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Suchgut

Es wurde schon mal hier thematisiert, das Sammelgut, also das gemeinsame Befördern von weniger-als-einer-LKW-ladungsgroßen Sendungen mit derselben Fuhre.  Macht ja auch Sinn und normalerweise auch nicht besonders viel mehr Streß als der Ladungsverkehr.  Ich darf das mal kurz illustrieren:

Wir sehen den Sattelzug in der Draufsicht.  Die hellgrauen Kästchen sind physikalisch nicht da, sondern sogenannte „Stellplätze“, hier im Beispiel 1,0*1,2 m groß (und leider, wie ich beim Schreiben bemerke, zwei zuwenig.  Egal!). Und die bunten Kästchen sind Ladungsstapel für die verschiedenen Kunden.

So wie in den oberen Bildern läuft es dann also normalerweise: Man fährt halt erst zu Mister Red, dann zu Mister Blue und dann zu Mister Green, und jeder kriegt, was ihm zusteht was er bestellt hat.  Und wenn man Pech hat, sammelt man dann anschließend auch noch bei mehreren Kunden ein:

Erst bei Mister Green, und ja, das ist derselbe wie oben, dann bei Mister Yellow (wo man die eine Palette von Mister Green aus ladungssicherungstechnischen Erwägungen nochmal rausnimmt und hinten dranstellt) und zuletzt zu Mister Pink.

Ja.  Toll.  Und wo ist jetzt der Erkenntnisgewinn dieses Artikels?  Das Fazit vorwegnehmend sei gesagt, daß es dazu ausgesprochen hilfreich ist, wenn der Lastwagen auch richtig sortiert beladen ist.  Wenn man seinen Auflieger morgens „vorgeladen“, also von der Nachtschicht des Logistikers, in dessen Auftrag die Tour passiert, beladen übernimmt, kann es durchaus sein, daß das der Fall ist.

Muß aber nicht.

Diesmal dann also nicht, wie mir schon beim Blick durch die zwegens Abfahrkontrolle (ist überhaupt sowas wie Ladungssicherung erkennbar?) geöffneten Türen auffällt.  Ich bin ja kein ganz großer Behälter-nach-Typnummern-Zuordnungs-Experte, aber Stahlwannen von Plastikboxen auf Stahlpaletten mit Plastikdeckel unterscheiden kann sogar ich.  Papiere konsultieren: Ah, anscheinend muß ich dann also erst zu Mister Blue.  Paar Kilometer Umweg, kein Drama.  Dort dann beim Abladen von der linken Seite in Fahrtrichtung, im Bild also unten, noch die kleine Stirnrunzeligkeit eines Frachtbriefs ohne dazugehörig auffindbare Behälter, aber herrjeh, auch das kommt vor.

Also flugs weiter zu Mister Red, der leider lieber von hinten an der Rampe ablädt.  Da die Behälter aber dachhoch gestapelt sind, bleibt nix weiter, als eine Seitenplane zu öffnen und das Dach auf dieser Seite hochzupumpen.  Viertelstunde Arbeit, und danach nochmal zehn Minuten zum Zumachen.  Kein Ding.  Mister Red entlädt dann auch fröhlich, bis er die im Bild grünen Behälter erblickt: „Die sind nicht für mich.“

Was zum …

*papierewälz*  Okay, die sind für Mister Green.  Kannste die eben schnell runternehmen und dann wieder draufstellen?  „Nein,“ sagt er, „bzw. ich kann schon, aber ich darf nicht.“  Versicherungsrechtliche Gründe, wissen schon.  Na toll.

Ich bau also meinen Auflieger wieder in den Fahrzustand um und gurke zu Mister Green, wiederum 20 Kilometer oder so in die Richtung, in der etwas weiter auch Mister Blue sein Domizil hat, leise fluchend ob der Sackratte, die den Trailer beladend offensichtlich die Behälter nach Sorte und nicht nach Adressat sortiert hat.  Bei Mister Green läuft alles normal, aber natürlich wieder mit Plane auf und Dach hoch, obwohl auch er nach hinten entlädt, denn auch seine Behälter sind dachhoch gestapelt — was sie nicht sein müßten: hätte man Mister Blues Blechwannen höher gestapelt, wäre mehr als genug Platz gewesen, die anderen Behälter nur zu zweit übereinanderzustellen.

Bei Mister Green gibt es dann auch die erste Palette der Rückladung, die ich ab jetzt bei jeder weiteren Ladestelle losgurten, rausfahren, reinfahren und wieder festgurten muß.  Aber darauf kommt’s jetzt auch nicht mehr an.

Vorher aber flugs zurück zu Mister Red, der ja noch drei Stapel zu kriegen hat.  Komisch, denk ich mir unterwegs, da stehn doch noch vier Stapel vor der grünen Palette?  Und Tatsache: der vierte ist der vorhin bei Mister Blue vermißte, und er steht natürlich nicht ganz vorn, sondern so, daß er beim Entladen von Mister Reds restlichen drei Stapeln im Weg steht.

Wer jetzt denkt, ich hätte also nochmal zu Mister Blue gemußt, den einen Stapel abgeben, und dann nochmal zu Mister Red, der unterschätzt des letzteren Menschlichkeit: er hat — nach dem dritten Öffnen der Seite und Anheben des Dachs — den einen blauen Stapel dann doch selbst ein Stückchen vorgezogen und seinen letzten Stapel elegant dran vorbei vom Trailer gefahren, so daß ich danach nur noch den Stapel für Mister Blue und die Palette von Mister Green dabeihatte, als ich zum dritten Mal über dieselbe Autobahn nach Westen fuhr, den letzten blauen Stapel auch noch abzugeben.

Aber immerhin: Das Beladen klappte dann ganz nach dem oben schon gezeigten Plan.  Logisch, da war die oben genannte Sackratte ja auch nicht mehr involviert, um mir das Leben schwerzumachen.

Statt Rot – Blau – Grün – Gelb – Pink durfte ich also Blau – RotGrünRot – Blau – Gelb – Pink abklappern und an den kursiv geschriebenen Stellen jeweils nochmal ne knappe halbe Stunde basteln, um die Heckentladung von dachhoch gestapelten Behältern zu ermöglichen.  Das waren locker 100 km und einige Stunden mehr Arbeit als nötig.  Damit ein nicht gerade mit Hirn gesegneter, mir zu seinem Glück unbekannt gebliebener Staplerfahrer vielleicht 10 Minuten weniger Arbeit hat.

Schönen Dank auch, du Arschloch.

2 Kommentare

  1. emel

    Wenn das nicht so unverschämt von deinem Kollegensch…. gewesen wäre, wäre das ein überaus lustiges (und gut beschriebenes!) Erlebnis für dich gewesen. Aber sowas kommt in deinen Kreisen ja wohl nicht selten vor, oder?

    1. Dieter Schlabonski

      Nee, die Ladeschranzen sind keine Kollegen. 🙂 Aber amüsiert habe ich mich schon, spätestens als klarwurde, daß ich zweimal zu Mister Red mußte. Und jede weitere Verlängerung der Tour führte dann nur noch dazu, daß ich grinsend im Kopf am obigen Artikel herumformulierte …

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