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Auto Darf Alles Club

So wie in der Überschrift nannte man vor Jahren, fast schon Jahrzehnten, den ADAC, zumindest in der Usenet-Gruppe „de.soc.verkehr“. Und damals schäumten dann immer die militanten überzeugten Radfahrer über des ADAC‘ Verkehrspolemikitik, und interessiert hat es eigentlich sonst keinen.

Und heute, 2014, ist der ADAC auf einmal in aller Munde, in jeder Nachrichtensendung. Und warum? Nein, nicht wegen seiner nach wie vor etwas, sagen wir mal, individualverkehrslastigen Verkehrspolemikitik. Sondern wegen ein paar lächerlichen Skandälchen. Soso, man hat also bei der Wahl des „Goldenen Engels“, wie man die eigene Geschmacksrichtung des Autos des Jahres zu nennen beliebt, ein bißchen geschummelt? Und zwar nicht nur bei der Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen, sondern vielleicht doch auch bei der Rangfolge der siegreichen Kraftfahrzeuge? Man hat mit den eigenen Rettungshubschraubern Vorstandsmitglieder durch die Gegend geshuttelt und Fußballplätze trockengefönt? Man hat sogar die Schilder an Hotels, dieses Etablissement sei vom ADAC empfohlen, gegen Geld an selbige verteilt?

Boah. Ich sterbe an Herzschlag vor Entrüstung.

Mal im Ernst: Da ist nun also ein „Verein“ mit über 18 Millionen „Mitgliedern“, von denen 99 komma drölf Prozent noch nicht mal wissen, was sie machen müssen, wollten sie einen auch noch so minimalen Einfluß nehmen darauf, wer denn „Vorstand“ ihres „Vereins“ wird. Dieser „Verein“ betreibt hunderte Rettungshubschrauber und tausende Pannenhilfsfahrzeuge, er verkauft Versicherungen und Schutzbriefe, er testet Autos, Hotels, Tunnels, Fähren und Strände, er verteilt Warnwesten an Schulanfänger, er hat Rabattprogramme mit Fastfood-Ketten und was weiß ich mit wem noch, er gibt die auflagenstärkste und inhaltsleerste Zeitschrift der Nation heraus — und er tut all dies ohne auch nur den geringsten Anschein einer Spur von Kontrolle durch seine „Mitglieder“, die eigentlich nix weiter sind als Kunden mit Abo.

Und jetzt überrascht es, daß da gemauschelt wird? Ehrlich? Leute, wie naiv, wie weltfremd, wie völlig merkbefreit kann man eigentlich sein, wenn einen sowas überrascht? Gemauschelt wird überall — in Parlamenten, in Banken, an der Börse, in jedem verfickten kleinen Kaninchenzüchterverein. Und Ihr habt echt geglaubt, ausgerechnet beim ADAC ginge alles mit rechten Dingen zu, ausgerechnet dort arbeiteten nur Idealisten, die sich lieber die rechte Hand abhacken würden, als einen Vorteil anzunehmen?

Ja nee. Is klar.

Mittlerweile berichten sie von einer „Austrittswelle“ aus dem ADAC. Während diese Zeilen entstehen, beschränkt sich die auf vielleicht fünfzehn-, zwanzigtausend Austritte — zusätzlich zu den sowieso etwa fünfzigtausend, die eh jeden Monat austreten. Feuchter Furz, mit anderen Worten. Es mag möglich sein, daß der ADAC es tatsächlich nicht mehr diesen Monat schafft, auf 19 Millionen „Mitglieder“ zu kommen.

Das ist grundsätzlich erfreulich. Jedes „Mitglied“ weniger in diesem Verbrecherclub ist ein gutes. Aber die Ausgetretenen müssen sich trotzdem die Frage gefallen lassen: Seid Ihr so naiv, daß Ihr bis neulich tatsächlich geglaubt habt, der ADAC sei eine altruistische Vereinigung, die nur dem Menschen — okay, nur dem Autofahrer — zu helfen da sei?

Na dann herzlich willkommen in der Realität.

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