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Dachschäden und anderer Schrott

Nach einer längeren Krankheitspause (dies übrigens auch als Erklärung für die, wie einige Leser bemerkten, etwas verwaiste Rubrik „Gummibahn-Cargo“: die Durststrecke ist vorbei!) geht heute meine erste volle Arbeitswoche zuende, und sie war geprägt von … Schrott.  Den ich nicht fabriziert habe, wohlgemerkt — aber irgendwie scheine ich die kaputten Fahrzeuge magisch anzuziehen.

Es begann am ersten Arbeitstag mit einem Jumbo-Wechselbrückenzug und der Erkenntnis, daß irgendwann mal die vordere mit der hinteren Wechselbrücke (wie die Aufbauten im Jargon heißen) am oberen Ende kollidiert sein mußte: an der vorderen Brücke eine Ecke angeditscht, an der hinteren eine Beule mittig oben in der Stirnwand, das ist eindeutig und auch nicht weiter besorgniserregend (schon die Rostspuren zeigten, daß ich das nicht unbemerkt verursacht haben konnte, selbst wenn passende Rampen auf meiner Tour vorhanden gewesen wären).  Interessant war nur, daß der hintere Verschluß des Planenschiebedachs der vorderen Brücke links zu war und rechts offen — das ist eigentlich eine Klappe in Form eines L-Profils, also immer auf beiden Seiten gleich zu oder offen, aber das Teil war halt nun krumm, und rechts hätte es reingeregnet, wenn es geregnet hätte.  Also den Schaden gemeldet und die Geschichte erstmal vergessen, in der folgenden Woche (dieser) würde ich eh was anderes fahren.  Der Brückenzug ging dann am Folgetag in die Werkstatt, und davon wird weiter unten noch zu berichten sein.

Montag.  Mit einer alten Zugmaschine von meinem Arbeitgeber fahre ich zum Zentrallager eines großen Möbelhauses.  Dort soll ich einen beladenen Auflieger von der Spedition, als deren Subunternehmer diese Tour stattfindet, aufnehmen und das dort verladene Zeug (leere Paletten, 561 an der Zahl) zu einem anderen Lager fahren.  Habe ich auch gemacht, aber erst nachdem der Werkstattwagen da war, um den beim Ankuppeln undicht gewordenen Bremsluftschlauch an der Zugmaschine zu ersetzen.  Bis jetzt beteiligt also: vier Fahrzeuge, davon zwei kaputt.

Dienstag.  Mit einem leeren Auflieger dabei (Fahrzeug Nummer 5) steh ich wieder bei dem Zentrallager und tausche ihn gegen einen vollen (Nummer 6), an dem immerhin das ABS-Steuergerät im Eimer ist (Schaden 3).  Kleiner Spoiler: das 1:1-Verhältnis an heilen und kaputten Fahrzeugen bleibt nicht so.

Mittwoch.  Diesmal nichts mit dem Möbelhaus, dafür aber wieder ein Auflieger (Nummer 7) mit ABS-Fehler (Schaden 4), an dem aber auch, wie erst nach dem Entladen beim Kunden feststellbar, das Dach zwei krumme Streben und einen Riß hatte (Schaden 5).  Mangels Alternativen wieder über abwesenden Regen gefreut, auch wegen des fehlenden ABS war das trockene Wetter sehr willkommen, trotzdem die Rückladung gekriegt (Schwein gehabt, der Verlader hätte sich auch weigern können) und den zweiten Tag in Folge einen Reparaturzettel abgegeben bei der Spedition.  Leicht irritierte Blicke dort.

Zwischenzeitlich war der Brückenzug von oben in der Werkstatt repariert, nur um von einem meiner Kollegen beim Abholen von der Werkstatt wegen Bedienerfehler (Luftfederung hochgefahren -> Laster zu hoch) mit dem frischreparierten Dach an der Kante des Werkstattvordachs hängenzubleiben und nicht nur das Dach, sondern auch beide hinteren Türsäulen samt Türen der vorderen Brücke in grotesk verbogenen Schrott zu verwandeln (Schaden 6, wenn ich den einfach mal mitzählen darf).  Nicht mal eine Minute war das reparierte Fahrzeug somit im Einsatz … naja, muß eben der Ersatzwagen (Nummer 8) weiterfahren.  Und auch von dem wird noch zu berichten sein.

Donnerstag.  Ich bekomme wieder einen beladenen Auflieger (Nummer 9) und merke wieder erst beim Entladen beim Kunden, daß eine von dessen seitlichen Dachrungen (der Laie würde wohl eher „Säule“ dazu sagen) sich nicht entriegeln läßt (das macht man, um bei seitlicher Beladung mit dem Stapler überall hinzukommen: die Rungen sind entriegelt verschiebbar.  Verriegelt natürlich nicht.  Schaden 7, übrigens.)  Der Staplerfahrer bei der Entladung nimmts mit Humor und zeigt seine Künste beim Behälter-um-die-Ecke-Schieben: schon wieder Schwein gehabt.  Die Rückladung entfällt wegen Zeitmangel, und so kann ich diesmal einen immerhin leeren Auflieger mit Reparaturbedarf telefonisch ankündigen.  Abgeben aber noch nicht, denn ich schaffe es innerhalb der zulässigen Fahrzeit zwar in die Stadt, aber nicht mehr auf den Hof der Spedition.

Unterdessen hat es übrigens dann der Entlader geschafft, einen Behälter ins Dach des Ersatzwagens für den Brückenzug zu drücken: krumme Streben, gerissene Dachplane, Schaden 8.  Pissedness as usual.

Freitag.  Gestern.  Ich will meinen leeren, kaputten Trailer von Donnerstag gegen einen leeren, heilen tauschen.  Leider sind keine verfügbar.  Die Dispo rotiert, Zettel flattern durch die Luft, Telefondrähte glühen, und ich bekomme stattdessen einen beladenen Auflieger (Nummer 10), der sich aber leider wegen Bremsluftverlust nicht von der Stelle bewegen läßt (Schaden 9).  Erneut Rotation, Flattern und Glühen: Dann soll ich eben mit einem anderen beladenen Auflieger (Nummer 11) auf den Speditionshof kommen, dort entladen und dann leer nach Hamburg, die eigentlich als Rückladung vorgesehen gewesene Ladung abholen.  (Das rechnet sich so bestimmt nicht, aber das kann mir und meinem Arbeitgeber ja egal sein.)  Und ja, auch dieser Auflieger war kaputt: mehrere der Planenspannschnallen an der Seite waren krumm und damit unbenutzbar, eine fehlte sogar ganz, und auch die Plane selber war bei diesem offensichtlichen Rangierstreifschuß in Mitleidenschaft gezogen worden (Schaden 10).  So kam ich zum Abschluß der Schrottwoche in den seltenen Genuß, an einem Tag drei Reparaturzettel ausfüllen zu dürfen … meine persönliche Bestleistung! 🙂 Über den Irritationsgrad der Blicke will ich mal lieber nix sagen, aber immerhin: jetzt hab ich einen Vorrat Reparaturzettelvordrucke in der Schublade und muß nicht jedesmal nachfragen.

Und quasi zur Belohnung gab es dann für die Montagstour einen niegelnagelneuen Auflieger (Nummer 12).  573 km, noch nie beladen und natürlich auch noch nix kaputt.  Ich nehm das mal als Hoffnungsschimmer für nächste Woche.  Vielleicht sind da ja mal nicht über 80% aller Fahrzeuge, mit denen ich es zu tun bekomme, werkstattreif … und wenn, dann hoffentlich auch weiterhin ohne mein Zutun *aufholzklopf*.  Drückt mir mal die Daumen!

2 Kommentare

  1. wvs

    Das hört sich so an, als ob auf diese Weise mehr Geld für Reparaturen ausgegeben wird als durch Lieferungen herein kommt – lohnt sich das denn auf Dauer, bzw. sind die Reserven so ausreichend, dass Sie sich keinen neuen Arbeitgeber suchen müssen?

    1. Dieter Schlabonski

      Bis auf den Bruch am eingangs erwähnten Wechselbrückenzug und den Riß im Dach des Ersatzwagens dafür war der Rest nicht bei meinem Arbeitgeber, sondern bei der großen Spedition, für die mein Arbeitgeber als Subunternehmer agiert. Die können sich das leisten — und die Reparatur der Wechselbrücke ist gar nicht soo teuer, es bleibt immerhin vierstellig.

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