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Ja mach nur einen Plan

Selbst für treue Leser der Gummibahn-Cargo-Kategorie dürfte die schiere Anzahl der Verdaddelationen der letzten paar Tage eine Herausforderung sein, was die Glaubwürdigkeit angeht.  Es sei daher an dieser Stelle versichert, daß sich das alles genau so zugetragen hat.

Dienstag, 11:50

„Da kommst du doch heute noch runter, oder?“  So frug mein Disponent.  „Da runter“ bedeutete ein Logistikzentrum mit angeschlossener Kleinstadt am Neckar, so daß ich, der ich in Magdeburg weilte, angesichts der verbleibenden Fahrzeit nur vorsichtig zustimmen mochte. „Prima“, war die Antwort, „dann kommste ja morgen auch wieder rauf, das Leergut, das du da lädst, ist nämlich dringend.“

Dringendes Leergut.  Interessant, hatte ich noch nie.

Dienstag, 19:50

Ganz bis runter hatte es dann nicht gereicht, sondern nur bis ins rund 100 km vom Ziel entfernte Crailsheim.  Aber das würde schon noch klappen, das Logistikzentrum am Neckar war zumindest nicht für seine Lahmarschigkeit berühmt.  Also bisher.

Mittwoch, 9:15

Okay, die Viertelstunde Verspätung hätt nicht sein müssen, aber was kann ich dafür, wenn die da so kleine Sträßchen haben, auf denen man Staus nur langsam und großzügig mäandernd umfahren kann?  Und macht ja auch nix, ein logistisches Viertelstündchen geht ja fast immer.

Mittwoch, 9:35

Ja nee, mit der Ladung mußte direkt ins Werk, das ist ja nur eine Abladestelle.  Das Werk, das einem hier ungenannt bleibenden Sport- und Sportgeländewagenhersteller gehört, ist ca. 40 km weit weg.  Mein Disponent, über die neue Entwicklung informiert und meiner leisen Zweifel, ob ich noch heute in der Heimat ankommen würde, unterrichtet, meinte nur: „Na das muß einfach klappen!“

Na dann.

Mittwoch, 13:40

Ziemlich genau vier Stunden habe ich zum Werk und zurück gebraucht: etliche Baustellen, kein zentrales LKW-Tor am Werk, Staus in beide Richtungen und nicht zuletzt ein eher entspanntes Tempo beim Entladen dort.  Zum Leergut-Laden durfte ich mich immerhin fast sofort an ein Tor stellen, rückwärts zwecks Heckbeladung.

Mittwoch, 16:50

Und nur drei Stunden später war ich beladen und unterwegs gen Norden.

Donnerstag, ca. 10:00

Und wie ich so gen Norden rolle nach einer Nacht auf einem bayerischen Autohof, ereilt mich die Kunde, dann heute bis 15:00 bei drei Kunden in Heimatnähe laden zu sollen und dann wieder zum selben Logistikzentrum am Necker fahren zu dürfen.  Ein verkorkster Samstag mit Ansage ohne eigene Schuld, da darf man dann am Telefon mit der geneigten Disponenz auch mal ein wenig ungehalten werden.  Nicht daß das zunächst was gebracht hätte.

Donnerstag, 13:50

Mittlerweile am Heimathafen angelegt, hatte sich der Plan für den Rest der Woche aber schon geändert: nun würde es nach Dresden und Chemnitz gehen.  Schon deutlich näher, der gute Willen ist erkennbar.  Planänderungszähler: 1.  Achja, und das so dringende Leergut wurde an der Abfertigung mit einem „Was soll ich denn damit?“ willkommen geheißen.  Schau mal einer an.

Donnerstag, 17:25

Noch „mal eben“ einen Trailer im nahen Salzgitter beim selben Kunden ent- und beladen, gab es einen recht frühen Feierabend und eine richtig lange Nacht, denn in Glauchau sollte ich erst um 15:15 am Freitag sein.  Moment, Glauchau?  Das war doch vorhin noch Dresden?  Das konnte disponierenderseits niemand mehr nachvollziehen.  Ist ja eigentlich auch egal, solange das Ziel zur Ware paßt.  Planänderungszähler: 2.

Freitag, 8:25

„Glauchau ist Storno“, begrüßt mich eine Mail.  Stattdessen wäre ins Zonenrandgebiet zu fahren, einen Trailer für einen anderen Kollegen vorladen, mit Stoßstangen für ebengenau das genannte Sport*wagenwerk am Neckar, das mir schon die ganze Woche versüßt hatte.  Das hätte man auch schon ein paar Stunden eher angegangen haben können, umso eher wär Wochenende gewesen, aber was soll’s.  Planänderungszähler: 3.

Freitag, 10:00

Freilich war mal wieder kein leerer Trailer aufzutreiben, und so steh ich nun in Goslar bei einem anderen Kunden, um dort nicht so dringendes Leergut zu entladen und so einen leeren Trailer zu generieren (Planänderungszähler: 4), doch allein: „Wir haben heute Kurzarbeit, ich kann dich nicht entladen.“  Naja, hat der Trailer wenigstens auch mal wieder Goslar gesehen, denke ich und bringe ihn unverrichteter Dinge zurück, wo er herkam.  Planänderungszähler: 5.

Freitag, 11:15

Anruf vom Disponenten: „Ich habe einen leeren Trailer für dich!“  Yaay!  Wo er den ausgegraben hat, will ich auch gar nicht wissen.  Er gehört jedenfalls weder der Firma, für die mein Diponent, noch der, für die ich arbeite, und er hat keine Firmenanschriften drauf und nur zwei Achsen.  Aber macht nix, Stoßstangen sind ja leicht.  Damit fahre ich nun also endlich ins Zonenrandgebiet, Stoßstangen laden.  Danach werde man mir dann noch einen Trailer ins wohlbekannte Automobilwerk mit den zwei Buchstaben geben.  Genau das, was man auf einen Freitagnachmittag erträumt.  Von der angedeuteten, sehr viel entspannteren zweiten Stoßstangentour ist keine Rede mehr.  Planänderungszähler: 6.

Freitag, 15:30

Fast wieder zurück aus dem Zonenrandgebiet klingelt mal wieder das Telefon.  Dran ist unsere Disponentin, also die meines Arbeitgebers, nicht der auftraggebenden Spedition.  Sie berichtet von einem Kollegen, der in Salzgitter bei zwei Firmen laden mußte, zwei Vollsperrungen abbekommen habe und nun noch zwei Stunden Schichtzeit habe, von dem die auftraggebende Spedition aber verlange, heut noch ins rund 60 km entfernte Transporterwerk zu fahren und sich anzumelden, wegen Terminfracht.  Am Freitagabend, vor den Werksferien, und obwohl der Kollege lange angekündigt hatte, am Freitagabend in den Jahresurlaub aufbrechen zu müssen.  Und ach ja, sein Auflieger müsse dann zur Werkstatt, wegen TÜV.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich mache mich mit des Kollegen Auflieger auf den Weg zum Transporterwerk. Planänderungszähler: 7. „Aber da mußt du dich wirklich nur anmelden und denen die Chance geben, das Termingut abzuladen.  Den Rest bringste wieder mit!“, sagt der Disponent (wieder von der Spedition) zum Abschied.

Freitag, 18:45

Die erste der drei Entladestellen im Transporterwerk ist geschafft, die „Telematik“ (das zur LKW-Steuerung vom Werk leihweise überlassene Smartphone) bestellt mich direkt zur zweiten.  Ach pfeif drauf, denk ich mir und beschließe angesichts der ungewohnt hohen Entladungs-Schlagzahl spontan, die Karre doch noch leerzumachen und dann eben in Hannover zu nächtigen.  Den Auflieger zur einen und meine Zugmaschine zur anderen Werkstatt bringen kann ich auch morgen noch.  Planänderungszähler: 8.

Freitag, 20:45

Leer!  Und von Termingut wußte keine der daraufhin von mir ausdrücklich befragten Entladestellen etwas zu berichten, das sei alles ganz nochmale Ware.  Ach kuck.

Samstag, 12:15

LKW bei der Werkstatt (und natürlich zuvor den Trailer bei der anderen solchen) abgegeben.  Hätte man alles, was ich diese Woche geschafft habe, verdaddelungsfrei und ohne übertriebene Warterei tun können, wäre das Abgeben vermutlich am Donnerstagnachmittag passiert — aber andererseits: wenn sie auf dem ursprünglichen Plan bestanden hätten, würd ich jetzt vermutlich am Neckar losfahren oder so.

Wie sang dereinst schon Ulrich Roski?  „Man darf das alles nicht so verbissen seh’n.“

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