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Freitagstexter III: Pokalverleihung

Naja, „frühe Morgenstunden“ war als versprochener Termin für die Freitagstexter-Prämierung vielleicht doch ein wenig optimistisch, aber hier ist sie nun!

Vier Kommentare waren es diesmal, die das Bild von der schmalen Ente inspiriert hat.  Mit zweien davon konnte ich sogar was anfangen.  Für nehalennias Kommentar war ich anscheinend einfach zu doof: „2 Pferde und ein Traktor in Sachunion gewannen den ersten Preis bei der diesjährigen Frühlingsparade!“  Die deux chevaux habe ich noch erkannt, aber alles andere bleibt mir ein Buch mit sieben Siegeln, tut mir leid.  Und auch bee hat mein armes kleines Hirn entweder über- oder unterfordert mit „Sonntags fuhren Jacques und Jill gerne mal im Zweisitzer nach Besançon“ — vielleicht ist das ja ein brillantes Film- oder Romanzitat, das ich zu googeln einfach zu blöde bin, aber so ist es nun mal.

Schmunzeliger war da schon derchristoph mit „Schmalhans‘ erste Ausfahrt.“  Der sprichwörtliche Küchenchef hat sich also ein zu seinem Namen passendes Automobil gegönnt, wie nett.  Aber den Sieg trägt diesmal trotzdem der Kulturflaneur nach Hause:

Warum heisst diese Zitrone eigentlich Ente?

Warum heisst diese Zitrone eigentlich Ente?

Gute Frage.  Die tatsächliche Antwort ist nicht witzig, soll hier aber trotzdem nicht unterschlagen werden: man bezeichnete den Wagen hierzusprachraum als „häßliches Entlein“, und wie so manch andere Beleidigung von Minderheiten (man denke an das N-Wort für dunkelhäutige oder das S-Wort für homosexuelle Menschen) nahm der Döhschwo beziehungsweise seine Fahrer den Namen an und machten ihn zu ihrem.  Dem Käfer ging es da ja ganz ähnlich — die Legende besagt, daß sein Name aus einem Henry-Ford-Spruch entstand, der nach einer Volkswagenwerksführung meinte, am Band habe ihn einer der Wagen angefahren, und später habe dann der Werksarzt diesen Käfer aus der Wunde gezogen.

Aber ich schweife ab, es geht ja um des Kulturflaneurs Zitrone — bemerkenswert vielschichtig, denn nicht nur Farbe und Markenname erinnern hier daran, sondern auch des Fahrzeugs Form, in diesem Fall allerdings an eine ausgequetschte Hälfte einer solchen.  Kurz, knackig, kreativ und komisch — das ist eines Pokals würdig:

Bitteschön!  Und übermorgen seit Freitag geht’s dann beim Kulturflaneur weiter.

Freitagsnexter

4 Kommentare

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  1. Kulturflaneur

    Danke vielmals für den Pokal! Ich freue mich, den Freitagstexter wieder einmal bei mir zu haben…

    A propos Döschwoh: Ich erinnere mich, dass wir einmal zu viert und einigem Gepäck über den Flüelapass gefahren sind. Die Zitrone brachte es am Berg auf eine Höchstgeschwindigkeit von 35 km/h — und die Autoschlange hinter uns wurde immer länger. Es zeigte sich, dass die Ente mit ihren 2 PS mindestens am Berg eine lahme Ente ist.

    1. Dieter Schlabonski

      Sehr gern!

      Und übrigens: die namensgebenden 2 PS sind sogenannte „Steuer-PS“, genau wie z.B. bei Renault 4 CV „Cremeschnittchen“ und Citroën 11 CV „Traction Avant“, und haben nichts mit der tatsächlichen Motorleistung zu tun — die beträgt bei der Ente mindestens neun, typisch um die 24 und maximal knapp 30 PS, wenn ich mich recht ent-sinne (und anderenfalls wird Axel mich sicher korrigieren). Jedenfalls weit mehr als zwei — mit denen wäre der Wagen selbst zu seiner Entstehungszeit (im zweiten Weltkrieg) noch jedem überladenen Lastwagen hoffnungslos unterlegen gewesen, und das war durchaus nicht der Fall.

      Heute spielen Enten und Fernlastzüge schon eher in derselben Kategorie, was die Fahrleistungen angeht … aber meinem unmaßgeblichen Gefühl nach verzeiht man es den Enten eher 🙂

      1. Axel

        Bis auf Details hatte Dieter alles richtig:

        Die Ente hatte die letzten Baujahre der Abgasnormen wegen 26 PS, davor einige Jahre lang 27 PS (könnten auch 27 und 28 PS gewesen sein, bin mir nicht mehr sicher). Die höhere der beiden Leistungen war in den 80ern die gängige Variante (2CV6) und würde ich als typische Leistung einer Ente angeben. Soweit ich mich erinnere, war der einzige technische Unterschied zwischen den beiden Leistungsvarianten die Kompression und dies wurde durch unterschiedliche Zylinderköpfe implementiert.

        Und 27 oder 28 PS war meines Wissens auch die höchste Leistung, die es im 2CV gab. Zuletzt hatte er eigentlich ja auch 3CV, man hatte aber die entsprechende Umbenennung in den 70ern sehr schnell wieder rückgängig gemacht und die Fahrzeuge dann lieber als „2CV4“ und „2CV6“ vermarktet. Der 2CV4 hatte soweit ich mich erinnere nur 21 PS, kann aber auch sein, daß es Varianten mit den von Dieter genannten 24 PS gab.

        Was es dagegen auch mit mehr als 30 PS gab, waren Derivate der Ente bzw. des Entenmotors. So vage habe ich in Erinnerung, daß die Dyane 6 ein paar wenige PS mehr hatte (29 PS oder vielleicht auch 30 PS), und inbesondere daß der Visa II mit leicht aufgebohrtem Entenmotor (652cm³ statt der 602cm³ im 2CV6) und elektronischer Zündung irgendwas so um die 33 oder 35 PS rum brachte. Auch andere Derivate, wie den Namco Pony (sozusagen ein griechischer Mehari mit Stahlkarosse), gab es mit um die 33 PS herum. Zumindest beim Pony war meines Wissens die leistungsstärkste Variante die mit Autogas-Betrieb.

        Hat man dem Entenmotor das direkt auf der Kurbelwelle sitzende Lüfterrad genommen, weil man z.B. ein Kitcar mit im Fahrwind liegenden Zylindern gebaut hat (Lomax und Co.), dann soll der 2CV6-Motor angeblich ohne weitere Modifikationen an die 40 PS auf die Straße gebracht haben. Allerdings habe ich etwas Mühe zu glauben, daß das 30cm-Lüfterrad ein ganzes Drittel der Motorleistung fressen soll.

        CV steht übrigens für Chevaux Vapeur, zu Deutsch Dampfpferde.

        Und zum Berechnen derselbigen wurde nicht nur die Leistung mit einbezogen, sondern auch der Hubraum, die Anzahl der Zylinder, die Anzahl der Gänge und die Höchstgeschwindigkeit bzw. Getriebeübersetzung.

        Dies führte u.a. dazu, daß es in und auch aus Frankreich kaum Fahrzeuge mit mehr als vier Zylindern gab, wie auch dazu, daß es bestimmte Fahrzeugmodelle in Frankreich mit zwei unterschiedlichen (Schalt-)Getrieben gab und diese trotz ansonsten identischer Ausstattung unterschiedlich hoch besteuert wurden, z.B. 7CV oder 8CV je nach Getriebe.

        1. Dieter Schlabonski

          Danke! Und zum Thema 2CV4 vs. 2CV6 hab ich noch ein Bild einer Tuningmaßnahme gefunden:

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