folgendes herauskommt:

  • Der Europäische Gerichtshof befindet den schmutzigen kleinen Trick des Herrn Dobrindt, die Maut einerseits und deren Rückerstattung an die deutschen Autohalter über die Kfz-Steuer andererseits in zwei technisch getrennte Gesetze zu verpacken, als hinreichend durchschaubar und urteilt entsprechend, diese Ungleichbehandlung ausländischer Halter müsse weg.
  • Die Regierung vergießt ein paar Krokodilstränen, man habe ja den deutschen Autohalter entlasten wollen, aber leider, leider, die böse EU-Kommission, wissenschon, gehthaltnich.
  • Das Entlastungs-Gesetz wird gekippt.
  • Das Maut-Gesetz hingegen, gegen das der Europäische Gerichtshof ja angesichts der anderen Mauten in Mitgliedsstaaten wenig sagen kann, bleibt selbstverständlich bestehen.
  • Die CSU, ach was, die ganze Bundesregierung reibt sich die Hände, weil jetzt viel mehr Kohle reinkommt durch die Maut.

Mark my words. So wird es kommen. Alles andere wäre eine Sensation.

Verarschen kann ich mich alleine

Ich fahr ja wirklich gerne für die Spedition, bei der mein Chef Subunternehmer ist (und ich früher mal direkt angestellter Fahrer war und auch heut noch wäre, wenn sie mich übernommen hätten). Supernette Dispo, kein Zeitdruck, entspannte Wenns-nicht-reicht-dann-reichts-nicht-Einstellung, sympathische Leute, alles easy.

Bis auf die Wochenend-Planung. Davon hatten wir es hier schon öfter, ich weiß. Aber dieses Wochenende ist Pfingsten.

Pfingsten. Das bedeutet ja gemeinhin drei freie Tage. Gell.

Und die könnte ich grad auch sehr gut gebrauchen, um am letzten mir verbleibenden Wochenende in der Schrauberhalle den Schlachtwagen fertig zu filetieren. Dementsprechend also Ansage an die Dispo: Der Schlabonski hätte gerne Freitag abend Wochenende. Jo, wird notiert. Das war Mittwoch.

Donnerstag: Dramatisch verspätete Tour nach Bremen. „Sieh halt zu, daß Du möglichst heut noch leer wirst.“ Und wenn nicht? Für Freitag früh, so stellt sich raus, ist vorgesehen, in Bremen und in Damme zu laden für Duisburg, entmutigend weit vom Standort Braunschweig also. „Soviel zu meinem Wochenende ab Freitagabend“, maule ich und bekomme zur Antwort: „Ach, das sehen wir dann. Vielleicht stellen wir den Duisburg-Trailer ja erst am Dienstag zu.“

Freitag: Mit viel Glück, viel Hektik, viel Überredungskunst und etwas Gesetzverbiegen noch am Donnerstag abend entladen, gondle ich frohgemut zur Ladestelle in Bremen, als die Nachricht kommt: Nach Entladen in Duisburg Trailer tauschen in Euskirchen. Noch falschere Richtung. Aber immerhin: der Trailer soll erst in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch um 11 in Magdeburg sein. Okay, also immerhin freier Dienstag als Ausgleich für den verkorksten Samstag. Geht ja noch.

Äh. Nö. Trailer in Braunschweig abstellen. Ladetermin in der Nacht von Montag auf Dienstag um 1.

Statt drei freien Tagen also nur noch einer: der Samstag geht weitgehend für die Heimfahrt Euskirchen-Braunschweig drauf, der Montag fürs (ohnehin zwecklose) „Vorschlafen“ bis Mitternacht.

Und dann bin ich zum ersten Mal richtig laut geworden am Telefon. Wörter wie „Verarschung“ sind gefallen. Und Drohungen: „Wenn Ihr das nochmal mit mir macht, bitte ich meinen Chef, mich woanders einzusetzen, und wenn es Nachtschicht Regionalverkehr ist. Da hab ich weniger Spaß, weniger nette Leute, mehr Streß, mehr Arbeit und weniger Geld, aber wenigstens ab und zu mal ein bißchen Freizeit.“

Und siehe da: es hat funktioniert. Jetzt ist Arbeitsbeginn Dienstagmorgen um 7. Geht doch.

Vielleicht sollte ich öfter laut werden. Oder wirklich mal wieder ein paar Monate Regionalverkehr machen.

Von wegen Machtkampf

Okay, okay, das Thema Deutsche Bahn vs. GdL läßt sich anscheinend nicht wegignorieren, selbst jetzt wo die GdL voraussichtlich erstmal „gewonnen“ hat. Immer noch brabbelt alle Welt von „Machtkampf“, „Vertretungsanspruch“, „Egotrip“ und Schlimmerem.

Alles Unsinn. Die GdL hat für ihr verfassungsgemäßes Recht gestreikt, ihre Mitglieder zu vertreten. Mehr nicht. Und die Bahn hat einen Verzicht auf das Grundrecht der GdL-Mitglieder auf Koalitionsfreiheit (also das Recht der freien Gewerkschaftwahl) zur Vorbedingung gemacht, überhaupt mit der GdL über deren Tarif zu reden. Und der Bund, zufällig Eigentümer der Bahn, hat eilends ein verfassungswidriges „Tarifeinheitsgesetz“ gebastelt, das genau das erzwingen sollte. (Das gilt jetzt trotzdem, bis es einer vom Verfassungsgericht kassieren läßt. Gibt ja noch ein paar kleine, nichtgleichgeschaltete Gewerkschaften mehr.)

Großartig in dem Zusammenhang die Empörung, mit der sich der DGB-Chef (Name vergessen, googelt selber) sich aufgeplustert hat vorgestern: der GdL gehe es schon längst nicht mehr um das Wohl ihrer Mitglieder, nein, sie instrumentalisiere den Streik nur, um damit gegen das Tarifeinheitsgesetz Stimmung zu machen. Und der sagte das so, als sei das irgendwie verwerflich. Ja selbstverständlich streikt die GdL gegen ihre faktische Abschaffung, was soll sie denn sonst machen?

Und dann das Geweine von den Fahrgästen an den Bahnhöfen, die sich die Radiosender immer wieder entblöden zu interviewen. Kein Verständnis mehr, geht zu weit, Weselsky sollte mal selber Bahn fahren müssen, winsel, keif, geifer. Blah. Leute, informiert Euch mal, wie ein anständiger Streik geht. Autobahnen tagelang blockiert von Lastwagen. Monatelanger Produktionsstillstand in Automobilfabriken. Manager, die 60% ihrer Arbeitszeit mit Gewerkschaftsdingen verbringen.

Natürlich nicht hier. In Deutschland hebt das große Jammern an, wenn mal ein paar Züge ausfallen. Lachhaft.

Ausführlicher als ich haben die Nachdenkseiten die Hintergründe aufgeschrieben. Auch wenn Euch das Thema mittlerweile vermutlich genauso nervt wie mich: Wenn Ihr außer diesem hier nur noch einen einzigen zum Thema verkraften könnt, dann nehmt diesen.

Und wenn nicht, dann lest ihn trotzdem. Oder haltet wenigstens einfach die Schnauze, wenn wieder mal Weselsky-Bashing-Zeit ist.

Danke auch. Ende der Durchsage.

Akustisches Dominanzverhalten

In einem lesenswerten Klartext bei heise Autos versucht Wolfgang Gomoll zu erklären, warum es denn Not tut, daß das Mopped sso laut is (wie Meister Röhrich sagen würde). Dabei gibt er einige hübsche Beobachtungen zum Besten wie die, „dass der laute Auspuff sich nahtlos einreiht in jedes andere akustische Dominanzverhalten, das vor allem junge Männchen an den Tag legen, bevor sie wirklich sozial empathisch geworden sind„, und die Folgerung: „Wenn alle schreien, kann sich keiner mehr durch Geschrei hervorheben.“ So weit, so traurig, so wahr, so gut.

Aber dann schreibt er unter der Überschrift „Lautstärkenelitarismus“ den verhängnisvollen Fehlschluß: „Das klingt jetzt, als würde ich argumentieren „nur die teuren, schnellen Fahrzeuge sollen laut sein“. Und das ist auch so. Ein Ferrari LaFerrari kann niemals ein echtes Lärmproblem werden, denn dazu gibt es zu wenige davon.

Nein, Herr Gomoll, genau falsch. Auch ein Ferrari LaFerrari (bescheuerter Name, BTW) hat sich verdammt nochmal an die Vorschriften zu halten! Und das Gebrüll, das moderne Supersportwagen mitunter von sich zu geben in der Lage sind, kann, so dachte ich, nie im Leben legal sein, wenn ich so an die Polizeikontrollen mit dem „viel zu lauten“ Käferauspuff denke, denn der immerhin machte kein Ohrenbluten (nur Ärger mit den Nachbarn, aber ich schweife ab). Ja, wie kann es eigentlich sein, daß ein AMG-Mercedes drei Häuserblocks weit zu hören sein darf?

Die Erklärung liefert, wie es der Zufall will, ein anderer heise-Autos-Artikel: das Stichwort heißt Klappenauspuffanlage. Genau wie es unterschiedliche Motorsteuerungs-Programme gibt je nachdem, ob man gerade einen Verbrauchs-Testzyklus fährt oder eine Landstraße, so gibt es auch einen Schalter zum Wechseln zwischen züchtigem Gebrabbel und gesundheitsgefährdendem Donner, ganz normal als Extra ab Werk.

Ich stelle mir gerade vor, wie man damals vom TÜV rituell in den Boden gestampft worden wäre, wäre man auf die Idee gekommen und dabei erwischt worden, Ähnliches in Heimarbeit am Käfer zu realisieren, vielleicht unter Zweitverwendung der bei den gammeligen Eimern, die wir damals so fuhren, ohnehin weitgehend sinnlosen Heizungszüge als Betätigung. Hei, das wäre ein Spaß gewesen! Und natürlich hätte er in sofortiger Stillegung geendet, na klar. Aber Mercedes, Porsche, Jaguar — die dürfen das.

Noch.

Denn eine in Arbeit befindliche EU-Richtline zum Thema enthält den schönen Satz: „Wenn das Fahrzeug über verschiedene Betriebsarten verfügt, die die Geräuschemission beeinflussen, müssen alle Betriebsarten die Bestimmungen dieses Anhangs erfüllen.

Eh die Lärmgeplagten unter Euch jetzt aufjubeln: Bis Juli.

Zweitausendsechsundzwanzig.

Und auf den Bestand an bereits zugelassenen (und bis Inkrafttreten weiter zugelassen werdenden) Lärmschleudern hat das natürlich auch keinen Einfluß, denn „Austauschschalldämpferanlagen für bestehende Fahrzeugtypen sind nicht betroffen, da Richtlinien und Verordnungen grundsätzlich nicht rückwirkend gelten können.

Ach? Können sie nicht? Hm, wieso darf ich dann ohne grüne „Feinstaub“-Plakette nicht nach Hannover rein? Nee, klar, ich versteh schon. Das dient ja der Förderung der notleidenden Automobilindustrie, nicht ihrer Schikanierung wie die EU-Verordnung 540/2014 über den Geräuschpegel von Kraftfahrzeugen und von Austauschschalldämpferanlagen sowie zur Änderung der Richtlinie 2007/46/EG und zur Aufhebung der Richtlinie 70/157/EWG. Da muß man schon ein bißchen geduldiger sein.

Naja. Bis ich Rentner bin und mich der Lärm dann wirklich aufregt, dürften die meisten Brüllkarren trotzdem ausgestorben sein.

Aushängeschild einer Weltfirma II

Neulich versprach ich bei der Würdigung der neuen LKW-Steuerstelle Salzgitter, auch mal das Braunschweiger Pendant zu zeigen. Nunwohlan:

weltfirma2-a.jpg

Ein paar mehr Container, sogar richtige Klos mit Wasserspülung und Waschbecken — nicht ganz so peinlich wie das Salzgitteraner Provisorium (von dem es aber auch bald Neues zu berichten gibt). Der Skandal ist hier eher der Zustand des Parkplatzes …

weltfirma2-s.jpg

… wenn man das Schlammloch, oder wie neulich ein Kollege formulierte „die Braunschweiger Seenplatte“, denn wirklich so nennen will.

Eine Milliarde Euro Gewinn im Jahr. Aber für die paar hundert Quadratmeter Pflasterstein ist kein Geld da. Nee, is klar.

Sonnenfinsterniskucken

Wie immer war ich auch zu dieser Sonnenfinsternis (und nein, der Kosename „Sofi“ kommt mir nicht über die Tasten) erfrischend unvorbereitet und hatte also auch keine Spezialbrille. Bei der letzten, 1999, hatte ich einfach durch einen Stapel CD-Rohlinge gekuckt, aber auch sowas hatte ich nicht mit. Dafür aber eine vage Erinnerung an die irgendwo gelesene Idee, sowas mit ner Lochkamera zu projizieren.

Gut, „Lochkamera“ ist für meinen Aufbau …

howto.jpg

… auch schon geschmeichelt — das entscheidende Teil ist das kleine Stück Pappe knapp oberhalb der Bildmitte, das Lochblech ist nur ein Lastwagen-Ersatzteil, das dazu dient, die Pappe an der richtigen Stelle zu halten. In der Pappe ist ein gepiekstes Loch. Und durch das Loch fiel …

loch.jpg

… diese doch erstaunlich brauchbare, natürlich kopfstehende Abbildung der Sonnenfinsternis kurz vor ihrem Höhepunkt.

An ihrem Höhepunkt waren dann die Batterien der Kamera leer. Wie gesagt, erfrischend unvorbereitet.

Die Überraschung ist aber das Ergebnis meines mutigen (aber in Anbetracht des Alters meiner Kamera, die auch die letzte Sonnenfinsternis schon erlebt haben dürfte, nicht allzu mutigen) Versuchs, direkt in die Sonne zu fotografieren:

direkt.jpg

Das eigentliche Bild der Sonne, oben links, ist, wie zu erwarten war, völlig überbelichtet. Aber unten rechts hat sich auf mir unergründlichen Wegen ein sauberes Abbild der teilverdeckten Sonnenscheibe ins Bild gefunden. Unverhofft kommt oft — und macht die Sache umso erfreulicher.

Fortsetzung folgt. In neunzehn Jahren. :-)

Jaja, die böse Herstellerlobby

Soso, da hat also nun das EU-Parlament endlich beschlossen, daß Lastwagen wegen der besseren Aerodynamik und des dadurch geringeren Spritverbrauchs ein bißchen länger werden dürfen. Daß die so kastenförmig sind vorne, liegt nämlich daran, daß zwischen der max. zulässigen Ladelänge und der max. zulässigen Gesamtlänge eben nur jene gut zwei Meter verbleiben, auf denen unsereins den Großteil seines Lebens fristet.

Bleibt indes abzuwarten, ob diese Verlängerung auch dem Lebensraum des Fahrers zugutekommen wird oder, wie es der verlinkte Artikel beschreibt, die „abgerundeten Fahrerkabinen“ nur „das Sichtfeld erweitern und Fußgänger oder Radfahrer schützen“ dürfen. (Wogegen freilich nix zu sagen wäre, aber ein paar cm mehr Bettbreite wären schon auch ganz nett.) Ich bin da ja eher ein bißchen skeptisch, aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

Sauer aufgestoßen ist mir allerdings das hier:

„Die Herstellerlobby hat hier ganze Arbeit geleistet, um ihre alten Modelle noch ein paar Jahre länger verkaufen zu können“, kritisierte der SPD-Europaparlamentarier Ismail Ertug.

Tja, Herr Ertug, ob das vielleicht daran liegt, daß die Hersteller gerade eben erst im Zuge der Einführung der Abgasnorm Euro 6, für die man viel mehr Kühlfläche braucht, ihre Schwerlastwagen allesamt in den letzten zwei Jahren komplett runderneuert (MAN, Scania, DAF, Iveco) bzw. völlig neu entwickelt (Mercedes, Renault, Volvo) haben? Wenn Ihr da im Europaparlament mal ein paar Jahre früher den Finger aus dem Arsch bekommen hättet, wär das alles schön in einem Abwasch machbar gewesen. Und nun dürfen die ihre noch fast brandneuen Laster schon wieder ummodeln — ist doch logisch, daß die keinen Bock haben, daß die kaum richtig eingefahrenen Preßformen in anderthalb Jahren schon wieder Kernschrott sind, nur weil Euch etwas nach Jahren des gemütlichen Liegenlassens plötzlich wichtig und dringend vorkommt!

Pappnasen.

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