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Hilfloses Wechselblinken

Es begab sich aber zu einer Zeit, da der Blinker den mechanischen Winker sich abzulösen anschickte, daß sich die meisten Automobilhersteller dachten: Hei, das wäre doch ein gelungenes Feature, wenn sich der Blinker nach der Kurve automagisch abschölte. Sodenn ersonnen sie eine fabulöse Mechanik, woselbst ein Nippel an der Lenkradnabe den Blinkerhebel, so er denn in Blinkstellung eingerastet war, beim Vorbeidrehen des ersteren am letzteren in die mittlere Ruhestellung drückte. Und die Hersteller sahen, daß es gut war, und mit ein paar Jahrzehnten Verspätung adoptierte selbst Citroën diese sinnige Idee, und alles war eitel Freude.

Rund eine Dekade später aber dachte sich manch ein Automobilproduzent: Welch erschröcklich komplexe Mechanik doch solch einem Blinkerhebel innewohnt! Da hat es Federn, Nippel, Mitnehmer, lauter Zeugs, das nur darauf wartet, zu verschleißen und kaputtzugehen. Das geht doch bestimmt auch in Software, geht es nicht? Und so verwendeten sie einen Haufen Hirnschmalz auf Blinkerhebel, die immer in die Mittelstellung zurückfederten, wenn man sie losließ, mit je einem Schließkontakt am Ende, und programmierten die automagische Blinkerrückstellung nun eben mit Auswertung des ohnehin fürs ABS oder watweißich verbauten Lenkwinkelgebers in irgendein Steuergerät hinein, somit sicherlich mehrere Cent pro Kraftwagen einsparend zum Frohlocken des Aktionärs.

Aber wie, so frug sich der geneigte Autler, wie solle er denn nun den Blinker manuell ausschalten? Der Hebel stehe doch nun schon in der Mitte, auch wenn es blünke? Alles kein Problem, salbaderte darauf der Hersteller die Betriebsanleitung voll: wenn Du den Blinkerhebel für weniger als sachtkommadrölf Zehntelsekunden an den entgegengesetzten Anschlag drückst, dann schaltet die Blinkfunktion ab; drückest Du aber länger, so wird der Richtungsblinker für die andere Seite sich einschalten.

Und so begonn die Zeit der hilflos wechselblinkenden Autowägen auf den mehrspurigen Kraftfahrstraßen dieser Welt, und weithin schallten die Flüche ihrer Lenker beim Versuch, das zu tun, was Generationen von Käfer-, Trabant- und Entenfahrern noch konnten, ohne nachzudenken: den Blinker auszuschalten.

(Zuerst veröffentlicht als Usenet-Posting in de.alt.talk.unmut.)

2 Kommentare

  1. wvs

    Dazu habe ich eine Geschichte von unserem Auto:

    Die Außentemperaturanzeige ist elektronisch offenbar mit der Klimasteuerung gekoppelt – und da die Temperaturanzeige alles anzeigt, nur nicht die aktuelle Außentemperatur (beispielsweise -5°C bei tatsächlich fast 30°C), heizt die Heizung bei eingestellter Wunschtemperatur von 20°C bei drückender Hitze draußen noch ein wenig zusätzlich ein ….

    Ich fahre also zur Werkstatt und lasse die Klimaanlage überprüfen und weise auf den Fehler bei der Anzeige und den – aus meiner Sicht zusammenhängenden Extralauf – der Heizung hin.

    Nach zwei weiteren Versuchen, insgesamt also drei Anläufen, ist der Fehler immer noch nicht behoben – die Werkstatt versichert, die Klimaanlage sei befüllt und arbeite störungsfrei. Wenn ich die Automatik ausschalte wird zwar nicht mehr geheizt, aber auch nicht gekühlt.

    Ich habe die Rechnung nicht gezahlt.
    Elektronik ist klasse, wenn sie denn funktioniert ….

    1. Dieter Schlabonski

      Vielen Dank für die nette Anekdote wider den Neuwagen, sowas erfüllt mich immer mit Freude! Da sei doch gleich nochmal auf den Schwank mit dem Warnblinkschalter verwiesen, der ist auch recht erbaulich.

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