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Hauptsache rund und schwarz

Den Spruch aus der Überschrift hört man ja leider öfter, wenn es um die Wahl der Autoreifen geht.  Auch von Leuten mit richtig teuren und/oder schicken Autos übrigens, nicht nur von Letzthand-Verbrauchtyoungtimerfahrern wie dem Unterzeichneten.  Sei doch eh alles dasselbe, wer traue schon Reifentests, wo nie bei zweien derselbe Sieger herauskomme, und mein Lieblings-Unargument: „Ich fahr ja nicht so viel“ (oder ersatzweise auch „… so schnell“).

Mich hat ein Zeitlupendreher in einer Autobahnausfahrt so ca. Mitte der Nuller bekehrt.  Das war zwar nur ein leichter Blechschaden, aber das Gefühl der Überraschung, daß sich ein Golf GTI bei 40 km/h und Nieselregen beim Gaswegnehmen in einer Kurve, die er bei trockener Fahrbahn locker mit dem doppelten Tempo nehmen kann, auf einmal dreht, wo Fronttriebler doch normalerweise hilflos untersteuernd geradeaus in die Rabatte rutschen sollten — das hat mich doch nachhaltig verstört.  Seither fahre ich Markenreifen, durchaus auch mal ältere — den als Ersatz für die Billigreifen jenes Golf GTI beschafften Satz Pirellis hatte ich letzten Sommer noch auf meinem Citroën BX –, und seitdem hatte ich auch keine Probleme mehr mit mangelndem Grip.

Nun begab es sich aber dieses Jahr im frühen, zeitweise noch leicht winterlich anmutenden Frühling, daß mein Vater ein neues altes Auto — ebenfalls einen Citroën BX — kaufte.  Und der Blick auf dessen (Sommer-)Reifen, ein renommiertes Qualitätsprodukt namens „Kormoran Runpro“, stimmte mich besorgt: will man damit in einen Graupelschauer oder Glatteres kommen?  Vaddern wurde also überredet, die geplanten Ganzjahresreifen — gute wohlgemerkt — schon jetzt zu kaufen, und die Noname-Sommerschluffen würd ich dann nehmen.

Mal kucken, ob man einen Unterschied merkt.

Auf trockener Straße, wie es sich die ersten Wochen nach dem Umstecken so ergab, fiel mir nix Negatives auf.  Wie auch — ich bin kein sportlicher Fahrer, da würden vermutlich auch 20 Jahre alte Reifen problemlos mithalten.  Aber heute war die erste Regenfahrt mit den Dingern, und au weia, sind die schlecht.  Nein, kein Aquaplaning — es sind noch 6 mm Profil da, Baujahr übrigens 9. Woche 2015, also eigentlich tadellos –, aber schon bei feuchter Straße ohne Glanz und ohne Pfützen blockiert es schon bei mittelnormalkräftigen Betriebsbremsungen zuverlässig.  Auf Tests der Seitenführungsqualitäten habe ich daraufhin wohlweislich verzichtet.

Jeden Scheiß prüfen sie beim TÜV.  Ich bin schon mal wegen leichten Farbsprühnebels an der Kante eines Rücklichtglases durchgefallen.  Aber so ein lebensgefährlicher Dreck darf verkauft werden.  Ich fasse es nicht.

Und nun?  Wegschmeißen, sofort wegschmeißen, das wäre die sinnvolle Reaktion.  Mach ich aber nicht — „ich fahr ja nicht so viel“, im August zum Beispiel schon mal gar nicht, und auch sonst fahr ich ja meistens Lastwagen.  Die paar Monate bis zum Winterreifen-Draufstecken im Oktober wird’s gehen, und danach leg ich sie auf Lager als „TÜV-Reifen“, denn die Alufelgen für die nächstjährigen Sommerreifen sind eh nicht eingetragen *flöt* …

Und wenn’s regnet, muß ich eben fahren, als sei mein 28 Jahre alter Citroën ein 58 Jahre alter Opel, komplett mit Starrachse, Blattfedern, Trommelbremsen, Diagonalreifen und ähnlich vorsintflutlichen Relikten aus den Kindertagen des Automobils.

Allen Lesenden sei aber geraten: Nehmt die paar Zehner mehr in die Hand und kauft Euch anständige Reifen.  Bei mir entscheidet da fast ausschließlich die Nässe-Note übrigens, auch bei Winterreifen; auf trockener Straße s.o., und das bißchen Schnee, das wir so noch kriegen, kann man dann auch mit zarter Fahrweise kompensieren, aber regnen tut’s ja öfter mal.  Und noch ein Tip zum Schluß: Wenn nach dem Reifentests-Googlen die Entscheidung gefallen und die Reifen bestellt sind, hört um Himmels Willen auf mit dem Reifentests-Googlen, man macht sich echt nur unglücklich damit 😉

1 Kommentar

  1. Dieter Schlabonski

    Es ist übrigens gutgegangen: Die unfaßbar schlechten Drecksreifen dienen nun als Standbereifung unter einem BX mit Motorschaden, dafür sind sie geradesoeben sicher genug — und ich fahre wieder mit den letzten Winter neu gewesenen Winterreifen herum. Und nächstes Jahr gibt es frische Sommerreifen auf schicken Alufelgen 🙂

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