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Saniunfair

Damals, als die ersten Sanifair-Toiletten an der Autobahn entstanden, war ich ziemlich begeistert davon.  Nicht so sehr wegen der sich drehenden Klobrillen (zu Reinigungszwecken, wer es nicht kennt, und nein, das funktioniert nicht wirklich gut — könnt Ihr ja mal testen gelegentlich …), sondern wegen der damit einhergehenden Abschaffung der Betteltoiletten mit den seltsamen Gestalten in den fleckigen Kitteln und der Untertasse auf dem Campingtisch, in der immer genau ein Ein-Euro- und ein Fünfzig-Cent-Stück lagen, das eine als Wunschtraum und das andere zur Suggerierung eines Mindesteintrittspreises.  Von mir bekamen die meistens eine Handvoll Kleingeld stattdessen, was ich halt so im Portemonnaie hatte an Zwanzigern, Zehnern und Kupfer, manchmal etwas mehr als 50 Cent, manchmal etwas weniger, und wenn eine/r meckerte, bekam sie oder er als Antwort „Ich hätte auch einfach durchgehen können, oder?“.  Einmal hab ich es gewagt, einen Euro hinzulegen und mir 50 Cent Wechselgeld zu nehmen, da war was los!

Dieser ganze Streit hatte mit Sanifair ein Ende.  Der Eintritt kostete 50 Cent, ohne Diskussion, aber es gab eben auch einen 50-Cent-Gutschein („Wertbon“) dafür, also wars am Ende sogar kostenlos, wenn man sich danach einen Kaffee oder ein Eis oder so holte.  Und wenn nicht, konnte man die Dinger aber auch sammeln und irgendwann davon essen gehen.  Trotzdem stürmten keine Busladungen von Reisenden mehr die Klos, ohne dafür auch Geld dazulassen.  Alles prima.  Sani-fair halt.

Daß der Preis am Zugangsautomaten irgendwann auf 70 Cent stieg, ohne daß die Gutscheine deswegen im Wert mitgestiegen wären — ja nun, das war abzusehen gewesen, und 20 Cent fürs Klo fand und finde ich auch immer noch okay.  Dementsprechend habe ich an Autobahn-Sanifair auch immer noch nix auszusetzen.  Paßt schon.

Und so war ich auch recht angetan von der Entdeckung, daß es im Hauptbahnhof von Hannover auch eine Sanifair-Toilette gibt.  Eintritt: Ein Euro — gut, das war etwas stirnrunzelig, aber hey, Bahnhof halt.  Und dann wollten wir von den zwei Sanifair-Wertbons und ein paar Münzen Zuzahlung jeder eine Butterbrezel am Stand nebenan erstehen.

Ging nicht.

Warum?  Steht drauf:

Mindesteinkaufswert 2,50 € pro Gutschein.  Was man übersetzen kann als: Für weniger als drei Euro kommste hier nicht mehr raus, wenn du mal pinkeln mußtest und dann kein Geld verschenken willst.  Und das ist nun wirklich weder sani- noch sonstwie fair, sondern eine Frechheit.  Deswegen hab ich die beiden Gutscheine auch noch.  Irgendwann ergibt es sich bestimmt, mal in einem Bahnhof mehr als eine Butterbrezel erstehen zu wollen.

Aber dreist bleibt solch Geschäftsgebaren dennoch.

3 Kommentare

  1. FraLa

    …. und dann noch die Einschränkung nur einen Bon pro Einkauf und Person einzulösen! Also sammeln bringt da och nüscht…

    1. Dieter Schlabonski

      Och, da trau ich mir schon Kreativität zu. Zum Tresen gehen: „Eine Currywurst bitte.“ Bezahlen. Wurst auf den Tisch stellen. Zum Tresen gehen: „Einmal Pommes Mayo bitte.“ Bezahlen. Pommes zur Wurst stellen. Zum Tresen gehen: „Eine große Cola bitte.“ Bezahlen. Mit der Cola zum Tisch gehen. Essen. Drei Saniunfair-Bons eingelöst. 🙂

  2. wvs

    Wahrhaftig eine blendende Idee, ich habe die Bons bisher immer auf dem Automaten hingelegt damit sie wer anders mitnehmen kann …. das werde ich zukünftig ändern und Ihr ‚Modell‘ übernehmen.

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