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Dreizehn Tonnen aufm Arsch

Bei der Verteilung von Ladung auf der Ladefläche eines Lastwagens sind nicht nur, wie schon in einem früheren Beitrag erläutert, deren Adressaten zu berücksichtigen; eine mindestens genauso große Rolle spielt mitunter ihr Gewicht.

Es begab sich, daß ich im tiefsten Sachsen bei drei Kunden Ware einzusammeln hatte, mit auf dem Transportauftrag vorgegebener und geographisch auch nur so sinnvoller Ladereihenfolge.  Jeder davon würde größenordnungsmäßig etwa ein Drittel der Ladelänge des Aufliegers beanspruchen, hieß es, plus/minus nen Meter oder so, draufpassen werde es jedenfalls locker.  Tat es auch — mit einem kleinen, aber entscheidenden Aber.

Denn während die Ladung von den ersten beiden Kunden jeweils nur ein paar Tonnen wog, hatte der letzte ziemlich schwere Sachen zu versenden.  Das hätte zur Folge gehabt, daß ich auf den letzten fünf Lademetern satte dreizehn Tonnen zu stehen gehabt hätte.  Fünf Meter Platz waren da, kein Thema.  Mehr als dreizehn Tonnen Nutzlast waren auch noch frei, kein Ding.  Aber die Achslasten!

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Hoffentlich.
Hier der Versuch, durch Höhenverstellung der Luftfederung die Überladung des Hecks zu visualisieren.
(Symbolbild: Nicht der Lastzug aus der Geschichte!)

Denn während eine Überladung der Aufliegerfront nur zu einer zu hohen Last auf der Antriebsachse führt, die außer erhöhter Materialbeanspruchung und Mecker von der BAG bei einer amtlichen Verwiegung keine wesentlichen Auswirkungen hat, ist ein überladenes Heck brandgefährlich.  Also jetzt nicht im Wortsinne brandgefährlich, abfackeln tut da nix — aber die entlastete Antriebsachse kann beim Bremsen in Kurven dazu führen, daß der Zug einknickt und der Auflieger mangels Seitenführung sich heidewitzka geradeaus in die Botanik oder Leitplanke verabschiedet, die Zugmaschine wie ein lästiges Anhängsel auf der Kurveninnenseite rückwärts neben sich herschleifend.

Und weil mir einmal, ganz früh in meiner Berufskraftfahrer-Karriere („Welche Karriere?“, fragt das Känguru in meinem Kooopf nicht zu Unrecht), beim Bremsen mit dem Retarder in einem Autobahnkreuz das Zugmaschinenheck kurz nach außen weggeglitscht und somit der Arsch auf Grundeis gegangen ist, will ich das ganz bestimmt nicht nochmal erleben.  Obwohl ich die Fuhre damals noch gefangen habe, bis heute nicht wissend wie.

Und so stand ich dann also bei obigem Kunden und weigerte mich, das schwere Zeug verladen zu bekommen.  Es folgten Telefonate mit der geschätzten Disponation, bei denen ich sie vor die Wahl stellte, entweder unverladener Dinge wegzufahren oder eben die vorherige Teilladung ent-, die schwere be- und danach erstere reverladen zu bekommen, dann nämlich stünde die schwere in der Mitte, und alles wäre gut.  Eine Alternative, der sich der Verlader aus Versicherungsgründen aber verweigerte mit dem berechtigten Einwand, das sei ja wohl nicht sein Ekzem Problem.

Nach einer halben Stunde voller zugegebenermaßen etwas repititititiver Diskussionen wurde mir schließlich ein Handhubwagen zur Verfügung gestellt, mit dem ich die zweite Teilladung abladen durfte, während alle Angestellten des Verladers demonstrativ Zigarettenpause machten oder sonstwie in die andere Richtung sahen, aus versicherungstechnischen Gründen freilich.

Und so ward ein weiteres Mal verhindert, daß ein merkbefreiter Disponent aus seinen Fehlern lernen könne.

4 Kommentare

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  1. Thomas Müller

    Du gibst mit dem Foto im Zusammenhang mit dem Text, meiner Meinung nach, zu viel Interna Preis oder es sei, du hast vor den Auftraggeber zu wechseln 😉

    1. Dieter Schlabonski

      Wieso, steht doch klar dabei, daß das nicht der Lastzug aus der Geschichte ist 😉

  2. Thomas Müller

    Dann denk just in diesem Augenblick bitte nicht an einen rosa Elefanten auf deiner linken Schulter . Klappt gut ne? 😉

    1. Dieter Schlabonski

      Geht so 😉

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