Traditionsthema

Österreich hat eine neue Regierung.  Die Rechtspopulisten von der FPÖ koalieren mit der immerhin ein klein wenig stärkeren rechtskonservativen ÖVP, auf deutsche Verhältnisse übertragen wäre es also ein schwarzbraunes Bündnis aus Union und AfD — und ich bin sicher: wenn die Zahlen hier erstmal so ähnlich aussehen wie dort, wird sich die Union auch hier nicht mehr lange bitten lassen, es den Österreichern nachzutun.  Bißchen komisch ist, daß der vom Seniorpartner ÖVP gestellte Bundeskanzler Kurz nicht kurz, aber klein ist: ganze 31 Jahre zählt das Seniorküken.

Aber ich schweife schon wieder ab, denn was ist die erste Amtshandlung des FPÖ-Verkehrsministers Hofer?  Er stellt, festhalten bitte, eine Abschaffung des allgemeinen Tempolimits zur Diskussion.  Freie Fahrt für die freiheitlichen Pürger Bürger Österreichs!  So macht man sich Freunde an den Stammtischen.

Hat in der FPÖ ja auch quasi eine gewisse Tradition, das Thema.  Auch wenn das mit dem Schnellfahren ihrem einstigen Landesparteisekretär, einem gewissen Herrn Haider, gar nicht bekommen ist.

Och nö, doch keinen guten Vorschlag!

Es gibt vielleicht doch noch einen Weg, wie wir die völlig hirnverbrannte, angeblich aufkommensneutrale Ausländerdiskriminierungsmaut vom bayerischen Stammtisch loswerden könnten: die EU denkt über eine europaweit einheitliche Mautregelung nach.  Und die soll nicht nur von der Fahrleistung abhängen, sondern auch davon, wie oft man so im Stau steht.

Mit anderen Worten: die könnte zwar teuer werden, aber auch sinnvoll.

Logisch, woher da die ersten Proteste kommen: aus Bayern.  Dort fürchten sie nicht nur um die Lufthoheit über den Stammtischen, sondern anscheinend auch um ihren in München ansässigen Fernbus-Monopolisten „Flixbus“, der mit inzwischen 90% Marktanteil ja auch der ursprünglichen Idee von mehr Wettbewerb Hohn spricht und mit der EU-Maut dann zumindest auch mal ein bißchen was für die Strecken bezahlen müßte, die er so plattfährt — daß er das im Gegensatz zu LKW nicht muß, ist sowieso unverständlich.

Genauso wie die Ausnahme für Transporter zwischen 3,5 und 7,5 Tonnen, die die Stammtischmaut vorsieht — damit will man Handwerksbetriebe entlasten, aber man entlastet nebenbei auch die Wahnsinnigen mit den osteuropäischen Planenducatos mit, die bestimmt ein paar Marktanteile einbüßen würden, wenn sie wie der restliche Güterkraftverkehr Maut zu entrichten hätten.  Und na klar, gegen die Nichtberücksichtigung dieser Ausnahme in der EU-Maut wird auch Sturm gelaufen.

Nun gilt es also zu hoffen, daß klientelpolitisches Ausnahmengeschacher nicht bis Brüssel reicht und auch sonst nicht wieder ein guter Vorschlag bis zur Unkenntlichkeit zusammenkompromittiert wird.  Klar, die Zeche zahlt wie immer der kleine Mann, aber so wird es wenigstens ökologisch sinnvoll — wer viel fährt, zahlt viel, und wer viel im Stau steht, zahlt mehr.  Denn dann kann der Markt tatsächlich mal was regeln — Bahn, Bus, Fahrgemeinschaft und Fahrrad werden finanziell attraktiver, das kann nicht verkehrt sein.  Und wenn man das Ganze eh elektronisch erhebt und vermutlich auch abhängig vom Schadstoffausstoß (denn diese Industrieförderung werden wir sicher nie los), dann kann man den armen notleidenden Handwerkern ja auch einzeln Ausnahmen verpassen — oder, sinnvoller, Elektrotransporter, die meinetwegen ja auch noch 10 Jahre mautfrei sein könnten oder wie lange auch immer es dauern wird, bis es soviele davon gibt, daß das finanziell wehtut.

Und die paar hundert Euro, die so ein Elektromauterfassungsdingsi für schwere LKW heute noch kostet, würden bei größeren Serien (etliche Millionen statt ein paar hunderttausend) und serienmäßigem Einbau in Neuwagen sicherlich auch noch was weniger werden.  Wenn der Kram nicht mehr kostet als ein brauchbares Autoradio, und vielleicht auch gleich mit diesem zusammengebaut ist und dann auch die eh bald fällige Digitalradio-Nachrüstung miterledigt, find ich auch die soziale Härte erträglich (und ja, liebe Autoelektronikindustrie, diese Idee gibt es geschenkt, gern geschehen).

TL;DR: EU-Maut für alle Fahrzeuge, fahrleistungs- und streckenbelastungsabhängig?  Gute Idee.  Bin gespannt, woran sie scheitern wird.  Mein Tip: an der CSU, wie immer.

Neusprech

Diese Woche werfen wir in der Blickrolle mal einen selbigen hinüber zu einem weniger persönlichen Blog, nämlich dem von Neusprech.org.  Der Name kommt natürlich aus George Orwells „1984“, wo „Neusprech“ bzw. „Newspeak“ jene modernisierte Sprache bezeichnete, die es unmöglich machen sollte, etwas den Herrschenden Widersprechendes zu sagen.

Ganz so weit ist es in dieser unserer Bunzreplik natürlich noch nicht, aber die Herrschenden verwenden auch hier reichlich Begriffe, die ihren wahren Inhalt hinter einer harmlosen Fassade verschleiern.  Und das Neusprechblog deckt dieselben dann schonungslos auf.  Man muß da nicht immer derselben Meinung sein, aber Denkanstöße liefert’s auf jeden Fall — und zumindest mir geht’s dort öfter mal so, daß ich denke, ja, verdammt, das hätteste auch mal selber merken können.  (Zu meiner Ehrenrettung: oft hatte ich es auch schon zwar gemerkt, aber nicht zuende gedacht.)

Jedenfalls lohnt sich das Abo — man wird auch nicht überhäuft, die Artikeldichte ist sehr gut zu verkraften.  Und um zuwenig Nachschub an frischem Neusprech muß man sich die nächsten Jahre wohl auch keine Sorgen machen …

Ich find’s jedenfalls mit einem Wort doppelplusgut 😉

Variable, Inhalt, pff

Auch wenn mein Donnervogel sich unsicher ist, nein, diese Mail hier war ausnahmsweise kein Scam, aber trotzdem lustig:

Ihr BankAccount-Konto wurde noch nicht belastet

Ich wußte gar nicht, daß ich ein Konto bei einer Bank namens „BankAccount“ habe.  Ist ja auch ein selten dämlicher Name.  So würde ich allenfalls als Programmierer eines Shopsystems die Variable nennen, in der die Bankverbindung des Kunden … achso.  Ja dann.

Nachtrag später am Tage: Nee.  Eigentlich nicht mal dann.  In der Variable „BankAccount“ würde ich die Kontonummer erwarten, aber von meinem „123456789-Konto“ zu lesen würde mich auch wundern.  „BankName“, das wäre z.B. ein besserer Variablenname.  Der Flüchtigkeitsfehler eröffnet also den Blick in ein vermutlich auch sonst eher … kreativ … programmiertes Shopsystem.

Aber immerhin: funktionieren tut es.

Nachhausefahrn zur Weihnacht

Das hier war eigentlich nur einer dieser üblichen jahreszeitbedingten Würmer in meinen Ohren. Nachdem er sich aber länger gehalten hatte als die meisten, dachte ich mir, ach komm, mach ich halt einen dieser albernen Schlabonski-Liedtexte draus. Tja, hier isser nun — besonders albrig oder schablonskesk ist er aber nicht geworden, nur ein wie ich finde einigermaßen brauchbarer deutscher Text für ein immer noch schönes Lied, nämlich „Driving Home for Christmas“ von Chris Rea, dem an dieser Stelle auch gute Besserung gewünscht sei.

Wer es schlabonskinesischer mag, der möge „Weihnacht“ im Folgenden, wie die Tradition es gebietet, durch „Kreischmeß‘“ ersetzen.

Nachhausefahrn zur Weihnacht
Ich kann es kaum erwarten
Nachhausefahrn zur Weihnacht
Doch es dauert seine Zeit

Es ist so lang her
Doch ich werde dasein
Ich sing für mich
Ich hab ja noch gut Zeit
Und fahre vor mich hin
Ich fahr nachhaus zur Weihnacht

Es dauert seine Zeit
Aber ich komm hin

Ein Stau nach dem andern
Rote Ampeln überall
Aber bald kommt da die Autobahn
Dann gehts voran mit einem Mal

Und ich sing für dich
Doch du kannst’s nicht hören
Bald bin ich da
Und ich werd dir schwören
Diesmal bleib ich da
Nachhausefahrn zur Weihnacht

Nachhausefahrn zur Weihnacht
Ich erinner mich an dich
Ich kuck rüber zum Fahrer neben mir
Er ist wie ich
Genau wie ich

Ein Stau nach dem andern
Rote Ampeln überall
Und ich fahr nachhaus zur Weihnacht
Dann gehts voran mit einem Mal

Und ich sing für dich
Doch du kannst’s nicht hören
Bald bin ich da
Und ich werd dir schwören
Diesmal bleib ich da
Nachhausefahrn zur Weihnacht

Nachhausefahrn zur Weihnacht
Ich erinner mich an dich
Ich kuck rüber zum Fahrer neben mir
Er ist wie ich
Genau wie ich
Er fährt nachhaus, fährt nachhaus
Er fährt nachhaus zur Weihnacht
Genau wie ich

„Fuck this facebook shit“

Facebook sperrt mal eben eine FPÖ-kritische Satireseite. Ja und, denken wir, das ist ja nun nicht das erste Mal, daß Facebook jemanden sperrt.  Oder daß jemandem auf mysteröse Weise die Facebook-Freunde abhanden kommen.  Stimmt, ist es nicht — und wie immer ist Facebook sehr sehr leise, wenn man es nach den Gründen fragt.  Vielleicht (aber ich bezweifle das) wissen sie es selber nicht, weil es kein Mensch war oder gar ein Gremium, das da die Entscheidung gefällt hat, sondern ein freidrehender Computer, der lernen soll, was zu sperren sei, und jetzt gerade in einer überenthusiastischen Phase seiner Lernkurve ist.  Vielleicht ist es aber auch tatsächlich so, wie es aussieht: daß, wer nur reich oder mächtig genug ist, bei Facebook sich seiner Kritiker entledigen kann.

Ist aber auch egal.

Die Lehre, die wir daraus ziehen sollten, hat Amanda Palmer auf Twitter in ihrer so typischen höflichen und zurückhaltenden Art schon vor knapp zwei Wochen gezogen:

i just posted to my old forum, (YES ITS STILL THERE), for the first time in like 5 years. fuck this facebook shit. who’s with me. go over and show yourself. BRING BACK THE INTERNET. etc.

auf Twitter am 1. Dezember 2017

Entstaubt Eure Blogs!  Wenn Ihr keins habt, klickt Euch ne Domain mit PHP und MySQL und setzt ein WordPress auf!  Oder macht ein kostenloses Blog bei einem nicht weltbeherrschenden Anbieter auf, was weiß ich.  Jedenfalls: Nehmt Euer Internet-Dasein in die eigenen Hände, statt Euch von einem intransparenten, politisch zumindest dubiosen Weltkonzern abhängig zu machen, der Eure Inhalte so von jetzt auf gleich verschwinden lassen kann.

Klar ist das mehr Arbeit für vermutlich weniger Reichweite.  Und Ihr könnt ja trotzdem auch auf Facebook präsent sein, solange es Euch läßt.  Aber wie hier schon vor Jahren verkündet: Wenn Du für etwas nichts bezahlst, dann bist Du nicht der Kunde, sondern das Produkt.  Und mittlerweile lernen wir: Produkte werden auch schon mal ausgelistet.

Also tut was dagegen.

 

Update vom 15.12.2017: Und das alles gilt natürlich nicht nur für Facebook: Storify macht dicht und löscht alles.

Wer also seine Inhalte nicht nach einer Weile verlieren will, sollte sich überlegen, ob er nicht seine Inhalte selbst hosten will. Statt einem Storify hätte man auch ein normales Blog mit eingebundenen Tweets nutzen können. Dann ist man nicht von einem Dienstleister abhängig, der je nach wirtschaftlicher Lage den Dienst einfach einstellt. Wer seinen Krams selbst hostet und darauf aufpasst, wird keine bösen Überraschungen erleben. Gebt nicht die Kontrolle über eure Inhalte ab, denn kein Anbieter hat sich dieses Vertrauen verdient!

Michael Schmalenstroer auf, logisch, schmalenstroer.net und nicht Facebook (gefunden via BildBlog)

Fusselblog

Das ging schneller als gedacht, daß ich schon in der dritten Woche, in der es sie gibt, beinahe die Blickrolle vergessen hätte.  Aber noch ist ja Sonntag 🙂

Auch heute geht’s im vorgestellten Blog um Autos, aber diesmal nicht ums Fahren, sondern ums Schrauben.  Genauer: ums kreative Schrauben — der Autor nennt es „Fusseltuning“ nach den Rückständen, die die Wandfarben-Rolle im damit aufgetragenen Lack zu hinterlassen pflegte.  Seit damals hat sich weniger geändert, als man meint; auch wenn mittlerweile doch öfter mal spritzlackiert oder zumindest gelackspraydost wird, sind die Kreationen doch immer noch höchst individuell, augenscheinlich auch nicht ganz ernstgemeint und von einer angenehmen Selbstironie.  Und nein, natürlich gefällt mir nicht alles, was er da so baut.  Wenn ich ehrlich bin, sogar so einiges nicht.  Aber egal, er verpfuscht ja keine ultraseltenen Zustand-Einser-Wagen, im Gegenteil: meistens ist die Basis gut abgeliebt, manches Mal auch eher Schrott.  Insgesamt überwiegt aber bei mir das Grinsen bei weitem das Kopfschütteln.

Und das gilt auch für die Schreibe.  Wirklich angenehmer Lese- und Kuckstoff, denn der gute KLE da abliefert im, ja, jetzt kommt er endlich, der Link: im Fusselblog.

 

Heißluftkühlung

Luftgekühlte Motoren im allgemeinen und der des VW-Käfers im besonderen haben ja den Nachteil, daß dort, wo man gern möglichst kühle Luft hätte (am Zylinderkopf z.B.), eher unangenehm hohe Temperaturen herrschen, während dort, wo man Warmluft ersehnt (an der Nasenspitze etwa), eher laue Lüftlein wehen. Das möchte man dem Buckelauto indes nicht wirklich vorwerfen, man bedenke schließlich stets sein Konstruktionsalter: vor dem Krieg hatten nicht mal Mercedesse serienmäßig Heizung.

Weil das kühlende Lüftchen am Zylinderkopf nicht ausreichte, bekam der Motor, damals höchst innovativ, zusätzlich einen Ölkühler (im Bild orange markiert). Dessen Anordnung im Kühlluft-Gebläsekasten, also mitten im Kaltluftstrom, mag 1938 für den piffeligen 25-PS-1100er auch völlig angemessen gewesen sein. Zu einem Problem wurde sie erst dann, als in späteren Jahrzehnten die Leistung stieg, ohne daß das Kühlgebläse entsprechend mitgewachsen wäre. Irgendwann häuften sich dann die Ausfälle, meist durch Überhitzungsschäden am dritten (also vorderen linken) Zylinder. Warum? Weil der mit der schön kuschelig warmen Abluft des Ölkühlers (im Bild pink) „gekühlt“ wurde.  (Die Bedeutung der Farben Rot und Blau im Bild seien dem Leser als Übungsaufgabe überlassen.)

Skizze der Kühlluftströme beim VW-Käfer

Bild gemeinfrei (aus der Wikipedia), vom Autor bearbeitet und trotzdem immer noch gemeinfrei (aber nicht mehr aus der Wikipedia) 😉

Es ist nun nicht so, daß VW das nicht bemerkt hätte. Nein, sie haben sich durchaus um Abhilfe bemüht, nur leider durch Rumbasteln an den Symptomen. Von erweitertem Ventilspiel bis zum zurückgenommenen Zündzeitpunkt für den notorischen dritten Zylinder reicht die Palette; richtig geholfen hat davon aber nichts.

Erst zum ‘71er Modelljahr sind sie dann auf die eigentlich naheliegende Lösung gekommen, die warme Abluft des Ölkühlers einfach nach vorn (in Fahrtrichtung) unten aus dem Gebläsekasten herauszuführen. Bravo, VW, ich bin wirklich beeindruckt. Astreine Lösung, kaum ein Vierteljahrhundert zu spät, und zu allem Überfluß auch nur bei den „großen“ Motoren ab 1300 Kubik aufwärts realisiert – 1200er durften weiter in des Ölkühlers Abluft schmoren. Und zur Belohnung sind auch heute noch „dritter Zylinder“ und „Motorschaden“ in Käferfahrerkreisen beinahe synonym … lustigerweise aber übrigens auch bei den „großen“ Motoren, obwohl die eigentlich keinen Grund haben, signifikant öfter am dritten Zylinder kaputtzugehen als an den anderen dreien. Die Ursachen dafür sind nicht hinreichend erforscht, vielleicht handelt es sich hier um einen seltenen Fall mechanischer Empathie mit der lahmeren Verwandschaft? Das Fazit lautet eindeutig: Wir brauchen mehr Wissenschaft!

Dieser Artikel entstand ursprünglich für Tobias Meyers kurzlebiges Blog „Gut gemacht? Gut gemeint.“ und wird nach dessen bedauernswerter Einstellung hier in etwas erweiterter Fassung und mit verdeutlichter Grafik wiederveröffentlicht.

Paketinfarkt

Allmählich merken sie es, die Paketzusteller, daß es kein grenzenloses Wachstum gibt.  Nein, an den Kunden liegt es nicht, die schicken weiter Pakete bis zur Vergasung, letztes Jahr gut π Milliarden, dieses Jahr kommt wohl noch ne Milliarde obendrauf — vier Milliarden durch achtzig Millionen macht ein Paket pro Kopf und Woche, so brutal viel finde ich das jetzt gar nicht, auch wenn ich da normalerweise lang nicht drankomme.

Aber für die vorhandene Infrastruktur ist es zuviel, wie man hier bei Heise lesen kann.  Und die Konsequenz ist auch klar: es wird teurer.  Soweit, so normal.

Aber:

Erstens soll es nur teurer werden, wenn man sich das Paket nach Hause liefern läßt.  Wobei das ja sowieso schon eine ziemlich optimistische Werbeaussage ist, denn genug Leute, um jedes Paket zur Tür zu bringen, haben sie ja schon heute nicht mehr und verteilen deswegen die sogenannten Lügenzettel, auf denen ja statt „Leider haben wir Sie nicht angetroffen“ wahrheitsgemäßer „Hoffentlich merken Sie nicht, daß wir nicht geklingelt haben“ zu stehen hätte.  Aber in Zukunft will man jedenfalls nicht mehr die Paketzusteller zu Fuß an die Haus- oder Wohnungstüre des Kunden tapern lassen, sondern (in hochglänzenden Presseerklärungen) stattdessen Robotern oder Drohnen diesen Job geben oder (in der dreckigen Realität) den Kunden das erledigen lassen.  Es sei denn, er löhnt.

Meinetwegen.  Paketzusteller ist eh ein Scheißjob, den ich auch nur mal vor Jahren einen Samstag lang vertretungsweise für einen Kumpel gemacht habe und mir danach geschworen, daß mir das nicht nochmal passiert.  Und dann auch noch zu Hungerlöhnen knapp über Hartz?  Das will man den Leuten nicht antun, das seh ich ein.  Löhne und damit auch Porto hoch?  Dadurch, weil die Leute weniger versenden, Volumen runter?  Von mir aus gern!

Aber welches Wirtschaftsunternehmen kann es sich schon leisten, mit Ansage schrumpfen zu wollen?  Dazu hätte man dann schon noch eine Deutsche Bundespost haben müssen, um sowas zu beschließen.  Können wir also vergessen, das.

Ein anderer Ansatz zur Verkehrs- und Kostenminimierung wäre die sogenannte gebündelte oder, weil das wahrscheinlich zu sehr nach in einen Wertsack versackten Versackbeuteln klingt, „konsolidierte“ Zustellung: Es gibt ein gemeinsames Lager pro Stadt(teil), wohin alle Paketdienste ihre Sendungen schicken und von wo sie dann gemeinsam ausgefahren werden.  Schwupp, hat man nur noch ein Paketauto pro Tag und Straße.  (Zusteller braucht man nicht entsprechend weniger, denn das Gesamtvolumen sinkt ja nicht.)

Aber nein, jault zweitens der Bundesverband Paket- und Expresslogistik auf, das löse ja keine „Probleme auf der letzten Meile“ und führe zu „hohen Qualitätseinbußen für die Paketempfänger“.  Auf Deutsch: man hat Angst, von der Deutschen Post DHL Kunden abgejagt zu kriegen, wenn man nicht mehr seine eigenen Drückerkolonnen an die Haustüren schickt.  Ja.  Äh.  Moment mal, ich denke, Ihr wollt eh nicht mehr zu den Kunden nach Hause kommen?  Oh, ach ja, ich vergaß.  Gegen Extrakohle ja dann doch.

Und so werden sich dann wohl auch weiter die Sprinter von DHL, Hermes, DPD, UPS und wie sie alle heißen in zweiter Reihe in den Straßen stapeln und Staus verursachen.  Vielleicht werden sie in ein paar Jahren dann auch jeder einen Schwarm autonome Lieferroboter auskotzen und die Fußwege auch noch verstopfen, zumindest bis jeder davon an einer glitschigen Treppe oder einem kaum leserlichen Klingelschild verzweifelt ist und vom technischen Service wieder eingesammelt werden muß, deren Sprinter dann wohl in dritter Reihe parken müssen, weil die zweite ja schon voller Liefersprinter ist.

Und wenn die erste Amazon-Flugpaketdrohne abgeschmiert ist und im Fallen einen Fußgänger getroffen hat, der dann vor einen DPD-Sprinter gestolpert ist, der gerade mit 68 km/h durch die 30-Zone zu seiner nächsten Roboter-Abkotzstelle unterwegs war — dann ändert sich vielleicht mal was.

Vielleicht aber auch nicht.

Nette Schmierereien

Zu Graffiti habe ich ja ein eher ambivalentes Verhältnis.  Das meiste, vor allem das völlig sinnlose „Taggen“, finde ich mindestens komplett bescheuert — ernsthaft: wie hirntot muß man bitte sein, um sich nachts auf eine Autobahnbrücke zu schleichen und jeder der hunderten von Glasscheiben der Schallschutzapparatur am Brückenrand einen identischen, zudem kaum lesbaren Schriftzug zu verpassen?  Kinder, wißt ihr sonst nix mit euch anzufangen?

Manchmal aber muß dann auch ich grinsen.  Und dafür braucht man auch gar nicht so viel Aufwand zu treiben wie 2010 der Typ, der an einer S-Bahn eine Tür „versetzt“ hat, oder neulich der Schöpfer des „Tunneltampon“-ICE, wenngleich zumindest erstere Idee und Umsetzung wirklich grandios ist.  Das erste Mal, wo mir ein Graffiti als lustig in Erinnerung geblieben ist, war in den Achtzigern in Celle.  Da gab es an der „Pfennigbrücke“ über die Aller eine über und über besprayte Hauswand, die dann irgendwann mal frisch geweißelt wurde.  Und am nächsten Tag stand, in großen schwarzen Spray-Lettern, was dran?

Wir feiern die saubere Wand!

Und ja, na klar ist das gegenüber dem Wand-Eigner ziemlich arschlochig.  Aber ich bin sicher: die Menge derer, die ihren Weg über die Pfennigbrücke mit einem Grinsen fortsetzten, war weitaus größer.  Und gegen Graffiti half es auch, denn soviel Intelligenz hatte die Celler Sprayer-Szene damals, diese Wand dann von weiteren Schmierereien zu verschonen.

Wirklich nett fand ich dann aber den hier:

Ampel mit rotem Herz und gelbem Smiley auf den Lampen

Ich weiß leider nicht mehr, wo ich das aufgenommen habe — mit dem Händi, kurz vor dem Losfahren, denn es war die Ampel für meine Spur, daher die miese Bildqualität.  Aber das ist doch nett, oder?  Und wenn die Straßenmeisterei das nächste Mal was an der Ampel macht, ist es mit einem Wisch mit dem Lösemittellappen auch wieder weg.

So mag auch ich Graffiti.  Und Ihr?  Weitere Beispiele willkommen — gern auch mit Bild, das bau ich dann ggf. auch in die Kommentare ein.

Sauber

„Fräulein Lohmeyer?  Fräulein Lohmeyer!  Kommen Sie mal bitte.  Hier, sehen Sie sich das mal an, dieser Dreck hier!  Das geht doch so nicht!  Was sollen denn die Kunden denken?  Machen Sie da mal was, ja?  Bis morgen erwarte ich da eine Lösung, verstanden?“

Mann!  Was denkt sich der alte Sack eigentlich?  ‚Machen Sie da mal was‘ am Arsch, ich bin hier doch nicht die Putzfrau, so eine Unverschämtheit!  Ist doch nur das Fenster für die LKW-Fahrer, diesem Abschaum ist das doch eh wurscht, muß man sich doch nur mal ansehen diese Typen.  Aber wenn der Alte hier wieder vorbeikommt und es ist nix passiert, dann ist hier Achterbahn — irgendwas muß ich also machen.  Wenn ich das wegwische, sieht’s nächsten Monat wieder genauso aus.  Die Putzen können eh nur Rumänisch oder sowas, denen brauch ich das auch nicht zu sagen.  Ach ich weiß: ich werde einfach ein Schild hinhängen, dann bin ich nicht mehr schuld.  Damit nix sein kann, wenn was ist.

Die Arbeitsstelle muss sauber verlassen werden!!!

So, erledigt.  Das klappt bestimmt, da hab ich ein gutes Gefühl bei!

Gestern nacht im Taxi

Wie schon letzten Sonntag, verdammt, ich werde langsam gesetzt und geregelt, furchtbar, hoffentlich bleibt das jetzt nicht so — wo war ich?  Ach ja, wie schon letzten Sonntag gibt es auch heute einen Blick zu einem Eintrag meiner Blogrolle, kurz: eine sogenannte Blickrolle.  Diesmal ist Sash dran, seines Zeichens Berliner Taxifahrer, der nicht so regelmäßig, wie ich mir das wünschen würde, aber immer noch viel regelmäßiger als ich Erlebnisse aus seinem beruflichen Alltag verbloggt.  Oder vielmehr seiner Allnacht, denn er ist Nachtfahrer, und so heißt das Ding dann auch Gestern nacht im Taxi oder kurz GNIT.  Thematisch hat es naturgemäß meistens mit Fahrgästen und deren Eigenheiten zu tun, manchmal aber auch mit anderen Verkehrsteilnehmern und sonstigen Umtrieben.

Bewundernswert finde ich daran, wie locker er das alles nimmt.  Ich könnte das nicht.  Vielleicht bin ich deswegen ja auch Lastwagenfahrer geworden — meine Ladung meckert nicht rum und kotzt mir nicht die Karre voll.  Und dann kann der auch noch schreiben!  Als ich seinen Blog entdeckt habe, mußte ich den erstmal komplett lesen.  Das passiert zwar gelegentlich, aber doch eher selten.

Also sag ich schon mal: viel Spaß dabei!

Hey, es ist dein Kopf

Der erste Pontiac Trans Sport (der hier) hat auf der Innenseite der vorderen Türen, nahe der hinteren oberen Ecke, Aufkleber, die davor warnen, sich beim Öffnen der Tür an eben jener Ecke den Schädel anzudotzen. (Zumindest der aus dem hier auch schon veröffentlichten Fahrbericht hatte welche.)

Gut gemeint, klar.

Das ist ein schönes Beispiel für das, was unsere amerikanischen Freunde mit ihrem Talent für Kürzel ein „CYA“ nennen: Cover Your Ass. Denn es gibt genau zwei Situationen, wo man diesen Aufkleber zu lesen bekommt: a) nach dem unfallfreien Öffnen der Tür, „hmm, okay, ja, sieht ein wenig spitz aus die Ecke“; b) mit Platzwunde auf der Stirn und pochendem Schädel, „na klasse, und das sagst du mir jetzt?!“.

Jaah, wird der Leser jetzt vielleicht sagen, aber fürs nächste Mal merkt sich der Fahrer das dann aber dank dieses Aufklebers. Nein, macht er nicht. Und auch nicht wegen der Platzwunde.

Denn Warnungen, die man erst nach der gefährlichen Situation sieht, sind genauso wirkungsvoll wie gar keine. Alles, was sie bringen könnten, ist ein gewisses Wohlwollen der Jury bei der Schmerzensgeldverhandlung (war ja gut gemeint) und ein gewisses Gefühl des Verhöhntwordenseins beim Verletzten.

Ich kenn das aus eigener Erfahrung mit einem anderen Fahrzeugtyp, dem VW-Bus T4. In den kann ich nicht mal eben schnell einsteigen, ohne mir das Hirn einzurennen (aber an der Dachkante, nicht an der Tür). Und wann passiert das? Nicht beim ersten Einsteigen, und auch nicht beim zweiten. Sondern genau dann, wenn es ein paarmal geklappt hat an diesem Tag, man nicht mehr dran denkt und mal eben schnell ins Auto steigen will, um *pow*, auaa!

Und genauso wird’s denen, denen es beim Trans Sport so geht, beim Trans Sport auch gehen. Mein Problem mit dem T4 ist anscheinend ein Einzelschicksal; das mit dem Trans Sport anscheinend nicht, sonst gäbe es den Warnaufkleber ja nicht.

Dieser Artikel entstand ursprünglich für Tobias Meyers kurzlebiges Blog „Gut gemacht? Gut gemeint.“ und wird nach dessen bedauernswerter Einstellung hier wiederveröffentlicht.

Bald ist 1984

Man erinnert sich ja kaum noch an „1984“, also weder an das Jahr noch an den Roman von George Orwell, den die meisten wenn, dann wohl auch damals gelesen haben dürften.  Vieles davon dürfte wohl auch utopisch (oder sagt man da auch „dystopisch“?) bleiben, zum Beispiel die rückwirkende Geschichtsfälschung, mit welchem Nachbarn man schon immer im Krieg war, oder die von oben verordnete Sprachreform „Neusprech“ (nur für eine Rechtschreibdeform hat es ja leider gereicht); aber wenn es nach Thomas de Maizière geht, wird zumindest das Beobachtetwerden normal werden.  Der „plant“ nämlich eine Vorschrift, daß alle „Internet-of-Things“-Geräte verpflichtend eine Spionage Überwachungs-Schnittstellen haben müssen sollen.

Mancher stellt sich ja schon jetzt einen Amazon Echodot ins Wohnzimmer, damit er Alexa bitten kann, nach Siri zu googeln; da hat man dann wenigstens noch die Hoffnung, daß wirklich nur die KI (steht übrigens für Kümmerliche Intelligenz) mithört, denn wie soll denn Amazon so viele Lauscher bezahlen?  Die sind ja sogar zu geizig, ihre Paketepacker vernünftig zu entlohnen.

Aber wenn des Innenministers Ideen umgesetzt werden sollten, wird man irgendwann kaum noch drumrumkommen, zumindest potentielle Mithörer und -leser in so ziemlich jede Wohnung zu lassen.  Denn irgendwann gibt es keine Geräte mehr ohne Internet, und von da ist es nur ein kleiner Schritt zu Geräten, die ohne Internet den Dienst verweigern.  Der Unterschied zu Orwell ist dann nur noch, daß wir den Kram selber bezahlen dürfen.

Oh, ach ja, und daß die Dinger uns nur auf gerichtlichen Beschluß bespitzeln dürfen.  Das entscheidende Wort im letzten Satz ist dann wohl „dürfen“ — daß die Geheimdienste nur machen, was sie dürfen, wäre ja auch ganz was Neues.

Tja.  Und nun?  Nun hoffen wir erstmal, daß der geschäftsführende, also hoffentlich nur noch auf Abruf im Amt befindliche Innenminister von einem etwas weniger leerdrehenden Überwachungsjunkie abgelöst wird, damit wir noch ein paar Jahre Aufschub bekommen bis 1984.  Und dann gewöhne zumindest ich mich wohl mal an den Gedanken, nur noch Geräte mit Baujahr vor 2018 oder so zu kaufen.  Für die paar Jahrzehnte, die mir noch bleiben, sollte das reichen.

Hoffentlich.

 

»Alexa, wie geht es Thomas de Maizière?« – »Danke der Nachfrage! Mir geht‘s gut!«

Machen alle so

Der vorletzte der typischen Disponentensätze, die der Kollege Blick Ableiter drüben auf seinem Blog zusammengetragen hat, nämlich der Klassiker „Deine Kollegen machen das auch immer so. Da beschwert sich auch keiner. Nur du.“, weckt die Erinnerung an eine schon etwas ältere Episode meines Berufskraftfahrer-Daseins, wo ich diesen Satz so ähnlich auch zu hören bekam, aber vom Kunden.  Sie möge nebenbei auch ein bißchen zur Ehrenrettung des Disponententums beitragen, denn ganz ehrlich: deren Job würd ich auch nicht machen wollen.

Jener Kunde war ein Bauunternehmen, das mit der Herstellung eines Eisenbahntunnels an der Neubaustrecke Nürnberg-Berlin befaßt war — wo genau, weiß ich nicht mehr.  Nun sind Eisenbahntunnel-Baustellen meist noch etwas weiter ab vom Schuß als andere Baustellen, und so wunderte es mich nicht, daß nach 10 Minuten Gegurke über geschotterte Waldwege zur Containersiedlung der Bauleitung noch eine weitere knappe halbe Stunde desselben anstand, inklusive einer zerschrammten Stoßstangenecke wegen unglücklich an der Kurvenaußenseite gelagerter und schön vermittels üppigen Bewuchses getarnter Moniereisen, bis zu einem Loch im Wald, das sich als Einfahrt eines Rettungstunnels entpuppte.  Da kann man dann wohl später mit dem Sprinter-RTW direkt bis an den havarierten ICE im Tunnel heranfahren. Praktische Sache.

„Ja,“ sagt der Baustellenleiter, „du fährst jetzt rückwärts da rein, ca. 200 Meter, dann kommt rechts die Durchfahrt zum Haupttunnel, da dann links, und dann nach 400 Metern siehste es schon.“

Ähm.

Oh.

Ahem.  Nö, sag ich, mach ich nicht.

„Wie, machst du nicht?  Das machen alle so.  Wir kriegen hier jeden Tag ein bis zwei Züge (er meinte: Lastzüge) voll Rohre, die fahren alle da rein.“

Naja, sag ich, zumindest will ich mir das vorher mal ansehen gehen.  Gehen?  Das sei viel zu gefährlich, aber bitte, man könne ja eine „Begehungsfahrt“ machen.  Also rein in das Atego-Kipperchen und rein in den Tunnel.

Der ist ziemlich finster, in der Mitte sicherlich gut 5 Meter hoch, aber im Querschnitt eben halbrund, wie Tunnel halt so sind, bevor die Decke verkleidet wird.  Und die Durchfahrt zum Haupttunnel ist halt ein Loch in der Wand, vielleicht so vier mal vier Meter groß.  Dahinter wird’s geräumiger, zugegeben.

Wieder an der Erdoberfläche bleibe ich bei meiner Verweigerung, da rückwärts reinzufahren.  Also in den Rettungstunnel vielleicht, mit Einweiser, aber die rechtwinklige Verschwenkung in den Durchbruch zum Haupttunnel, das wäre schon in einer gutbeleuchteten Werkhalle mit Betonboden eine mittlere Herausforderung, aber auf Matsch (so ein Tunnel ist erstaunlich feucht), im Dunkeln, bei krummen Wänden?  No way.  Aber im Rettungstunnel sei doch gar kein Platz zum Abladen, sagt er.  Tja, sag ich, das sei dann halt so.

Es folgt eine ansehnliche Detonation.  Nein, nicht im Tunnel, im Baustellenleiter.  Und er wolle jetzt sofort die Nummer meines Disponenten, er werde sich nämlich beschweren, jawohl!  Ich greife zum Händi, drücke Wahlwiederholung, spreche drei kurze Sätze hinein und reiche es an ihn weiter.  Er schreit ein paar mehr etwas längere Sätze hinein, reicht es zurück und stampft energisch von hinnen.

„Na dann erzähl mal“, sagt mein Disponent.  Ich beschreibe die Situation, biete ihm an Fotos zu machen, „nönö,“ wehrt er ab, „du bist hier der vor Ort mit dem LKW-Führerschein und der Verantwortung, nicht ich.  Wenn du meinst, das geht nich, dann geht das auch nich.“  Alles klar, sag ich, und wie geht’s jetzt weiter?  „Jetzt rufe ich da an und schrei mal zurück.  Bis gleich.“

Gleich nach dem Rückruf kommt dann auch schon der Radlader mit Stapelgabel und einem tiefenentspannt-kumpeligen Fahrer, der mich ein paar hundert Meter weiter in den Wald auf eine Lichtung leitet, auf der, oh Wunder, einige Lastzugladungen genau der Rohre liegen, die ich auch dabeihabe.  Nach dem Abladen in gelassener, kollegialer Atmosphäre stehen wir dann noch zusammen, er auf ein Zigarettchen, ich auf ein Pepsi-Lightlein, und ich frage ihn, wie das denn nun wär mit den Lastzügen, die da „alle“ reinfahren würden.

„Jaaa,“ sagt er gemütlich, „ein paar haben das schon gemacht.  Ab und zu schafft es auch mal einer, ohne wo gegenzufahren oder sich einzugraben.“  Und, frag ich, wieso sagt ihr denen das trotzdem immer noch, daß sie da reinfahren sollen?  „Weil der Chef meint, daß es immer noch schneller geht, die da rauszuziehen und einen Unfallbericht zu schreiben, als die Rohre mitm Kipper da reinzuschaffen.“  Oh, sag ich, dann hab ich dir mehr Arbeit gemacht jetzt?  Das wollte ich nicht.  „Achwas,“ meint er, „mit so ner Fuhre würd ich da auch nicht reinwollen, ich bin doch nicht bekloppt.“

Da waren wir also schon mal zu zweit.  Zu dritt, wenn man meinen Disponenten mitzählt.  Reicht.

Mehr lesen