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Früher war auch alles scheiße

Abgesehen davon ist damals sicher auch einiges zusammengebrochen, nur wird uns das nicht so bewußt, weil das, was heute noch steht von damals, eben gut gebaut ist und wir das unbewußt verallgemeinern. So schrieb ich neulich in einem Kommentar auf eines Lesers Vermutung, man habe im Mittelalter einsturzresistenter gebaut als heute.

Diese Theorie — daß uns nur deshalb früher alles besser gewesen zu sein scheint, weil wir das Schlechte von damals vergessen haben — erscheint mir außerordentlich plausibel, nicht nur im Bezug auf Gebäude. Jeden Tag klopfen Leute auf Oldtimer-Kotflügel und murmeln anerkennend „ja ja, das war noch Blech damals!“, und nur ausgesprochen selten erinnern sie sich an den 64er Taunus, den Vaddern anno ’73 völlig durchgeschimmelt in den Schrott schmeißen mußte. Ja, die konnten noch Autos bauen damals — Autos, die alle 5000 km zur Inspektion mußten und bei denen 100.000 km mit dem ersten Motor trotzdem was Bemerkenswertes waren.

Oder Musik. Nur weil Teimleif, Radio 21 und Co. uns immer wieder dieselben rattengeilen paar hundert Superknaller der 60er bis 80er in die Gehörgänge blasen, tendieren wir dazu, sowas wie die Flippers oder Milli Vanilli zu vergessen. Dabei besteht durchaus berechtigte Hoffnung, daß 2030 auch Xavier „dieser Kahn wird kein Leichter sein“ Naidoo nur noch ein paar eingeweihten Geschmacksektomierten ein Begriff sein wird.

Und bestimmt gab es auch zu Shakespeares Zeiten 99% beschissene Theaterschreiberlinge, zu Bachs Zeiten 99% beschissene Komponisten, zu Luthers Zeiten 99% beschissene Prediger undsoweiter undsofort. Irgendwie tröstlich, oder? Das Gute setzt sich durch. Irgendwann.

Wann geraten endlich die Stones in die verdiente Vergessenheit?

2 Pings

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