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Wir sind die Gefahr — ääh, das Volk

Eigentlich wollt ich da ja nix zu schreiben. Denn was soll man dazu schon schreiben? Selbstverständlich sind die 57% der Teilnehmer, die bei der Schweizer Volksabstimmung für das Bauverbot von Minaretten gestimmt haben, reaktionäre Arschlöcher. Diese Aussage alleine füllt aber nicht mal hier einen Artikel. 😉

Es gibt allerdings zwei Richtungen, in die es sich angesichts dieser Geschichte zu denken lohnt.

Zum einen zeigt sie nämlich die Gefahr, die von den ach so basisdemokratischen Volksabstimmungen ausgeht. Nein, nicht mal so sehr, daß das Volk mehrheitlich etwas wollen könnte, was keiner wollen kann — denn erstens ist das ein Paradoxon (nein, keins von den Dingern, die das Universum vernichten, McFly), und zweitens halte ich es schon für richtig, daß, wenn die Mehrheit wirklich ernsthaft für oder gegen etwas ist, das auch so gemacht wird. Nein, das Problem ist ein anderes: daß nämlich so ne Volksabstimmung ganz schnell ein Ergebnis haben kann, das die Mehrheit des Volkes eigentlich gar nicht will. Sei es, daß ein ungewöhnlich großer Teil denkt „ach, das kommt eh nicht durch, aber stimmen wir mal dafür und jagen denen da oben einen Schrecken ein“, oder sei es, daß die Massenmedien durch Stimmungsmache das Wahlergebnis beeinflussen. Gerade vor letzterem habe ich dank der Meinungsmarktmacht der BLÖD-Zeitung hierzulande gehörigen Schiß. Und vielleicht ist es deswegen ganz gut, wenn das tumbe Volk nicht direkt über kontroverse Sachfragen entscheiden kann.

Zum zweiten könnte man aber das Minarett-Neubauverbot mal ganz leise und unverbindlich zum Anlaß nehmen, darüber nachzudenken, ob die Belästigung der Öffentlichkeit mit religionsausübungsbedingtem Lärm (ob nun das Gebrüll der Minarettsänger oder das Gepolter der Kirchenglocken) noch in unsere Zeit paßt. Und ob man nicht wenn schon, dann gleich alle Geschmacksrichtungen desselben verbieten sollte. Kirchen und Moscheen können sie ja weiter gerne bauen, und die existierenden Kirchtürme und Minarette müssen sie auch nicht wegruppen, da ist ja schon der Denkmalschutz vor — aber Neubau tut nicht not, und Krachmachen auch nicht. Unter diesen Prämissen wäre auch ich für ein Minarett- und Kirchturmneubauverbot.

Ja. Bliebe festzuhalten, daß ich, im Zweifel für den Angeklagten, durchaus geneigt bin, an das Gute im Menschen und auch im Schweizer zu glauben und letzteren darum zugestehe, vielleicht doch nur übel manipuliert worden zu sein. Oder das zumindest glauben möchte, weil die Alternative zu unappetitlich ist.

4 Pings

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