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Müllvermeidung, kreativ

An meiner Stammtankstelle gibt es seit einiger Zeit ein tolles tolles Angebot: Wer einen Porzellan-To-Go-Kaffeebecher erwirbt, zum Spottpreis von nur 11,99 €, der bekommt fortan auf jeden To-Go-Kaffee Rabatt.  Und zwar die unglaubliche Summe von vollen 10 Cent!

Kein Witz.  Nach nur 120 Kaffee hat man die Kohle wieder drin.

Nun ist es ja nicht so, daß es nicht auch andere gute Gründe zum Erwerb eines Porzellan-To-Go-Kaffeebechers gäbe.  Steht sogar auf dem anpreisenden Werbeaufsteller: 1. Geld sparen, 2. Genießen, 3. Müll vermeiden.  Und deswegen besitze auch ich seit ein paar Wochen so einen Becher.  Meinen habe ich allerdings nicht an der Stammtankstelle gekauft, sondern an einer solchen des Hoyer-Konzerns, denn dort kostet er erstens ein bißchen weniger (9,50 €), und zweitens gibt es dort dann nicht nur läppische 10 Cent Rabatt, sondern 50.

Prozent.

Damit kostet dann ein Kaffee bei Hoyer … ja, weiß ich ehrlich gesagt gar nicht, denn sein Preis geht beim Kauf von Frühstücksbackwerk im Rauschen unter.  Vielleicht einen Euro oder so.

Aber wie gesagt, es geht ja nicht nur ums Geld.  Und deswegen war ich dann heute morgen mit meinem Hoyer-Becher in meiner Stammtankstelle und wollte einen Kaffee, in selbigen bitte.  Und was sehen meine koffeïnmangelbedingt noch leicht verquollenen Augen?  Die Thekendame stellte einen Pappbecher unter die Maschine, ließ dort den Kaffee hineinlaufen und kippte ihn dann aus dem Papp- in meinen Porzellanbecher.

Als ich die mir fehlenden Worte wiedergefunden und nach dem Sinn der Prozedur gefragt hatte, ward mir beschieden, das sei so Vorschrift, man dürfe aus hygienischen Gründen keine fremden Becher unter die Maschine stellen.

Die zehn Minuten, die ich brauchte, um mich wieder abzuregen, überspringen wir mal.

Dabei ist die Lösung so einfach, daß ich sogar in meiner das logische Denken recht zuverlässig hemmenden Mischung aus Ungläubigkeit, Wut über soviel Dummheit und, ja, ich gebe es zu, perversem Amüsement über die Menschheit an sich nur wenige Minuten brauchte, um drauf zu kommen: Ihre eigenen Porzellantassen zum Hiertrinken dürften sie doch unter die Maschine stellen, oder?  Ja, meinten sie, das dürfen wir.  Schön, sag ich, und warum nehmt ihr dann nicht so eine zum Befüllen mitgebrachter To-Go-Becher?

Die zehn Minuten, bis sie sich von der Erkenntnis erholt hatten, nicht selber drauf gekommen zu sein, überspringen wir mal auch.

Ich bin gespannt, ob diese Idee sich dort auch durchsetzt oder ob man weiterhin Pappbecher spart, indem man sie zum Befüllen von Porzellanbechern benutzt und dann direkt wegwirft, statt sie dem Kunden zu geben.  Ich werde beobachten und berichten.  Und ansonsten soll mir mal bitte jemand das Bakterium oder den Virus zeigen, die es schaffen, den Strahl heißen Kaffees aus dem Becher in die Maschine hochzuschwimmen.  Hygienische Gründe, daß ich nicht lache!

4 Kommentare

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  1. emel

    Da kann ich nur hoffen, dass es sich um die Stammtankdame nicht um eine mir bekannte handelt!

  2. emel

    wieso eigentlich diese blöden Tippfehler?

    1. Dieter Schlabonski

      Behoben. Und: jein — sie war anwesend, aber nicht die mit der Kaffeemaschinenhoheit zu dem Zeitpunkt. Aber sie war auch etwas verblüfft ob der Erkenntnis mit der Porzellantasse — anscheinend hatten die den Blödsinn also alle so gemacht bis dahin.

  3. Dieter Schlabonski

    Nachtrag: Die Porzellantassenmethode hat sich anscheinend durchgesetzt, seitdem kommte ich die Sache mit dem Pappbecher jedenfalls nicht mehr beobachten.

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